Das goldene Kind


Disclaimer (Gilt auch für alle folgenden Kapitel) Alles Rowlings (zumindest das, was ihr wieder erkennt).

Inhalt: HBP Spoiler, also wenn ihr das 6. Harry Potter Buch noch nicht gelesen habt - ihr seid gewarnt. Diese Fanfiction spielt nach den Harry Potter Jahren, um genau zu sein drei Jahre nach Harrys siebtem Schuljahr. Harrys und Voldemorts Kampf ist vorbei und Harry tot. Der Orden kämpft aber weiterhin unermüdlich gegen ihn und alles Böse... und dann taucht da noch diese Prophezeiung von dem "Mädchen, das lebt" auf. Keine Mary-Sue Geschichte! Und noch was: Dumbledore ist NICHT tot. Warum wird im Verlauf der Story erklärt, also wundert euch nicht.


Kapitel 1

Das Mädchen, das lebt


Einst lebte ein Junge, der die Macht besaß, die magische Welt von allem Bösen zu befreien. Er zog los, um die Prophezeiung zu erfüllen, die sein Leben lang auf ihm gelastet hatte, trat dem Grauen und dem Bösen erhobenen Hauptes gegenüber – und fiel im Kampf. Er hätte es schaffen können...

Finsternis herrsche seither und der ewige Kampf zwischen Gut und Böse dauerte an. Ihrer letzten Hoffnung beraubt, waren die Kämpfer der weißen Magie geschwächt. Doch es fanden sich immer wieder Hexen und Zauberer, die für die Vorstellung einer friedlichen Welt, frei von dem Herrscher der Dunkelheit und seinen Anhängern, kämpften.

So strichen die Wochen, die Monate und schließlich die Jahre ins Land. Eine Zeit war angebrochen, die von Krieg, Schrecken und Tod geprägt war. Die Illusion, dass das Gute stets siegte, war lange dahin. Und dennoch blieb ein Gedanke in den Köpfen der Menschen tief verankert: Er hätte es schaffen können. Er hätte es schaffen können...


Außerhalb von Lostwithiel, Cornwall, 22. Juli 2001, 21:23 Uhr, Hauptquartier des Phönixordens.


„Wenn wir die Auroren hier, hier und hier positionieren–" Der alte Mann beugte sich vor, um auf verschiedene Punkte des Lageplans zu deuten, der in der Mitte des Tisches ausgebreitet lag. „–dann müssten wir in der Lage sein, ein paar Todesser schnappen zu können, ehe sie disapparieren."

Er warf einen Blick in die Runde und runzelte leicht die Stirn, als er müde Gesichter sah. Die Versammlung dauerte nun schon fast drei Stunden und er konnte es seinen Mitstreitern nicht verübeln.

Bevor er noch etwas sagen konnte, stand ein anderer Mann ihm gegenüber auf und meinte mit tiefer Stimme: „Scrimgeour wird uns keine Auroren zur Verfügung stellen. Nicht nach dem Desaster letzten Monat."

Der alte Mann seufzte, während er sich in seinen Stuhl zurücksinken ließ und rieb sich unter seiner Brille die Augen. Er selbst könnte auch eine Pause recht gut vertragen, ein paar Stunden Schlaf vielleicht...

Er wollte eben ansetzen, etwas zu erwidern, als sich eine junge Frau mit pinken Haaren vom anderen Ende des Tisches einmischte: „Ausnahmsweise kann ich ihn da mal verstehen. Neun Auroren, wir haben neun Auroren verloren, bei Merlin! Wie viele sollen wir denn noch verlieren, Dumbledore, bis Sie endlich kapieren, dass diese miesen Todesser uns systematisch verar–"

„Nymphadora, bitte", unterbrach Dumbledore sie ruhig. „Wir sind nicht hier, um die vergangenen Geschehnisse zu diskutieren. - Ronald, sind Sie auch der Ansicht, dass Scrimgeour keine weiteren Auroren zur Verfügung stellen wird?"

Der Angesprochene, der gerade noch auf dem Tisch gelümmelt hatte, fuhr auf. „Ja, Sir. - Das Ministerium will noch nicht einmal den Auroren, die neu mit der Ausbildung fertig sind, mehr als nur Papierkram zumuten", fügte der Rotschopf ein wenig verbittert hinzu.

„Schön." Der alte Mann überging den letzten Kommentar und seufzte: „Unter diesen Umständen werden wir das selbst in die Hände nehmen müssen."

„Und was, wenn sie nicht disapparieren, sondern in den offenen Kampf gehen?"

„Wir haben immer noch den Überraschungseffekt auf unserer Seite, Molly. Die Todesser wissen nicht, dass wir ihre Pläne kennen. - Also, ich möchte, dass Fred und George zusammen mit..."


Außerhalb von Lostwithiel, Cornwall, 22. Juli 2001, 21:36 Uhr, Hauptquartier des Phönixordens.


„Albus!" Die Frau hastete durch das Anwesen des Schulleiters, das seit ein paar Jahren das Hauptquartier des Phönixordens darstellte. Die Versammlung musste doch sicherlich schon zu Ende sein – oder? Sicherheitshalber näherte sie sich dem Salon, in dem die Versammlungen stets abgehalten wurden, und barst durch die Tür.

Sofort fuhren alle Anwesenden herum, manche sprangen sogar auf, und keine Sekunde später fand sich Minerva, etwa ein Dutzend Zauberstäbe auf sie gerichtet, wieder.

Hermine war die erste, die sprach: „Professor! Sie haben uns erschreckt!"

Auch die anderen steckten ihre Zauberstäbe wieder weg und setzten sich, erleichtert ausatmend, wieder auf ihre Plätze.

Die Frau achtete gar nicht auf das junge Mädchen, sondern ging flotten Schrittes auf Dumbledore zu. „Albus", sagte sie noch einmal, ehe sie ein paar Mal tief ein- und ausatmete, um wieder zu Atem zu kommen. „Sie haben sie."

„Immer mit der Ruhe, Minerva. Wer hat wen?"

Dumbledore war aufgestanden, um der Professorin seinen Stuhl anzubieten, doch diese verwehrte das Angebot und sprudelte weiter: „Die Todesser... Sie haben Sibyll. Ich konnte nichts tun. Sie sind durch die Barrieren in Hogwarts eingedrungen und gleich darauf wieder verschwunden..."

Sofort hob ein erschrockenes Gemurmel um den Tisch herum an, das erst verstummte, als Dumbledore gebieterisch die Hand hob.

„Todesser waren in Hogwarts?", wiederholte er mit einer sorgenvollen Falte auf der Stirn an Minerva gewandt.

Diese nickte, noch immer ganz bleich im Gesicht.

Die Hexen und Zauberer, die um den Tisch saßen, rührten sich nicht. Schock war auf jedes Gesicht geschrieben. Es war den Todessern seit gut vier Jahren nicht mehr gelungen, in das Schloss einzudringen. Ganz zu schweigen davon, dass sie die magischen Barrieren hatten überschreiten können.

„Sir", wandte sich nun Ginny Weasley, das jüngste Ordensmitglied, an Dumbledore. „Warum sollten die Todesser Sibyll Trelawney entführen?"

Einen Moment schien es, als ob der Schulleiter nicht antworten würde. Er war tief in Gedanken und starrte ein paar Sekunden vor sich hin ins Leere. Dann, als sich die Ordensmitglieder bereits damit abgefunden hatten, dass er nichts mehr sagen würde, hob er unvermittelt den Kopf. Seine blauen Augen bohrten sich in die Ginnys.

„Nicht entführen, Miss Weasley, nicht entführen...", murmelte er.

Ginny wollte schon etwas entgegnen - das zeigten zumindest die tiefe Falte auf ihrer Stirn, sowie ihrer verständnisloser Gesichtsausdruck - doch da Dumbledore bereits wieder in seine Gedankenwelt zurückgekehrt war, schritt McGonagall ein:

„Sie war zu gefährlich für sie, konnte uns zu viele Informationen liefern. Auch wenn sie für gewöhnlich keine echten Voraussagen machte, bestand dennoch die Möglichkeit, dass sie uns Informationen über die Zukunft liefert."

„Nach allem, was wir wissen, wird sie zu dieser Sekunde bereits nicht mehr unter uns weilen", meinte Dumbledore mit trauriger Stimme. „Ich habe versucht, sie zu beschützen..."

„Albus, Sie versuchen, alle und jeden zu beschützen, aber das können Sie nun einmal nicht", mischte sich Molly sanft mit ein.

Dumbledore ging auf ihre Bemerkung nicht ein, sondern richtete sich auf und setzte einen ersten Gesichtsausdruck auf.

„Arthur, ich möchte, dass Sie Scrimgeour Bescheid geben. Sagen Sie ihm, dass Sibyll in der Gewalt der Todesser ist und eine kleine Chance besteht, sie zu retten. Außerdem muss er über den Vorfall mit den Barrieren Bescheid wissen. Wenn es geht, soll er ein paar Auroren schicken, damit sie erneuert werden können. Bill, Kingsley, Ronald, ich möchte, dass Sie Drei sich umgehend nach Hogwarts begeben und dafür sorgen, dass nicht noch jemand die Schwäche der Schutzschilde ausnutzt, bis wir sie erneuert haben."

Sobald der alte Mann die Worte ausgesprochen hatte, standen die Angesprochenen auf und verließen eiligen Schrittes den Versammlungsraum.

Einen Moment lang schwiegen alle Zurückgebliebenen, dann räusperte sich Minerva. „Wie dem auch sei", meinte sie abrupt, „die Todesser haben nicht bekommen, was sie wollten."

Die Frau holte etwas aus ihrer Umhangtasche, das wie eine halbe Kugel aussah und erstmals, seit sie den Raum betreten hatte, huschte ein Grinsen über ihr Gesicht.

Auch auf Dumbledores Gesicht zeichnete sich ein Lächeln ab. „Endlich. Gut gemacht! Aber, wenn ich fragen dürfte, wo haben Sie das her?"

„Ich habe es in Sibylls Gemächern gefunden, nachdem die Todesser sie verschleppt hatten. Sie muss es für uns dagelassen haben." Mit diesen Worten übergab die Professorin die halbe Kugel an Dumbledore, der sie einen Moment lang in der Hand drehte.

„Nicht, dass ich neugierig wäre, oder so...", hob Fred verwirrt an.

„...Aber was ist das?", vervollständigte George seinen Satz.

Dumbledore griff in seine eigene Umhangtasche.

„Zusammen hiermit -" Er holte eine ganz ähnliche Kugelhälfte heraus und polierte sie an seinem Umhang, bis sie genauso glänzte wie die andere, „ergibt es eine lang verschollene Prophezeiung von der berühmten Seherin Cassandra Trelawney persönlich – der Urgroßmutter von Sibyll im Übrigen. Die eine Hälfte trage ich nun schon seit zwei Jahren mit mir herum. Sie stammt aus dem Ministerium und nie ist es mir gelungen, die zweite Hälfte zu finden – bis heute!"

Ohne ein weiteres Wort fügte der Schulleiter behutsam und sachte die beiden Hälften zusammen, die perfekt ineinander passten. Kaum hatte er das getan, leuchtete die nun ganze Kugel hell auf und schwebte ein paar Zentimeter aus den Händen des alten Mannes, die dieser schalenförmig unter die Kugel hielt.

Eine Stimme hallte da glockenhell in dem Raum wider:

Nachdem der erste Held im Mittsommer des Jahres 1998 gefallen, wird ein goldenes Kind zur Rettung kommen, das die Macht haben wird, den Dunklen Lord zu besiegen. Erlangt das Mädchen dies Ziel, so wird Friede herrschen in unserer Welt; erlangt sie es jedoch nicht, so wird sie in jungen Jahren sterben."

Während die Stimme verhallte, bildete sich eine tiefe Falte auf Dumbledores Stirn. Diese Vorhersage hörte sich fast so an wie die von Sibyll Trelawney. Doch am meisten irritierte ihn der erste Satz.

Bevor er jedoch weiter darüber nachdenken konnte, wurde seine Aufmerksamkeit wieder von der Kugel auf sich gezogen. Diese leuchtete noch immer in dem seltsamen Licht und die Vorhersage schien noch nicht zu Ende.

Der zweite Teil ließ nicht lange auf sich warten: „Doch um zu beschützen ihr eigen Fleisch und Blut, wird das gold'ne Kind von den Eltern getrennt. Aufgezogen fern ab von der Zaubererwelt, damit der Prophezeiung erster Teil sich niemals erfülle. Ende des siebten Monats jedoch, wird es mit zwölf Jahren von den bösen Mächten für immer gezeichnet. Und nicht alle Zeichen sind äußerlich zu sehen."

Diesmal verstummte die Stimme endgültig und das Licht erlosch. Dumbledore fing die Kugel auf, die in seine Hände zurückfiel. In dem Zimmer war es totenstill.

Dann, plötzlich, rührte sich Remus, der die ganze Zeit noch kein Wort gesagt hatte. Seit Harrys Tod war er noch dünner geworden als er zuvor schon gewesen war und seine Haare waren nun mehr grau als braun. Obwohl das ganze schon drei Jahre zurücklag, sah er noch immer miserabel aus und viele dachten, dass es sich auch nicht mehr ändern würde.

Mit trockener Stimme meinte er: „Sie meinen, Harrys Tod war die ganze Zeit im Ministerium dokumentiert gewesen!"

Er war also nicht der einzige gewesen, dem die erste Zeile aufgefallen war: Nachdem der erste Held im Mittsommer des Jahres 1998 gefallen... Noch ehe Sibyll Trelawney ihre Prophezeiung bezüglich Harry, dem Jungen, der lebte, gemacht hatte, hatte es bereits eine gegeben, die seinen Tod voraussagte.

„Remus...", versuchte Dumbledore den Mann zu beruhigen, obgleich er sich selber bei der Erkenntnis nicht viel besser fühlte.

Doch er wurde von Remus unterbrochen, der auffuhr: „Wenn wir diese Prophezeiung früher gehört hätten... Nur gut drei Jahre früher, dann hätten wir ihn davor bewahren können! Ist doch so!"

Tonks legte wortlos eine Hand auf seine Schulter und drückte ihn wieder zurück auf seinen Platz. Durch die Berührung ein wenig beruhigt ließ sich Remus willig nieder, blickte aber Dumbledore noch immer finster an.

„Ich weiß, dass du Harry noch immer vermisst", meinte Tonks einfühlsam.

Dann wandte sie sich der Allgemeinheit zu. „Aber wisst ihr, was das bedeutet?"

Bei diesen Worten sah die Frau grinsend in die Runde. Sie stieß auf verständnislose Blicke und rollte bei der Begriffsstutzigkeit ihrer Kameraden die Augen.

„Das ist das, worauf wir so lange gewartet haben! Wir haben wieder eine Hoffnung! Wir haben keinen Jungen, der lebt mehr, das stimmt, aber jetzt haben wir ein Mädchen, das lebt!"

t.b.c.


Anmerkung:

Wer bis hierhin gekommen ist, den bitte ich, mich das auch per Review wissen zu lassen. Diese Geschichte steht noch ganz am Anfang und von daher wäre es nett, wenn ihr mir sagen könntet, ob ich sie weiterführen soll.

In dem Sinne bis zum nächsten Kapitel, falls genug Leute reviewen, die wollen, dass ich weiterschreibe.