Sie hatte ein Date mit Richard Castle und sie war nervös. Sie kann sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so nervös wegen eines Dates war, und es ist lächerlich, denn als sie das letzte Mal mit ihm zusammen war, hatte sie sich so wohl gefühlt.

Kate schnaubt und stellt ihr Umherlaufen ein, wirft die zwei Pullis wieder aufs Bett. Es ist nur Abendessen mit ihm und wahrscheinlich seiner Familie. Er hatte ihr genug von seiner Tochter erzählt, dass sie das Gefühl hat, das Mädchen schon zu kenne, sie bereits mag, und seine Mutter klingt und auch nett, und unterhaltsam. Sie bezweifelt, dass Rick sich darum kümmern würde, was für ein Outfit sie anzieht oder wie sie ihre Haare trägt, sie bezweifelt, dass seine Familie das tun würde, aber die Sorge klettert trotzdem ihren Rücken entlang.

Es liegt wahrscheinlich daran, dass sie so lange kein Date mehr hatte, sich ausschließlich auf ihre Arbeit konzentriert hatte. Es gab Will, vor all den Jahren, und Tom, den Detective vom Raubdezernat, sogar ein Blind Date hier und da dank Lanie, aber keiner dieser Männer hatte sich wichtig angefühlt. Nicht so wie Castle es tut, nach nur einem Treffen und einer Woche voller spätabendlichen Telefonate und tagelangen Textnachrichten.

Er fühlt sich bereits zu wichtig an.

Kate schüttelt ihren Kopf und greift nach dem violetten Pulli, zieht ihn über ihren Kopf. Sie hat sich die letzten anderthalb Wochen darauf gefreut ihn wieder zu sehen, sie wird ihm nicht absagen nur wegen plötzlichen Anfällen von Zweifel und Unsicherheit.

Sie nimmt die U-Bahn zu seinem Loft in SoHo, verlässt den Zug eine Station früher um den Rest des Weges zu laufen, und ihren Kopf frei zu bekommen. Als sie den Türsteher begrüßt, den sie das letzte Mal als sie hier war getroffen hat und den Fahrstuhl zu seiner Etage nimmt, ist sie ruhiger, ihre Aufregung verschluckt ihre irrationalen Nerven.

Bennys Bellen klingt aus dem Apartment als sie an der Tür klopft und Kate grinst, hört den schnellen Schritten und dem begleitenden Klicken von Nägeln auf Holzboden zu.

„Oh, Sie müssen Kate sein!" Ein jugendliches Mädchen mit feurig roten Haaren begrüßt sie, und das muss Castles Tochter sein. Sie kann es allein an den Augen sehen, die hellblaue Iris klarer als Castles aber auf jeden Fall ähnlich. „Ich bin Alexis. Dad hat grad das Abendessen fertig."

„Er kocht?" Sie beißt sich auf die Lippe sobald die Worte raus sind, erschrocken davon wie das klingen muss, aber seine Tochter nickt nur begeistert, während sie Kate nach innen begleitet.

„Ja, früher hat er immer gekocht, aber nach dem Unfall war es offensichtlich eine größere Herausforderung, also hat er speziellen Unterricht genommen," erklärt Alexis, nimmt Kates Mantel und hängt ihn in den Schrank. „Ich hoffe Sie mögen Italienisch."

Kate grinst, tätschelt Bennys Kopf, als er ihr gegen die Kniekehlen stößt. „Klingt Perfekt."

Sie folgt Alexis durch das Foyer, zwingt ihren Kiefer dazu geschlossen zu bleiben, während sie im Stillen die Schönheit seines Hauses bewundert, und fühlt wie sie Lächelt, als sie Rick in der fantastischen Küche erblickt, die Augenbrauen in Konzentration zusammengezogen, während er etwas umrührt, das dampft und den köstlichen Duft nach etwas reichem und Knoblauch durch die Luft schickt.

Sein Kopf hebt sich, bevor sie ihn begrüßen kann und sie schaut mit einer Mischung aus Belustigung und Faszination zu, als er sich zu ihr und Alexis umdreht, ein Lächeln sich auf seinem Gesicht ausbreitend.

„Hey, du hast es geschafft," strahlt er, lässt seinen Kochlöffel liegen um ihr entgegen zu kommen.

Alexis zwinkert ihr zu bevor sie wegtritt, zum Esstisch verschwindet, Kate mit ihrem Vater allein lassend.

Kate schmunzelt, als er sie erreicht, nimmt die Umarmung, in der er sie verschlingt, mit einem Lächeln, das sie in seiner Schulter versteckt, entgegen.

„Natürlich habe ich das," murmelt sie, sich in die Wärme seiner Brust drückend.

Er riecht nach Kaffee und Tomatensauce, ein Hauch von Cologne strömt von seinem Nacken, und seine Arme werden fester um sie, als ihre Nase den pochenden Puls unter seinem Kiefer streift. Sie weiß sie sollte los lassen, dass das eine Grenze von dem erreicht wozu sie bereit ist, und sie seufzt mit leiser Reue, zieht sich zurück.

„Alles okay?" fragt er, überrascht sie mit einer Hand in ihrem Gesicht, aber er verfolgt nur den Bogen ihrer Augenbraue mit seinem Daumen, die Linien ihrer Lippen, ihren Gesichtsausdruck durch Berührung sehend.

„Ja, es … war nur eine lange Woche," murmelt sie, was nicht gelogen ist. Die Zahl der Mordfälle steigt immer, je näher sie den Feiertagen kommen, und nachdem sie die letzten 36 Stunden Mordfall an Mordfall gearbeitet hat, ist sie fertig.

„Du musstest nicht kommen, weißt du," neckt Castle, sein Daumen noch immer ihre Wangen langfahrend, lernend.

„Ich wollte und deine Sauce brennt an."

Er erschrickt und dreht sich auf dem Absatz um, kehrt mit überraschender Leichtigkeit für einen Mann, der nicht sehen kann, zum dampfenden Topf zurück

Benny drückt sich erneut gegen ihr Knie und Kate seufzt, ihre Augen noch immer auf Rick gerichtet, als sie sich nach unten beugt um dem Kopf des Hundes zu streicheln.

„Darling," hört sie den Ausruf von oberhalb der Treppe und dreht ihren Kopf um eine ältere Frau in einem Kleid, das von Pailletten glänzt, die Treppe hinunter tänzeln zu sehen. „Was auch immer du kochst riecht absolut wundervoll. Ich wünschte fast, ich würde zum Abendessen bleiben."

Castle grinst und stellt die Flamme aus. „Ich kann dir immer einen extra Teller hinstellen, Mutter."

„Oh nein, Liebling. Du weiß ich kann nicht," seufzt seine Mutter, genauso dramatisch wie Castle sie beschrieben hat, aber die Frau leuchtet auf, als ihre Augen Kate erblicken. „Aber du musst mich dieser wunderschönen Kreatur vorstellen, bevor ich euch verlasse."

Kate errötet unter der Bewertung seiner Mutter, als sie in den Raum gefegt kommt, ein Daumen hoch mit Alexis teilt, die belustigt von der Couch zuschaut. Castle wischt eine seiner Hände an dem Geschirrtuch ab und tritt hinter sie, seine Hand zögert für einen Moment an seiner Seite bevor er sie auf Kates Rücken legt.

„Mutter, das ist Detective Kate Beckett. Kate, das ist Martha Rodgers."

Martha nimmt ihre Hand, hält sie mit beiden Sets ihre dekorierten Finger, während sie sie kräftig schüttelt.

„Es ist so eine Freude Sie zu treffen, Liebes. Richard hat gar nicht aufgehört von Ihnen zu reden, seit-"

„Mutter, kommst du nicht zu spät?" mischt Castle sich ein, die Hand auf ihrem Rücken leicht verkrampft, und Kate versucht gar nicht erst ihr Grinsen zu unterdrücken, erlaubt die Frau vor ihr, es zu sehen.

„So verlegen," schnaubt Martha und winkt ihm zu als sie davon flirrt um Alexis zum Abschied zu umarmen, und dem Hund einen Luftkuss zu geben.

„Das tut mir leid," murmelt Castle, seine Wangen einen subtilen aber liebenswerten Ton von Pink annehmend, und Kate nutz den Vorteil ihre High Heels um sich nur zur Seite zu lehnen, ihr Lächeln gegen eine der flammenden Wangen zu streifen.

Seine Augen vergrößern sich jedes Mal, wenn sie das tut, leuchten auf vor Überraschung und Freude, geben ihr den Mut Heute für einen Augenblick zu verharren.

„Das muss es nicht. Bisher mag ich deine Familie, Castle," murmelt sie gegen die Stoppeln, die die Haut seiner Wangen bedecken, von der sie glaubt, sie ist gerade noch ein bisschen wärmer geworden.

Rick findet eine ihrer Hände zwischen ihnen baumelnd und führt zum Esszimmer. Martha ruft ein letztes Auf Wiedersehen und Alexis erhebt sich vom Sofa um zu ihnen zu kommen, nimmt Becketts Aufmerksamkeit ein, während Castle in die Küche zurückkehrt.

„Also Dad hat mir erzählt, dass Benny für euer Treffen verantwortlich ist," sinniert Alexis, ein schlaues Grinsen auf ihren Lippen, während sie sich auf einen der gemütlich wirkenden Stühle setzt.

Kate macht es ihr nach, setzt sich ihr gegenüber und nimmt Alexis' subtiles Kopfschütteln als Zeichen, dass sie Castle nicht helfen sollte, das Essen zu servieren. Sie hat begonnen zu lernen, wie stur seine Behinderung in machen kann, wie unabhängig, und sie ist sich noch nicht sicher, ob sie das bewundert, oder sich deswegen sorgt.

„Ja, ich habe mich gerade angestellt um meinen Kaffee zu bestellen und dein Dad ist in mich gefallen," kichert sie.

„Ich bin nicht gefallen," informiert er, mit einer großen Platte, die vor Hitze dampft und einen köstlichen Duft abgibt, zum Tisch flanierend. „Ich habe dich graziös angestoßen."

Kate höhnt und steht von ihrem Platz auf, nachdem er das Huhn Parmigiana auf dem Tisch abgestellt hat. Sie geht um die Schüssel Pasta und das gekochte Gemüse zu holen, trotz seines kurzen Prostest, während er serviert. Minuten später, seufzt sie leise über den wunderbaren Geschmack, den reichen Ausbruch von Aromen auf ihrer Zunge.

„Castle, das ist fantastisch," kommentiert sie, sieht wie er strahlt, sich wie ein Pfau herausputzend während er selbstzufrieden auf seiner Gabel Engelshaarpasta kaut.

„Ich habe doch gesagt ich bin seit letztem Mal besser geworden," ruft er Alexis zu, die als Antwort ihre Augen verdreht.

„Letztes Mal hat Dad die falschen Zutaten genommen," erklärt Alexis, ihre Gabel auf ihrem Teller drehend, ein Stück übrig gebliebenes Hühnchen vom Tellerrand nehmend und es dem Hund unter dem Tisch gebend, den Kate zwischen ihnen beiden sitzen spüren kann. „Wir mussten Pizza bestellen."

„Ich kann nichts dafür, dass jemand den Essig da hingestellt hat wo das Olivenöl sein sollte," sagt er, seiner Tochter einen spitzen Blick von seinem Platz am Kopf des Tisches zuwerfend und Alexis neigt ihren Kopf vor seinem Blick.

„Ich bin froh, dass du mir das nicht erzählt hast, bevor ich mit dem Essen angefangen habe," murmelt Kate und erhält einen beleidigten Blick vom Mann neben ihr.

„Meine Kochkünste sind komplett vertrauenswürdig. So lange niemand die Zutaten wo anders hinstellt."

„Ich weiß nicht, Castle. Du musst wohl weiter für mich kochen, um das zu beweisen," sinniert sie, und beobachtet wie seine Mundwinkel sich nach oben kräuseln.

„Das kann ich tun," sagt er schulterzuckend, seine Augen wieder auf seinen Teller richtend, aber das Lächeln verlässt seine Lippen nicht.

Es verlässt die seiner Tochter auch nicht und vielleicht geht sie all das zu schnell an, aber dieses eine Mal, ertränkt sie die Panik nicht. Stattdessen schwimmt sie auf der Oberfläche, zum ersten Mal seit Jahren taumelig mit Schmetterlingen.


„Kate, du bist ein Gast," erinnert er sie, aber sie nimmt trotzdem den abgespülten Teller aus seiner Hand, stellt ihn in den Geschirrspüler.

„Und?"

Er schnaubt, fängt an einen weiteren Teller unter dem Wasserhahn abzuspülen. Alexis ist nach oben gegangen um für eine Prüfung zu lernen, die sie am Morgen hat, versprach zurück zu kommen um Auf Wiedersehen zu sagen, bevor Kate geht, und auch wenn sie die Anwesenheit des Mädchens genossen hat, ist sie auch erleichtert etwas Zeit mit Castle zu haben. Auch wenn er nicht will, dass sie ihm hilft das Geschirr abzuwaschen.

„Kann ich dich was fragen?" murmelt sie, nimmt das Weinglas, das er ihr reicht, und stellt es ordentlich in das untere Gestell.

„Sicher," antwortet er, aber Besorgnis versteckt sich in der höheren Tonlage seiner Stimme, und sie hofft, das übertritt keine Grenzen, aber sie will es wissen, der Detektive in ihr braucht die Wahrheit, die das alles Sinn ergeben lassen wird.

„Es geht um den Unfall," beginnt sie und er nickt, scheint es schon erraten zu haben. „Ich wollte nur wissen, ob ich deine Seite der Geschichte hören kann."

Er wartet für einen Moment, der Teller in seiner Hand noch immer zur Hälfte mit Tomatensauce überzogen.

„Meine Seite davon?"

„Ich weiß nur, was in den Zeitungen stand," erklärt sie, beobachtet das Spannen seines Unterarms, als er zu der Aufgabe das Geschirr zu säubern zurückkehrt. Er sieht gut aus, mit den Ärmeln hochgekrempelt. „Ich war immer irgendwie neugierig, was wirklich passiert ist."

Rick schluckt und für eine Sekunde fürchtet sie, dass sie zu früh zu weit gegangen ist, aber dann beginnt er zu sprechen.

„Ich hab Mutter zur Bank begleitet, damit sie sich für einen Kredit bewerben kann. Es hat ewig gedauert, ich erinnere mich dass ich gelangweilt war, Angry Birds auf meinem Handy gespielt hab, und dann habe ich diese Menschen bemerkt," murmelt er, seine Augenbrauen zusammenziehend während er die weiße Oberfläche des Geschirrs schrubbt. „Sie hatten OP-Kleidung an, Jacken, die die Waffen versteckten. Danach ging alles ziemlich schnell. Sie haben die Türen verriegelt, innerhalb von Minuten die Kontrolle an sich genommen, und es gab nichts was getan werden konnte. Eine Weile ist der Anführer der Gruppe nur mit den Vermittlern hin und her gegangen, aber sie hatten nie vor einen Deal auszuhandeln."

Kate bemerkt wie seine Finger um den Teller schlaff werden, ihm erlauben in den schaumigen See des Waschbeckens zu gleiten. Seine Augen starren geradeaus, erinnernd, seinen letzten Tag mit Augenlicht vor ihm wie einen Film abspielend, und sie schließt den Geschirrspüler, tritt näher zu ihm.

„Alles was ich danach noch weiß, ist dass ich das C4 gesehen habe, meiner Mutter gesagt habe, dass ich sie liebe … die Explosion ging los und ich kann es immer noch fühlen, wie es mich nach hinten in eine Wand geschleudert hat. Aber dann ist es nur … schwarz. Und so blieb es."

Seine Hände klammern sich um die Kante des Waschbeckens und Kate bedeckt eines der elfenbeinfarbenen Sets von Knöcheln mit ihrer Handfläche, ihre Finger um seine legend.

„Sie haben gesagt die Kraft der Explosion hat mich in eine Wand geschleudert, dass ich meinen Kopf zu hart gestoßen habe, dass es heftiges Trauma bewirkt hat," erklärt er, streckt sich nach seinem Genick und reibt daran bevor er seinen Finger über seinen Hinterkopf gleiten lässt. „Zunächst dachten die Ärzte die Blindheit wäre vorrübergehend, dass ich nur eine zerebrale Quetschung erlitten habe, die eine Schwellung und Blutung verursacht hat, die irgendwann abklingt und mich wieder sehen lässt." Rick seufzt, stellt seine Ellbogen auf die Kante des Waschbeckens, einen festen Griff um ihre Hand beibehaltend. „Aber nach einer Woche, als sie wieder kontrolliert haben, haben sie erkannt, dass mein Occipitallappen verletzt wurde, schlimmer als sie gedacht hatten, und dann haben sie mir gesagt, dass die Blindheit wahrscheinlich permanent ist."

„Kate lehnt sich an seine Seite, legt ihre Wange an seiner Schulter ab. Die Medien haben ihn als einen Arsch dargestellt, vor all den Jahren, vor der Bankexplosion, die sieben der fünfzehn Gefangenen getötet hat. Sie hatte seiner Arschloch Playboy Person geglaubt, nachdem sie unfreiwillig Ausschnitte eines Interviews im Pausenraum gesehen hatte, als sie lange gearbeitet hatten und Ryan die Talk-Show schauen wollte. Aber der Mann, den sie einst stirnrunzelnd im Fernsehen gesehen hatte, war nicht der gleiche, der neben ihr stand.

„Zu sagen, dass es mir leid tut klingt unzureichend," murmelt sie und er stößt einen Atem von leerer Belustigung aus.

„Ich brauche nicht, dass es dir leidtut," sagte er, streicht mit seinem Daumen über den Knochen von ihrem. „Ich lerne noch, aber ich komm besser damit klar."

Sie summt. „War Martha okay?"

„Zum Glück," nickt er. „Sie kam mit einem gebrochenen Bein davon, aber sie hat lange mit der Schuld gelebt, dass sie der Grund war, dass wir an dem Tag da waren. Jetzt ist es aber besser. Viel besser."

Kate studiert den Knoten ihrer Hände, das Durcheinander ihrer Finger, und sie lehnt sich weiter an seine Seite.

Viel besser.