Kapitel 3

Schwarze Wolken umhüllten sie, als sie ihre Augen wieder öffnete. Langsam wurde es heller und die Dunkelheit veränderte sich in ein helles Blau. Wasser drang von allen Seiten in ihren Körper, jedoch fühlte sie sich nicht als würde sie ertrinken. Nein, ihr gefiel diese Atmosphäre sogar. Luftblasen verließen ihren Körper und stiegen empor zum Licht, das von oben auf sie herabschien. Ayumi hörte allerlei gedämpfte Stimmen von verschiedenen Personen, die um sie im stetigem Echo herum kursierten. Und sie kannte sie alle.

„Was macht ihr Kinder denn hier?"

„Mein Gott, Ayumi!"

„Das Opfer hieß Ikeburo Kanabe und war 28 Jahre alt. Er ist seit 6 Jahren Büroangestellter bei einer…"

„Das muss dann heißen, dass das Opfer hat sich im Kampf gewehrt hatte und wurde dabei…"

Plötzlich tauchten Erinnerungen in ihrer Vergangenheit auf. Die Stimmen fuhren fort.

„Herzschuss. Sofortiger Tod."

„Ayumi, wach auf!"

Sie schloss die Augen und verdeckte ihre Ohren mit den Händen. Sie wollte nichts mehr hören. Das alles interessierte sie nicht mehr.

„Ayumi!"

Conan. Das war Conan's Stimme! Er macht sich um sie Sorgen! Sie ist ihm wichtig!

„Verdammt, Ayumi! Wach endlich auf!"

Die Stimmen um sie herum wurden lauter, wiederholten sich.

„Aufhören."

Luftblasen kamen aus ihrem Mund, jeder eine Silbe tragend. Die Stimmen hörten jedoch nicht auf, wurden aber immer klarer und deutlicher.

„Na so was! Da stimmt doch etwas nicht, oder?"

„Sie ist nur bewusstlos, keine Sorge. Sie hat sich höchstens ein wenig am Kopf verletzt, ist nicht weiter schlimm."

„Der Täter könnte einen Schalldämpfer benutzt haben. So hätte Ayumi in diesem Falle nichts hören können."

„Ja, seht doch mal genau hin, Herr Inspektor. Das Erste was mir hier auffällt, ist, wie seine Hand geformt ist. So, als würde das Opfer uns etwas damit sagen wollen."

Sie fühlte, wie ihr Körper schwerelos wurde. Immer leichter, als würden sich ihre Lungen mit nichts als Helium füllen und für einen Auftrieb sorgen.

„Ayumi! Wach bitte auf!"

„Bitte Ayumi!"

Sie streckte ihre Hand aus. Sie griff ins Leere. Die Stimmen wurden lauter; sie konnte nicht mal mehr ihre eigenen Gedanken hören. Ayumi versuchte es ein weiteres Mal. Sie schrie so laut sie konnte und schloss ihre Augen.

„Komm raus und stell dich…!"

„N' Freund hab ich gesagt…"

Tränen rannen ihr die Augen hinunter.

„AYUMI!"

Ayumi öffnete sofort ihre Augen und hob ruckartig ihren Kopf, sodass sie mit dem von Ai zusammenstieß. Anscheinend wollte sie ihr das Fieber messen. Ayumi hatte immer noch Kopfschmerzen, die mir der Zeit stärker und unerträglicher geworden sind. Ihr Zusammenstoß mit Ai machte ihr das deutlich und sie stöhnte leicht auf vor Schmerzen.

„Aua! Das tat weh!", rief Ai auf.

Ayumi starrte in den Raum, in dem sie sich jetzt befand und sah sich um. Sie war in ihrem Zimmer. Jedoch nicht allein, denn niemand anderes als Conan, Genta, Mitsuhiko und Ai waren mit ihr zusammen und standen besorgt vor ihrem Bett.

„Ayumi! Du bist wieder wach!", riefen Genta und Mitsuhiko und wollten sich geradewegs auf sie stürzten, doch Ai hielt die beiden zurück.

„Jetzt beruhigt euch mal, beide. Ayumi hat für heute genug Stress auf einmal gehabt. Lasst sie erst einmal in Ruhe. Sie muss sich von dem Schreck erholen."

„Aber Ayu-", protestierten sie.

„Nichts davon wird ihr jetzt etwas nützen. Geht erst einmal in die Küche, ja? Sie braucht jetzt ihre Ruhe.", unterbrach sie Ai wieder.

Genta und Mitsuhiko sahen ein, dass es nichts brachte, darüber mit Ai noch eine hitzige Diskussion zu führen und gingen murmelnd zur Küche.

Conan starrte sie nur an mit leicht angewidertem Gesicht. Also die würde ich nicht gerne als Mutter haben, dachte er sich wohl.

Ayumi atmete immer noch schwer und die Erkältung machte es ihr nicht leichter. Sie hustete mehrmals und ihre Augen liefen ganz Rot an.

„Du bist jetzt stark erkältet also solltest du einige Zeit im Bett verbringen. Wir lassen dir ein paar Medikamente da, damit du dich bessern kannst. Keine Sorge, wir sind immer da, wenn du uns brauchst. Sag uns, wenn's dir besser geht.", versicherte ihr Conan und legte ihr eine Packung voller Pillen auf die Kommode neben ihrem Bett hin.

Ayumi sagte immer noch nichts. Sie war zu müde, um noch bei klarem Verstand zu sein. Ai musterte sie ausführlich. Sie hatte schon große Augenringe und die Tränen haben sich schon den Weg zu ihrem Hals gebahnt. Sie schüttelte leicht den Kopf und seufzte.

„Na gut. Wie dem auch sei, wir werden jetzt gehen und entschuldigen dich für heute vom Unterricht.", sagte sie, drehte sich um und ging zur Küche.

Vor dem Verlassen des Raumes schwenkte ihr Blick noch ein letztes Mal auf die Kommode, dort wo die Packung lag.

„Ach ja, Conan?"

„Äh, ja?", antwortete er, offensichtlich aus den Gedanken gerissen.

„Wo hast du die Packung eigentlich her?"

„Ach die? Die hab ich bei der Apotheke in der Nähe gekauft. Ayumi's Mutter hat mir Bescheid dazu gegeben."

„Ach so. Na dann, man sieht sich Ayumi und gute Besserung wünsch ich dir.", sagte sie und ging in die Küche. Nur noch Conan war bei ihr.

„Ayumi, ich weiß es ist gerade schwer für dich, aber ich muss dich bitten mir die ein paar Fragen zu beantworten. Kannst du das?", fragte er.

Ayumi nickte. Ihr tat der Hals weh, deshalb konnte sie ihm nicht antworten.

„Also, konntest du irgendwie das Gesicht des Mannes erkennen, der dich angegriffen hat?"

„Huh?", antwortete Ayumi benommen.

Angegriffen? Was meint er? Ayumi schüttelte den Kopf. Sie schaute ihn zu, wie er etwas in seinen Notizblock aufschrieb. Irgendwie beruhigte sie es ihn in Aktion zu sehen, wie er die Spur aufnahm und sich waghalsig in etwas hineinstürzte. Sie wurde ein wenig neidisch, das musste sie zugeben. Trotzdem, irgendetwas in ihr bewegte sich. Sie konnte es spüren. Ihre Sicht verlor mit jedem Zentimeter an Schärfe und Konzentration. Mit letzter Kraft, die sie aufbringen konnte, („Hey, Ayumi. Warte doch, was zum…") umarmte sie ihn. Mehr oder weniger, denn sie hing an ihm, beide Arme baumelten an seiner Schulter und sie murmelte etwas ohne zu wissen, was sie ihm eigentlich sagen wollte.

Conan stand nur noch da, total verdutzt, weil er sich zu sehr auf den Fall konzentrierte, der ihm noch offen und ungelöst blieb. Er war zum ersten Mal sprachlos.

Er wollte schon gehen, doch Ayumi hielt ihn zurück. Sie drückte ihn noch eher zu sich als zuvor. Er konnte ihre Körperwärme, ihren Herzschlag und ihr mühevolles Atmen deutlich spüren. Sie hatte immer noch Angst, das wurde ihm auch bewusst. Ayumi schloss wieder ihre Augen und fokussierte sich nur noch auf Conan's Herzschlag.

„Bitte…", brachte Ayumi von sich.

„W-was hast du denn, Ayumi?", stammelte Conan wie erstarrt. Tausende, wenn nicht abermillarden von Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Langsam vergaß er selbst den Fall, den er vor Augen hatte, nur für diesen einen Moment.

„Bitte geh nicht."

„Was?"

„Ich… kann nicht…", stotterte sie.

Er spürte, dass sie stark zitterte. Sie muss wirklich starkes Fieber haben, dachte er sich und sah ihr ins Gesicht. Sie hatte ihre Augen geschlossen und Conan sah ihre Tränen, die ihr immer noch vom Gesicht liefen. Seine Anspannung löste sich und er erwiderte ihre Umarmung. Ayumi währenddessen war schon eingeschlafen. Er konnte nicht anders, als zu lächeln. Es war ein sehr stiller Moment, mit Ausnahme vom Geplänkel von Genta und Mitsuhiko, die sich voller Kampfeslust mit Ai anlegten und versuchten, ansatzweise Argumente hervorzuholen, warum bei Ayumi zu bleiben sie von jeglichen Krankheiten und Unheil der Welt befreien könnte.

Conan blieb so eine Weile, bis sie ihm zu schwer wurde und er gezwungen war, sie wieder in Bett zu legen, bevor sie ihm noch die Schultern wegfrittierte und er unter ihrem trägen Gewicht zusammenbrach. Er deckte sie zu, ging zum Lichtschalter, schaltete das Licht aus und verließ mit einem „Gute Besserung, Ayumi" ihr Zimmer.

Es wurde still um sie herum. Alle haben schon die Wohnung verlassen und trennten sich allmählich, während sich die Sonne langsam am Horizont setzte und tiefer zu sinken begann. Als es dunkel wurde, kam schon Ayumi's Mutter nach Hause und tat ihr Bestes, sich um sie zu kümmern. Aus Rücksicht, nach allem, was sie von Conan erfahren hatte, wollte sie die schlafende Ayumi nicht wecken. Ihr selbst wurde damit klarer, wie wenig Zeit sie die letzten Tage für ihre eigene Tochter aufwendete, denn sie war die letzten Monate daran gewöhnt, dass ihr nichts passiert, wenn sie zusammen mit den Detective Boys außer Haus ihre Zeit verbringen würde.

Frau Yoshida ging wieder zurück in die Küche und stellte den Teekocher auf. Sie machte sich für ihren Zustand verantwortlich. Sie wusste, wäre sie früher nach Hause gekommen, hätte sie doch nur den verdammten Zug noch gekriegt, müsste Ayumi nicht den Schock erleiden, den sie im diesem Moment plagte. Sie begann zu weinen.

Ayumi schlief dennoch tief und fest. Sie hatte nicht die Möglichkeit, ihr zu helfen.

Es wurde schon Nacht und der Mond zeigte sich mit seinem schwachen Licht an Ayumi's Fenster. Sie jedoch erwachte erst, als sich die Kopfschmerzen wieder meldeten. Sie kneifte zuerst ihre Augen zusammen, um den Schmerz aus dem Kopf zu schlagen. Sie wollte in Ruhe weiterschlafen und wenn es ging, den Schock des gestrigen Tages vergessen, doch ihre Nerven waren dagegen.

Schließlich konnte sie sie nicht mehr ertragen und ging in die Küche, um sich etwas zu trinken zu holen. Zurück kam sie mit einem Glas Wasser, den sie sich aus der Leitung gefüllt hatte. Ihre Mutter schnarchte im anderen Ende des Flurs und war somit unüberhörbar.

Ayumi schloss die Tür und wollte das Glas austrinken und somit wieder zurück ins Bett gehen, jedoch fiel ihr Blick auf die Kommode, genauer gesagt auf die Packung, die auf ihr lag. Sie musterte die Packung sorgfältig. Hat das Conan für sie gekauft? Oder war das doch ihre Mutter? Ihr war es zu diesem Zeitpunkt egal und an genauere Details konnte sie sich sowieso nicht mehr erinnern.

Die Kopfschmerzen meldeten sich ihr wieder, stärker den je und machten es ihr schwer sich auf das, worauf sie die ganze Zeit über starrte zu mustern. Aber was macht das schon? Hauptsache, das Fieber sinkt dadurch.

Sie nahm eine Pille aus der Verpackung in die Hand und inspizierte sie kurz, (die Migräne machte es ihr ordentlich zu schaffen, deswegen konnte sie die Inschrift auf der Pille nicht deutlich lesen) und schluckte die Pille samt Wasser hinunter.

Langsam ließ der Schmerz in ihrem Körper nach und sie legte sich zufrieden ins Bett und deckte sich ein, bis…

Ein heftiger Schlag riss sie aus dem Versuch, einzuschlafen. Ihr Herz pumpte ununterbrochen und schlug ihr von innen förmlich auf die Rippen. Sie keuchte und fasste sich an ihre Brust, denn ein weitaus intensiverer Wall aus Energie füllte ihren gesamten Körper und zog sie in einen Rhythmus, der zunehmend schneller und stärker wurde. Das heftige Pochen schien nie aufzuhören. Sie fühlte sich kochend heiß, als würde ihr gesamter Körper anfangen zu brennen.

Ayumi versuchte nach ihrer Mutter zu schreien, aber ihre Stimmbänder begannen sich schließlich auch mit diesem Rhythmus zu vereinen, wobei sie nur noch ein schmerzhaftes Stöhnen herausbrachte. Ihr drehte sich alles, der Raum, der Tisch, der Schrank, sowie auch die Tür.

„Was passiert hier mit mir? Ich dachte, die Schmerzen wären vorbei!", brachte sie mit letzter Kraft von sich hervor und verlor auch damit ihr Bewusstsein.

Ein plötzlicher Anruf weckte Conan aus dem Schlaf. Auch das noch, als würde der gesamte Mordfall ihm nicht nur zu schaffen machen. Jetzt will auch noch Haibara was von ihm. Na, was soll's? Wenn er jetzt nicht rangehe, würde sie ihn bis zum Ende des Tages eine Predigt zum Thema „Warum man eine Frau nicht warten lassen sollte" halten.

Er stand auf und rieb sich die Augen, als er zum Remitter ging, den er stets in seiner Hosentasche hielt und griff zum Hörer.

„Ja, Haibara, was ist?", antwortete er genervt.

„Jetzt hör mal auf, Kudo. Ist nicht meine Schuld, dass du dich hier mit allerlei Problemen um dich schlägst, ja? Ich bin gerade eben erst aufgestanden, um dich über etwas Wichtiges zu informieren.", erwiderte ihm Ai schnippisch.

„Hast du mich nur angerufen, um mir das zu sagen, oder was?", sagte Conan mit den Augen rollend.

„Nein, doch nicht deswegen, du Idiot. Hast du schon die neuesten Nachrichten gelesen?"

„Äh nein? Worum geht es denn?"

Sie stieß einen genervten Seufzer aus. So kannte sie ihn gut genug.

„Rund um Tokio wurde mehrmals über gleiche oder ähnliche Fälle, wie dem neulich berichtet. So wie es aussieht, sind es mehr als nur eine Person, die daran beteiligt sind."

„Du meinst, das ist nicht der einzige Fall, dem wir diesen Ärger zu verdanken haben, richtig?", antwortete Conan nachdenklich.

„So wie es aussieht, ja. Ich bin mir sicher, die Morde geschahen nach einem Muster."

„Ein Muster, sagst du?"

„Anscheinend hat jedes dieser Opfer vor ihrem Tod ein seltsames Handzeichen geformt, als Sterbenachricht sozusagen. Und jedes Mal waren es entweder zwei, drei oder alle zehn Finger, die ausgestreckt waren."

Conan ging plötzlich ein Licht auf.

„Warte mal, Haibara! Das Opfer, das wir bei Ayumi angetroffen haben hatte auch seine Finger nach dem Muster ausgestreckt. Er gehörte auf jeden Fall zu dieser Mordserie.", rief er und hielt sich danach schlagartig den Mund zu, um nicht aus Versehen Ran und ihren Vater aufzuwecken. Er hörte schon, wie das nervtötende Schnarchen des Onkels stockte und er sich an seinem eigenen Schnarchen fast verschluckte. Zu seiner Erleichterung schlief der aber immer noch tief und fest. So tief, wie der heute Nachmittag ins Glas geguckt hat, dachte sich Conan und lachte in sich hinein.

„Das heißt also, wir stecken in einem viel größeren Fall, als ich anfangs gedacht habe.", antwortete Ai grinsend.

„So viel wie ich mitbekommen hatte, wurde das Opfer vor seinem Tod stets von jemanden überwacht, denn man hat Kamerawanzen an seiner Zimmerecke und an jeweils anderen Stellen in seiner Wohnung ausfindig machen können."

„Es war schon jemand vor ihm hier, wahrscheinlich jemand, der ihn kannte oder ihm sehr nah stand, wie ein Freund, Familienmitglied und so weiter."

„Dann kann man davon ausgehen, dass er nicht der einzige war, der überwacht wurde, wenn ich erst einmal spekuliere…", sagte Conan mit ernster Miene, ging zum Fenster und machte es auf, um etwas frische Luft reinzulassen.

„Das kann ich mir denken, dass du schon so weit vorausgedacht hattest. Alle Achtung, mein Meisterdetektiv.", antwortete sie mit einem etwas schnippischem Ton.

„Ach komm schon, Haibara… Du schmeichelst mir, hehe…", lachte Conan ein wenig verlegen und kratzte sich am Hinterkopf, während Ai genervt mit den Augen rollte.

Stille. Beide warteten auf eine Antwort des anderen und wussten nicht mehr, was sie noch dazu sagen sollten. Dann nahm Ai das Gespräch wieder auf.

„Da wäre aber noch etwas, was mir große Sorgen bereitet.", sagte sie und wurde plötzlich ganz erst. Conan stockte und starrte nachdenklich auf die Sterne, die sich trotz solch einer prunkvollen Nacht immer noch nicht blicken ließen.

„Spuck's schon aus."

„Also was das angeht… In Saitama wurde ein weiteres Arzneizentrum samt Lager in die Luft gejagt. Und ich kann meine Brille darauf verwetten, dass dies das Werk der Männer in Schwarz ist."

„Was?!" Conan war urplötzlich ganz Ohr. Er hörte wieder, wie das Schnarchen vom Nebenzimmer stockte, aber das interessierte ihn recht wenig.

„Ja, es wurden 78 Menschen getötet und nur 17 haben überlebt, haben aber schwere Verletzungen davongetragen.", fuhr Ai fort, denn sie hatte jetzt Conan's volle Aufmerksamkeit.

„Und sie haben saubere Arbeit geleistet, richtig?"

„Genau. Ich bin mir genau sicher, sie planen etwas ganz Wichtiges. Wahrscheinlich haben sie schon das Interesse am Gift neu erlangt und experimentieren wieder mit ihren Überbleibseln. Dann ist es für uns nur eine Frage der Zeit, bis sie das mit der Nebenwirkung herausgefunden haben.", stimmte sie ihm zu und dachte wieder an das hocherfreute Gesicht von Pisco, der kurz davor stand sie zu töten. Sie schauderte bei dem Anblick und sah sich in ihrem Zimmer um. Dann erinnerte sie sich wieder an etwas und griff wieder angespannt den Hörer.

„Alles klar, danke Haibara. Ich glaube damit können wir sicher etwas anfangen.", antwortete Conan und wollte gerade auflegen, als…

„Warte Kudo."

„Was denn?", antwortete er und nahm den Hörer wieder zu sich.

„Sag mal… Meine Schwester…", fing Ai an.

„Huh? Was meinst du?"

Ai zögerte eine kurze Zeit, bevor sie fortfuhr.

„Meine Schwester, Kudo. W-Wie war es für dich sie vor deinen Augen sterben zu sehen? Was hast du letzten Endes gefühlt?", fragte sie schließlich.

„Willst du mir hier ärgern, oder was?", antwortete Conan gereizt.

„Nein, nein. Ich… Ich möchte nur die ganze Sache aus deiner Perspektive sehen. Ich habe dich beim ersten Mal ohne zu fragen verurteilt und habe mir danach ununterbrochen diese Frage gestellt."

Jetzt zögerte Conan mit seiner Antwort. Es war eine Frage, die er nie von ihr erwartet hätte. Er nahm sich zusammen, um ihr die bestmögliche Antwort bieten zu können.

„Also… Wenn ich ehrlich bin, war ich derjenige, der sich am Anfang die Schuld für ihren Tod gab. Trotzdem, tief im inneren wusste ich, dass mich dafür keine Schuld trifft, aber als du dich auch noch mir als ihre Schwester offenbart hattest, merkte ich wie tief die Wunde war, die in dir geklafft hatte und das gab mir erneut ein Gefühl der Reue. Es stimmt, ich hätte früher kommen sollen und sie demnach sogar beschützen können, aber ich habe es dir schon oft genug gesagt, dass man die Vergangenheit ruhen sollte. Es ist passiert, wie es passiert ist und daran kann ich auch nichts mehr ändern."

Ai sagte nichts, sondern hörte Conan aufmerksam zu.

„Schmerzen bleiben, aber sie bleiben nicht für immer. Deshalb fühlte ich genug Schmerzen, um zu verstehen, dass sie nicht umsonst gestorben ist. Obwohl sie ein Verbrechen begangen hatte, hat sie es immer noch für dich getan, also bin ich mir sicher, dass sie wenigstens glücklich von uns gegangen ist."

Er seufzte beruhigt und fuhr nach einer Pause fort.

„Jedenfalls… Was ich dir damit sagen will, ist: Kopf hoch, Haibara. Lauf nicht vor deiner Vergangenheit und denen weg, die dir helfen wollen.", hörte Ai von der anderen Seite des Hörers.

„Danke Kudo.", sagte sie nach einem kurzen stillen Moment und legte im Anschluss auf.

„Deswegen… äh…" *beep* *beep* *beep*

Conan wurde vom plötzlichen Auflegen Haibara's unterbrochen und starrte verdutzt auf seinen Remitter. Er kapierte gar nichts mehr. Conan steckte genervt seinen Remitter wieder zurück in seine Hosentasche und ging wieder zurück ins Bett.

Ai saß, mit den Armen ihre Knie umschlingend, auf ihrem Bett und sah auf das Fenster hinaus zum Mond, der sich ihr in voller Pracht zeigte. Dann sah sie erneut auf das Bett.

„Idiot.", sagte sie mit einem Lächeln. Genauso, wie er es ihr schon einmal gesagt hatte. Sie legte sich wieder hin und war kurz danach eingeschlafen

Am nächsten Morgen sollte Conan komplett müde, verschlafen und immer noch mit verwirrter Miene in die Schule gehen müssen, weil er sich noch in dieser Nacht sich Gedanken über den Fall machte, der ihm immer noch ungelöst zu sein schien. Er wusste jedoch nicht, dass sich etwas Folgenschweres anbahnte, was weder er, noch Ai jemals erwartet hätten.

- Kapitel 3 ENDE -