Epilog


Ein Domino nach dem anderen war gefallen. Lincoln war begnadigt worden, genau wie Sara, und sogar Michael und Sucre, und allen anderen war gegen ihre Aussage Straffreiheit zugesagt worden, und auf einmal hatten es viele Leute sehr eilig gegen diese geheimnisvolle Company auszusagen. Vermutlich würde das nicht so schnell ihr Ende bedeuten, aber Aldo schien einen Plan zu haben sie endgültig zu erledigen, wollte seine Söhne in das alles aber nicht mit hineinziehen. Sie sollte ihre alte Leben wieder aufnehmen, und die Company, Fox River, und das Leben auf der Flucht weit hinter sich lassen.

Die immer noch untergetauchten Mitglieder der Fox River Acht wurden immer noch gejagt, doch niemand wollte ihnen mehr ans Leben.

Lincoln wurde mit L.J. wiedervereint, Sara war dabei ihre Lizenz zurückzubekommen, und Sucre wollte endlich Maricruz heiraten. Zumindest nach außen hin hatte es den Anschein, dass endlich alles gut wurde. Doch nicht für alle ließen sich die Dinge, die geschehen waren, so einfach zu den Akten legen.

Manche hatten neue Namen auf ihrer Haut stehen und mussten immer noch lernen damit umzugehen.


„Und Kellerman?", wollte Michael von Sara wissen.

„Untergetaucht. Ich weiß nicht wo er steckt und was er macht, aber … zumindest weiß ich, dass er immer noch lebt", meinte Sara und berührte abwesend ihren Kompass, „Ich bin nicht gerade glücklich darüber, dass so jemand auf meiner Haut steht, aber ich rede mir gerne ein, dass ich dazu beigetragen habe ihm den richtigen Weg zu zeigen, dass er sich meinetwegen dazu entschlossen hat das Richtige zu tun und sich wegen mir von der Frau gelöst hat, die ihn immer nur benutzt hat. Ich rede mir ein, dass ich ihm geholfen habe seinen Weg wiederzufinden, und dass er nicht auf meiner Haut stehen würde, wenn er tief drinnen nicht einst ein guter Mann gewesen wäre."

Michael nickte zustimmend. „Ich bin sicher, dass du der Grund für seine Umkehr aus der Finsternis warst, Sara. Für diejenigen, die uns wichtig sind, tun wir alles", meinte er.

„Genau das ist es ja. Er hat alles für Caroline Reynolds getan. Was hat ihm das eingebracht? Und was hat er Terrence Steadman eingebracht?", wollte Sara wissen, „Vielleicht ist es nicht gut für andere alles zu tun. Vielleicht ist nicht gut alles, was man tut, mit einen Namen auf seiner Haut zu entschuldigen."

Michael musterte sie aufmerksam. „Lincoln wäre gestorben, Sara. Sie hätten ihn hingerichtet. Ich konnte das nicht zulassen, das weißt du", erklärte er langsam, „Und ich weiß, dass es falsch war dich da hineinzuziehen, aber ich war verzweifelt."

„Darum geht es mir nicht", erwiderte Sara, „Ich weiß, dass du nur getan hast, was du dachtest tun zu müssen. Lincoln war unschuldig und wäre hingerichtet worden. Er ist dein Bruder. Kompass oder nicht, du hättest auf jeden Fall alles versucht, was in deiner Macht steht, um ihn zu retten. So bist du einfach gestrickt. Worum es mir geht bin ich und meine Entscheidungen. Ich habe mich dazu entschieden die Türe zur Krankenstation nicht abzuschließen, ich habe mich dazu entschieden dir zu helfen, obwohl ich wusste, dass es falsch war. Und ich könnte es jetzt damit rechtfertigen, dass ich wusste, dass Lincoln unschuldig war und sein Leben genauso retten wollte wie du, aber … die Wahrheit ist, dass ich nicht weiß, ob ich das auch getan hätte, wenn ich dein Name nicht auf meiner Haut gestanden wäre und wenn ich nicht so verknallt in dich gewesen wäre."

„Sara", begann Michael, doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen.

„Wie man es dreht und wendet, Michael, deine Bedürfnisse waren mir wichtiger als dir meine. Deine Lösung für all meine Probleme war mit dir nach Panama zu fliehen. Es ist dir nicht einmal in den Sinn gekommen für mich einzutreten. Ich weiß, dass ich dir wichtig bin. Du bist gekommen, als ich dich gebraucht habe, hast mich vor der Company beschützt, und du wolltest nur das Beste für mich. Aber am Ende von Tag hat mein Name auf deiner Haut dich nicht davon abgehalten mich zu benutzen. Du bist ein guter Mensch, Michael, ganz anders als Caroline Reynolds, aber das habt ihr beide gemeinsam. Deine Gründe waren edel, im Gegensatz zu ihren, aber trotzdem hast du mich benutzt", fuhr sie fort, „Und darauf kann man keine Beziehung aufbauen."

Michael senkte seinen Blick. „Ich verstehe", sagte er.

„Nein, das tust du nicht", meinte Sara, „Aber das ist in Ordnung, weil wir jetzt Zeit haben um neu anzufangen. Wir müssen nur beide einen Schritt zurückmachen, und uns ohne ständige Lebensgefahr neu kennenlernen. Und eines Tages werden wir vielleicht wirklich gute Freunde werden, zumindest hoffe ich das. Aber wo auch immer mich mein Kompass hinleitet, ich weiß, dass er mich nicht in die Rolle deiner Fluchthelferin/Gelegenheitsgeliebten leiten sollte. Wir alle – Lincoln, Mahone, Kellerman, du und ich - wir waren dazu bestimmt gemeinsam die Company und Reynolds zu stürzen, davon bin ich überzeugt. Aber ich habe auch gesehen, was passieren kann, wenn man zu viel und schnell in einen Namen auf seiner Haut hineininterpretiert, und ich will niemand sein, der einen Fehler dieser Art wiederholt. Ich will aus meinen Fehlern lernen. Was immer aus uns werden wird, sollte aus uns werden, weil es sich richtig anfühlt und nicht nur wegen der Umstände."

Michael nickte, sah sie aber immer noch nicht an. Aber das machte nichts. Eines Tages würde er es verstehen, zumindest hoffte sie das.


Sie trafen sich zum Essen. Genauergesagt Alex lud ihn zum Essen ein, was Michael verunsicherte, da er nicht wusste, wie er das einordnen sollte. Nach seinem Gespräch mit Sara war er sich nicht sicher gewesen, ob Alex im Grunde nicht genauso über ihn dachte wie die Ärztin. Immerhin war auch sein Leben wegen Michael aus den Fugen geraten, und immerhin hatte Michael auch aus seiner Position im FBI einen Vorteil gezogen. Er schloss also nicht aus, dass Alex ihn nur eingeladen hatte um ihn anzuschreien.

Doch der FBI-Agent schien nicht wütend zu sein, sondern war offensichtlich gut gelaunt und regelrecht nett zu Michael, was unerwartet kam. Alex hatte gegen die Company ausgesagt, hatte von den Erpressungs- und Nötigungsversuchen berichtet, da er aber keine schwerwiegenden Verbrechen auf Geheiß der Company hin begangen hatte (wenn man von Abruzzis Ende absah, das nur schwer nachweisbar war), war er straffrei davon gekommen. Das Thema Oscar Shales war bei der ganzen Sache scheinbar unter den Tisch gefallen – offiziell hatte Alex getan, was er getan hatte, weil seine Familie bedroht worden war, von der Leiche in seinem Garten war nie die Rede, und auch Michael hatte dieses Detail niemals erwähnt. Kellerman offenbar auch nicht.

Alles in allem gesehen, nahm Michael an, war Alex so gut wie es nur möglich war davon gekommen, vielleicht deswegen weil er sich dazu entschieden hatte sich gegen die Company zu stellen anstatt ihr zu gehorchen, als sein Moralgefühl sich zu Wort gemeldet hatte. Wenn er sich anders entschieden hätte, dann wäre Tweener nicht mehr irgendwo dort draußen auf der Flucht, sondern so tot wie Veronica, Lisa, Charles, und Saras Vater.

„Pam und ich sprechen wieder miteinander", informierte ihn Alex, „Das haben wir dir zu verdanken. Wenn du nicht zu ihr gegangen wärst, hätte sie sich nicht bei mir gemeldet, und dann wären wir jetzt nicht da, wo wir heute sind, sondern immer noch Fremde. Dafür wollte ich mich bei dir bedanken, Michael. Du hast mich nicht nur auf den rechten Weg zurückgebracht, du hast mir auch meine Familie zurückgegeben."

Das war eindeutig zu viel des Lobs. Was hatte er schon groß getan? Alex hatte sein Leben und seine Familie selbst zurückerobert, Michaels einziger Beitrag dazu war es gewesen ihm zu begegnen und auf seinem Kompass aufzuscheinen. Das war keine besonders beachtliche Leistung.

„Ich habe Pam alles gesagt, und manches davon mag sie schockiert haben, aber sie hält zu mir. Dadurch, dass wir über dich geredet haben, haben wir wieder gelernt miteinander zu reden, und uns daran erinnert, was wir aneinander hatten", fuhr Alex fort, „Ich bin jetzt in Therapie und bei den AAs. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich das Gefühl mein Leben wieder im Griff zu haben. Dafür bin ich dir sehr dankbar, Michael. Im Grunde genommen hast du mich gerettet."

Michael starrte auf seinen Teller. „Du denkst also nicht, dass ich dich ausgenutzt habe und du wegen unserer Verbindung zueinander Dinge getan hast, die du für jemand anderen nicht getan hättest?", wollte er dann leise wissen.

„Hat Sara das so gesagt?", wollte Alex wissen.

„Nicht in diesen Worten, aber das ist die Quintessenz", meinte Michael.

Alex schien darüber nachzudenken. „Ich bin mir sicher, dass sie das nicht so gemeint hat", behauptete er, „Zumindest nicht den Teil über dich. Sara hat in den letzten Monaten viel durchgemacht, und was sie jetzt braucht ist etwas Abstand und Zeit für sich selbst, damit sie sich über einige Dinge klar werden kann. Doch ihre Zuneigung zu dir steht nicht in Frage. Das weiß ich mit Sicherheit."

So etwas Ähnliches hatte Sara selbst ja auch gesagt, aber alles andere hatte sie eben auch gesagt, und mehr als entschuldigen konnte er sich nicht. Er wusste einfach nicht wie er nun, da der ganze Stress der letzen Monaten vorbei war, mit allen umgehen sollte, was sich in seinem Leben verändert hatte. Er wusste nicht wie er mit Sara umgehen sollte. Oder mit Alex, was das anbelangte.

„Warum essen wir ausgerechnet hier?", versuchte er vom Thema abzulenken.

„Das hier ist dein Lieblingsrestaurant, oder etwa nicht? Ich dachte, du würdest mal wieder herkommen wollen. Ein kleines Stück Normalität zurückzuerobern", erklärte Alex, und Michael fühlte sich wie vom Blitz getroffen. Manchmal vergaß er wie gut ihn dieser Mann kannte, den er eigentlich überhaupt nicht kannte. Er spürte wie ihm Tränen in die Augen traten, und er wandte sich ab. Er wollte nicht, dass Alex seinen Tränen sah, die ja nicht einmal für ihn selbst Sinn ergaben.

„Hey…." Alex hatte über den Tisch hinweg gegriffen und berührte nun seine Hand. „Nach allem, was du durchgemacht hast, ist alles, was du im Moment empfindest, vollkommen normal."

Michael schluckte, schluckte die ihn überkommende Verzweiflung hinunter, und wandte sich langsam wieder Alex zu. „Ich bin nicht gut in … normaler sozialer Interaktion", gab er dann zu, „Ich weiß nicht … wie das hier laufen soll."

„Wie möchtest du denn, dass es läuft?", erkundigte sich Alex, und das war eine gute Frage und während tausende abwegige Szenarien Michael durch den Kopf schossen, hatte er zugleich keinerlei brauchbar Antwort darauf parat. Er zuckte hilflos mit den Schultern.

„Ich habe keine Ahnung, um ehrlich zu sein", gab er zu, „Ich hatte eigentlich immer nur Lincoln, nicht nur prinzipiell, sondern auch auf meinem Kompass. Die wenigen anderen, die ich jemals wirklich in mein Leben gelassen habe, Veronica, Lisa, L.J., die kamen seinetwegen in mein Leben. Meine Mutter ist früh gestorben, und mein Vater … nun du weißt alles über meinen Vater. Ich komme gut mit Menschen klar, die nichts von mir erwarten, wie Sucre, aber Sara kann bestätigen, dass ich eine Enttäuschung für all jene bin, die sehr wohl etwas von mir erwarten. Ich weiß einfach nicht … ob es in meinem Leben überhaupt Platz für jemand gibt, der nicht Lincoln ist, in meinem echten Leben, meine ich."

Alex nickte, als wäre ihm das alles nicht neu, und vielleicht war es das ja auch nicht, vielleicht war genau das die Antwort, die er erwartet hatte. Er drückte kurz aufmunternd Michaels Hand. „Dann ist es ja gut, dass ich keinerlei Erwartungen an dich habe, Michael Scofield. Du hast mir schon mehr gegeben als mir zusteht", sagte er, „Also schlage ich vor, dass du dich einfach entspannst, und wir sehen wo das hier hinführt. Vielleicht war es das ja schon wieder, vielleicht haben wir die Rolle im Leben des anderen schon erfüllt, die uns bestimmt war zu spielen, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht können wir Freunde sein. Ich war in meinem bisherigen Leben auch nicht besonders gut darin andere hereinzulassen, aber möglicherweise ist die Tatsache, dass wir beide schlecht darin sind ein Hinweis darauf, dass wir zusammen lernen können uns zu ändern. Was immer der Fall ist, wir haben Zeit, wir stehen nicht unter Druck. Ich weiß, dass dir der Gedanke genauso viel Angst macht wie er dich erleichtert, aber es ist wahr: Du bist frei, Michael Scofield. Was immer die Zukunft auch bringt, du wirst sie als freier Mann erleben. Und du musst dich ihr auch nicht alleine stellen. Denn das ist es doch letztlich, was der Kompass uns allen sagt: Dass wir nicht alleine sind auf dieser Welt. Niemals."

Und das war ein seltsam tröstlicher Gedanke, fand Michael. Einer, dem seine Mutter vermutlich zugestimmt hätte.


Fin.


A/N: Ich habe am Ende einiges offen gelassen um eines Tages vielleicht eine Fortsetzung schreiben zu können, falls mir einmal danach sein sollte.

Das Ende ist zweischneidig, aber obwohl ich nichts gegen MiSa habe und das Ship so süß finde wie die meisten anderen Fans, ist diese Beziehung genauer betrachtet eine sehr ungesunde aus den Umständen gewachsene Beziehung, und deswegen wollte ich vor allem Sara die Chance geben zur Abwechslung einmal nicht ihr ganzes Lebensglück an eine andere Person zu binden, sondern einfach alleine glücklich zu sein. Niemand sagt, dass sie und Michael nicht vielleicht doch noch eines Tages ihr Glück finden, wenn sie sich richtig kennenlernen und nicht ständig alles um Leben und Tod geht.

Irgendwie sind am Ende also alle Single, wobei Alex noch die meisten Chancen auf eine Wiedervereinigung mit Pam hat, oder darauf bei Michael zu landen, ganz wie er möchte. Ich wollte vor allem, dass alle Figuren Zeit und Raum haben um ihre Wünsche und Prioritäten neu zu sortieren und zu heilen, was in der Serie auf Grund der Zeitspanne der Handlung gerade mal zwischen Staffel 4 und 5 möglich war, wo nur Sara geheilt ist, aber dafür ihr Gehirn verlegt hat.

Abschließende Reviews sind erwünscht.