Yu Yu Hakusho Saisei Teil 6:

Jenseits des versiegelten Fensters

Eine Fanfiction Neufassung des Animes von Yoshihiro Togashi von Mayuri Hoshigawa

Übersetzung der Geschichte "Beyond The Warded Window"


Disclaimer zum Copyright: YU YU HAKUSHO SAISEI wurde von Mayuri Hoshigawa geschrieben und basiert auf der Original Mangaserie YU YU HAKUSHO von Yoshihiro Togashi.

Die Rechte liegen beim jeweiligen Eigentümer. Mayuri verdient mit dem Projekt kein Geld und ich mache hier "nur" die Übersetzung :-)

Weitere Geschichten zum Yu Yu Hakusho Saisei – Projekt findet ihr auf der Internetseite www . yyh - saisei . com (ohne Leerzeichen) oder hier unter dem Autorennamen Mayushii.

Der Disclaimer gilt für alle Kapitel der Geschichte.

WARNUNGEN: Gewalt, Kindesmissbrauch, Folter, Wortwahl, zweideutige Themen, Homosexualität

PAARE: Yusuke+Keiko+Botan, Kuwabara+Yukina, Kurama/Hiei


Prolog

Der Sturm hatte gegen Sonnenuntergang eingesetzt.

Er fing an wie Stürme das immer taten, mit einer Veränderung von sanft wehendem Wind zu heftigen, betäubend kalten Böen. Sein schrilles Pfeifen in den Bäumen hätte die meisten Leute sich die Ohren zuhalten lassen, aber Hiei schloss die Augen und hob den Kopf, als würde er einer wunderschöne Melodie lauschen. Der Wind zauste sein Haar, küsste seine Wangen, zupfte an seinem Umhang und Schal wie ein Kind, das die Aufmerksamkeit eines seiner älteren Geschwister wecken will. Tief einatmend ließ er seine Abwehr nur ein wenig sinken und hieß die Umarmung des Winters willkommen.

Wie lange ist es her?

Ein leises Rauschen begleitete die erste Welle aus Schnee, die sich über den Park ergoss und Gras und Bäume und Hiei mit Eiskristallen wie feinen Sand überschüttete. Er lächelte fast ob des leisen Prasselns. Dann drang ein anderes Geräusch zu ihm vor, ein Rascheln von trockenem, brüchigen Gras und unter Füßen brechenden Zweigen.

Verdammt. Hiei versuchte es abzublocken und sich wieder im Schneefall zu verlieren, aber die Schritte kamen schnell näher und er wusste, dass er nicht in der Lage wäre, wen auch immer ihn aufgesucht hatte zu ignorieren. Er runzelte die Stirn und schob die Hände in die Taschen. Soziale Interaktion, was für eine nervige Angelegenheit.

"Ah! Hiei, da bist du!" erklang eine bekannte Stimme. Kurama kam auf den kleinen Youkai zu und hielt nur ein paar Meter hinter ihm an. "Was tust du?"

"Nichts, was dich angeht," sagte Hiei steif.

Kuramas melodramatisches Seufzen verwandelte sich in ein Wölkchen weißen Nebels.

"Nun, ich vermute das stimmt," gab er zu. "Aber es ist höflich zu fragen – du weißt schon, Interesse an anderen zu zeigen."

"Und wenn die anderen kein Interesse an dir haben?" fragte Hiei harsch.

"Oh…" Kurama täuschte Überraschung und Kränkung vor. "Sagst du, dass du dich nicht für mich interessierst?"

Hiei schnaubte verächtlich. Er war nicht in der Stimmung für Gesellschaft, am wenigsten für die Kuramas. Der Fuchs redete dauernd, schien aber nie etwas wichtiges zu sagen, und nun war er in einer seiner verspielten Launen, also ergab was er sagte noch weniger Sinn als sonst. Nur daran zu denken brachte Hiei dazu, auf etwas einschlagen zu wollen. Er fing an wegzugehen, aber Kurama rief ihm noch einmal nach, bevor er entkommen konnte.

"Warte eine Minute. Du planst doch nicht etwa, die Nacht hier im Park zu verbringen, oder? Es ist zu kalt, um draußen zu schlafen."

Hiei warf einen scharfen Blick über seine Schulter. Die Kälte kümmerte ihn nicht. Kurama hingegen war in einen schweren blau-grauen Überzieher und einen Rollkragenpullover gekleidet. Offenbar war es zu kalt, zumindest für Kuramas übermäßig empfindlichen, menschlichen Körper.

"Aber ich bin ein Feueryoukai," bemerkte Hiei. "Ich kann mich selber warm halten."

"Aber das verbraucht Energie," erwiderte Kurama. "Warum solltest du Kraft verschwenden, wenn du genauso gut einen warmen Platz zum Bleiben finden könntest?" Hiei zog eine Augenbraue hoch und Kurama lächelte überzeugend. "Du bist mehr als willkommen, diese Nacht in meinem Haus zu verbringen."

Dieses verdammte Lächeln... Kurama konnte wahrscheinlich jeden überzeugen, alles zu tun, nur wenn er einen so ansah. Hiei war geneigt das Angebot abzulehnen, nur um zu beweisen, dass er sich nicht umstimmen ließ. Andererseits konnte Hiei in einer Nacht wie dieser eine sichere Unterkunft nicht ablehnen. Er gab sich damit zufrieden, sich zu Kurama umzudrehen und den Kopf nach unten und zur Seite zu drehen, ähnlich einem Hund, der sich nicht sicher war, ob es die Mühe Wert war, jemandes Haustier zu werden, nur um aus dem Zwinger zu kommen.

"Hmph…" Hiei versuchte, nicht bei dem Gedanken gezähmt zu werden wütend zu starren. Vielleicht mochte es Kurama drinnen gefangen zu sein, aber Hiei hasste es. "Warum sollte ich mit dir mitkommen?"

"Außer deine Energie nicht zu verschwenden würdest du mir einen Gefallen tun. Allein der Gedanke, dass du hier draußen bleibst lässt mich frieren." Kurama zitterte, aber Hiei konnte nicht erkennen, ob ihm tatsächlich kalt war, oder ob er einfach nur zeigen wollte, dass er recht hatte. "Komm, es geht schon in Ordnung. Ich habe ein extra Futon und ich kann dir eine heiße Mahlzeit besorgen, wenn du sie haben willst. Ich werde dir den Service noch nicht einmal in Rechnung stellen."

Hiei kniff misstrauisch ein Auge zu. Er vertraute Kuramas Absichten nicht vollständig, aber er wäre ein Narr, wenn er sich heute Nacht Essen und eine sichere Unterkunft entgehen lassen würde. Die Stirn runzelnd sah er ein wenig nach links auf den Boden.

Kuramas Lächeln wurde breiter.


Später an diesem Abend kam Kurama mit einer Reservedecke in sein Zimmer zurück, die er aus dem Wandschrank im Flur genommen hatte. Überall konnte er Beweise für Hieis Gegenwart sehen: einen leeren Teller Curryreis auf dem Schreibtisch, schwarze Kleidung, die zum Trocknen über der Lehne des Schreibtischstuhls hing, ein Futon, das in der Nähe des Bettes auf dem Boden ausgebreitet war, Stiefel, die achtlos in die Nähe des Fensterbretts geworfen worden waren. Kuramas Lächeln wurde breiter, als er den Spuren bis zu seinem Gast folgte. Hiei saß im Fenster und sah in dem sackartigen grauen T-Shirt und Schlafanzughosen mit der Schläfe an das Glas gelehnt irgendwie so aus, als ob er dort hin gehörte.

"Nanu, war nicht die Absicht hinter allem, dich von der Kälte weg zu bekommen?" murmelte Kurama zu sich selbst. Er durchquerte vorsichtig den Raum, um seinen Freund nicht zu wecken und war kurz davor, die Decke um Hiei zu wickeln, als er ein leises Geräusch von dem schlafenden Youkai hörte.

"Yu…"

Kurama hielt inne. Er lauschte einen Augenblick lang gespannt. Es dauerte nicht lange, bis Hiei ein zweites Mal murmelte.

"Yuki…"

'Yuki…?' Schnee? Kurama fragte sich, ob Hiei die Kälte störte. Er beobachtete, wie sich der kleine Youkai im Schlaf bewegte, aber Hiei rutschte nicht unterbewusst von der Kälte weg. Stattdessen bewegte er sich noch näher heran und presste seine Wange an die Fensterscheibe. Seine Hand langte aufwärts, als ob er sie nach etwas ausstrecken würde, und als die Handfläche auf das eisige Glas traf, rieb er daran und hinterließ deutliche Abdrücke im Reif. Kuramas Augen verengten sich als er die Situation neu einschätzte. Zuerst hatte er gedacht, dass Hiei einfach auf dem Fensterbrett eingeschlafen war, weil seine Erschöpfung ihn überwältigt hatte. Nun fragte sich Kurama, ob die Kälte ihn nicht tatsächlich in den Schlaf gewiegt hatte.

"Yuki…na…"

Kurama blinzelte und dann wurden seine Augen weicher. Ah, das ist es also.

Hiei zitterte, was Kurama die Stirn runzeln ließ. Selbst wenn Hiei die Kälte mochte, würde er immer noch krank werden, wenn er zu lange dort blieb. Kurama legte die Decke um Hiei und bewegte ihn geschickt so herum, dass sein Arm über Kuramas Schultern geschlungen war. Der kleinere Youkai wimmerte, als er den Kontakt mit der Kälte verlor. Entschuldige Hiei, aber ich lasse nicht zu, dass du dir in meinem eigenen Haus eine Unterkühlung zuziehst.

"Yukina…" Hieis Murmeln klang jetzt etwas höher, fast wie ein Wimmern. "Warte…"

Kurama ignorierte das Wimmern, während er Hiei auf das Futon legte und die Decke über ihn zog. Dann ging er zu seinem eigenen, im westlichen Stil gehaltenen Bett und glitt unter die Bettdecke. Er drehte sich zunächst zur Wand, aber Hiei murmelte weiterhin im Schlaf diesen Namen und Kurama konnte nicht anders, als sich umzudrehen und ihn anzusehen. Der sture, stoische Youkai hatte noch niemals zuvor so ausgesehen... er ließ nie wirklich irgendwelchen Schmerz erkennen. Wer genau ist diese Yukina? Kurama beobachtete Hieis Gesicht, die Brauen leicht zusammengezogen und den Mund zusammengepresst, bis er seine Augen nicht mehr offen halten konnte.