Feral war noch unschlüssig, wie sein Bruder darauf reagieren würde, wenn er ihm die Einladungskarten übergeben würde, die ihm der Kurier soeben gebracht hatte.

An meinen Bruder Feral,

Kees und ich haben in drei Standardtagen unser großes Konzert im Club Delirium auf Nal Hutta. Ma Flodder, der Rest der Familie und noch zwanzig weitere Personen sind herzlich eingeladen, zum Konzert zu kommen.

Dein Bruder Savage".

Aber schließlich gab sich der orangene Zabrak einen Ruck und binnen zehn Minuten waren alle, die es anging, im Thronsaal des herzoglichen Palastes von Sundari versammelt.

„Wieso haben sie Mutter Talzin nicht eingeladen?", wunderte sich Johnny. „Immerhin ist sie doch Ferals und Savages Mutter."

„Mutter Talzin kann diese Schlagermusik nicht ausstehen", erklärte Feral. „Außerdem hat sie diesen Weg als Sänger für Savage niemals gutgeheißen."

„Offenbar tut es Dooku, sonst wäre Kees längst nicht mehr dort", nuschelte Ma Flodder mit ihrer Zigarre im Mund.

„Savage wird sich sicherlich freuen, seinen neuen Bruder kennenzulernen", sagte Feral zu Maul, der sich wie immer auf dem Thron lümmelte und auf alle herabschaute, während Feral neben dem Thron stand.

„Ich kann hier nicht weg", widersprach Maul. „Ich muss mein neues Reich konsolidieren!"

„Aber ich werde Euch würdig vertreten", bot Pre Vizsla an. „Die Familie ist wichtig. Ich weiß das."

„Natürlich", gab Klaus spitz zurück und seine blauen Augen fixierten dabei die grünen von Bo Katan, die wie zumeist neben ihrem kahlrasierten Gefährten stand.

„Was denn?", blaffte Bo Katan den schwarzhaarigen Holländer an. „Traust du Pre das nicht zu?"

„Genug davon!", zischte Maul. „Ich werde mit nach Nal Hutta fahren und Ihr, Pre Vizsla, werde in dieser Zeit mein Stellvertreter auf dem Thron von Mandalore sein. Aber bevor ich fahre, werde ich endlich meine neuen Beine bekommen."

„Natürlich", sagte Pre Vizsla wie aus dem Blaster geschossen.

„Vorbei die Zeiten des Zabrakspinnenmannes aus der Nachbarschaft, der den Leuten geholfen hat", sagte Johnny zu Ma Flodder.

Etwas nostalgisch schaute Maul auf den abgetrennten Spinnenleib, der ihm zwölf Jahre lang so gut es ging Dienste geleistet hatte.

„Wir können ihn konservieren, falls Ihr an der Spinnfunktion noch Interesse haben solltet", bot der die Operation leitende Arzt an.

„Ja, das wäre nicht verkehrt", sagte Maul und fasste sich ans Kinn, die Möglichkeiten auslotend.

Dann strich er liebevoll über die quer über seine Taille verlaufende niegelnagelneue Steuerungstastatur für seinen neuen Unterleib und stolzierte auf seinen neuen humanoiden Beinen zurück in den Palast, um für die Reise zu packen.

Das rot-schwarz markierte Schiff landete auf dem Hutt-Planeten mit den vielen Ringen. Sie erreichten einen Saal, den Kees und Savage vorbereitet hatten, so dass alle sich vor dem Konzert treffen konnten.

„Savage, das ist Maul, Maul, das ist dein Bruder Savage", sagte Feral.

Maul musterte den gelben Hünen mit der riesigen Hörnerkrone, dann wanderte der Blick seiner gelben Augen zu seinem zierlicheren Bruder Feral. Ihm lag etwas auf der Zunge, aber er beschloss, es für sich zu behalten.

„Willst du für immer Sänger bleiben?", fragte er Savage.

Savage schaute zu Kees. „Warum nicht? Wir sind erfolgreich!"

„Weil es dein Schicksal ist, Mutter Talzin und Dathomir als Krieger zu dienen! Das sehe ich sofort", beharrte Maul.

„Damit er in den Klonkriegen verheizt wird?", fragte Kees.

Maul dachte darüber nach. „Musik und Krieg müssen einander nicht ausschließen. Aber du, Savage, brauchst einen Lehrmeister, um deine anderen Talente zu entfalten, die dir gegeben wurden."

„Aber jetzt wollen wir doch erst mal sehen, was Savage und meine Tochter auf der Bühne draufhaben", meinte Ma Flodder beschwichtigend.

„Ich habe zwölf Jahre auf Lotho Minor vor mich hingeschmachtet. Da habe ich es nicht ganz so eilig mit deiner Ausbildung, auch wenn du schon recht alt dafür bist, Bruder", lenkte Maul ein.

Das Konzert begann. Maul, Feral und die Flodders hatten sich gerade in den reservierten Bereich gesetzt. Gleich neben ihnen hatte die massige Hutt Gardulla ihre Privatloge, in welcher ihr zwei Twi'leks mit riesigen Vogelfedern frische Luft zufächelten.

„Wieso ist denn der Platz neben dir frei?", fragte Ma Flodder Feral.

„Es kommt noch jemand", sagte Feral mit verschwörerischer Miene zu ihr.

Ein Horn ertönte. Es wurde dunkel. Da drängte sich eine zierliche, schlanke Gestalt durch die Sitzreihen, um sich den Weg zu den Flodders zu bahnen. In der Dunkelheit konnte man zwei breite Hörner ausmachen, die das Haupt der Gestalt krönten. Noch ein paar Sekunden, dann hatte sie neben Feral Platz genommen.

„Du bist gekommen, Ahsoka!", sagte Feral feierlich und himmelte die Padawan an.

„Natürlich!", erwiderte die Togruta fröhlich. „Wer würde sich so eine Einladung schon entgehen lassen?"

„Und was hat dein Meister gesagt?"

„Er ist auf Naboo, genauso, wie ich es geplant habe", erwiderte Ahsoka selbstgefällig.

„Du … siehst wunderschön aus!", hauchte Feral und der Blick seiner orangenen Augen glitt über ihre knabenhafte, in ein blaues, knappes Kleid gewandete Figur.

Ahsoka erwiderte nichts. Ferals Hand tastete sich zaghaft vorwärts, um die Hand der jungen Togruta zu fassen … und zuckte zurück, als Ahsoka sie wegstieß.

„Ruhig, ich will Savage hören!", sagte Ahsoka barsch, während ihre blauen Augen an dem gelben Zabrak auf der Bühne hingen.

„Ich liiiiebe dich!", sangen Savage und Kees oben auf der momentan grün beleuchteten Bühne, sahen sich dabei tief in die Augen und die Menge sang mit, während Ferals zwei Herzen in seinen Hosenboden sanken.

Das Licht in der überkuppelten Halle ging wieder an. Es war Zwischenpause.

Alle standen auf, auch um den Neuankömmling in der großen Loge in Augenschein zu nehmen und zu begrüßen.

„Du bist ja ganz schön hartnäckig, Ahsoka", sagte Ma Flodder als Begrüßung zu ihr. „Hat dein Meister dich also fortgelassen oder ist er auch hier?"

Ahsoka blinzelte. „Wer sagt, dass er davon weiß? Aber was hätte ich schon tun sollen, wenn ich so eine Einladung erhalte?", erwiderte sie unschuldig und schenkte Feral ein Lächeln. Sofort strahlten dessen orangene Augen und er lächelte zurück.

„Das gefällt mir!", sagte Maul von der Seite zu der jungen Togruta.

Sofort wandte sich Ahsoka um. Jenen roten Zabrak hatte sie bislang gar nicht wahrgenommen. Sie schaute für einen Moment auf seinen Gürtel mit den vielfarbigen Knöpfen. „Wer seid Ihr?"

„Ich bin Maul, Darth Maul!"

Ahsokas Mund öffnete sich in Erstaunen, dann in Schock. „Aber … ich dachte … Ihr wäret auf Naboo getötet worden … von Meister K..."

„Dann hat es Obi-Wan nicht im Tempel erzählt, nachdem er aus dem Orden ausgetreten ist?", sondierte Maul.

Ahsoka schüttelte ihr montralgekröntes Haupt. „Ich habe vor zwei Wochen die Übertragung gesehen, als er aus dem Orden ausgetreten ist, aber Meister Kenobi hat sich seitdem nicht mehr im Tempel blicken lassen. Ich hätte ja gedacht, er verabschiedet sich wenigstens … naja … vielleicht weiß Anakin ja mehr als ich."

Der Blick von Mauls goldenen Augen glitt an Ahsokas Körper herab, um an ihren beiden Lichtschwertern hängenzubleiben. Er hatte also eine Jedi vor sich. Ma Flodder und ihre Familie hatten ihm einiges über die wichtigsten Jedi in dieser Zeit erzählt, nicht jedoch von dieser Togruta hier direkt vor ihm.

„Und du meinst also, Anakin würde es dir erzählen?", fragte Maul, um mehr aus ihr herauszubekommen.

„Natürlich!", erwiderte Ahsoka im Brustton der Überzeugung. „Schließlich bin ich seine Padawan!", setzte sie stolz hinzu.

Der rote Zabrak lächelte.

„Nun, wer würde bei solch einem Besuch schon weiter an …", Maul machte eine Kunstpause, ehe er weitersprach, „… Meister Kenobi denken?"

Ahsoka schlug die Augen nieder und errötete, während Feral konsterniert vor sich auf den Boden schaute.

Maul hatte nicht vor, Ahsoka noch länger in ihrer Verlegenheit über sein Kompliment hängen zu lassen. „Nun, ich habe mich bereits vorgestellt, aber wie ist denn dein Name, junge Padawan?"

Ahsoka fuhr sich verlegen über ihren rechten Seitenlekku. „Oh, … mein Name ist Ahsoka Tano!"

Das Horn ertönte; die Pause war zu Ende. Beim Platznehmen musste Feral feststellen, dass auf dem Platz neben ihm, auf welchem vorhin Ahsoka gesessen hatte, nun der Holländer namens Klaus saß, während Ahsoka neben Maul Platz genommen hatte. Als ob es nicht bereits genug war, dass sich sein roter Bruder, seit er Savage kennengelernt hatte, mehr für die Kampfkraft seines neugefundenen Bruders als für seine interessierte, die ihm bereits seit viel längerer Zeit zur Verfügung stand. Zur Verfügung stand! Warum machte er das eigentlich? Er überlegte, Mutter Talzin um eine neue Mission zu ersuchen.

Ahsoka fand es sehr angenehm, dass Maul während des Rests des Konzerts nichts zu ihr sagte. Manchmal schaute sie zu ihm herüber, aber der Sith neben ihr schien abwesend zu sein, zumindest waren seine Gedanken nicht bei dem Gesangsduo, welches gerade auf der Bühne sang, während die Beleuchtung des Spektakels von Gelb zu Rot wechselte.

Das Konzert war zu Ende.

„Bevor du wieder abreist", wagte sich Maul weiter vor, „darf ich dich zu einem Drink einladen?"

„Solange es nichts Alkoholisches ist, gerne", willigte Ahsoka ein.

Sie setzten sich an die Bar und Ahsoka bestellte einen Meiloorun-Saft.

„Ihr seid also ein Sithlord", fing Ahsoka an. „Da bekommt man doch gelbe Augen, haben wir im Unterricht gelernt. Ihr habt gelbe Augen, andererseits hat Meister Eeth Koth als Zabrak auch gelbe Augen, ohne dass er ein Sith ist. Und Dooku wiederum ist ein Sith, hat aber keine gelben, sondern braune Augen, wie mir Anakin erzählt hat. Also ab wann bekommt man als Sith denn solche gelben Sith-Augen?"

Maul schaute sie verblüfft an. Darüber hatte er noch nie nachgedacht.

„Also, Darth Maul: Sind Eure Augen schon immer so gelb gewesen, weil Ihr ein Zabrak seid, oder sind sie später rot umrandet geworden, damit es noch sithiger aussieht? Oder hattet Ihr früher mal eine ganz andere Augenfarbe?"

Maul kratzte sich am Hinterkopf. „Also diesen roten Rand habe ich erst später bekommen. Da war ich ungefähr fünfzehn Jahre alt."

„Meister Yoda hat erzählt, dass solch einer physischen Veränderung immer ein einschneidendes Ereignis vorausgehen muss. Was war es bei Euch gewesen?"

Maul schaute an Ahsoka vorbei hinter die Theke, wo ein vierarmiger Besalisk die Getränke zusammenmischte. Er müsste als korrekte Antwort jetzt eigentlich etwas von dem Massaker von Orsis erzählen, wo er sämtliche Militärkadetten umgebracht hatte, um sich vor seinem Meister zu beweisen. Wo er auch Kilindi umgebracht hatte, die dem am ehesten nahegekommen war, was man eine Freundin nennen konnte. Aber natürlich konnte er so etwas nicht der jungen Padawan erzählen. Andererseits, würde Ahsoka es merken, wenn er sie anlügen würde? Wollte er das?

Ein bronzefarbener Protokolldroide kam auf sie zu, um den Sith aus seiner Verlegenheit zu erlösen: „Darth Maul, die Große Gardulla erübrigt jetzt Zeit für Euch. Wenn Ihr mir bitte folgen würdet?"

Maul war dem Timing der Huttin dankbar. Er wollte sich gerade erheben, da sah er, wie sich Angst auf Ahsokas Gesicht ausbreitete.

Noch bevor er sie nach dem Grund dieser Angst fragen konnte, sagte sie: „Ich spüre eine Präsenz, die ich …"

„Spar dir das Gerede!", herrschte Anakin Skywalker seine Padawan an. „Du wolltest dich also mit einem Sithlord treffen. Reichen dir die Lektionen im Jedi-Tempel nicht? Reicht es dir nicht, was ich dir über Dooku gesagt habe? Dass dir Meister Kenobi erzählt hat, wie Maul seinen Meister Qui-Gon umgebracht hat?"

Ahsoka hob beschwichtigend beide Hände. „Aber Skyguy, ich wollte sowieso gerade gehen."

„Ich glaub dir kein Wort, Snips! Du kommst sofort mit, sonst kannst du was erleben!"

Maul stellte sich zwischen Ahsoka und ihren Meister. „Das war in der Tat nur ein zufälliges Gespräch. Mein eigentlicher Termin erwartet mich bereits."

„Dann habt Ihr Ahsoka also nur mal schnell dazwischengeschoben, was?", blaffte Anakin zornig.

„Ich komm ja schon, Meister!", erwiderte Ahsoka beruhigend.

„Man sieht sich!", sagte Maul zum Abschied zu Ahsoka, bevor er dem Protokolldroiden folgte.

„Das glaube ich kaum!", grollte Anakin den davongehenden Sithlord an. „Zumindest war Maul ritterlich genug, dich zu verteidigen", wandte er sich erneut an Ahsoka.

„Nun, Skyguy, dann lass uns diese Lasterhöhle verlassen!", sagte Ahsoka mit einem Augenzwinkern.

„Hast du da nicht was vergessen?", fragte Anakin drohend.

Ahsoka hob erstaunt die beiden weißen Bögen über ihren blauen Augen. „Was denn?"

„Deinen anderen Zabrakfreund, der jetzt so traurig ins Glas schaut!", sagte Anakin anklagend und wies auf Feral, dem Ma Flodder auf der anderen Seite der Bar gerade fürsorglich ein Glas bernsteinfarbenen Whisky einschenkte. „Du solltest dich wenigstens von ihm verabschieden, wenn du ihn schon derart links liegen lässt! Immerhin hat er dich eingeladen!"

Ahsoka schnappte nach Luft. „Ihr … habt das also nicht vergessen!"

„Ich bin nicht ganz so blöd, wie einige Leute offenbar denken", schnarrte Anakin. „Natürlich wusste ich Bescheid – von Anfang an!"

Ahsoka trottete hinter ihrem Meister her zu Ferals Tisch. „Danke, Feral, dass du mich eingeladen hast", sagte sie mit belegter Stimme. „Ich muss jetzt los, mach's gut."

„Du auch, Ahsoka", erwiderte Feral mit flacher Stimme.

Anakin ging näher an den orangefarbenen Zabrak heran und packte ihn am Schlafittchen. „Du mieser schleimiger Kuppler! Du bist an allem schuld! Gib doch einfach zu, dass du Ahsoka hierher gelockt hast, um sie deinem roten Freund zuzuführen!"

Mit diesen Worten hob Anakin den schmal gebauten Feral mithilfe der Macht hoch und begann ihn zu würgen.

„Meinem B.. bruder! Aber Ahsoka wollte eigentlich Sav…vage sehen", verteidigte sich Feral und röchelte.

„Dein Winseln ist erbärmlich!", sagte Anakin mit von Verachtung triefender Stimme.

Er sah noch, wie sich Ahsokas blaue Augen weiteten, dann fasste er sich auch schon mit der Linken an seine eigene Kehle.

„Du wirst meinem Bruder kein Haar krümmen, hörst du, Jedi!", grollte Savage drohend von hinten, während Feral nach unten auf seinen Stuhl fiel, mit seinem gehörten Kopf auf die Tischplatte aufschlug und dabei das Glas Whisky umkippte, welches ihm Ma Flodder soeben eingeschenkt hatte.

Ahsoka wollte ihre beiden Lichtschwerter ziehen, da mischte sich Ma Flodder ein: „Immerhin hast du die Flasche stehen lassen, Feral", sagte sie tröstend zu ihrem Tischgenossen, dann wandte sie sich an Ahsoka: „Hör zu, Kindchen, die Drei kommen schon klar. Dafür werde ich sorgen. Aber meiner Tochter Kees … der muss geholfen werden!"

Die mollige Holländerin wies in Richtung Durchgang zur Bühne, wo sich Savages Gesangspartnerin erregt mit einem Muun stritt, der mit seiner langen, knochigen Hand vor Kees' Gesicht herumfuchtelte. „Sieh zu, dass du den Muun von ihr wegbekommst. Kees will nichts von ihm und er nervt gewaltig!"

„Ich nehme Sie beim Wort, aber wehe, ihr macht hier genau solchen Ärger wie damals in Plop Dribble's Diner auf Stobar!", sagte Ahsoka drohend, dann eilte sie zur Bühne.

„Jetzt lass ihn schon los, Savage. Meister Jedi will doch nur seine Padawan mit nach Hause nehmen", sagte Ma Flodder versöhnlich zu dem aufgebrachten Zabrak.

Anakin lief ihr Kompliment warm den Rücken herunter. Gerade, weil er noch nicht zum Meister ernannt worden war – noch nicht.

„Das sah aber anders aus!", blaffte Savage, ließ Anakin aber los wie gewünscht.

„Wie viele Sith-Zabraks laufen denn hier eigentlich rum!", blaffte Anakin zurück.

„Genug für Euch, Eure Padawan und Euren Meister … ach, der ist ja gar nicht mehr im Tempel!", höhnte Savage.

„Jetzt reicht es! Wer ist deine Meister, Savage?", begehrte Anakin zu wissen, auf Savages Hand weisend, die ihn soeben brutal gewürgt hatte.

Savage zuckte mit den massigen Schultern: „Ach … das war nur so ein Reflex."

„Nur ein Reflex, ja?", höhnte Anakin zurück. „Ich weiß, was du bist. Du bist ein Handlanger von Count Dooku! Seinen stinkenden Odem spüre ich überall, wo er seine dreckigen Finger im Spiel hat!"

„Ich denke, der arme Feral ist schon genügend gestraft", sagte Ma Flodder zu Anakin. „Vielleicht solltet Ihr lieber nach Eurer Padawan sehen."

„Erst, wenn ich erfahre, was Maul hier auf Nal Hutta will!"

Eine weiche Hand legte sich auf Anakins Schulter. „Ani … ich meine, General Skywalker", sagte Padmé Amidala zu ihrem geheimen Ehemann. „Wir wollten doch abreisen."

„Natürlich … Senatorin Amidala. Wir müssen nur noch meine Padawan einsammeln."

Sie gingen zur Bühne.

„Sie müssen einsehen, dass eine Künstlerin wie Kees ihre Freiheit braucht und nicht jahrzehntelang an einen Vertrag gebunden sein kann."

„Zwei Standardjahre sind eine durchaus übliche Laufzeit für derartige Kulturverträge", hielt San Hill dagegen. „Außerdem steht in dem Vertrag im Anhang 13, Klause 47, dass die Vertragspartnerin dem Makler des Vertrages, also in dem Fall mir, in allen Belangen zur Verfügung zu stehen hat, die ihm wichtig erscheinen."

Ahsoka rollte mit den Augen. „In allen Belangen? Was ist damit gemeint?"

Kees stemmte die Arme in die Hüften. „Glaub mir, das willst du gar nicht wissen, du kleine, wohlbehütete Padawan."

„Doch, will ich!", beharrte Ahsoka.

„Also gut", begann Kees. „Ich muss zweimal in der Woche mit ihm ins Bett gehen, ansonsten sorgt er dafür, dass ..."

„Jetzt sei doch still, Kees!", herrschte San Hill sie an. „Das ist nun wirklich kein Thema, mit was man Jedi behelligen sollte, zumal noch solche jungen, wohlerzogenen Damen wie diese Togruta."

„Wohlerzogen! Das sollte mein Meister mal hören!", amüsierte sich Ahsoka, dann schaute sie mitfühlend zu Kees.

Die junge Holländerin legte Ahsoka eine Hand auf die Schulter. „Weißt du, so schlimm war das anfangs auch wieder nicht. Aber dann habe ich mich in Savage verliebt und er sich in mich. Da muss man seinem Herzen folgen. Er …", sie wies auf San Hill, „... will das einfach nicht verstehen."

Ahsokas Augen weiteten sich. „Aber, Sie haben doch eine Frau", sagte sie verwirrt zu dem Muun.

„Was hat das denn mit Kees' Vertrag zu tun?", mokierte sich San Hill.

Abscheu machte sich in Ahsokas hübschem Gesicht breit. „Wie kann man seine eigenen Gelüste nur derart mit Vertragsparagraphen verknüpfen?!", sagte sie verächtlich zu Hill.

„Muuns können das, die häufig mit Sklaventreibern wie Miraj Scintel zusammenarbeiten!", erschallte es hinter ihr.

Hill schwang zu dem Jedi herum. „Meister Skywalker. Ich habe ja schon so viel von Euch gehört", sagte er mit unterwürfiger Stimme.

„Was ich von Ihnen nicht sagen kann", gab Anakin vorwurfsvoll zurück. „Bis jetzt. Sie werden die junge Frau nicht mehr anrühren. Oder ich werde Sie anrühren!"

San Hills goldene Augen weiteten sich; seine beinahe nicht existenten Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen. „Und glauben Sie mir – das wollen Sie nicht!", setzte Anakin nach und berührte dabei mit seiner künstlichen Rechten den Griff seines Lichtschwerts am Gürtel.

„Nun, man muss auch nicht unbedingt jeden Spielraum ausschöpfen, den ein Vertragswerk so bietet", lenkte Hill ein. „Einen schönen Tag noch, die Damen und Herrn."

Kees, Anakin und Ahsoka sahen dem geschlagenen Muun hinterher, wie er die Bühne verließ.

„Danke", sagte Kees erleichtert.

Padmé Amidala kam zu ihnen. „Wie es scheint, gibt es immer mehr zu tun, Meister Skywalker."

„Keine Sorge … Senatorin. Wir sind hier fertig."

San Hill war kaum am Bühneneingang angekommen, da stellte sich ihm der riesige, gelbe Zabrak in den Weg.

„Was haben Sie vorhin von Kees gewollt, hä?"

„Gar nichts", sagte San Hill und seine dünnen Lippen zeigten ein geziertes Schmunzeln.

„Ich werde Ihnen das freche Grinsen schon noch aus der Visage treiben!", knurrte Savage und hob den Muun hoch.

Seine linke Hand versetzte dem Muun einen Kinnhaken, wobei seine Krallen drei Blutsstreifen auf auf blässlichen Haut hinterließen; die Rechte ließ den Gegenstand seiner Wut quer durch die Bar fliegen, direkt in die kreisrunde Theke hinein, wo der Besalisk gekonnt auswich, bevor der Körper San Hills auf den Boden knallte und der Muun jämmerlich zu wimmern begann.

„Wie ich dieses Winseln hasse!", schnaubte Savage verächtlich.

Vier Gamorreaner tauchten auf, mit denen sich Savage auf ähnliche Art und Weise auseinandersetzte.

Endlich hatte Maul die Audienz mit Gardulla der Hutt hinter sich gebracht. Als er in die Bar zurückkehrte, sah er vier Gamorreaner ächzend vor der Theke lagen, während es hinter der Theke kläglich fiepte. Der Besalisk und Herr der Theke rührte derweil hinter selbiger ungerührt weiter Drinks zusammen.

„Hab ich was verpasst, Bruder?", fragte Maul neugierig Savage, der wie eine riesige gelbe Säule im Raum stand und grimmig dreinblickte.

„Dieser Muun wollte Kees an die Wäsche gehen, sonst nichts", erwiderte Savage ruhig und wies zur Theke, wo San Hill immer noch vor Schmerzen wimmerte.

Maul hob seine Hand und benutzte die Macht, um San Hill hinter der Theke hochzuheben. Nachdem der Sithlord seine Neugierde befriedigt hatte, ließ er den Chef des Bankenclans wieder dorthin zurückplumpsen, wo er zuvor gelegen hatte. Ein weiteres schmerzerfülltes Jaulen war die Folge, welches von Maul nicht weiter beachtet wurde, wandte sich jener doch bereits seinem anderen Bruder zu.

„Warum so traurig, Feral?"

„Es ist, weil das Konzert schon vorbei ist", sagte Ma Flodder. „So etwas hat er noch nie in seinem Leben erlebt."

„Ja, ich auch noch nicht", pflichtete Maul ihr bei und schaute in die Richtung, in welcher vor kurzem Ahsoka mit ihrem Meister und der Senatorin von Naboo davongeschritten war.

Dann kam er zu anderen, wichtigeren Dingen: „Gardulla hat zugesagt. Wir haben jetzt eine große Allianz der Hutts, Pykes, der Schwarzen Sonne und der Death Watch, um mein neues Imperium aufzubauen."

Dein neues Imperium?", fragte Feral fassungslos.

„Weißt du, Feral, genau das ist der Grund, warum Ahsoka während der zweiten Hälfte des Konzerts neben mir sitzen wollte und nicht neben dir."

Der Blick von Savages gelben Augen wanderte zum Raumeingang. Gardulla die Hutt hing massig im Türrahmen - ihre Miene war undurchdringlich. Dann leckte sie sich mit ihrer fleischigen Zunge genüsslich die faltigen Lippen, bevor sie ein Machtwort sprach:

„Räumt das weg!", sagte sie auf Huttesisch zu dem Barkeeper. „Und du, Savage, wirst mit Kees übermorgen ein Zusatzkonzert geben!"

Der Barkeeper schickte sich an, den bewegungsunfähigen Muun hochzuhieven, um ihn in ein angemessenes Zimmer zu bringen.

„Ich verlange eine Trage mit zwei Trägern!", protestierte San Hill ob der ihm grob erscheinenden Behandlung durch den breit gebauten Besalisken.

„Wie habt Ihr es herausgefunden?", fragte Ahsoka ihren Meister, nachdem der silbrige, schnittige Naboo-Flieger von Nal Hutta abgehoben hatte.

„Es ist meine Schuld", gestand Padmé. „Ich hatte Unheil befürchtet und deshalb Anakin eingeweiht, falls du auf Nal Hutta in Schwierigkeiten geraten solltest."

„Ihr habt mir nicht vertraut?", sagte Ahsoka gekränkt.

„Ani … also dein Meister hat mir damals erzählt, dass er auf Stobar, wo ihr diesen orangenen Zabrak das erste Mal getroffen hattet, etwas Finsteres gespürt hatte, das sich gerade erhebt. Und als du mich dann vor zwei Wochen gebeten hattest, Anakin nach Naboo einzuladen, damit du dich mit demselben Zabrak treffen kannst, sind er und ich übereingekommen, dir hinterher zu reisen, falls … dieses Finstere … auch auf Nal Hutta auftauchen sollte."

„Es ist ja alles gutgegangen. Und Padmé wollte eh auf dieses Konzert, also haben wir es uns auch angehört", sagte Anakin, ungerührt ob des Vertrauensbruchs, den Padmé gegenüber Ahsoka begangen hatte. „Trotzdem wirst du jetzt erst einmal wieder eine Woche im Archiv des Tempels abbrummen müssen!"

„Schon wieder?!", ereiferte sich Ahsoka.

„Zwei Wochen! Und wehe, du nervst Madam Jocasta wieder mit Fragen nach verbotenen Sith-Holocronen!"

Ahsoka machte eine lässige Handbewegung nach hinten. „Warum denn, Meister? Ich kenne doch jetzt einen Sith persönlich, den ich fragen kann."

„Treib es nicht zu weit, Snips!", drohte Anakin, aber Ahsoka sah, dass seine Augen dazu schmunzelten.

R2D2 kündigte den Sprung in den Hyperraum an. Alle schnallten sich fest. Kaum hatten sie den silberflirrenden Realraum erreicht, schickte Anakin Ahsoka in die Küche, um für sie Drei ein Abendmahl anzurichten.

„Du bist ganz schön gemein, Ahsoka wieder ins Archiv zu schicken – und das gleich noch für zwei Wochen!", flüsterte Padmé ihrem Ehemann zu.

„Nun, ein bisschen Strafe muss schon sein, wenn sie uns derart durch die Galaxis scheucht und wir in der Zeit nicht ungestört sein können", erwiderte Anakin, während er sie an sich zog.

„Was ist Ihr Begehr, Bürger?", fragte Pre Vizsla vom Thron herab den Mandalorianer, welcher einen Termin für eine Anhörung seines Problems hatte.

Der Mann druckste herum.

„Ähm … ist Lord Maul nicht da?"

„Ich bin sein Stellvertreter", sagte Vizsla düster, während Bo Katan neben dem Thron stehend den Bittsteller fixierte.

„Also es geht darum, dass meine Mutter nach einem Treppensturz ins Koma gefallen ist und die Ärzte nichts für sie tun können."

„Bin ich Mediker?", fragte Pre Vizsla mürrisch.

„Meinen Nachbarn hat Lord Maul vermittels irgendwelcher Energietechniken aus dem Koma geholt. Die Legende hat sich wie ein Lauffeuer in der Nachbarschaft verbreitet. Ich dachte, er könnte vielleicht auch meine Mutter …"

„Das reicht! Dann lassen Sie sich einen Termin für nächste Woche geben. Dann ist Lord Maul wieder da!", blaffte der Mandalorianer auf dem Thron den Mann an.

Die Tür zum Thronsaal schwang auf und der Mann ging wieder von dannen.

„Das ist jetzt schon der Dritte dieser Art!", grummelte Bo Katan ärgerlich.

„Wir müssen unbedingt etwas unternehmen!", meinte Pre Vizsla leise zu ihr und Bo Katan nickte.

Derweil auf Schloss Serenno

Count Dooku kniete vor dem Holo-Bild seines Meisters.

„Darth Tyranus, die Republik startet in zwei Standardtagen einen Angriff auf den Planeten Metalorn, um dort die geheimen Labore der Separatisten zu zerstören. Ich erwarte, dass sich Euer neuer Schüler einmal mehr beweist und den Truppen und Jedi der Republik eine fühlbare Niederlage beibringt!"

Dooku brach der Schweiß aus allen Poren. „Kann das nicht General Grievous übernehmen?", fragte er. „Der kennt sich doch mit technisierten Wesen wie den Skakoanern viel besser aus als Johnny."

„Wollt Ihr Euch etwa meiner Anweisung widersetzen?", fragte Darth Sidious lauernd.

„Natürlich nicht, mein Lord", versicherte Count Dooku eifrig.

Sidious lachte ein dämonisches Lachen. „Nun, wenn das so ist, dann hätte ich große Lust, den neuen Adepten vorher persönlich kennenzulernen. Gleich morgen bringt … Ihr … Johnny … zu … mir!"

„Wie Ihr wünscht, mein Meister!", sagte Dooku mit betont ruhiger Stimme.

Das Hologramm erlosch. Asajj Ventress betrat den Raum.

„Bedrückt Euch etwas, Meister?", fragte sie, Unheil witternd.

Dooku erhob sich aus seiner knienden Position. „Nein, meine Liebe. Alles läuft genau nach dem Plan, den ich erarbeitet habe. Kees Flodder hat ihre Familie zu einem ihrer Konzerte eingeladen. Natürlich hat sie mich nicht über den genauen Termin informiert, wie es eine gute Agentin tun würde. Jedoch habe ich genügend andere Agenten vor Ort, um zu erfahren, dass sich auf Mandalore die Lage derart geändert hat, dass es Lord Sidious später in ernste Bedrängnis bringen könnte. Sein ehemaliger Schüler Darth Maul hat dort die Macht übernommen."

Ventress schnappte nach Luft. „Darth Maul?"

Dooku nickte. „Außer Kees sind jetzt alle Flodders auf Mandalore. Wenn wir es geschickt anstellen, dann können wir von dieser gewandelten Lage profitieren. Aber vorerst will Sidious morgen Johnny sehen, bevor er ihn auf Mission nach Metalorn schickt. Ich muss den Jungen vorbereiten, damit er schafft, was ich ihm zugedacht habe."

„Kann ich irgendetwas für Euch tun, Meister?", fragte Ventress und ging langsam auf ihn zu.

Dooku kam ihr entgegen und nahm ihr bleiches Gesicht zwischen seine großen Hände. „Du wirst jetzt gar nichts tun, meine Liebe, sondern in aller Ruhe unser gemeinsames Kind austragen."