Auf der anderen Seite des Raumes sahen der Sicherheitschef, Delenn und Lennier den Start der Flugstaffel vor dem Fenster. Sie vollführten waghalsige Manöver und färbten das schwarze Weltall teilweise bunt. Delenn lächelte höflich, als sie Garibaldis fragenden Blick auf sich spürte. Es ärgerte sie, dass er sie, offenbar gewollt, am Arm fest hielt und sie hier nicht fort konnte ohne ihn zu beleidigen.

Nach der Flugshow bugsierte der Sicherheitschef Delenn und auch Lennier bereits zur Tür, an der sie von seinen Sicherheitsleuten in Empfang genommen wurden und mit 23 weiteren Diplomaten zu den Transport Tubes und danach zum Garten gebracht wurden.

Es war der erste Tag des Erdenjahres 2260 und überall auf der Station liefen betrunkene Menschen und Aliens herum. Die Botschafterin registrierte ganz genau, dass sich Garibaldi immer in ihrer Nähe aufhielt und sie begann sich Sorgen zu machen. Als sie den letzten Gang zu den Gärten entlang gingen, fragte sie den Sicherheitschef dann auch: „Gibt es ein Problem? Eine Drohung oder Bedrohung?"

Michael lächelte jungenhaft. „Nein, Botschafterin, das sind normale Sicherheitsmaßnahmen."

Fünf Minuten hinter ihnen kam die zweite Gruppe Diplomaten inklusive Franklin, Sheridan und Ivanova. Letztere schwärmte über ein paar Flugmanöver der Piloten und der einsilbige Captain stimmte ihr ab und zu zu.

Im Garten herrschte Andrang. Die Party hatte offenbar schon längst ihren Höhepunkt erreicht und auf der Bühne lief Live-Musik. Die Ankunft der diplomatischen Delegation wurde nur am Rande registriert. Die Sicherheitsleute um sie herum wurden jedoch viel misstrauischer betrachtet. Delenn legte ihre Arme um ihren Körper als alle stehen blieben. Wären Lennier und Michael nicht in ihrer Nähe, würde sie sich noch unwohler fühlen als jetzt schon. Allerdings hatte sie die Hoffnung, dass die Lichtshow bald anfangen würde.

Lennier beobachtete seine Mentorin achtsam. „Vielleicht sollten wir gehen, Delenn?" schlug er vor.

Garibaldi hob fragend die Augenbrauen.

„Nein, nein, Lennier. Ich möchte es sehen. Es ist alles in Ordnung."

Plötzlich tauchte Sheridan hinter ihnen auf. „Ein frohes, neues Erdenjahr, Delenn," wünschte er ihr leise. Sie drehte sich herum und Lennier bemerkte, wie sie sich mehr entspannte und ruhiger wurde.

„Prost Neujahr?" erwiderte sie fragend, nicht sicher, ob sie die Erd-Floskel richtig angewandt hatte.

Der Captain lachte amüsiert. „Das sagt man mit etwas zu Trinken, meist etwas Alkoholischem, in der Hand." Sie lächelten sich an. Lennier versuchte woanders hin zu schauen.

„Frohes neues Jahr, Captain!" kam es vom Chief, der einen kurzen Blick zu seinen Sicherheitsleuten warf.

„Das wünsche ich dir auch, Michael! Du solltest deine Leute besser im Griff haben. Sie hätten mich fast nicht durch gelassen!" John verengte seine Augen und begegnete Garibaldis unschuldigem Gesichtsausdruck argwöhnisch.

„Ich .. muss ein Versehen sein." Er zuckte mit den Schultern. „Ich geh .. und suche mal Susan." Garibaldi verschwand zwischen den Diplomaten.

Die Musik auf der Bühne verstummte und das Licht ging aus. Es wurde komplett schwarz in den Gärten und die anwesenden Menschen und Aliens begannen sich leise und aufgeregt zu unterhalten.

„Es geht los." Sheridan konnte Delenn nicht sehen, aber sie musste vor ihm stehen.

„Ja." Delenn drehte sich wieder herum. „Lennier, das wird dir gefallen. Ich vermisse Minbar." Die letzten drei Worte rutschten ihr in der Sicherheit der Dunkelheit heraus. So oft sie auch die Station verließ, um zum Schiff des Grauen Rates oder kurz nach Minbar zu reisen, sie vermisste ihren Planeten trotzdem.

Mit sanfter Musik erschienen die ersten bunten Lichter über ihren Köpfen an der weit entfernten Wand der Raumstation, tanzten herum und wurden größer, bewegten sich auf Bäume, Sträucher und Personen im Garten zu. Es schien ein anderer Beginn zu sein, als am Tag zuvor. Aber dann vereinigten sich die Lichter und bildeten die Tiere der vielen, bekannten Welten.

„Ein Mammut," erklärte Sheridan hinter Delenn. „Leider ausgestorben."

„Ogatu," ertönte die atemlose Stimme von Vir neben dem Captain. „Eine scheußliche Kreatur," fügte Mollari an. Die scheußliche Kreatur sah flauschig aus und Delenn schmunzelte.

„Ein Tadapirasu. Ähnlich den Pferden auf der Erde. Es lebt auf der Drazi Heimatwelt." Lennier deutete auf ein sechsbeiniges Tier.

Die Botschafterin lachte auf und blickte kurz hinter sich zum Captain. „Da ist der Gok mit dem Tiger!"

„Ja," antwortete er und grinste sie an.

Überall auf der Wiese, auf den Wegen hörte man Lachen, Erklärungen und Ausrufe der Überraschung. Es herrschte eine schöne, friedvolle Stimmung. Als wenn es keinen Krieg geben würde. Alle waren vereint im Staunen, Wiedererkennen.

„Da ist ein Fadohk. Ein .. Schmetterling von Minbar." Delenn spürte John direkt hinter sich, als das Tier sich in viele Tiere anderer Welten, ähnlich den dortigen Schmetterlingen, aufspaltete und der minbarische Teil auf sie zu geflogen kam. „Wunderschön."

„Wie alles, das aus einem Kokon kommt." Sheridans Hände legten sich kaum spürbar auf die Schultern der Botschafterin.

„Dann sind Sie noch keinem Zadak von Centauri Prime begegnet, Captain," lachte Mollari und nippte angeheitert an seinem mitgebrachten Whiskeyglas.

Irgendwann wurden es zu viele Tiere, alle staunten nur noch stumm die Darbietung an und hingen ihren Gedanken im Einklang mit der Musik nach. Die Show endete nach einiger Zeit mit einem bunten Lichtfeuerwerk. Als die großen Lichter nach und nach wieder an gingen, zwinkerte Delenn verwirrt. Sie musste sich währenddessen nach hinten angelehnt haben. Die Botschafterin stieß sich ab und straffte ihren Körper. Die Hände des Captains ließen sie los.

Applaus brandete nach einigen Sekunden Pause auf. Begeisterungsrufe wurden laut und die Lichtkünstler betraten geschlossen die Bühne und verbeugten sich freudestrahlend vor ihrem tobenden Publikum. Delenn reckte den Kopf, sie wollte die Menschen sehen, die ihr so viel Freude bereitet haben.

„Soll ich sie Ihnen vorstellen, Botschafterin?" fragte Sheridan sie wieder förmlich.

„Ja, bitte" erwiderte sie fast zu leise für ihn. „Ich würde mich gern bedanken."

Mit Lennier, Vir und Delenn im Schlepptau bahnte sich Sheridan einen Weg durch die johlende Menge. Die Sicherheitsleute sahen sich verunsichert um, aber der Rest des Kommandostabes trat ebenfalls aus dem anderen Teil des diplomatischen Pulks heraus. Garibaldi bedeutete zweien seiner Leute ihnen zu folgen und schloss dann zum Captain auf.

Die kleine Gesellschaft erreichte bald die Bühne und traf dahinter auf die Künstler, die sich aufgeregt und mit vor Freude geröteten Gesichtern gegenseitig auf die Schultern klopften. Sheridan ließ Susan den Vortritt, schließlich müsste sie die drei Männer und eine Frau kennen. Ivanova ging auf Thomson zu und grinste breit. „Mr. Thomson, hier möchten Sie ein paar Diplomaten kennenlernen," sagte sie laut. Der Brite richtete sich auf und wischte sich wirres, blondes Haar aus den Augen.

„Mr. Thomson, eine wundervolle Vorstellung," sagte nun auch der Captain und schüttelte dem Chef der Künstlergruppe die Hand.

„Danke, Captain, aber wir sind ein ganzes Team." Thomson sah stolz zu seinen Mitstreitern und begann sie vorzustellen. „Jean Dow, meine Stellvertreterin, Gordon Dwellington, unser Mann für alles Technische und Tom King, er ist für die Genauigkeit der Darstellungen verantwortlich."

Sheridan schüttelte jedem die Hand, gefolgt von Delenn, Lennier und Vir. Während sich die Minbari verbeugten, nickte Vir den Künstlern nur freudestrahlend zu. Dahinter kamen der Doktor, Garibaldi und zuletzt Ivanova.

„Sie haben mir heute eine große Freude bereitet," sagte Delenn sanft, als sie sich vor Jean verbeugte. „Ich habe heute meine Heimat vermisst." Eine Verbeugung vor dem Techniker. „Aber Ihre Darbietung hat mich .. berührt." Sie blinzelte verwirrt, als sie nach der Verbeugung den durchdringenden, leuchtend blauen Augen des letzten Mannes in der Reihe begegnete, der ihre minbarische Verbeugung formvollendet erwiderte. Tom grinste, als hätte er eine ganze Horde Geißlein verspeist. Seine schwarzen Haare standen ihm wild vom Kopf ab, eine auffällige Narbe zierte seine Wange und ein Drei-Tage-Bart sprießte munter in seinem Gesicht herum. Alles an ihm wirkte wie ein Abenteurer, ein Pirat, nicht wie ein Künstler, wozu auch seine kräftige, imposante Statur und sein kantiges Kinn ihren Teil beitrug. Er erinnerte sie an jemanden aus ihrer Vergangenheit. Es war die Aura, die ihn umgab. Ihr wollte nur nicht einfallen, an wen genau er sie erinnerte.

„Mr. Lennier, Mr. Cotto," wandte sich Tom an die beiden Assistenten und grüßte sie überschwänglich. Delenn warf Lennier einen überraschten Blick zu.

Lennier lächelte höflich schmal. „Mr. King, schön Sie zu sehen." Und an Delenn gewandt: „Mr. King hat sich schon öfter Aufenthaltsgenehmigungen für unsere Kolonien und auch für Minbar geben lassen, wenn sie auch nicht so einfach zu beschaffen waren."

„Ja, Ihr Attaché war mir eine große Hilfe für dieses Projekt, Botschafterin Delenn aus der Familie der Mir vom Clan des Zehnten Tempels von Elleya" sagte der Künstler und beobachtete ganz genau ihre Reaktion auf seine Worte.

Er wurde nicht enttäuscht. Delenn sog hörbar die Luft ein und ein böser Blick traf Lennier. Doch offenbar war er unschuldig. „Sie sind gut informiert, Mr. King," sagte sie eisig, auch wenn alles an ihr anders reagieren wollte. Sie wollte weiter gehen, näher zu John, um seine beruhigende Präsenz aufzunehmen. Aber King hielt sie mit einem ausgestreckten Arm auf. „Tom," sagte er und aus einem kleinen technischen Gerät an seinem Arm sprang ein Miniatur-Gok aus Licht und hinüber auf Delenns Schulter. „Nennen Sie mich Tom, Botschafterin." Er nahm die Hand der überrumpelten Delenn, drehte die Handfläche nach oben und der Gok spazierte ihre Schulter, den Arm hinab bis auf die Handfläche, wo er sich hinsetzte und sich putzte. Dabei fiel er jedoch immer wieder tollpatschig um. Delenn lachte belustigt. Toms Daumen strich ihr über den Handrücken, den er während der kleinen Vorführung hielt.

„Oh oh," kommentierte Garibaldi das Geschehen vor ihm. In Sheridans Gesicht schienen sich Gewitterwolken zu sammeln.

Ivanova sah von ihrer Unterhaltung mit Mr. Thomson auf. „Was macht der da?!" flüsterte sie verärgert.

„Bienen, Blumen .." begann der Sicherheitschef.

„Ah, Tom ist unser Schürzenjäger," lachte Thomson gutmütig. „Sie entspricht seinem Beuteschema, exotisch, alien."

„Sie ist eine Botschafterin, zur Hölle, und das nicht von irgendeinem lumpigen, kleinen Planeten," knurrte Ivanova leise.

Der Gok lief nun von Delenns Hand hinüber zu Tom und verschwand in seinem Projektor. Er ließ ihre Hand langsam los. Die Botschafterin, vorhin noch kühl und verärgert, lächelte den Künstler an. „Danke .. Tom."

„Wenn Sie mir danken wollen, Botschafterin, lassen Sie sich heute Abend von mir zum Essen einladen," sagte King, fand prüfend in ihrem Gesicht jedoch Ablehnung. „Ich hatte noch nie die Gelegenheit eine Botschafterin kennenzulernen. Ich habe immer mit den Assistenten zu tun. Das bedaure ich sehr, Delenn." Er lächelte und seine Narbe ließ sein Gesicht noch überzeugender wirken.

Neben ihnen scharrte Sheridan mit den Füßen, die Hände krampfhaft auf dem Rücken verschränkt. Er räusperte sich und holte Delenn damit aus ihrer Zusage und sie schloss die geöffneten Lippen wieder, sah zum Captain.

Doch auch auf so etwas war Tom vorbereitet. „Oh, ich wusste nicht .. das Sie .. beide .. das tut mir leid," gab er vor erschrocken und peinlich berührt zu sein.

„Nein, nein, ehm," sagte Sheridan, unsicher kopfschüttelnd, lächelnd und verfluchte sich innerlich für die viel zu schnelle Reaktion.

Die Botschafterin runzelte die Stirn, wandte sich wieder ihrem Gegenüber zu und lächelte. „Ich gehe gerne mit Ihnen essen, Tom."

„Wunderbar. Ich hole Sie gegen 1900 von Ihrem Quartier ab, Delenn." Tom King verbeugte sich wieder ehrerbietend und beglückwünschte sich in Gedanken selbst für sein Können. Die Botschafterin der Minbari von Babylon 5, ein schwieriges, aber offenbar nicht aussichtsloses Ziel. Und nach allem, was er über sie wusste und er wusste viel, war sie einzigartig. Ein Ziel, das sich lohnte alle Register zu ziehen.

Nun endlich ging Delenn weiter, damit auch die anderen Tom King die Hand schütteln konnten. Die Botschafterin stellte sich hinter Sheridan, nutzte ihn als Schild vor dem Menschen, der sie auf so vielen Ebenen verwirrte wie es sonst nur der Captain selbst schaffte.


Delenn saß im Zen Garten, der einzige, der von den Feierlichkeiten der Nacht verschont geblieben war. Sie hatte schlecht geschlafen und ihre Morgenmeditation verlief auch nicht wie gewünscht. Aber hier bei den Steinen und dem leise rauschenden Wasser konnte sie sich von den Gedanken frei machen. Sie wusste noch immer nicht, an wen sie dieser Mensch erinnerte. Es war eine vertraute Aura und es musste sehr lange her sein. Jemand setzte sich neben sie. „Was gibt es, Lennier?" fragte sie ohne die Augen zu öffnen.

„Ich habe die Vorbereitungen für die morgige Ratsversammlung abgeschlossen, Delenn. Die Unterlagen liegen in Ihrem Quartier. Danach will Captain Sheridan kurz mit Ihnen alleine über .. die Essenslieferungen .. sprechen." Delenn schmunzelte, als ihr Attaché etwas streng Geheimes in so betont unbetonte Worte kleidete. „Und am Nachmittag gegen 1400 stehen noch Handelsgespräche mit den Abbai an."

„Das ist alles?" Die Botschafterin öffnete nun doch ihre Augen und wandte sich Lennier zu. Ihr Assistent nickte mit einem kleinen Lächeln in seinen Mundwinkeln, das dort immer zu sein schien.

„Danke, Lennier. Du nimmst mir immer viel Arbeit ab und ich wüsste wirklich nicht, was ich ohne dich machen sollte," sagte sie leise und berührte kurz seinen Unterarm.

„Möchten Sie," begann Lennier, als sie sich schon wieder ihrer Meditation zuwenden wollte. „Möchten Sie tatsächlich heute mit diesem Künstler essen gehen, Delenn?"

Sie runzelt die Stirn. „Ja, wieso? Du kennst ihn besser als ich, Lennier. Sollte ich etwas wissen?"

Ihr Attaché sah zu den Steinen hinüber. „Er wird Sie nicht ins Fresh Air einladen, so viel ist sicher. Und diese Station hat einige gefährliche Orte, Delenn."

„Du bist selbst oft mit mir auf der Untersten Ebene gewesen. Ich wurde, genau wie du, im Tempel ausgebildet," erinnerte sie ihn lächelnd.

Lennier nickte. „Er .. er geht gern Risiken ein, Delenn. Treibt sich an Orten herum, die Außenstehende nicht betreten dürfen. Ich habe ihm da ein, zwei Mal herausgeholfen. Aber es scheint zu seinem Charakter zu gehören. Vir hat Ähnliches über Mr. King erzählt."

„Er ist also .. neugierig?" fragte die Botschafterin grinsend nach. „Interessiert sich für andere Kulturen und stolpert dadurch in unangenehme Situationen, weil er .. es vielleicht nicht besser weiß?"

Nun schüttelte ihr Assistenten vehement den Kopf und seine Stimme wurde beschwörend. „Nein. Er wurde mehrfach gewarnt. Er spricht mehrere Sprachen und trotzdem hört er nicht auf die Warnungen, Delenn! Geheiligte Orte sind nichts für Außenweltler! Er gibt sich vielleicht als Künstler aus, aber möglicherweise ist er nichts weiter als ein .. Hitzkopf, wie ihn Mr. Garibaldi nennen würde."

Delenns Gesicht verfinsterte sich. Er hat geheiligte Orte betreten? „Danke für die Warnung, Lennier. Ich werde vorsichtig sein. Letzten Endes ist es nur ein Essen. Und ich werde .. Tom darauf hinweisen, dass man geheiligte Orte nicht einfach so betritt."


Der Türsummer ging pünktlich an und die Botschafterin legte die Unterlagen für morgen früh zur Seite. Sie hoffte, dass sie ihre unbedachte Zusage zu diesem Essen nicht noch bereuen würde. „Öffnen!" Das Schott schwang zur Seite, doch statt einzutreten steckte Tom King nur seinen Kopf durch die Öffnung, als wäre er sich nicht ganz sicher. Dann grinste er breit und machte ein paar Schritte in Delenns Quartier hinein. Sie stand von der Kücheninsel auf, legte die Papiere auf den Tisch des Wohnraumes und glättete mit einer Bewegung die Falten der burgunderroten Robe.

„Sie sehen bezaubernd aus, Delenn," sagte er und ließ seinen Blick über sie und durch ihr Quartier schweifen. Toms Haar war etwas weniger wild und den Bart hatte er sich abrasiert. Seine Kleidung war komplett schwarz, was Delenn einen unguten Schauer über den Rücken jagte, da es sie an die Schatten erinnerte. „Sehr .. minbarisch hier. Viele Dreiecke." Er machte eine allumfassende Geste in den Raum hinein.

„Danke, Tom. Vielleicht weil es das Quartier der Botschafterin von Minbar ist?" fragte sie belustigt und ging auf ihn zu. „Wollen wir?"

„Ja, natürlich." Er bot ihr seinen Arm an und sie hakte sich bei ihm ein, wie sie es sonst nur bei Personen tat, die ihr näher standen.

Im Grünen Sektor mit der Botschafterin der Minbari am Arm, dachte Tom und grinste den Sicherheitsleuten auf ihrem Weg zur nächsten Transport Tube selbstsicher zu. Er hatte immer auf diese Chance gehofft, sie aber nie umsetzen können bei seinen vielen Besuchen auf der Station.

„Rot vier." Delenn sah ihn von der Seite aus an. „Überrascht?" fragte er mit einem Zwinkern seiner hypnotisch blauen Augen.

Sie zuckte mit den Schultern. „Lennier vermutete, Sie würden mich in den Grauen Sektor entführen."

„Das mache ich, NACHDEM ich Sie mit Essen vollgestopft habe. Sie können dann vielleicht nicht mehr so schnell rennen," sagte er in verschwörerisch spielerischem Tonfall und beugte sich zu ihr herunter.

Delenn konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Weiß Valen, warum er sie so einfach dazu bekam. „Sie kennen sich doch mit Minbari aus, Tom. Wir sind viel stärker als Ihre Spezies."

„Nun," sagte er und näherte sein Gesicht noch mehr dem ihren. „So wie ich das sehe, Delenn, sind Sie nur noch halb so stark wie eine volle Minbari, aber tausendmal schöner." Er sah die Zweifel an seiner Aussage in ihren Augen. Entweder sie war eine harte Nuss oder noch immer so unsicher ob ihren neuen Körpers wie es in ihrem Interview bereits den Anschein gemacht hatte. Er lächelte, er liebte Herausforderungen.

Die Tür der Transport Kapsel ging auf und zwei Personen davor machten ihnen Platz, damit sie aussteigen konnten. „Botschafterin," grüßte Garibaldi sie und deutete dann mit dem Zeigefinger auf ihren Begleiter. „Und .. Mr. King."

„Delenn."

„Captain, Mr. Garibaldi," sagte sie leise und schlüpfte zwischen ihnen hindurch, unfähig Sheridan mehr als eine Sekunde lang anzusehen.

Tom folgte ihr mit einem großspurigen Lächeln. „Meine Herren," sagte er und nickte Garibaldi und dem faustballenden Captain fröhlich zu. Diese sahen ihnen kurz hinterher, bevor sie die Transport Tube betraten.

„Blau sieben!" Eine kurze Stille entstand. „Ich mag ihn nicht," sagte Garibaldi kopfschüttelnd.

„Hast du ihn überprüft?" fragte der Captain.

Der Sicherheitschef musterte seinen CO. „Nein, soll ich?"

Sheridan wandte den Kopf zur Seite und begegnete Michaels Blick. „Nun, ich würde sagen, es gehört zu deinen Aufgaben die Diplomaten und Botschafter zu schützen, oder?"

Garibaldi lag etwas wie ‚Aber nicht ihnen nachzuspionieren, weil mein kommandierender Offizier ein oder zwei Augen auf eine Botschafterin geworfen hat.' auf der Zunge. Langsam kam er zu dem Schluss, dass seine Beherrschung mehr wert war als 50 Crediteinheiten. „Natürlich. Ich .. lasse ihn durchchecken."


„Augen zu!"

„Meine Augen sind zu, Tom," erwiderte Delenn zum wiederholten Mal.

„Sie blinzeln. Das sehe ich doch!" behauptete er und führte die Botschafterin in einen Raum, noch bevor sich das Schott hinter ihnen schloss, legte er ihr seine Hand von hinten auf die Augen.

„Das ist unnötig," protestierte sie, als er sie weiter in das Zimmer bugsierte.

„Also gut, das reicht. Augen auf, aber nicht schreien! Die Pak'ma'ra erschrecken sich sonst."

Delenn verdrehte die geschlossenen Augen. „Tom, die Hand."

„Stimmt, Verzeihung." Er führte seine Hand nach unten über ihre Nase und den Mund, bevor er sie zurück zog.

Die Botschafterin öffnete nun langsam die Augen und unterdrückte ein Schwindelgefühl. Instinktiv trat sie zurück und suchte bei ihrem Begleiter Halt, um nicht zu stürzen.

Der ganze Raum sah dreidimensional aus als würden sie sich im Weltraum befinden. In der Mitte war ein weiß gedeckter Tisch, darunter eine Decke und Kissen zum Sitzen, alles schwebend im All. Auf dem Tisch befanden sich Speisen und Getränke und im Hintergrund konnte Delenn leise Musik hören.

Ja, so hatte er sich das vorgestellt. Tom hielt die Botschafterin fest in seinen Armen. „Alles in Ordnung?" fragte er besorgt.

„Ich fürchte, Ihre Illusion löst Schwindel in mir aus," erwiderte sie und schloss die Augen wieder.

„Ich ändere das Bild, Delenn. Einen Moment noch." Der Künstler nahm eine Hand von ihrer Hüfte und berührte das Aufzeichnungsgerät an seinem Arm. „Jetzt."

Delenn öffnete die Augen wieder und fand sich auf einem Platz inmitten von Tuzanor wieder. „Tuzanor."

„Eine der schönsten Städte, die ich je besuchen durfte," sagte er und führte sie Schritt für Schritt zum gedeckten Tisch hinüber. Sie setzten sich gegenüber auf die Kissen. „Gordon hat mir bei der Technik hier geholfen und Jean beim Essen. Ich hoffe, es gefällt Ihnen."

Sie lächelte. „Das tut es. Richten Sie Ihnen meinen Dank aus, Tom." Delenns Blick erkannte Flarn und andere Gerichte von Minbar, dann sah sie sich auf dem leeren Stadtplatz um. „Darf ich Sie etwas fragen?"

„Nur raus mit den Fragen, Delenn," forderte er sie auf und goss ihnen beiden Wasser in die Gläser.

„Sie scheinen keinen Groll auf uns Minbari zu haben, Tom. Haben Sie nicht im Krieg gedient?"

King atmete scharf ein und dann wieder aus, als er sie offen über den Tisch hinweg ansah. „Meine Schuld, aber wer hätte ahnen können, dass Sie gleich mit den schwierigen Fragen anfangen?" Er lächelte kurz und räusperte sich. „Ich war im Krieg. Ich .. war bei der Aufklärung, Spion, wenn Sie so wollen. Das heißt auch, dass ich mit den eigentlichen Kampfhandlungen kaum etwas zu tun hatte. Und .. wir haben nun mal zuerst geschossen .. Ich habe keinen Groll, Delenn. Nicht mehr, wenn ich ihn jemals hatte. Ich bringe Ihrer .. Kultur sehr viel Zuneigung entgegen. Wussten Sie, dass Zuneigung bei den Onteen Delenn heißt?"

Delenn hätte fast in ihr Wasserglas geprustet, das sie für einen Schluck gehoben hatte. Respekt, er wusste, wie man ein unangenehmes Gesprächsthema umbog. „Genau genommen heißt es Dehe'lann. Aber das wissen Sie sicher." Sie grinsten sich an. „Die Narbe in Ihrem Gesicht, stammt sie aus dem Krieg?"

Tom schüttelte den Kopf und begann ihr Essen auf den Teller zu schaufeln. Delenn deutete ein ums andere Mal an, dass sie genug auf ihrem Teller hatte. „Nein, die ist von meinem einzigen Aufenthalt auf Narn vor ein paar Jahren. Ich sammelte Bildaufzeichnungen von Tieren und .. vielleicht versuchte ich mit der falschen Narn das Bett zu teilen." Seine Augen waren fest auf Delenn gerichtet. „Ich hoffe, Sie haben keinen Dolch neben dem Bett."

Die Botschafterin runzelte die Stirn. „Das werden Sie nie erfahren, Tom."

Autsch, aber bei der religiöse Kaste hätte er sich nicht wundern dürfen. Nur nicht aufgeben! „Also gut, bleiben wir beim Krieg. Warum haben die Minbari kapituliert? Sie gehörten .. zur Regierung, Delenn, Sie müssten das wissen."

Ihr Mund blieb kurz offen stehen und schloss sich gleich wieder, als sie seinen triumphalen Gesichtsausdruck sah. „Sie waren offenbar ein sehr guter Spion. Und der Grund unserer Aufgabe ist geheim. So geheim, dass ihn nicht einmal ein sehr guter Spion heraus finden kann."

„Ich bin kein Spion mehr, ich bin Künstler," erklärte er und schluckte einen Bissen hinunter. „So wie Sie jetzt Botschafterin sind." [Die Dinge ändern sich.] fügte er in bestem Adronato an.

[Aber Ihre Abenteuerlust hat sich nicht verändert. Lennier wird Sie nicht mehr retten, wenn Sie noch einmal eine unserer heiligen Stätten betreten und den unbedarften, dummen Touristen spielen!]

Tom zog die Augenbrauen hoch und lachte laut auf. „Eine Drohung?" fragte er belustigt. Sie wurde mit einem Schlag noch sehr viel attraktiver für ihn. Er wollte sie, unbedingt.

„Ein Versprechen," gab Delenn zurück und aß etwas Flarn. Sie musste zugeben, dass diese Menschen das Essen gut zubereitet hatten.

Tom musterte sie über den kleinen Tisch hinweg. So schwierig war es für ihn noch nie, normalerweise reichten sein Charme und ein paar Komplimente aus. Sie schien ihn zu mögen und gleichzeitig auch nicht. „Also gut, sehen wir uns die beiden Zwischenfälle an, Delenn!" Er tauchte ab und legte sich auf die Decke, mit dem Gesicht nach oben.

„Was tun Sie da?" Delenn stellte ihr Glas ab und sah verwundert zu ihm.

„Ich will Ihnen etwas zeigen. Kommen Sie, machen wir eine kleine Essenspause!" Er klopfte neben sich auf die Decke.

Sie zögerte, gab jedoch nach und legte sich mit einem gebührendem Abstand zu ihm auf den Boden. Als nichts passierte, drehte sie den Kopf zu ihm, aber er grinste nur und deutete nach oben. An der Zimmerdecke drehte sich Minbar, grau-weiß und schön wie sie es kannte. Delenn seufzte.

„Festhalten!" Die Aufzeichnung zeigte wie jemand in die Atmosphäre eindrang und auf einem Raumhafen landete. Dann wurde das Bild schwarz, aber nicht komplett. Es war Nacht auf Minbar und vor der Kamera schwebten Dafilis, ein ganzer Schwarm von ihnen. „Hallo, ihr Hübschen," hörte sie Tom hinter der Kamera flüstern. „Ihr seid noch schöner als eure Verwandten, die Glühwürmchen, auf der Erde. Lasst mich näher ran an euch! Ich werde euch nichts tun!" Die Dafilis taten ihm nicht den Gefallen und schienen ihn zu locken, immer vor seiner Nase hin und her schwebend. Delenn war fasziniert von der Aufnahme, sie lächelte sanft und Tom nutzte dies gleich aus, indem er näher auf der Decke an sie heran rutschte. Ein paar Minuten lang folgte die Kamera den Dafilis durch die Wildnis.

[Stehenbleiben!]

Die Kamera schwank herum und zeigte zwei Krieger mit gezogenen Waffen.

[Sie haben Eritu'a betreten, Mensch!]

[Was?] Der Tom auf der Aufzeichnung antwortete in Adronato, während die Krieger ihn in Feek ansprachen. [Es tut mir leid, ich spreche kein Feek.] sagte Tom nun auf Lenn'a, der Sprache der Arbeiterkaste.

[Sie befinden sich auf geheiligtem Land, Außenweltler!] sagte einer der Krieger auf langsamem Adronato. [Sie haben hier nichts zu suchen!]

[Ich entschuldige mich dafür. Ich bin den Dafilis gefolgt.] Die Kamera schwenkte zurück zum Schwarm und dann wieder zu den Kriegern. Tom sprach ebenfalls auf Adronato.

[Wir hätten sie auslöschen sollen, als wir die Chance dazu hatten!] knurrte nun Krieger Nummer zwei auf Feek. [Sie sind Wilde und haben keinen Anstand!]

[Dafilis gibt es nur hier. Ihnen wurde gesagt, Sie sollen sich von Eritu'a fernhalten! Mitkommen!] Krieger eins warf seinem Kollegen einen leicht tadelnden, aber auch verschwörerischen Blick zu. [Hier hast du deine Chance. Auf dem Weg zurück kommt man leicht ins Stolpern.] Wieder auf Feek gesprochen.

Die Kamera passierte die Krieger und man konnte Tom tief durchatmen hören. Dann begann sie zu wackeln, als er von den zwei Minbari zusammengeschlagen wurde und das Bild wurde erst schwarz und zeigte dann wieder den Planeten.

Delenn kaute auf ihrer Unterlippe herum, drehte den Kopf wieder zu Tom und sie bemerkte erst jetzt wie nah er ihr gekommen war. „Es tut mir leid, was Ihnen da passiert ist, Tom," murmelte sie. An wen erinnerte er sie nur? „Aber .. Sie sprechen Feek. Das ist vermutlich die erste Sprache, die Sie im Krieg gelernt haben."

„Das stimmt, aber das wussten die beiden ja nicht. Es ist immer gut, ein paar Karten in der Hinterhand zu haben." Er lächelte schief.

„Ein .. paar Karten..?" fragte sie und ihre Nasenspitze kräuselte sich.

„Oh, ehm, es ist gut, sein Können, Wissen zurückzuhalten und nicht gleich offen zu legen," erklärte er schmunzelnd. Tom stützte seinen Kopf auf seine Hand, um besser auf Delenn herab sehen zu können. [Redewendungen. Dieses Problem habe ich auch mit Ihrer Sprache, Delenn. Wie viele Sprachen sprechen Sie?]

Die Botschafterin schien nachzudenken, zu zählen. [Ich .. weiß es nicht genau. Viele, aber von einigen leider nicht genug ..]

[Die Sprache der Liebe scheint nicht dazu zu gehören.] Tom lächelte wölfisch.

[Die Sprache der Liebe ist ein ganzes Leben lang her.] erwiderte sie, sah in seine blauen Augen und plötzlich traf Delenn die Erkenntnis wie ein Schlag mit einem Denn'Bok.

Er bemerkte die Veränderung in ihren Augen, den kurzen, schwachen Moment der Vergangenheit. Tom beschloss, sie wie ein scheues Reh zu behandeln. Nur nicht zu schnell, nur nicht zu überhastet, aber der Zeitpunkt war günstig. Er näherte seinen Kopf dem ihren, wartete kurz und als sie ihn nicht von sich schob, küsste er sie sanft, nicht zu fest, nicht zu lange. Delenn hatte ihre Augen geschlossen.

„Sinoval," flüsterte die Botschafterin und öffnete dann ihre Augen wieder. Sie sah traurig und verletzlich aus.

Tom durchforstete sein Wissen über die Minbari, der Name klang vertraut. War er nicht ein General? „Es tut mir leid .. ich wollte nicht .. Sinoval?" brachte er überzeugend heraus.

„Du erinnerst mich an ihn. Ich hatte ihn fast vergessen. Es ist .. schon so lange her." Was machte sie hier? Delenn versuchte den Moment abzuschütteln, wieder ihre Mitte und Festigkeit zu finden.

„Mich hat noch nie jemand mit einem Minbari verglichen. Ich war immer so stolz auf meine Haare," scherzte Tom grinsend.

„Es ist nicht dein Aussehen .." Sie stoppte ihre Erklärung. Dann hob sie ihre Hand und Tom war mehr als einverstanden, als sie ihre Finger durch sein Haar gleiten ließ. Doch als er erneut versuchte sie zu küssen, hielt sie ihn davon ab. „Da .. war noch eine zweite Aufzeichnung?" fragte Delenn heiser.

„Ja, ja, da gibt es noch den zweiten Zwischenfall." Verdammt noch mal! Tom legte sich wieder neben sie und startete die Bilder. „Aber hier, naja, ich tat es wissentlich. Es war ein Fehler. Meine Schuld."

Nach dem Planeten und dem Raumhafen erschien eine Straße neben einem Gebäude. [Tom, Tom, du musst mitkommen! Sie sind endlich geschlüpft! Du musst sie dir ansehen!] Eine junge Minbari, eine Akolytin, erschien im Bereich der Kamera. Sie war hübsch. Delenn warf dem Künstler einen kurzen Seitenblick zu und hätte fast das Wichtigste verpasst.

[Ich kann nicht, Hah'lal, ich darf keine Tempel betreten und erst recht nicht diesen!] Die Kamera erfasste das Gebäude in Gänze, zeigte es in seiner vollen Pracht.

Die Botschafterin erkannte ihn sofort und sie hielt die Luft an. „Der Tempel der Schwestern von Valeria!" Ein weiteres Mal sah sie zu Tom, der begegnete ihrem Blick und sah so zerknirscht drein wie er nur konnte.

[Aber niemand wird uns sehen! Ich kenne den Weg nach oben genau. Du-musst-sie-sehen!] Hah'lal ließ nicht locker und nahm seine Hand, zog und zerrte ihn in Richtung Seiteneingang.

[Die werden mich töten, wenn sie mich erwischen! Sei doch vernünftig! Kein Dokrah Baby ist das Risiko wert!] Kurz vor der Tür hielt der Mensch sie zurück, wehrte sich nach Kräften.

[Aber etwas anderes von mir ist es wert?] fragte sie und sah ihn scheu von unten aus an.

[Ihr Minbari spielt mit eurem Essen bevor ihr es tötet, hm? Aber ja, das ist es definitiv wert, Hah'lal.] Tom gab seufzend nach. Die Kamera sah sich nach allen Seiten um und folgte der Akolytin dann in den von Kerzen erleuchteten Tempel hinein.

Delenn schnaubte entrüstet neben ihm.

Es dauerte eine Weile, in der das ungleiche Paar durch Gänge lief und stumm und leise zuletzt die Treppen bis in den Turm hinauf erklomm. In einer Ecke befand sich ein Nest, in denen zwei Dokrah Babys krächzten. Die Mutter war zum Glück nicht in der Nähe. Die Kamera zoomte heran. Die Tiere sahen aus wie so ziemlich jeder noch nackte Vogel in der Galaxis. Nur auf ihren Köpfen prangten die später bei den ausgewachsenen Tieren so charakteristischen drei Federn in den Farben blau, rot und golden.

[Sie sind wunderschön.] Die Kamera erfasste jetzt wieder Hah'lal. [Danke.]

[Und nun zu deiner Belohnung.] Die Akolytin küsste ihn und dieser Kuss dauerte sehr viel länger.

[Wir müssen gehen, Hah'lal. Bevor uns noch jemand erwischt.] Dieses Mal war es Tom, der die junge Minbari hinter sich her zog. Er hatte sich den Weg gemerkt und so schlug er denselben für den Rückweg ein.

In einem etwas helleren Gang bogen sie um die Ecke und standen plötzlich vor einer Priesterin, die von zwei Tempelwächtern flankiert wurde.

Delenns Oberkörper schnellte nach oben, als wäre sie ein Pfeil. „Stop!" rief sie aus.

Tom hielt irritiert die Aufzeichnung an.

Die Botschafterin starrte entgeistert an die Decke. Erst Sinoval und nun das! „Was, was für ein Spiel ist das? Warum ..?" Sie stand auf, entfernte sich vom Tisch und schlang ihre Arme um den Körper.

Der Künstler verstand nicht und erhob sich ebenfalls. „Wovon sprichst du?" Tom sah nach oben zum Bild. „Kennst du einen der drei?"

Delenn drehte sich um, ging auf ihn zu und betrachtete sein Gesicht genauer, suchte nach Lüge und Betrug. „Du weißt so viel über mich. Und das willst du nicht gewusst haben? Wie ist dir das entgangen?"

Tom runzelte die Stirn. Er war nicht dumm, aber jetzt gerade, wusste er nicht viel weiter, als zu raten. „Geht es um die Priesterin?" fragte er. „Sie schien ein gutes Wort für uns einzulegen, als sie meine Aufenthaltsgenehmigung gesehen hatte. Ist sie .. eine Verwandte?" Auch er studierte Delenns Gesicht und sah, dass er richtig lag. „Mutter?"

Delenn wandte sich ab.

„Zur Hölle, Delenn, wie hätte ich das wissen können?! Es gibt tausende Priesterinnen von Valeria und die Verwandtschaft des Grauen Rates hat niemanden der Erdstreitkräfte interessiert!" fluchte er frustriert. Dieser Mist warf ihn wieder zurück auf Anfang und das, wo er gerade so gute Fortschritte mit ihr machte!

Die Botschafterin sah noch einmal hoch, dann drehte sie sich wieder um. „Ich .. ich möchte jetzt gehen."

Tom nickte langsam, schaltete die Aufzeichnung aus und ging auf Delenn zu. „Dann lass mich dich wenigstens zu deinem Quartier begleiten."

Ihre Mundwinkel zuckten leicht. Das muss weit verbreitet auf der Erde sein. Sie nickte zustimmend, fragte beim Hinausgehen aber: „Warum macht ihr Erdenmänner das?"

„Was? Das Nach-Hause-Begleiten?" fragte er, nahm ihre Hand und führte sie durch die Ausflügler des Roten Sektors hindurch zur nächsten Transport Tube. Sie nickte. „Damit wir wissen, das ihr auch morgen noch da seid und nicht unterwegs verletzt werdet. So was in der Art."

„So was in der Art," wiederholte Delenn. „Also wisst ihr es auch nicht. Es ist wahrscheinlich ein altes Ritual oder eine Tradition wie das Tanzen."

Sie betraten den Lift und Tom nannte ihm ihr Ziel im Grünen Sektor. „Ist Tanzen nicht einmal ein Paarungsritual gewesen?" erkundigte er sich dann zeitverzögert. Sein Kopf war mehr damit beschäftigt Strategien zu entwickeln, damit sie ihn noch einmal in ihr Quartier ließ.

„Ja, aber offenbar ist es das nicht mehr."

„Wirklich?" grinste Tom. „Es kommt wahrscheinlich darauf an mit wem und wo man tanzt. Mit mir wäre es mit Sicherheit ein Paarungsritual."

Delenn schmunzelte sacht und legte sich verlegen eine Hand unter ihre Haare in den Nacken.

Tom begann zu husten, kaum, dass sich die Türen zum Grünen Sektor geöffnet hatten.

„Alles in Ordnung?" Delenn sah ihn besorgt an.

Er nickte. „Das wird schon wieder. Die Luft hier ist einfach zu trocken."

An ihrer Tür angekommen, steckte sie ihre Karte und tippte den Code ein. Das Schott schwang zur Seite und Tom wurde von einem neuerlichen, noch heftigerem Hustenanfall geschüttelt. Delenn wandte sich ihm zu und er sah ihr förmlich an wie sie mit der fürsorglichen Seite ihres Charakters rang. „Möchtest du einen Tee?"

Bingo! „Ja, bitte," krächzte er und grinste zufrieden, als sie voran hinein ging und er ihr folgen durfte.

Auf dem Weg zur Kücheninsel hustete Tom vorsorglich noch ab und zu, setzte sich schließlich auf einen Barhocker und sah Delenn dabei zu wie sie Wasser erhitzte und Teeblätter zurecht legte.

„Wie war sie?" fragte sie währenddessen und ohne ihn anzusehen.

Er atmetet tief ein, hustete und atmete aus. „Sie war wortkarg, aber freundlich, wenn man mein Vergehen betrachtet," sagte er langsam. „Die Aufzeichnung von den Dokrah Babys hat sie wohl überzeugt, dass wir nichts Schlimmes wollten."

„Du hast ihr aber nicht alles gezeigt?!" sagte Delenn schnell und sah ihn eindringlich an.

„Nur die Großaufnahme der Tiere natürlich," erwiderte er, lächelte. „Ich bin kein Dummkopf." Sie legte den Kopf schief, als würde sie das bezweifeln. „Jedenfalls nicht häufig," fügte er deshalb an. „Nur, wenn schöne Frauen im Spiel sind." Wieder ein Husten.

Delenn stellte ihm eine Tasse vor die Nase und nahm sich selbst auch eine, setzte sich ihm gegenüber. Sie war still, hing noch immer dem Bild ihrer Mutter nach.

„Sie hat sogar gelacht," sagte Tom daraufhin. „Als wir auf Lenniers Rückmeldung von Babylon 5 wegen meiner Papiere warteten, bat sie darum, ihr weitere Aufnahmen zu zeigen. Ich habe nicht oft eine Priesterin lachen gesehen, eigentlich noch nie zuvor."

„Worüber hat sie gelacht?" fragte die Botschafterin neugierig.

„Wahrscheinlich über mich, nicht über den Tokkrakri, den ich zu fangen versuchte," erwiderte Tom und pustete kräftig in seine Teetasse, als sei ihm das Thema peinlich.

Delenn stellte ihre eben erst angehobene Tasse wieder ab und lachte verhalten. „Wie, bei Valen, kommst du auf die Idee man könne einen Tokkrakri fangen?"

„Weil es jemand behauptet hat," kam es kleinlaut von ihm und er trank einen winzigen Schluck heißen Tee.

„Lass mich raten: es war eine schöne Frau," sagte Delenn amüsiert über so viel Dummheit.

„Zu meiner Verteidigung: Tokkrakri sehen fast so aus wie Hühner auf der Erde. Und ich habe schon Hühner gefangen!" Tom hatte erreicht, was er erreichen wollte, Delenn wurde wieder munterer.

Sie lachte erneut kopfschüttelnd. „Wie lange hast du durchgehalten bis du aufgegeben hast?"

„Eine Stunde," murmelte er in die Teetasse.

„Eine Stunde?!" rief die Botschafterin überrascht aus. „Lass es mich sehen!"

Tom nestelte an seinem Arm und nahm das kleine Aufnahme- und Abspielgerät ab, legte es neben seine Tasse. Danach erschien vor ihnen auf der Küchentheke wieder der Planet Minbar, der Raumhafen und dann ein umzäunter Bereich, in dem Tom, offenbar bereits außer Atem, einem vogelgleichen Geschöpf hinterher hechtete. Im Gegensatz zu den vorherigen Aufzeichnungen war er hier ganz zu sehen und hatte seine Kamera wohl auf dem Zaun abgelegt. Im Hintergrund feuerten ihn mehrere Minbari der Arbeiterkaste an. Schwer atmend blieb er vor der Kamera stehen und man konnte bereits erkennen, dass die Kleidung zerrissen und er selbst sehr schmutzig war. [Bist du sicher, man kann es fangen?] fragte er jemanden außerhalb des Kamerabereiches.

[Ein Minbari kann es.] erwiderte eine unverkennbar weibliche Stimme auf Lenn'a.

Delenn lachte belustigt. „'Ein Minbari kann es.' Valen hat einmal einen Tokkrakri gefangen, sagt man. Sie ist nicht nur schön sondern auch klug," zollte sie der Unbekannten Respekt über deren Wortwahl und trank etwas Tee.

„So wie du." Tom griff nach ihrer freien Hand und wagte damit einen neuen Versuch.

Als sich ihre Blicke trafen, stellte Delenn ihre Tasse schnell wieder zitternd ab, verschüttete dabei aber einen Großteil. Eine willkommene Gelegenheit um ihm ihre Hand zu entziehen, aufzustehen und in der Nische zu hantieren, um sich neuen Tee zu machen.

„Wie war er so? Sinoval? War er nicht ein General?" fragte Tom nun lauernd, schaltete die Aufzeichnung ab und stand ebenfalls auf.

Delenn ließ sich Zeit mit ihrem Tee, alles, um nicht wieder zur Kücheninsel zurück zu müssen. „Als wir uns kennenlernten war er das noch lange nicht," erzählte sie dabei. „Er war ein Anwärter, während ich im Tempel neben der Kriegerkaste studierte." Sie lächelte jedes Teeblatt einzeln an. „Wir mussten zum grundlegenden Kampftraining hinüber und sie mussten bei uns meditieren lernen. Er hat es gehasst."

„Kann ich auch noch etwas Tee haben, bitte?" Tom schob ihr seine Tasse herüber. „Und weiter?"

Delenn sah ihn nur kurz an, nahm auch seine Tasse und zuckte mit den Schultern. „Er .. lehrte mich Neugier und ich versuchte ihn .. zu bändigen. Sinoval hatte mehr Glück dabei, als ich. Es ist ein Wunder, dass uns keiner je erwischte, während wir die Regeln brachen. Er sah so lächerlich aus in seiner Kriegerrobe mit der Robe der religiösen Kaste darüber, wenn er mich .. besuchen kam." Sie lachte bei dem Gedanken daran. „Sie war zu klein, er war zu groß .." Die Botschafterin ließ sich zu einem Seufzen hinreißen, während ein winziger Teil in ihr sich fragte, warum sie das einem praktisch völlig Fremden überhaupt erzählte. Sie nahm Toms volle Tasse und drehte sich zur Kücheninsel, aber er war nicht mehr dort. Verwundert drehte sich Delenn weiter um ihre Achse und ging unwillkürlich einen halben Schritt zurück, weil sich ihr Besucher viel zu nah direkt vor ihr befand. Sie wäre weiter rückwärts gegangen, wenn sie gekonnt hätte. Aber hinter ihr stand ihre Teetasse auf der Arbeitsfläche.

Tom lächelte sein Reh an, Zeit es zu erlegen.

Er beugte sich zu Delenn herunter und küsste sie fest und kompromisslos. Sie drehte die Tasse mit voller Absicht so, dass sie an seinem Bauch landete und sich der heiße Tee über sein Hemd und seine Hose ergoss. Aber davon ließ sich Tom nicht abhalten. Im Gegenteil, er kam ihr noch näher und die Tasse rutschte Delenn aus der Hand, fiel scheppernd auf den Boden und zerbrach. Auch das lenkte ihn nicht ab, er setzte den Kuss leidenschaftlich an ihrem Hals fort. „Tom," begann Delenn mit brüchiger Stimme, aber da war sein Mund schon wieder auf ihren Lippen. Der Widerstand der Botschafterin schwand, schmolz dahin wie der Schnee im Frühling. Während Tom dies sehr zufrieden bemerkte und sein Tun Schritt für Schritt fortsetzte, folgte ihm Delenns menschliche Hälfte nur zu gern. Schließlich hatte sie den ganzen Abend selbst schon versucht ihre Besitzerin in diese Richtung zu schubsen.

~Was, bei Valen, treibst du da?~ fragte Delenns minbarischer Teil erbost. Wütend lief sie zum menschlichen Teil herüber und funkelte diesen an.

~Wonach siehts denn aus?~ stellte der menschliche Teil, ganz in eine blutrote Robe gekleidet, feixend eine Gegenfrage.

~Das muss aufhören! Das .. entspricht nicht unserer Art!~

~Deiner vielleicht nicht, meiner schon! Zeit wird es. Und wer von uns hat ihn denn ins Quartier gelassen?~ Der menschliche Teil zog die Schultern hoch und hob die Arme.

~Er hat gehustet! Aber darum geht es jetzt nicht! Stopp das! Sofort! Was ist nur in dich gefahren? Ich dachte, wir hätten uns .. arrangiert.~ Die, in eine weiße Robe gekleidete, Minbari sah ihr Gegenstück verzweifelt an.

~Hör zu, das da ist menschlich. Das muss so sein. Nimm es doch einfach hin und finde dich damit ab!~

Die Minbari schüttelte den Kopf. ~Es gibt Rituale dafür. Und er ist nicht einmal ein adäquater Kandidat. Er will doch nur ein .. menschliches .. Paarungsritual!~

~Das hast du gut erkannt, Delenn.~ Der menschliche Teil grinste anzüglich. ~Und genau darum geht es. Ich werde es nicht stoppen. Ich brauche das! Jetzt! Sofort! Und er ist so gut wie jeder andere."

~Du willst nicht hören?~

Die Frau in der roten Robe schüttelte den Kopf.

Die Schiebetür zum Schlafzimmer knarzte und holte Delenn aus ihrem Blackout. Tom küsste gerade ihr Ohr, da warf sie einen Blick auf den Knauf der Tür. Ihrer beider Hände lagen darauf. Delenn zog die Tür mit einem Ruck wieder zu.

Die Minbari lächelte den neben ihr gefesselt und geknebelten menschlichen Teil an. ~Du wolltest nicht hören.~

Der Künstler zog die Tür wieder einen Spalt auf. Delenn sah ihn genauer an. Das etwas nasse, schwarze Hemd war komplett geöffnet und aus seiner Hose gezogen worden. War sie das? Sie ging einen Schritt zurück und bemerkte ihre halb offene Robe. Schnell zog sie sie wieder zu. Sie zitterte. Vor Kälte? Herzschlag und Atmung waren nicht normal. Wie hatte sie sich so gehen lassen können?

Die Frau in der roten Robe spuckte ihren Knebel aus und kämpfte gegen die Stricke.

Tom ging Delenn hinterher, darauf bedacht, keine Lücke zwischen ihnen zuzulassen. Sie wich weiter vor ihm zurück. „Ich, es geht nicht," murmelte sie und hielt ihn mit einer Hand auf seiner Brust auf.

„Du zitterst," erwiderte er sanft, legte seine Hand über ihre und küsste sie erneut.

„Nein." Delenn beendete den Kuss, ging erneut zurück, stieß mit den Beinen an ihr Sofa und wollte sich sogleich darauf setzen. Doch Tom hielt sie am Rücken fest an sich gedrückt.

~Riecht er nicht auch wie Sinoval, Delenn? Mit ein bisschen Fantasie.~ rief der menschliche Teil und streifte die gelockerten Stricke ab.

Die Botschafterin sog die Luft ein, näherte ihre Nase seinem Hals. Tom blinzelte verwirrt. Ja? Nein? Ja? Vielleicht?

„Du sendest verschiedene Signale, Delenn," flüsterte er an ihrem Ohr. „Lass es doch einfach zu! Es wird dir gefallen."

Der minbarische Teil stürzte sich auf die Frau in Rot. ~Das war unfair!~

~Was meinst du?~

„Sinoval." Delenns Nase streifte Toms Hals entlang und er brummte vor Verlangen.

„Nenn mich wie du willst, Botschafterin."

~Oh das?~ Die Rote wehrte den Angriff ab und lachte die Minbari aus.

~Das war es! Schluss! Aus! Ende!~ Die Weiße holte tief Luft und brüllte: ~John!~

~Oh Oh.~

Mit einem heftigen Ruck riss sich Delenn von Tom los, schwankte und setzte sich nun endlich auf die Couch. Ihr Körper zitterte immer noch, ihre Gedanken waren durcheinander gewirbelt. Ohne lange nachzudenken kniete sich der Künstler vor ihr auf ein Knie, legte seine Hand auf ihren Oberschenkel. Sie sah ihn an. „Ich .."

„Bitte," flehte er und setzte sein bestes Hundeblick-Gesicht auf. „Schick mich so nicht fort!" Frustriert suchte er vergeblich die Leidenschaft von vor wenigen Sekunden in ihren großen, grauen Augen. „Mein Hemd und meine Hose sind nass. Ich könnte .. mich erkälten, wenn ich sie anbehalte." Seine Hand rutschte zentimeterweise höher. Delenn legte ihre darauf und stoppte ihn. Sie lächelte ihn an. Sein Humor war fast so gut wie Johns, aber er war nicht John.

Ihre zweite Hand legte sie auf Toms Wange. „Es .. es tut mir leid. Du kannst dir eine Robe von mir leihen, wenn sie dir passt." Seine Mundwinkel zuckten, aber sie sah die tiefe Enttäuschung in seinem Gesicht.

Die Minbari hielt die rote Frau fest im Klammergriff und gespannt verfolgten sie das Geschehen.

„Warum nicht?" fragte er. „Was habe ich falsch gemacht?"

Delenn ertrug seine Nähe nicht mehr, ihr Körper reagierte noch immer unkontrollierbar auf ihn. Sie stand auf und entfernte sich von ihm, suchte nach Worten. „Es liegt nicht an dir. Ich .. weiß nicht, warum ich so .. auf dich reagiere .. ich sollte vielleicht .. darüber nachdenken .. es nicht .. überstürzen?" Sie sah ihn dabei nicht an.

~Ha!~ Die Rote hatte kurz die Oberhand gewonnen.

Tom berührte ihre Schulter von hinten. „Wir reisen übermorgen ab. Reicht dir die Zeit bis morgen, um darüber … nachzudenken und dich für das Richtige, stundenlange, leidenschaftliche Liebe mit mir, zu entscheiden?"

Delenn lachte leise, drehte sich herum. Und schon wieder war er verflucht nah. „Ich gebe dir morgen Bescheid. Nach der Handlungsver..irgendwas .. irgendwann am Nachmittag .. mit .. irgendwem."

Tom legte ihr seine Hände auf die Hüften. „Versprich mir, dass du es mir persönlich sagst! Schick nicht Lennier dafür!"

~Lennier ist eine gute Idee. Wir sollten ihn schicken!~ Die Minbari hob die Arme und winkte.

Der menschliche Teil von Delenn tackelte die weiß Gekleidete um. ~Natürlich persönlich! Wir sind doch nicht herzlos! Sieh ihn dir an, spüre Sinovals Aura! Das kannst du weder ihm noch Lennier antun!~

Delenn nickte und erwiderte: „Ich verspreche es."

Ohne dieses Mal auf ein zustimmendes Signal ihrerseits zu warten, küsste er Delenn und sie erwiderte den Kuss. Dann ging er zur Tür. Das Schott öffnete sich vor ihm. „Wasser, kaltes Wasser, ein eiskalter Bergsee. Gordon, Gordon schnarchend neben mir in der letzten Absteige auf der Drazi Heimatwelt," murmelte Tom vor sich her. „Ehm, die Toilette auf der Drazi Heimatwelt? Ugh. Na endlich!" Er drehte sich ein letztes Mal um. „Bis morgen, Delenn! Träum süß!" Danach schloss sich die Tür hinter ihm.

Die Sicherheitsleute des Grünen Sektors hoben überrascht die Augenbrauen, als Tom sich vor ihren Augen auf dem Weg zur Transport Tube das Hemd zuknöpfte und sich wieder in die Hose steckte. Er nickte und lächelte ihnen zu, als hätte er den tollsten Abend gehabt. Er überlegte kurz, ob es übertrieben wäre, aber dann streckte er dazu noch den Daumen hoch.

~Der ist doch mit Absicht mit offenem Hemd hier raus gegangen!~

~Ganz bestimmt sogar! Aber dir kann es doch egal sein! Du hast ihn vergrault!~ maulte der menschliche Teil der Botschafterin.

~Wirst du jetzt die ganze Nacht bocken wie ein Kind? Was ist bloß los mit dir?! So unvernünftig warst du im ganzen letzten Jahr nicht!~

~Ich bin .. frustriert. Ich will ihn! Ich will es!~ Die Rote stampfte mit dem Fuß auf.

Die Minbari ging auf ihr Gegenstück zu und nahm ihre Hände. ~Sag mir, was los ist!~

Die Rote schüttelte sie ab. ~Das würdest sowieso nicht verstehen! Frag doch jemand anderen, der sich mit Menschsein auskennt und lass mich in Ruhe!~ Sie wandte sich schmollend ab.

Nachdem das Zittern ihres Körpers größtenteils nachgelassen hatte, trat Delenn an das BabCom heran. „Computer, bitte eine Nachricht aufzeichnen und diese morgen früh nach ihrem Aufstehen an Commander Susan Ivanova zustellen!" - |Bitte warten!|


Fortsetzung folgt.