0. Prolog

Die holländische Familie Flodder ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und asozial. Die alleinerziehende Mutter Gertraude „Ma" Flodder hat ihre fünf Kinder von fünf verschiedenen Männern bekommen. Sie betreibt eine illegale Schnapsbrennerei und hat einen dankbaren Kundenkreis für ihre Destillationsprodukte. Ihre Kinder sind entweder Kleinkriminelle oder auf dem besten Wege, es zu werden. Wohingegen die große Tochter Kees ein ausgemachtes Flittchen ist, welches sich durch viele kurzfristige Beziehungen und One-Night-Stands materielle Vorteile sichert, um u.a. die Familienkasse aufzubessern oder der Familie ein neues Auto zu beschaffen. Der Opa ist nicht mit der Familie verwandt, sondern eine Tante hat ihn irgendwann mitgebracht. Dann gibt es noch den Familienhund namens Whisky.

Vor zwei Jahren wurde die Familie aus einem Problemviertel von Amsterdam in eine Villa in der Nobelsiedlung Sonnental umgesiedelt, wo sie für viele Turbulenzen sorgte, die schließlich in einem Flammeninferno endeten, durch welches Sonnental komplett zerstört wurde. Seitdem schieben sich die Stadt Amsterdam und die Siedlung Sonnental gegenseitig die Verantwortung für die Familie Flodder in die Schuhe, immer bestrebt, die prollige Familie auf Kosten Anderer zu entsorgen. Der engagierte Sozialarbeiter Werner van Kooten steht den Flodders mit Rat und Tat zur Seite, um durch seine Hilfestellung selbst von einem Schlamassel in den nächsten zu geraten.

Das Wesen der Familie Flodder bringt es mit sich, daß diese Geschichte AU werden wird, sich also nicht an den SW-Kanon hält, wie er dem Star-Wars-Erfinder George Lucas oder Dave Filoni vorschwebt. Es versteht sich, daß alle handelnden Charaktere entweder Eigentum von George Lucas, Dave Filoni oder aber Dick Maas sind, welcher die Flodders erschaffen hat.

Die beiden Star-Wars-Trilogien und die Fernsehserie „The Clone Wars" zu kennen, hilft viel beim Verstehen dieser Geschichte. Und wer die Flodder-Trilogie noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen! Es gibt sie als DVD-Sammlung zu kaufen. Lachen ist garantiert!

1. Wünsch dir was!

Die Containersiedlung vor den Toren von Amsterdam bot einen trostlosen Anblick. Gertraude „Ma" Flodder war gerade dabei, frisch gewaschene Wäsche an eine Leine zu hängen, welche zwischen zwei ursprünglich als Baucontainer gedachten Wohnstätten aufgespannt worden war. Die siebenjährige Tine spielte mit ihrem ein Jahr älteren Bruder Holgie Fußball. Mit dem Familienhund Whisky, wie Ma Flodder unmutig feststellte, als sie sich bei einem ihr bestens bekannten Winseln des Hundes spontan umgedreht hatte. Energisch schritt sie zwischen ihre Kinder, um den schwarzen Hund im Flug aufzufangen. Sie strich ihm einmal beruhigend über den Kopf und ließ ihn herunter. Dann packte sie ihre beiden jüngsten Kinder am Schopf, um deren Köpfe einmal kräftig gegeneinander zu sausen zu lassen.

„Das nächste Mal borgt ihr euch gefälligst den Ball von den Vanderbreeks von nebenan aus, habt ihr verstanden?!", herrschte sie die Beiden an.

„Aber Holgie hat den Ball der Vanderbreeks doch vorgestern mit seinem Messer zerstochen", sagte Tine zerknirscht.

„Dann knüllt eben Zeitungspapier zusammen und macht Klebeband drum. Für einen Tag müsste das halten, bis das Sozialamt das nächste Monatsgeld überweist", wies Ma Flodder die Kinder an.

Umgehend machten sich Tine und Holgie auf den Weg, alte Zeitungen zu suchen, die einzelnen Seiten zusammenzuknüllen und mit Klebeband notdürftig zu fixieren.

„Dabei hat Ma Whisky vor zwei Tagen selbst noch getreten, als er ungeplant unser Sixpack Eier aufgefressen hatte! Wo sie ja extra Bio-Eier gekauft hatte", ereiferte sich Holgie.

„Aber Ma hat dabei nicht ‚Tor' gerufen", erwiderte Tine grinsend.

Nach etwa zwei Stunden kamen der zweiundzwanzigjährige Johnny und sein ein Jahr jüngerer Bruder Klaus von ihrem spannenden Arbeitstag zurück in den Wohncontainer der Flodders.

„Was hast'n heute abgestaubt?", fragte ihn seine Mutter neugierig.

„Fünf Videorecorder. Klaus hat Schmiere gestanden. In einer Stunde muss ich gleich wieder weg. Denn ich hab auch schon Kunden für die Geräte", erklärte Johnny stolz und strich sich bei diesen Worten eine Tolle seines blondierten Kurzhaarschnitts aus der gebräunten Stirn, während seine blauen Augen seine Mutter anstrahlten.

„Ja, hättest du Klaus damals als Kind mal nicht in die Waschmaschine gesteckt, dann könnte er dir bestimmt noch mehr helfen als nur Schmiere zu stehen", gab Ma Flodder zurück.

„Wo ist eigentlich Kees? Habe sie seit drei Tagen nicht mehr gesehen", schnitt Johnny ein anderes Thema an, wahrend sein schwarzhaariger Bruder Klaus verschämt wegsah.

„Sie ist auf Kurzurlaub mit ihrem neuen Freund", erklärte Ma Flodder.

„Dem Karatetrainer?", fragte Johnny zurück.

„Nein, mit dem ist doch schon wieder Schluß", korrigierte ihn seine Mutter.

„Es ist ein Clubbesitzer in der Nordstadt", warf Klaus ein. „Ich habe die Beiden gesehen, wie sie …

„Die Einzelheiten kannst du dir sparen!", schnitt ihm Ma Flodder hart das Wort ab, woraufhin Klaus seinen Satz unvollendet ließ.

Zur selben Zeit im Rathaus von Amsterdam.

„Herr Bürgermeister, wir, das heißt, die gesamte Einwohnerschaft von Sonnental, weigern uns, die Flodders wieder zurück nach Sonnental zu lassen!", erklärte der Bezirksbürgermeister von Sonnental, der auch ein Jahr nach der im Zuge der letzten Hauseinweihungsparty der Flodders völlig ausgebrannten und verwüsteten Vorzeigesiedlung vor den Toren Amsterdams noch mit dem nur zögerlich voranschreitenden Wiederaufbau von Sonnental beschäftigt war.

„Tja, was sagen Sie denn dazu, Werner?", fragte der Bürgermeister den nun schon seit Jahren für die Familie Flodder zuständigen Sozialarbeiter.

Etwas verlegen fuhr sich Werner van Kooten durch sein auf der Stirn bereits schütter gewordenes braunes Haupthaar, während seine blauen Augen nachdenklich zuerst auf den Bürgermeister, dann auf den erregten Bezirksbürgermeister von Sonnental schauten.

„Also daß damals dieser Tanklastwagen durch Sonnental gefahren ist, während die Party der Flodders stattfand, war nicht die Schuld der Familie Flodder. Ganz im Gegenteil. Das war wieder so ein Racheakt von Anwohnern, denen die unangepasste Familie in Sonnental ein Dorn im Auge war. Das darf man nicht vergessen! Und ein Jahr lang in dieser Baucontainersiedlung zu hausen ist menschenunwürdig. Gerade bei einer Großfamilie wie den Flodders. Ich verlange von der Stadt, daß sie den Flodders angemessenen Wohnraum zur Verfügung stellt, so daß eine Resozialisierung dieser Familie wirklich realisierbar ist!", forderte der Sozialarbeiter.

„Von Resozialisierung kann hier keine Rede sein! Dieses Pack war doch bestimmt schon immer vollkommen asozial!", empörte sich der Bezirksbürgermeister von Sonnental.

„Ähm, wenn ich mal was sagen dürfte", mischte sich nun Miriam ein. Die Verlobte von Werner war im Sozialamt mittlerweile zur Abteilungsleiterin aufgestiegen.

„Nur zu!", ermunterte sie der Bürgermeister.

„Also mein Neffe hat mir da neulich bei einem Familientreffen erzählt, daß es da so ein Internet-Forum gibt, wo die Leute Geschichten über alles mögliche schreiben und veröffentlichen können. Und wenn sie es sich dann nach der Bärbel-Mohr-Methode vom Universum wünschen, dann geht eine dieser Geschichten sogar in Erfüllung. Mein Neffe hat das mal mit einem Jungen gemacht, der ihn in der Schule immer geärgert hat. Er hat eine Geschichte geschrieben, die ihn auf den Planeten Hoth in der Star-Wars-Galaxis verbannt hat. Und ob Sie es glauben oder nicht … am nächsten Tag war der böse Junge wirklich verschwunden!", erzählte Miriam mit aufgerissenen dunkelbraunen Augen und rang dabei entschuldigend ihre gepflegten Hände.

„Was hat Ihr Neffe denn … so geschrieben?", fragte der Bürgermeister von Sonnental interessiert.

„Nun ja … die Wampas haben den bösen Schuljungen gefressen, bevor er Luke Skywalker an das Imperium verraten konnte", sagte Miriam leise.

„Das heißt ja, wir brauchen einen guten Geschichtenschreiber … einen guten Draht zu Bärbel Mohr … und zum Universum!", sinnierte der Bürgermeister von Amsterdam.

„Die Geschichte werde ich schreiben!", erbot sich Werner an. „Ich will ja, daß sich die Flodders in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen. Und ich bin ein Star-Wars-Fan."

„Und ich habe einen guten Draht zu Bärbel Mohr … und zum Universum", erklärte Miriam stolz.

„Dann ist es beschlossene Sache! Sie, Werner, schreiben! Und Sie, Miriam, wünschen! Und wir sind endlich die Flodders los. Für immer!", erklärte der Bürgermeister mit tönender Stimme.

„Irgendwelche Gegenstimmen?", fragte er siegessicher in die Runde.

Keine Hand im Besprechungsraum hob sich.

„Tja, dann an die Arbeit, Ihr beiden!", meinten der Bürgermeister von Amsterdam und der Bezirksbürgermeister von Sonnental im Chor.

„Na endlich!", meinte Ma Flodder, als ihre zwanzigjährige Tochter Kees endlich zurück in den Wohncontainer kam, um auch den letzten freien Stuhl am Abendbrottisch zu besetzen.

„Was heißt hier ‚endlich'? Wim wollte eigentlich, daß ich die Party mit ihm und seinen Kumpels durchmache. Aber ich habe ihm gesagt, daß ich zu Hause noch was zu klären habe, bevor wir es so richtig krachen lassen."

„Aber du hast mir schon vor drei Tagen gesagt, daß du zu dieser Party gehst. Wie lange soll denn die Party noch gehen?", fragte ihre Mutter verwundert.

Kees strich sich daraufhin eine Strähne ihres langen blondierten Haares aus dem Gesicht und lächelte kokett.

„Bei Wim immer eine Woche. Mindestens! Und es kommen Gäste, die zahlen sehr gut", erklärte sie und ihre großen braunen Augen vollführten dabei einen verführerischen Augenaufschlag.

„Ich hab dir auch was mitgebracht", erklärte sie und holte aus ihrer Tasche eine große Flasche Wodka hervor, die sie ihrer Mutter hinhielt.

Ma Flodders Augen glänzten. Sie legte ihre zur Hälfte aufgerauchte Zigarre auf dem Rand des Aschenbechers ab, nahm Kees die Flasche aus der Hand, öffnete sie und nahm ein paar kräftige Schluck. Nachdem sie die Ein-Liter-Flasche wieder abgestellt hatte, befanden sich nur noch zwei Drittel der glasklaren hochprozentigen Flüssigkeit darin.

„Ah, das tat gut!", sagte sie mit rauer Stimme und leckte sich genießerisch über ihre Lippen.

„Hey, was ist denn das? Wir bewegen uns!", rief Kees und stand auf, um ans Fenster des Bauwagens zu gehen.

„Mann, dein Fusel haut ja richtig rein!", sagte Ma Flodder und grinste ihre älteste Tochter anerkennend an, als sie sah, wie sich die gewohnte Ansicht aus dem Fenster leerte, keine benachbarten Baucontainer mehr zu sehen waren, sondern nur noch der schwarze Nachthimmel und ganz, ganz viele Sterne.

Unter sich sah sie den Schein von Feuern, die vom Baucontainer nach unten wiesen. Sie registrierte ungewohnten Lärm.

„Hey, Klaus, hast du wieder heimlich Sprit gebunkert, der uns jetzt hier wegbläst?", fragte Johnny argwöhnisch seinen Bruder, der ihn verständnislos mit großen Augen anglotzte.

„Hey, wir fliegen!", riefen Tine und Holgie fröhlich.

„Tut tut!", sagte Opa Flodder beschwingt und hielt seine Schaffnerkelle nach oben, die er aus seinem Berufsleben hinüber in die Zeit der Rente gerettet hatte.

„So macht ein Zug, Opa. Kein Raumschiff. Ein Raumschiff macht ‚Rrrrrrr'!", korrigierte ihn Klaus.

Amsterdam, die Niederlande, die Erde wurden immer kleiner. Auf einmal ruckelte der Container. Dann sahen die Flodders weiße silbrige Fäden an sich vorbeiziehen.

„Ey, wir sind im Hyperraum!", freute sich Johnny.

„Wo fliegen wir denn hin?", fragte Kees skeptisch.

„Hoffentlich hat uns Werner endlich eine größere Wohnung besorgt, wo ich im Keller wieder Schnaps brennen kann! In dem blöden Container hier ohne Keller geht das ja nicht", sagte Ma Flodder, schon ganz in Vorfreude auf ihr neues Zuhause.

„Ja, sieht ganz so aus, als hätte der alte Wichser wieder was für uns gedreht!", pflichtete ihr ihr ältester Sohn euphorisch grinsend bei.