Disclaimer: Twilight gehört S. Meyer!

Ja, ihr seht richtig!

Ich gebe euch meine Playlist für dieses Kapitel mit auf den Weg, diese 4 Lieder liefen unentwegt in der Endlosschleife.

Sia – Breath Me

Linkin Park – Valentine's Day

Carter Burwell – Bella's Lullaby

Alexandre Desplat – New Moon (The Meadow)

Viel Spaß beim Lesen, eine ausführliche A.N. gibt's am Ende des Kapitels, wenn ihr mögt. Ich hoffe, die Länge des Kapitels macht einiges wieder wett… wir lesen uns unten.

Flashback

Dann haben wir ein Date. Also, wenn dir das recht ist." Und ob mir das recht war? Natürlich!

Dann hol ich dich um sieben ab?" Das war eine Frage, es sollte doch bestimmter klingen.

Geht klar, ich freu mich. Bis dann", sagte sie und ging gen Tor.

Bis heute Abend!" Auch ich wandte mich ab und begab mich zur Haustür.

Rendezvous und reiner Wein

Date. Ein Date. Ich hatte ein Date. Mit Bella. Ein Date mit Bella Jones, ähh Swan. Ich hatte ein Date mit Bella Swan. Mit der Mutter von Chris. Ich hatte tatsächlich ein Date mit der Mutter meines Sohnes.

Mein Kopf war wie vernebelt. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Alles, was mir im Geiste herumschwirrte, drehte sich um Bella. Es fühlte sich beinahe so an, als drehte sich alles um diese Frau. Wie konnte ich denn nur all die Zeit ignorieren, dass dem auch tatsächlich so war? Natürlich entsprach es der Wirklichkeit. Ich atmete und lebte für diese Frau!

Zumindest seit sie auf meiner Türschwelle stand. Just in diesem Moment spürte ich das Rotieren der Planeten, wie sie sich aus ihrer vorgegebenen Bahn lösten und sich einen neuen Fixstern suchten. Den neuen Mittelpunkt des Universums, meines Universums – Bella.

Noch wie in Trance schritt ich zurück ins Haus. Ich wagte es gar nicht erst gen Küche zu gehen, doch ich konnte deutlich vernehmen, wie alle Stimmen erstarben, als die Haustür wieder ins Schloss fiel. Natürlich waren sie neugierig. Wäre ich nicht gerade Hauptakteur des kleinen Treffens gewesen, wäre ich das sicher auch. Also konnte ich es ihnen nicht verübeln.

„Und?", wurde mir gleich die erste Frage an den Kopf geworfen, als ich noch nicht einmal den Fuß richtig in der Küche hatte.

„Wie und?", gab ich zu rück. Ich wollte einfach mal auf Dummfang gehen und sehen, was passieren würde.

„Frag nicht so doof, Eddy!" Emmett…

„Manieren, Emmett!"

„Ja Mom, entschuldige. Jetzt aber, Edward." Emmett saß auf seinem Stuhl, wie ein Kind, das es nicht erwarten konnte, seine Geschenke am Weihnachtsabend zu öffnen. Er zappelte herum und schaute aufgeregt von Mom zu Rose, wieder zurück, manchmal zu mir und dann wieder irgendwo anders hin. Ja, definitiv nervös.

Kurz angebunden nuschelte ich ein ‚Wir haben ein Date', blickte dann flüchtig in die weit aufgerissenen ungläubig dreinschauenden Augen meiner Familie und verschwand auf schnellstem Wege in den ersten Stock.

Es war bereits 17 Uhr.

Stunden waren vergangen, als Bella vor meiner Haustür stand. Viel Zeit und doch fühlte es sich an wie gerade eben.

Das einzige, das ich bis jetzt vollbracht hatte, war es, eine Dusche zu nehmen. Diese lag allerdings auch schon wieder knapp vier Stunden zurück, was bedeutete, ich hatte noch nichts vollbracht aber noch so viel vor mir. Auf meinem Bett liegend, Blickrichtung zur Decke sinnierte ich über das mir Bevorstehende und meine Gefühle.

Was fühlte ich? Gute Frage. Ich war aufgeregt, das stand mal fest und ich freute mich, außerdem war da noch etwas anderes. Doch ich konnte es nicht zuordnen. Vielleicht würde es einen Sinn machen, wenn sie endlich wieder vor mir stand. Noch eine Dreiviertelstunde, dann konnte ich zu ihr.

Ein leises Klopfen brachte mich zurück in die Wirklichkeit. Kurze Zeit später lugte auch schon Alice in mein Zimmer.

„Hey", sagte sie leise, „kann ich reinkommen?"

„Klar."

„Mensch Edward, du bist ja noch nicht sehr weit. Hast du schon mal auf die Uhr gesehen?"

„Sehr oft sogar und ja, ich weiß. Aber ich hab's irgendwie nicht geschafft, mich aufzuraffen. Alice, hilfst du mir, meine Sachen auszusuchen?"

Fröhlich klatschte sie die Hände zusammen und setzte ihren Funkel-Augen-Blick auf, den sie immer bekam, wenn das Wort Mode auch nur ansatzweise irgendwo im Raum hing. Ich gab ihr den perfekten Köder, die Einladung schlechthin, da konnte sie nicht nein sagen.

Nach wenigen Minuten, einem halben Chaos später und vieler Argumente, warum genau ich denn mal wieder shoppen gehen sollte, hatte Alice dann doch endlich gefunden, was sie gesucht hatte – mein perfektes Outfit.

„So Edward, wenn das Bella nicht gefällt, dann weiß ich auch nicht. Das ist das perfekte Bella-Outfit! Ich sollte es mir patentieren lassen. Denkst du nicht?", kicherte mein Minizwilling und breitete alle Sachen vor mir aus, dass ich noch einen letzten Blick darauf werfen konnte. Gar nicht schlecht. Alice hatte wirklich Geschmack. Ich sollte ihr das nur nicht auf die Nase binden. Erstens wusste sie es eh schon und zweitens würde sie mich dann tatsächlich mit zum nächsten Shoppingtrip schleifen. Das wäre mein Todesurteil, ganz sicher.

Gerade als ich zu der ausgewaschenen Jeans greifen wollte, entfuhr Alice ein Schrei, den ich durch Mark und Bein spüren konnte.

„Verdammt, Zwerg was soll das? Wenn du mich taub schreist, brauche ich mich gar nicht erst mit Bella zu treffen." Ich guckte sie grimmig an, sie jedoch starrte nur weiter ungläubig auf mich. Naja, auf meine Hose, Unterhose…

„Alice, was zum Henker?!"

„Pscht, jetzt sei doch aber mal ruhig. Und rot werden brauchst du auch nicht, das ist nichts, was ich nicht schon gesehen hätte und außerdem haben wir früher immer zusammen gebadet." Diese… diese… sie brachte mich um den Verstand. Vor Angst schaute ich lieber schnell an mir herunter, ob ich auch tatsächlich eine Unterhose anhatte. Na bitte, Entwarnung für alle Beteiligten. Meine Snoopy-Unterhose saß genau da, wo sie sitzen sollte.

„Was willst du von mir?", setzte ich noch einmal entnervt zum Konter an.

Sie überlegte kurz. Böser Zwerg, ihre Stirn lag in Falten, das verhieß für gewöhnlich nichts Gutes. Mein Zwillingsradar schlug bei diesem Anblick ins Unermessliche aus.

Nach kurzer Ruhe fing sie an, ihre unheimlichen Gedanken mit mir zu teilen.

„Du willst doch Bella für dich gewinnen, oder?" Was für eine Frage? Ich nickte nur zustimmend.

„Dachte ich's mir doch. Aber so, wie du dich anstellst, wird sie spätestens bei deiner Unterhose das Weite suchen", sprach sie und nickte selbstgefällig.

„Alice, ich will Bella nicht ins Bett kriegen! Ich will mit ihr nur ein paar Sachen klären und eine Lösung suchen, wie das ganze Spektakel weitergehen soll!"

Schulterzuckend gab sie zurück: „Das Eine schließt das Andere doch nicht aus." Vielleicht, aber das war nicht meine Intention.

„Alice…"

„Ja, Bruderherz? Komm, zieh die hier an und schon hast du vielleicht sogar eine Chance, hihi."

„Alice, verschwinde!" Ich nahm mein Kissen und warf es nach ihr, traf aber nur die Tür. Alice war immerhin schlau genug, sofort zu verschwinden.

Na dann Snoopy, Zeit für dich in den Waschkorb zu verschwinden.

Zu sagen, dass ich aufgeregt war, war wohl die Untertreibung des Jahrhunderts.

Ich wusste, wo der Chief wohnte, jeder wusste das. Natürlich. Solche Informationen waren überlebenswichtig. Schließlich wollte keiner Ärger bekommen, wenn er herumlungernd vor des Polizeichefs Haus gefunden wurde.

Dennoch, es war ein seltsames Gefühl. Wusste Charlie, dass ich mit Bella essen ging? War er hier? Machte er vielleicht sogar die Türe auf, wenn ich gleich klingelte? Fragen über Fragen.

Ich grübelte noch eine Weile. Wie lange wusste ich nicht. Nur, dass ich langsam aussteigen und Bella zu mir herausholen musste.

„Ja, das solltest du", kicherte es auf einmal neben mir. Hatte ich das laut gesagt? Egal, ich hatte ja noch nicht einmal bemerkt, dass die Tür meines Wagens offen stand. Verwundert blickte ich nach oben und erschrak sofort, als ich dieses Wesen vor mir erblickte.

„Em, hat es dir die Sprache verschlagen? Soll ich noch mal herkommen?"

„Nein, nein alles ok", sagte ich hastig. Keinesfalls wollte ich, dass Bella wieder aus meinen Augen wich.

Schnell erhob ich mich von meinem Sitz, schnallte mich noch ab, bevor ich peinlicher Weise beinahe wieder zurückgezogen wurde. So stand ich heute das zweite Mal vor Bella.

„Hey", sagte ich leise und suchte ihre Augen nach einem Hinweis ab, der mir bedeutete, wie der Abend wohl laufen würde.

„Hey", war ihre Antwort und ein rosiger Schimmer legte sich auf ihre Wangen. Ich nahm dies als ein gutes Zeichen.

„Wollen wir?", fragte ich sie schließlich und ging voran zur Beifahrerseite. Bella folgte mir, wartete, bis ich ihr die Tür geöffnet hatte.

„Sehr gerne, Edward."

Als ich die Türe hinter ihr geschlossen hatte, konnte ich endlich die Luft ausatmen, die ich gehalten hatte. Denn ein kleiner Teil in mir war tatsächlich dem Glauben verfallen, sie könnte jetzt noch nein sagen. Zum Glück nahm sie mir diesen Stein vom Herzen.

Ich umrundete den Wagen, stieg schnell ein und fuhr los.

Wir fuhren in Stille. Keiner von uns sagte etwas, aber dennoch war es nicht unangenehm. Ich schaltete das Radio an. Doch da es sich hier nicht um meinen Wagen handelte, kam natürlich nur Müll. Die CD, die ich eigentlich ins Deck gelegt hatte, war auch nicht an ihrem Ort. Prima, so viel von guter Stimmung.

Bella kicherte neben mir. Verwundert sah ich sie an und mir viel sofort auf, dass ich sie vorher noch nicht richtig angeschaut hatte. Sie hatte ein Kleid an, schwarz, simpel, dennoch elegant. Und hohe Schuhe. Bella hasste hohe Schuhe und Kleider mochte sie eigentlich auch nicht. Da hatte sich einiges verändert. Nur eines nicht, sie war immer noch wunderschön anzusehen. Das stimmte nicht, sie war noch viel schöner, reifer, erwachsener und wirkte wesentlich selbstbewusster als ich mich momentan fühlte.

„Edward, komm, die Musik ist schrecklich. Ich dachte, du hättest besseren Geschmack", lachte Bella und ich fühlte mich auf einmal in die Vergangenheit zurückversetzt. Denn so wie es gerade war, war es früher auch, warm, angenehm und lustig.

„Ok, ich gebe mich geschlagen. Ich gehöre jetzt zu den Anhängern der Schrott-Musik." Daraufhin musste sie nur noch lauter lachen. Ich stieg mit ein. „Aber sag, seit wann bist du in High Heals unterwegs?"

„Ich lande in letzter Zeit nicht mehr oft genug durch meine eigene Schusseligkeit auf dem Hintern, da dachte ich, ich helfe mal nach, wenn ich heute schon jemanden habe, der mich sofort versorgen kann, falls ich mir was breche."

„Gutes Argument."

„Das dachte ich auch", grinste sie herüber.

„Übrigens, das Hemd steht dir sehr gut", sagte sie und wandte sich ab von mir. Dennoch konnte ich den Ansatz einer rotwerdenden Wange erkennen.

Mit einem Räuspern bedankte ich mich und vergaß natürlich prompt das Kompliment zurückzugeben.

In einer leichten Unterhaltung setzten wir unseren Weg weiter fort. Keiner von uns schnitt die wirklich wichtigen Themen an. Ab und an glaubte ich ein Stirnrunzeln auf Bellas Gesicht zu erkennen, so als wollte sie zum Gespräch ansetzen, doch sie fing sich immer wieder und lächelte nur leicht. Vielleicht war ein leerer Magen keine gute Grundlage für eine derartige Unterhaltung, wie sie uns bevorstand. Wir schienen es beide zu spüren. Es lag förmlich in der Luft.

Endlich in Port Angeles angekommen suchten wir ein kleines französisches Restaurant auf. Es gab hier auch einen Italiener, nur glaubte ich nicht, dass Bella es mochte, in einem Restaurant zu speisen, das ihren Namen trug. So dick musste die Schleimspur nun auch wieder nicht sein.

Der Ort war herrlich, passend für das, was auf uns wartete. Bella wirkte sichtlich erleichtert darüber, dass die Atmosphäre hier so angenehm und irgendwie vertraut wirkte. Nur wenige Menschen aßen zu Abend, wir gesellten uns dazu, setzten uns in eine gemütliche, abgeschiedene Ecke und warteten auf die Bedienung.

„Hast du dir schon etwas ausgesucht?", fragte ich behutsam nach einer Weile.

„Nein, noch nicht", antwortete Bella schulterzuckend, „für mich klingt alles ziemlich lecker. Ich gehe so selten essen, da weiß ich immer nicht, was ich nehmen soll." Sie sah aus wie ein kleines Kind, das vor einem großen Schaufenster stand und in einen Süßigkeitenladen hineinblickte.

„Hm, dann schlage ich vor, dass du das nimmst, was du sonst nie essen kannst. Ich für meinen Teil esse zwar gerne, kann aber nichts dergleichen kochen. Deshalb esse ich häufig auswärts, um überhaupt eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bekommen. Darum werde ich auch irgendetwas nehmen, was mir gar nichts sagt, nur um die Abwechslung zu gewehrleisten." Ich plapperte und plapperte, doch Bella hörte mir gespannt zu.

„Tja Edward, das wird sich wohl nie ändern, du konntest früher schon nicht kochen", witzelte sie. „Kannst du dich noch an das eine Mal erinnern, als wir Hamburger machen wollten und du den Grill in Brand gesteckt hast?"

„Oh ja, mein Dad war außer sich."

„Nicht nur das, du hattest vergessen, die Verandatür zu schließen. Der Gestank zog ins Haus und Esme brauchte Wochen, bis die Luft im wahrsten Sinne des Wortes wieder rein war", lachte Bella schallend vor sich hin.

Ich hatte auch noch eine weitere Seite der Story zu erzählen, die ich angeregt mit ihr teilte: „Und Emmett war schon so konditioniert durch den andauernden Geruch, dass ihm das Wasser im Mund zusammenlief, sobald draußen im Garten irgendeiner was verbrannte."

Wir lachten beide aus vollem Halse und kurz bevor ich es vergaß, schoss mir noch schnell ein Wort aus dem Mund, Bella leider auch. „Piaget!", brüllten wir nun beide. „Verhext", rief sie und so war ich wieder einmal der, der den Kürzeren zog.

„Nicht fair", hmpfte ich.

„Doch fair und du hättest genau das gleiche gemacht, also jammer nicht rum."

„Ja ja", war alles, was ich entnervt zurückgeben konnte. „Hast du jetzt etwas gefunden, das du möchtest? Ich weiß zwar noch, dass du gerne gekocht hast, aber selbst du kannst unmöglich alles hiervon schon einmal zubereitet haben."

„Hm, sag das nicht so leichtfertig. Du musst wissen, wenn man ein Kind zu Hause hat, dann muss man sich immer mal wieder was Neues einfallen lassen." Sie erschrak sofort und lies die Karte auf den Tisch fallen. „Das tut mir leid, Edward. Ich… ich"

„Schon okay", beruhigte ich sie. Bella sah angespannt aus und tief in Gedanken. Das war wohl der Aufhänger, den wir beide gesucht hatten und sie hatte ihn unfreiwillig preisgegeben. „Em, vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Naja, der Grund, wieso wir heute hier sitzen, also… ich weiß auch nicht", stammelte ich vor mich hin und fuhr mir aufgeregt durch die Haare. Wieso war das so schwer? Cullen, reiß dich zusammen und fang an, dich endlich wie ein Mann zu benehmen!

„Du hast recht", sagte Bella bestimmt und blickte mir in die Augen. „Was willst du wissen, wo soll ich anfangen?"

„In deinem Brief…", ich fasste kurz an meine Hosentasche, dort war er sicher verwahrt. Ich hatte ihn als kleinen Glücksbringer mitgebracht, als Zeichen, dass Bella wirklich mit mir reden wollte. Er war der Beweis, dass sie tatsächlich vor meiner Türe gestanden und ich nicht nur einen bösen Traum hatte. „… hast du gesagt, dass du mir nicht mehr geschrieben hattest, um mir meine Zukunft nicht zu nehmen. Was, gelinde gesagt, der größte Schwachsinn ist, den ich je gehört habe."

Bella atmete schwer und wollte protestieren, doch ich ließ sie nicht und machte einfach weiter. „Das ist ein anderes Thema. Aber irgendwann kamen meine Briefe nicht mehr bei dir an, ich bekam sie zurück. Du sagtest, Renée wäre daran beteiligt, wie das? Und warum heißt du anders und Charlie ist dein Vater? Ich verstehe nur Bahnhof", gab ich offen und ehrlich zu.

Mittlerweile hatten wir bestellt. Zum Menü tranken wir einen leichten Rotwein. Ich musste schließlich noch fahren, aber ein Glas würde nicht schaden. Im Gegenteil, ich hoffte, dass es die Spannung lösen würde.

Nach dem ersten Bissen, das Essen war köstlich, atmete Bella tief durch, schenkte mir ein kleines Lächeln und sammelte sich für ihre Erklärungen. Sie schob den fast noch jungfräulichen Teller beiseite und legte die Hände vor sich auf den Tisch. Sie sah so traurig aus und tief in mir bohrte ein Schmerz, den ich mir nicht erklären konnte. Ich hoffte nur, endlich Antworten zu bekommen und ihr damit eine Last zu nehmen, die sie sichtlich trug. Denn ihre Schultern hingen, ihre Augen, wenngleich wunderschön, hatten Ringe unter sich. Sie war müde, geschafft.

„Als du gegangen warst, war ich ein Häufchen Elend", begann sie und lächelte mich dabei leicht an. Eine traurige Erinnerung in ihrem Blick deutlich sichtbar. „Du warst mein bester Freund, meine andere Hälfte, doch auf einmal war da nur noch Bella. Bella und nicht mehr Bella und Edward. Die Briefe zu dir und von dir gaben mir Kraft weiterzumachen. Ich war manchmal drauf und dran, mein Sparbuch zu plündern, einen Flug zu buchen und zu dir zu kommen, doch es ging nicht und meine Mom hätte das nicht gestattet. Sie fand mein Gehabe sentimental. Ich weiß, sie wollte mich stärken, mir zeigen, dass es noch andere Fische im Teich gab, dass ich über dich hinweg kommen sollte, um nicht daran zu zerbrechen. Leicht gesagt, wenn man schon so unzählige gescheiterte Beziehungen und Ehen hinter sich hat, wie meine Mom, nicht?"

Ich nickte nur leicht und schob mir eine Gabel voll meines Essens in den Mund. Bella wollte keine Antwort von mir, ich wollte sie auch nicht unterbrechen. Sie sollte fortfahren und sich meiner Aufmerksamkeit gewiss sein.

„Ein Grund, warum ich immer noch meinen alten Nachnamen trug... Jones war der Mädchenname meiner Mutter. Sie und Phil, wie du weißt, heißen ja Dwyer. Doch nach all den Männern, die da aus- und eingingen, wollte ich wenigstens an einem festhalten. Außerdem ist es gar nicht so billig, wenn man den Namen des Kindes immer mit ummeldet. Und Renée störte sich nicht einmal daran. Dennoch, sie liebte mich, auf ihre Art und auch Phil ist eigentlich nicht so ein schlechter Kerl. Die beiden sind heute noch zusammen, zumindest habe ich nichts Gegenteiliges gehört."

Sie atmete tief und lange ein. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht aufzuspringen und sie in meine Arme zu schließen, denn das war eigentlich das einzige, das ich gerade tun wollte.

Bella erzählte mir von den Wochen, in denen sie fast verrückt geworden war, weil ich nicht bei ihr war. Wie sie auf meine Antworten wartete, immer schon früh in den Briefkasten guckte und auch dann, als sie von der Schule heimkam. Ehrlich gesagt, ging es mir nicht anders. Auch ich hatte immer gehofft und gewartet. Sie erzählte mir, wie sie eines Morgens erschrocken feststellte, dass sie ihre Periode nicht bekommen hatte, sich aber erst nicht viel dabei dachte. Nach ein paar Tagen jedoch wurde sie unsicher, ging zum Frauenarzt, um sich routinemäßig untersuchen zu lassen. Aus dieser Routineuntersuchung wurde dann doch ganz schnell die Feststellung ihrer Schwangerschaft. Bella sagte mir, dass sie nicht glauben konnte, was die Ärztin ihr da berichtete und wie sie sich sogar noch einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke besorgte. Dieser zeigte natürlich nur genau das an, was sie bis dahin eigentlich schon so genau wusste. Und dann sagte sie mir noch, wie alles auf einmal wieder zu ihr zurück kam. Jede Erinnerung, unsere gemeinsame Nacht. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, doch sie vergoss sie nicht. Es waren nur Erinnerungen. Bella war stärker als ich, all die ganzen Jahre.

„Also stellte ich die Briefe ein. Ich wollte nicht, dass wir weiter in Kontakt stünden, das hätte alles nur erschwert. Doch du warst so stur und beharrlich, du hast weiter geschrieben. Meine Mutter wunderte sich anfangs nicht darüber, aber als ich deine Anrufe nicht mehr entgegennehmen wollte, wurde sie misstrauisch. Ich erfand eine Lüge, gab vor, wir hätten uns zerstritten und dass ich jemanden sehen würde, so also keine Zeit mehr für dich hätte. Natürlich die größte Lüge überhaupt. Doch ich wiederholte sie so oft in meinem Kopf, dass ich irgendwann daran glaubte."

Wir legten eine kurze Pause ein. Der Abend verlief gut, sie redete, ich fragte nur ab und an nach, nickte kurz oder sah sie einfach nur ermutigend an. Als das Dessert gereicht wurde, begann Bella wieder zu erzählen. Und je mehr sie sprach, desto ruhiger wurde sie. Der Stein auf ihrem Herzen war wirklich groß. Ich konnte nicht mehr sauer sein, im Gegenteil, ich war traurig und wollte einen Weg finden, ihr zu helfen. Doch noch kannte ich nicht die ganze Geschichte.

„Nach ein paar Wochen konnte ich es nicht mehr verheimlichen. Man begann etwas zu sehen. Ich versuchte es zu kaschieren, doch als meine Mom eines Tages ins Badezimmer kam, als ich gerade dabei war, mich umzuziehen, sah sie es unweigerlich und erkannte natürlich sofort, was da in meinem Bauch und schon so lange unter meinen Sachen schlummerte. Renée war außer sich. Ich hatte bis dato meine Mutter noch nie so wütend erlebt. Sie sagte ‚ Wir werden eine Lösung finden'. Dass sie damit meinte, dass ich am nächsten Tag einen Termin zu einem Beratungsgespräch zu Schwangerschaftsabbrüchen haben würde, konnte ich da noch nicht ahnen. Erst als Phil nach Hause kam und ihm die Neuigkeit präsentiert wurde, machte es klick bei mir."

„Oh Bella, das tut mir so leid."

„Muss es nicht. Mir tut es nicht leid, nicht mehr. Es war dumm von ihnen, das weiß ich jetzt und das wusste ich auch schon kurz danach, denn dadurch ist ihnen etwas Wertvolles entgangen."

Mir auch.

Nach einem kurzen, verständigen Blick fuhr sie fort: „Ich wollte keinen Abbruch. Nie und nimmer hätte ich das tun können. Als Renée das bewusst wurde, nahm sie mich von der Schule; einfach so. Sie verbot mir den Kontakt zu Freunden. Angela wimmelte sie bereits an der Türe ab, ich sei zum Schüleraustausch und andere Lügen. Wahrscheinlich wollte sie auch alles andere von mir abschirmen, deshalb habe ich nie irgendwelche Briefe mehr erhalten. Renée hat sie mir nicht zukommen lassen. Du solltest ja auch nicht wissen, wie unehrenvoll ich mich verhalten habe, naja. Meine Mutter schämte sich für mich. Die einstige Güte, die ich durch sie erfahren hatte, war nicht mehr da. Ich erkannte meine Mom nicht wieder. Das war der Moment, als ich mein Leben selbst in die Hand genommen habe.

An diesem Abend machte ich mich rar. Ich schloss mich in meinem Zimmer ein und ignorierte das vehemente Klopfen und die Drohungen von der anderen Seite der Tür. Ich setzte mich an meinen Computer und suchte nach Internaten in der Nähe von Phoenix. Zu der Zeit hatte ich nämlich noch die Hoffnung, dass sich meine Mom und Phil doch irgendwann für mich und mein Kind interessieren würden. Naja, ich fand, wonach ich suchte. An diesem Abend tippte ich eine Bewerbung für die Schule ab, schrieb meinen Lebenslauf, suchte alle Zeugnisse heraus und packte alles in einen großen Umschlag. Phil und meine Mom klärte ich über mein Vorhaben auf. Ich konnte sehen, dass Renée geknickt war, aber sie unterstützte meinen Wunsch, gab mit ihrer Unterschrift ihr Einverständnis und eine Woche später war ich dann auch schon auf dem Internat."

Sie nahm einen Schluck von ihrem Kaffee, den sie zu Dessert dazu bestellt hatte und schluckte heftig. Ihr Mund musste ganz fusselig sein vom vielen Reden.

„Wenigstens eins, dass sie getan haben. Mich wundert es, dass deine Eltern für die Internatskosten aufgekommen sind", murmelte ich und aß noch einen Bissen meines Desserts.

„Das sind sie nicht", sagte Bella zwischen Schlucken.

„Huh?"

„Sie hätten mich nie gehen lassen, wenn ich ihnen erzählt hätte, dass die ganze Sache mit Geld verbunden gewesen wäre."

„Ja und wie hast du das nun finanziert?", fragte ich neugierig und auch erstaunt nach. Ich wusste, dass das eine kostspielige Sache war. Wie hätte eine Schülerin, noch dazu schwanger für sich sorgen können?

„Ich habe meine Eltern belogen, gesagt, ich hätte ein Stipendium bekommen, was natürlich riesengroßer Blödsinn war. Ich war nicht schlecht, das weißt du, aber so gut nun auch wieder nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als doch an meine Ersparnisse zu gehen. Das ging auch einen Monat lang gut. Dann passten jedoch meine Sachen nicht mehr und irgendwann muss man sich auch mal Schulzeug kaufen."

„Bist du arbeiten gegangen, trotz deiner Schwangerschaft?", mutmaßte ich leicht wütend, was man auch in meiner Stimme deutlich erkennen konnte. Wie konnte sie sich nur so unter Druck setzen? Stures Mädchen, sie hätte es so einfach haben können. Ein Anruf hätte genügt, aber nein.

Ihre Antwort erschreckte mich, beruhigte aber sofort mein schlechtes Gewissen meinen Gedanken gegenüber. „Ich habe mir Hilfe gesucht."

Zum Glück.

„Ich… ich wusste nicht wohin und wollte nur noch zu jemandem, dem ich vertrauen konnte. Du warst nicht da und ich wollte dich nicht belasten und meine Eltern wollten mich nicht mehr, aus den Augen aus dem Sinn, das war wohl ihre Devise. Also machte ich mich auf die Suche nach dem einzigen Menschen, von dem ich noch Hilfe erwarten konnte, obgleich ich nichts von ihm wusste, außer seinen Namen." Bella atmete schwer und presste ihre zierlichen Hände um die Kaffeetasse. Ich konnte wetten, der Inhalt war längst kalt geworden.

„Charlie Swan war sein Name, ist sein Name, der Name meines Vaters." Bei diesem Satz, beim Sprechen seines Namens leuchtete ihr ganzes Gesicht auf und Wärme blitzte in ihren tiefbraunen Augen auf. „Ich habe ihn gegoogelt", gab Bella verlegen zu. Ihr Gesicht nahm wieder diese rote Farbe an, die ich so an ihr liebte. Es gab nichts Schöneres als eine errötende Bella. Schon allein dafür sollte ich sie öfter in peinliche Situationen bringen, aber dann wäre sie sicher böse mit mir und das wollte ich nicht.

„Du glaubst gar nicht, wie viele Charlie Swan es gibt. Ich bin dann über die Bildersuche gegangen und dabei ist mir einer ins Auge gestochen." Bellas Blick schweifte ab in die Ferne und sie kicherte. „Er sah so albern und ernst aus in seiner Uniform. Aber da war etwas an ihm, dass mir sagte, er ist es. Als ich das Bild vergrößerte erkannte ich sofort die Augen, die mir da entgegenblickten, es war wie Magie."

„Ging mir bei Chris auch so", plapperte ich heraus, ohne eigentlich darüber nachzudenken, was ich da sagte. „Oh, entschuldige, ich wollte dich nicht unterbrechen", jetzt war ich verlegen.

Doch Bella lächelte nur warm: „Nicht wahr, er kann einen in seinen Bann ziehen?" Wir sprachen nicht mehr über Charlie, jetzt ging es um meinen Sohn.

Noch eine Weile sahen wir uns verträumt an. Worüber sie sinnierte, wusste ich nicht, doch ich war in Gedanken bei diesem kleinen Jungen, den ich um nichts in der Welt wieder gehen lassen wollte.

„Und dann habe ich einfach angerufen", holte mich Bellas Stimme aus meiner Traumwelt zurück.

„Du hast bei Charlie angerufen? Einfach so? Wow, hätte ich mich nie getraut", gab ich ohne Umschweife zu.

„Ich hatte keine andere Wahl. Ich brauchte ihn und hoffte, er würde mir helfen."

Wie zu erwarten war, half Charlie Bella. Er fiel aus allen Wolken, als er von seiner Tochter hörte. Er wusste von ihr, hatte ja auch kurz mit Renée und Bella zusammengelebt, er war nur erschrocken, Bellas Stimme nach all den Jahren zu hören. Ohne Umschweife und dumme Fragen tat er alles für Bella. Er bezahlte das Internat und half Bella nach der Geburt von Christian bei allem.

„Ich wollte ihm das Geld irgendwann zurückzahlen. Doch er blieb stur und meinte, dass das nicht nötig sei. Echt, ein Sturkopf", lächelte sie sanft.

„Da kenn ich noch jemanden", fügte ich belustigt hinzu.

Bella grinste mich nur an. „Ich bin dann später aufs College gegangen. Ich wollte erst irgendwo nach Washington, um näher bei Charlie sein zu können. Doch er riet mir davon ab. Charlie meinte, Renée hätte sich damals erdrückt von Forks gefühlt, er wollte nicht, dass es mir ebenso ging. Lieber sollte ich kommen und dann wieder gehen. Wie verrückt. Doch ich machte es so. Nur dass ich bis vor ein paar Tagen nicht einen Fuß nach Forks gesetzt hatte."

„Warum?", fragte ich verwirrt. „Hat es mit Charlie und dir nicht so gut geklappt?" Ja, es war persönlich, aber wir rollten doch eh gerade alles auf, da durfte ich nach so etwas fragen und außerdem waren wir Freunde. Und Freunde erzählten sich alles, eigentlich…

„Doch doch, Edward." Es ging jedes Mal runter wie Öl, wenn sie meinen Namen sagte. Bella ließ ihn erklingen, wie die schönste Melodie. „So gut, dass ich seinen Namen annahm, noch bevor ich 18 wurde. Meine Mutter wollte mich nicht mehr und er nahm mich an ohne Umschweife. Das war mein Weg, um ihm ‚Danke' zu sagen. Der beste Weg, wenn du mich fragst."

Wir waren schon so lange am Reden, die Zeit musste wie im Flug vergangen sein. Es war bereits 20 Uhr, als ich auf meine Armbanduhr blickte und wir waren noch nicht einmal bei der Hälfte unseres eigentlichen Anliegens angekommen. Doch es war zu gemütlich, um schon zu gehen. Der Kellner nervte nicht mit seiner Anwesenheit, er schaute nur selten vorbei und belästigte uns dann auch nicht weiter. Ich fühlte mich wohl. Irgendwie war es so, als wäre ich dort angekommen, wo ich schon immer hin wollte. Das war ein gutes Gefühl. Außerdem konnte ich die Zeit mit Bella teilen und ihr zuhören. Wie hatte ich danach gelechzt, endlich ihre Stimme wieder zu hören. Sanft, doch voller Stärke. Ich hätte einschlafen können, nicht vor Langeweile oder weil es mich nicht interessierte; ich fühlte mich einfach nur so geborgen. So musste der Himmel sein, warm und voll mit den Menschen, die ich liebte.

Liebte? Wo kam das auf einmal her?

Ich fing mich wieder. Denn ich wollte doch noch so viel mehr wissen.

„Wie lief es mit dem College?"

„Hm, das war, naja, nicht so einfach, aber es ging", gab Bella zu. So tough, wie sie schien, war sie dann doch nicht. „Chris kam auf die Welt und auf einmal drehte sich nichts mehr um mich sondern nur noch um ihn. Jake hat mir viel geholfen. Wir haben uns in einem Kurs kennengelernt, den er für seine damals noch Freundin besucht hat. Sie konnte nicht gehen, also ging er für sie. Ich freundete mich mit Leah und Jacob an. Sie halfen mir, nahmen mir Chris ab, wenn ich lernen musste oder mal wieder ein zum Scheitern verurteiltes Date hatte."

Da wurde ich doch gleich hellhörig. „Wieso zum Scheitern verurteilt?", hakte ich neugierig nach.

„Ach komm Edward, du weißt doch, ich konnte noch nie wirklich mit Jungs, Dates sind nicht gerade meine Stärke", sagte sie und schüttelte den Kopf, so um zu zeigen, als sei es doch offensichtlich, was sie mir da versuchte, gerade weis zu machen.

„Meiner Meinung nach machst du dich gar nicht so schlecht", witzelte ich.

„Tja, das liegt aber auch am Gesprächspartner." Sie zwinkerte, tatsächlich. Moment, flirtete Bella gerade mit mir und ich bekam es nicht mit? Unmöglich…

„Das Kompliment kann ich allerdings nur zurückgeben." Immer wieder ein sicherer Weg, um Bella zum Erröten zu bringen.

„Tss", machte sie dieses niedliche Geräusch, das sie früher schon immer gemacht hatte, wenn sie etwas für total lächerlich hielt. „Ich schütte dir hier mein Leben aus, das ist peinlich und jedes andere Date würde wahrscheinlich schon lange die Flucht ergriffen haben."

„Ich bin nicht irgendjemand, Bella", sagte ich bestimmt und versuchte ihren Blick mit meinem zu halten. Doch viel zu schnell senkte sie ihre Augen wieder gen Tisch.

„Ich weiß", hörte ich sie noch flüstern. Daraufhin weiteten sich meine Augen, ich konnte es spüren. Das Fünkchen Hoffnung in mir flammte wieder auf. Ich weiß nicht genau, worauf ich hoffte, doch ich fühlte es dennoch. Vielleicht mussten die Dinge nicht so bleiben, wie sie waren. Wer weiß, vielleicht gab es ja doch irgendwo ein Happy End, irgendwo.

„Als was hast du abgeschlossen? Ich weiß, dass du Bücher schreibst, aber was genau ist dein Abschluss?" Diese Frage schien sie zu verblüffen.

„Woher weißt du das?"

„Was genau?"

„Dass ich schreibe." Ah, böse Falle, naja, die Wahrheit war wohl das Beste.

„Chris hat es mir erzählt." Augenblicklich kamen die Bilder zurück, die, die ich schon seit einiger Zeit vehement versucht hatte, zu verdrängen. Bellas Unfall und Chris, wie er im Auto eingeschlossen saß und seine traurigen Augen. Ein Moment, den ich wahrscheinlich nicht so schnell wieder vergessen würde.

„Ich war erstaunt, sehr sogar."

„Worüber?"

„Charlie hat mir erzählt, dass Chris dich sehr mag." Jetzt war ich an der Reihe, rot zu werden. „Und das ist ungewöhnlich. Er ist sehr zurückhaltend, mag nicht jeden. Doch so viel mir Charlie berichtet hat, ist er ganz vernarrt in dich."

Ihre Worte verwunderten mich wenig, doch ihr Ausdruck… Bella lachte, sie lachte mich an und auf einmal wurde wieder alles so warm um mich herum.

„Major in Literatur, das einzige, was ich konnte", witzelte sie.

„Da bist du weiter als ich."

„Ja schon, aber Medizin ist auch nicht gerade einfach, nicht?"

„Ja, da hast du recht."

Ich erfuhr viel an diesem Abend. Wahrscheinlich nicht alles, doch das war abzusehen. Das wichtigste für mich war es, herauszufinden, was Bella davon hielt, dass ich Chris näher gekommen war. Sie war aus allen Wolken gefallen, als ihr Charlie berichtete, zu wem er ihren Sohn diesen verhängnisvollen Samstag gebracht hatte. Sie erzählte mir aber auch, dass der Anlass gar nicht so schlecht war, denn sie war mit Charlie sowieso auf dem Weg zu Dr. White, der sich als Psychologe entpuppte. Mit ihm sollte sie über den Unfall reden. So schloss sie mich auch gleich mit ein.

„Wow und was hat Charlie zu alledem gesagt?" ich grübelte, ob ich mich an irgendein Anzeichen erinnerte, dass Charlie wusste, dass ich seine kleine Tochter damals geschwängert hatte und bis dato nichts mit meinem Kind zu tun hatte. Oh Gott, er würde mich in der Luft zerreißen und dabei verstanden wir uns doch so gut. Mist, Mist, Mist… Was sollte ich nur machen? Der Mann hatte eine Pistole, wahrscheinlich mehrere. Welche Kugel würde wohl meinen Arsch treffen, wenn er mich das nächste Mal sah?

„Edward, ist alles in Ordnung?", fragte Bella besorgt und zog dabei die Stirn in Falten.

„Ja, ich hab' mir nur eben gerade vorgestellt, wie dein Vater mich mit seiner Pistole verfolgt."

Ehrlich werte am längsten, vor allem aber belustigte es Bella und mir war es zu tiefst peinlich.

Nachdem sie sich wieder beruhigt und die Tränen aus den Augen gewischt hatte, fügte sie nur an, dass Charlie nichts von mir und meiner Verbindung zu Chris wusste. Noch nicht, zumindest.

„Ich will warten, bis es ihm wieder besser geht. Es hat ihn ja nicht schwer erwischt, er soll in den nächsten Tagen schon wieder entlassen werden. Eigentlich meint er, das alles sei nicht schlimm, ein gebrochener Fuß und wenn schon. Am liebsten wäre er schon wieder draußen unterwegs und würde bestimmte Leute mit gezogener Waffe verfolgen."

Ich schluckte und meine Augen weiteten sich vor Angst. Sollte das lustig sein? Mama, Hilfe!

„Ach Edward, alles halb so wild. Er weiß, dass du ein guter Kerl bist, so oder so."

„So oder so? Was soll das denn heißen?", fragte ich verwirrt nach.

Bella atmete ein und hielt meinen Blick, als sie mir antwortete: „Charlie weiß alles, die ganze Geschichte. Nur eben nicht, wer du bist, also dass du, naja du weißt schon."

„Und das rettet jetzt meinen Hintern?" Gut Cullen, Arsch sagt man auch nicht in der Öffentlichkeit. Und schon redest du wieder mit dir selbst. Rede mit der Frau vor dir, der Frau, ja, genau Bella! Idiot, alles muss man dir sagen. Aber wo deine Eier sind, weißt du noch oder?!

„Edward", sagte sie streng. Seit wann war Bella so dominant? Heiliger Bimbam, egal woher das kam, es war… heiß? „Du hast kein Verbrechen begangen, wir haben kein Verbrechen begangen. Charlie weiß, dass es meine Schuld war und dass ich mir mehr oder weniger den Rest selbst zuzuschreiben habe. Außerdem, davon mal abgesehen, mag er dich, also den Edward, den er kennengelernt hat. Mach dir keine Sorgen. Ich glaube, ich habe da wesentlich mehr gut zu machen."

Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Ihr das Ganze unter die Nase zu reiben, wäre eine Möglichkeit gewesen und damit hätte ich nicht einmal Unrecht gehabt. Doch weiter würde es uns auch nicht bringen. Sie müsste nicht viel tun, um wieder in meine Gunst zu treten, doch ich war ja nur die Spitze des Eisberges. Alice, meine Mom, Emmett, die spielten da ja auch mit hinein. Bella hatte mir damals das Herz gebrochen und das meiner Familie auch. Krampfhaft versuchte ich Carlisle aus dem Bild zu drängen, doch ihm müsste ich mich auch noch stellen. Egal.

So vernarrt auch alle Welt in Chris war, Bella würden sie nicht so einfach akzeptieren und das war noch gelinde ausgedrückt. Aber an diesem Punkt waren wir noch lange nicht angekommen. Ich hatte eigentlich noch immer keine Ahnung, wo wir standen. Mein Kopf musste so viele Dinge auf einmal verarbeiten. Mitleid, Wut, Trauer, Freude und Angst vor dem, was kommen könnte, mixten sich zu einem Gefühlsbrei, den ich nicht auseinanderklamüsern konnte. Dieses Treffen hatte nur einiges ins Rollen gebracht, doch noch lange nicht aus dem Weg bzw. zu einem Happy End. Wir würden noch öfter zusammenkommen müssen. Und das war eigentlich die einzige Hoffnung, die mich davor bewahrte, nicht hier und jetzt in Tränen auszubrechen. Denn trotz der starken, kühlen Fassade, die ich heute so wohlvorbereitet aufgesetzt hatte, fühlte ich mich hilflos wie ein Kind.

Es war schon spät. Jetzt noch etwas Großen anschneiden zu wollen, brächte nichts, außerdem hielt es eben diese Hintertür des nochmaligen Zusammentreffens offen. Ich hoffte darauf und wusste innerlich aber schon, dass es so kommen würde. Bella hatte sicher nicht dieses Treffen vorgeschlagen, wenn sie danach sofort einfach so wieder aus meinem Leben verschwinden wollte. Außerdem war da noch Chris. Ob nun als Vater oder als Freund, so einfach konnte sie mich von dem Kleinen nicht wieder wegreißen. Das wusste sie sicher. Und der Ausdruck in ihren Augen verriet mir, dass es von hier an kein Zurück mehr geben konnte. Ich wusste nicht, wie weit es führen würde, doch es war unausweichlich.

Die Zeit war reif, wir mussten langsam los. Doch bevor wir gingen, wollte ich noch eines wissen. Es beschäftigte mich schon eine ganze Weile, seit heute Morgen um genau zu sein. Also bereitete ich meine letzte Frage für diesen Abend vor.

„Was ich dich eigentlich schon die ganze Zeit fragen wollte."

„Ja?"

„Versteh das bitte nicht falsch, aber wieso auf einmal diese Stimmungsschwankung? Als wir uns im Supermarkt oder im Krankenhaus gesehen hatten, da warst du so anders und auf einmal, da bist du wieder Bella. Die Bella, die ich kenne." Ich blickte ihr die ganze Zeit über ins Gesicht. Das Kerzenlicht und die Schatten, die dadurch um uns herum entstanden, umspielten Bellas Gesicht und ließen sie erstrahlen, wie das Bild einer Göttin.

„Ich hab mich dazu entschlossen, keine Rücksicht mehr zu nehmen."

Ich guckte sie fragend an. Bella lächelte und erklärte dann weiter. „Ich hab mit aller Kraft versucht, dich von mir wegzustoßen, habe mich dabei verraten und dir im Endeffekt auch nur Kummer bereitet." Sie schüttelte leicht den Kopf, diese Haare… „Ich will das nicht mehr. Dein Brief, dieses Treffen, das zeigt mir, dass du damit umgehen kannst. Meine größte Sorge war, dass es Chris an etwas fehlen würde, doch das tut es nicht. Und du hast ihn gern." Ja, das hatte ich, nicht nur das, diese Gefühle gingen viel tiefer. Der Kleine hatte mein Herz erobert.

„Edward", riss sie mich aus meinen Gedanken. „Wenn ich dich damals gebeten hätte, zu bleiben, wärst du geblieben?"

Ich dachte nicht lange darüber nach, schließlich hatte ich mir meinen Kopf schon genug darüber zermartert. „Ja!", sagte ich bestimmt.

„Würdest du jetzt bleiben, wenn ich dich darum bitten würde?"

Bitte mich, ich flehe dich an. „Ja."

Sie atmete tief ein. Ihre wunderschönen Augen waren den Tränen nahe. „Bella", hauchte ich, griff über den Tisch und legte meine Hand an ihre Wange. So vertraut waren wir schon lang nicht mehr gewesen.

„Edward", sie schniefte, oh Bella. „Edward, bitte bleib. Bitte lass mich nicht allein." Ihre Tränen kullerten über ihre rotgefärbten Wangen. Sie war so atemberaubend, ich verfiel ihr mit jeder Minute mehr und mehr. Dennoch zog sich mir die Brust zusammen beim Anblick ihres Ausbruchs.

„Keine Sorge, so schnell wirst du mich nicht wieder los", gab ich betont spielerisch von mir, um die Stimmung wieder etwas zu heben.

„Das will ich hoffen", gab sie schluchzend zurück und lehnte sich in meine Berührung hinein.

Ich fuhr sie nach Hause. Die Fahrt war ruhig, wir wechselten kaum ein Wort. Das mochte auch daran liegen, dass ich Angst davor hatte, denn so sehr ich mich auch bemühte, über ein leichtes Thema nachzudenken, ich würde doch immer wieder bei ihrem letzten Satz hängen bleiben. Sie wollte, dass ich blieb. Doch in wie fern? Was sollte mir das Ganze sagen? Dieser Abend war so aufschlussreich und angenehm, ich konnte es nicht riskieren, ihn unpassend enden zu lassen. Was wusste ich denn, was ihre Bemerkung bedeuten sollte. Meinte sie, dass wir uns ab jetzt öfter sehen würden, wegen Chris, vielleicht sogar wegen uns? Oder meinte sie es gar wörtlich? Sollte ich bei ihr bleiben, die Nacht über bei ihr bleiben? Wohl kaum, das wäre durchaus unangemessen. Außerdem konnte es unmöglich das sein, was sie wollte. Warum mussten Frauen eigentlich immer so kryptisch und unverständlich in Dingen sein, die sie uns Männern mitteilten? Wo wir doch sowieso nie verstanden, was sie von uns wollten. Bella war mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich wurde einfach nicht schlau aus ihr. Dabei wäre es so leicht gewesen, nachzufragen. Doch da wäre ich genau an dem Punkt angekommen, den ich versuchte, so vehement zu vermeiden. Ahh, es war so unheimlich verzwickt…

Als wir uns schließlich ihrem Haus näherten, wurde mir bewusst, dass ich sie gehen lassen musste. Ich fuhr extra ein bisschen langsamer, als es sonst eigentlich meine Art gewesen wäre. Nur noch ein paar Minuten, ich wollte die mir verbleibende Zeit mit ihr noch etwas verlängern. Den Moment des Abschieds um eine kleine Weile heraus zögern.

Die einladenden Lichter der Veranda kamen in Sicht. Noch ein paar Meter auf diesem holprigen Weg, dann würde ich Bella wieder in das Haus der Swans entlassen.

Ich blickte zu Bella, unbemerkt. Ich wollte nicht den Anschein erwecken, als starrte ich sie bereits die ganze Fahrt lang an. Ihre blasse Haut schimmerte förmlich im Licht der Wagenarmatur. Sie war schön, unbeschreiblich schön sogar. Und mir war mulmig.

A.N.

Ich möchte von Herzen allen danken, die mir trotz der ewig langen Wartezeit immer noch treu geblieben sind! Ihr wart so geduldig, ich kann euch nicht genug für euer Durchhaltevermögen danken. Ihr habt mich ermutigt, immer wieder angeschrieben und gedrängt, dass ich doch endlich weiterschreibe. Ich wollte so oft, doch meist viel mir nichts ein. Ich wusste, wie dieses Kapitel aussehen sollte, doch ich fand es irgendwie nicht in mir, es zu schreiben. Stattdessen habe ich mich auf andere Projekte gestützt, in der Weltgeschichte herumgeschrieben und für meine liebe Celesoan gearbeitet. Sie hat nicht nur einmal gestichelt und geschubst, danke dir dafür. Sie hat mir Reviews zu ihrer Geschichte gezeigt, die auch Grüße und Aufforderungen an mich beinhalteten und glaubt mir, das bedeutet mir viel!

Nach langer Zeit habe ich meine Geschichte durchgelesen und festgestellt, wie gern ich meine Figuren doch habe und wie gern ich sie mit euch teilen möchte, das hat mich angetrieben. Und der Gedanke für Gleichgesinnte zu schreiben.

Ihr lieben Leser, nein liebe Freunde, denn wenn ihr meine Geschichten lest und das mit Hingabe, dann seid ihr meine Freunde. Danke für all die Reviews, all die PMs, die Favoriteneinträge oder Alerts. Das bedeutet mir so unendlich viel. Ihr seid spitze!

Ich werde euch hier kein Versprechen geben, dass das nächste Kapitel morgen online ist, ihr kennt mich… ;) Außerdem lüge ich nicht gern. Was ich euch aber versprechen kann, egal wie lange ich auch brauche, diese Geschichte hier, die, deren neues Kapitel ihr gerade gelesen habt, wird definitiv von mir beendet werden!

In der Zwischenzeit vertreibt euch die Langeweile mit anderen tollen Geschichten. Hier gibt es so viele talentierte Autoren, die es wert sind, gelesen zu werden. Lest Celesoan, mit ihren über 40 Kapiteln habt ihr lange was zu tun ;). Und hinterlasst fleißig Kommentare. Wir machen das hier alles ohne Gegenleistung, das wisst ihr, doch eure Zuneigung, eure Kritik und euer Interesse für uns und unsere Geschichten lässt uns hochleben. Ich schreibe, weil ich das Wort so liebe und ich schreibe für euch, weil ich gerne teilen möchte, was ich habe. Lasst uns alle etwas miteinander teilen. Jeder einzelne, der sich die Zeit nimmt, hier etwas hochzuladen, sollte auch die Anerkennung bekommen, die ihm zusteht. Schon allein, weil er mutig genug war, seine Gedanken preiszugeben.

Noch einmal, vielen Dank für alles und auch für's Lesen dieser langen A.N.

Ich drück euch ganz fest,

alles Liebe, eure HaylesHayles!