Outtake Nummer 3, Teil 1 - Bella

Disclaimer: Twilight gehört Mrs. Meyer.

Vielen Dank an die Geduldigen Leser und vor allem an Celesoan für die gegenseitige Motivation ;).


Sechs Wochen waren vergangen. Schon ganze sechs lange Wochen hatte ich meinen besten Freund nicht mehr gesehen.

Man könnte meinen, das sei eine Zeit, die sich überstehen ließ. Kann sein, aber es war ziemlich schwierig. Vor allem wenn man in Betracht zog, dass wir uns Zeit unseres Lebens kannten. Wir gingen schon zusammen in den Kindergarten, haben die Grundschulzeit zusammen durchlebt und waren schließlich zusammen auf der High School gelandet, nachdem wir die Junior High hinter uns gebracht hatten.

Naja, zumindest bis vor sechs Wochen.

Edwards Vater war Arzt, ein sehr guter, möchte ich meinen. Ihm standen alle Türen offen und er hatte sich bereits hier in Phoenix einen Namen gemacht. Das führte dazu, dass Dr. Carlisle Cullen eine Anfrage erhielt, Leiter der chirurgischen Abteilung zu werden. Einziger Haken bei der ganzen Sache: seine Familie lebte in Arizona, der Job erwartete ihn in Alaska. Und so hieß es nach langer und reichlicher Überlegung Goodbye Arizona, welcome Alaska.

Nur leider konnte damals noch keiner mit den Konsequenzen dieser Entscheidung rechnen.

Heute, sechs Wochen später, habe ich die Konsequenzen kennengelernt und ich spürte sie, jede Minute aufs Neue.

Man konnte viele Freunde haben. Gute, sehr gute Freunde oder einfach nur Bekannte, doch den einen besten Freund, den gab es nur einmal im Leben. Und das war Edward Cullen. Er war mein bester Freund, mein Seelenverwandter, meine andere Hälfte. Ohne ihn fühlte ich mich so einsam und verlassen

Doch das war noch nicht alles. Denn um wirklich alles verstehen zu können, sollte ich zugeben, dass meine Gefühle für ihn, die einer Freundschaft bei Weitem überstiegen. Ja, ich war in Edward verknallt. Und seit dem Tag des Abschieds war ich mir sicher, dass es sogar noch mehr war, viel mehr.

Ich liebte Edward Cullen.

Die längste Zeit war mir das jedoch nicht bewusst gewesen. Ich nahm es für gegeben, dass wir uns hatten. Nie stand irgendjemand zwischen uns, der eine eventuelle Eifersucht in mir ausgelöst haben könnte. Das lag vielleicht auch daran, dass Edward nicht immer so beliebt war, wie in den letzten Wochen seines Aufenthalts hier in Phoenix.

Edward war im Grunde der totale Nerd. Er war ein richtiger Streber, so wie ich auch, was uns dadurch schon in eine gemeinsame Nische presste. Damals hatte er außerdem noch eine Brille getragen, die er vor kurzem erst durch Kontaktlinsen ersetzte und auch seine Zahnspange blitzte bei jedem Wort hervor. Doch mir war das egal. Ich kannte ihn schließlich nicht anders. Außerdem, wen interessierte schon das Äußere, wenn es sich um seinen besten Freund handelte? Er war ein guter Mensch, immer zuverlässig und stets für mich da, wenn ich ihn brauchte. Was hätte ich mit einem hohlen Schönling anfangen sollen, der sich im Grunde nicht für mich interessierte und keine Ahnung hatte, was eine Freundschaft eigentlich bedeutete?

Natürlich war ich positiv überrascht, als es zum Abschlussball an meiner Türe klingelte und ein ganz neuer Edward vor mir stand.

Dabei war es noch nicht einmal unser Abschlussball. Die elften Klassen waren nur eben auch dazu eingeladen. Naja und irgendwie war es doch auch für uns ein Abschied, den wir begingen. Obwohl mir zum Feiern eigentlich nicht zu Mute war.

Ich wollte gar nicht hingehen. Tanzen zählte nicht unbedingt zu meinen Stärken. Ich war schon froh, wenn ich auf einer ebenen Fläche nicht über meine eigenen Füße stolperte. Wie sollte ich da bitte aufs Parkett gehen und tanzen? Das auch noch mit einem Partner, dessen Füße danach wahrscheinlich einem Mustopf glichen – also grün und blau waren.

Der Abschlussabend (Rückblick)

Trotz aller Angst und Horrorszenarien, die ich mir in meinem Kopf ausmalte, verlief der Abend ohne Komplikationen. Denn trotz meiner Tollpatschigkeit, war ich Edward nicht auf die Füße getreten. Leider konnte ich nicht sagen, wer sich mehr darüber freute, seine Füße oder ich.

Mein Kleid hing immer noch in meinem Schrank. Es brachte all die Erinnerungen wieder hoch, wann immer ich einen Blick darauf warf. Edward hatte mir mehrmals gesagt, wie hübsch ich darin aussah. Jedes Mal, wenn er das sagte, war ich knallrot angelaufen. Ich war es nicht gewöhnt, mit Komplimenten überschüttet zu werden. Und meist war ich auch nicht dementsprechend gekleidet, um überhaupt in den Genuss von Zusprüchen zu kommen.

Edward sagte immer, dass das Quatsch sei und ich genauso perfekt war, wie ich mich gab. Davon mal abgesehen wollte er mir aber auch nie Glauben schenken, wenn ich ihm sagte, dass ihm ein Kleidungsstück gut stand. Jaja, so waren wir eben – rumalbern, den anderen aufziehen und doch immer mit aufmunternden Worten zur Stelle, wenn es dem anderen schlecht ging.

Der Abend war noch in anderer Art und Weise besonders. Es handelte sich um eine Premiere; für mich und den lieben Gevatter Alkohol. So nah, wie zu diesem Abschlussball, waren wir uns noch nie gekommen und ich wusste danach auch wieder wieso.

Offiziell gab es natürlich nichts zu trinken, was auch nur im Entferntesten gegen das Gesetz verstoß. Denn schließlich war keiner der Gäste erwachsen. Das hielt aber keinen ab, den Punsch zu panschen und mit Hochprozentigem zu versetzen. Alle wussten das, nur Bellalein war etwas blauäugig an die Sache herangetreten und vermutete nicht den Vodka hinter den so gesundaussehenden Obststückchen, die durch die Bowle schwammen.

Das eine führte zum anderen und schlussendlich war ich so betrunken, wie noch nie in meinem Leben. Der Kater am nächsten Morgen war nicht feierlich. Ich hoffte nur, mich nicht in der Nacht übergeben zu haben. Zumindest war ich in meiner misslichen Lage nicht allein, denn Edward ging es auch nicht besser. Es war mir immer noch ein Rätsel, wie wir es bis zu seinem Haus geschaffte hatten.

Dass wir dort waren, gab mir am nächsten Morgen eigentlich schon zu denken. Doch das ließ sich einfach erklären. Der eigentliche Plan war gewesen bei einer Freundin zu übernachten, also mein Plan. Wie sich herausstellte, hatte den auch tatsächlich jemand umgesetzt. Alice, Edwards Schwester und ich wollten bei Angela bleiben, doch es war wohl besser, nicht dort aufzutauchen. Wie gesagt, mir ging es nicht gerade gut. Alice hatte mir nur noch eine Nachricht aufs Handy geschickt, dass sie bei Angela bleiben würde und meiner Mutter, falls sie fragte, sagen würde, dass ich auch dort geschlafen hätte. Gute Alice, war sie schon immer gewesen.

Edward hingegen sollte mit Emmett bei irgendeinem Kumpel die Nacht verbringen. Einziges Problem, Emmett war verschwunden, wir vermuteten, dass ihm irgendein Mädchen den Kopf verdreht hatte. Wofür hatte man denn große Brüder, wenn sie einen vergaßen?

Naja, Edward und ich hatten es nach Hause geschafft, so musste niemand auf der Straße schlafen oder sich früh für nächtliche Peinlichkeiten bei den Eltern der besten Freunde entschuldigen.

Auch die Frage, warum ich nicht zu Renée und Phil gegangen war, ließ sich leicht beantworten. Meine Mutter hätte mich wohl erschlagen. Ich wusste nicht, wie ich an diesem Abend gewirkt haben musste, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich so nicht meiner Mom gegenübertreten wollte.

Wie der Zufall es aber wollte, waren Edwards Eltern an diesem Abend nicht zu Hause. Sie waren bereits in Alaska, um Vorkehrungen zu treffen. Das traf sich gut, so würde sich niemand wundern, wo wir waren bzw. dumme Fragen stellen.

Der nächste Morgen kam viel zu früh und mit viel zu großen Kopfschmerzen. Theoretisch musste mein Kopf einen Umfang von mehreren Kilometern haben, denn so fühlte er sich an. Selbst das kleinste Geräusch raubte mir den letzten Nerv.

Ich schleppte mich ins Bad, Edward lag noch immer im Delirium, so leid mir das auch tat, aber im Moment war ich egoistisch, ich brauchte dringend etwas gegen das Monster in meinen Kopf. Die Aspirin waren schnell gefunden, leider auch der Spiegelschrank, hinter dem sich die rettenden Medikamente befanden. Das Bild im Spiegel sagte mir, dass der letzte Abend wirklich bombig gewesen sein musste. Schön, denn ich wusste so gut wie gar nichts mehr. Wie sah ich überhaupt aus? Haare ein einziges Grauen, das T-Shirt, das ich mir von Edward geborgt hatte, hing auch auf halb acht und die Schminke war auch total verschmiert. Oh man, der Abend hatte doch so gut begonnen.

Nach einer guten halben Stunde in der Dusche befand ich mich für wieder ansehnlich, auch wenn die Ringe unter meinen Augen etwas anderes sagten. Egal, ich konnte wetten, dass es Edward nicht anders erging.

Ich schlich zurück in Edwards Zimmer, um mir ein paar frische Sachen zu holen. Da wir öfter bei dem jeweils anderen übernachteten, hatten wir immer ein paar Sachen im Schrank zu recht gelegt. Man wusste ja nie, wann es uns wieder überkam, der Film zu gut war, der Endgegner noch lange nicht besiegt war oder wir einfach nicht alleine bleiben wollten. Und da wir das schon seit frühster Kindheit so handhabten, störte es keinen und für uns war es das Normalste der auf der Welt.

Daher war ich überrascht, dass Edward nicht mehr in seinem Zimmer war. Naja, vielleicht war er nach unten gegangen. Da war noch ein Badezimmer, schließlich hatte ich das andere ewig blockiert.

Ich schnappte mir frische Unterwäsche, entschied mich schlussendlich jedoch für ein T-Shirt von Edward anstelle eines von meinen. Ich mochte diesen Geruch. Esme, Edwards Mutter wusch schon seit je her mit demselben Waschmittel und ich liebte es. Deshalb nahm ich mir manchmal ein Kleidungsstück von Edward, der Duft war zu verführerisch. Und es machte ihm nichts aus.

Auf dem Weg nach unten stieg mir ein Geruch in die Nase. Eier und Speck? Iiiieeehhh, ich hatte doch einen Kater, das konnte ich nichts essen, bäh. Wollte er mich umbringen?

Der Verdacht wurde darin bestätigt, dass Edward am Herd stand, in frischen Sachen und nassen Haaren. Offensichtlich ebenfalls frisch geduscht.

„Warum machst du so etwas Schreckliches am frühen Morgen? Mein Magen dreht sich nur beim Gedanken an feste Nahrung um." Er musste einfach erfahren, dass ich litt.

„Dir auch einen guten Morgen", warf er grinsend zurück. Bist zu seiner Nasenspitze hätte ich ihm das auch noch abgekauft, aber seine Augen bzw. die schwarzen Schatten darunter sagten etwas ganz anderes. „Mecker nicht gleich wieder rum, setz dich."

Ich nahm Platz. Edward schob mir sogleich einen gefüllten Teller zu. Ich verzog das Gesicht, wer sollte das denn alles essen? Er hatte den ganzen Tisch mit Nahrungsmitteln vollgestellt.

Gentleman, der er war, erklärte er mir, was er damit bezweckte: „Schon gut, ich weiß, das ist utopisch, hat aber seinen Sinn. Also hör zu." Ich nickte, was meinem Kopf nicht gut bekam. „Der Kaffee soll dich munter machen, Ei und Speck enthalten Fette und Eiweiße, die dein Körper nach so einer durchzechten Nacht braucht und das Obst kannst du dir sicher auch erklären, nicht? Du musst nicht alles essen, doch nimm von jedem was, das tut dir gut, ja?"

Ich hätte erwähnen sollen, dass Edward einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte, daher wusste er natürlich immer das beste Rezept, um kleinere Wehwehchen zu verarzten. Also tat ich so, wie mir gehießen, hörte auf den Doktor meines Vertrauens und begann zu essen.

„Sag mal, Edward, wie spät ist es eigentlich?"

„Das willst du nicht wissen."

„Doch, na klar, sonst hätte ich ja wohl kaum gefragt."

Er seufzte leicht: „Um drei… Nachmittag."

So spät? Warum kam ich mir da noch so miserabel vor? Ich hoffte nur, dass es mir morgen besser ging. Zwei solcher Tage würde ich sicher nicht überstehen.

Wir verbrachten den Rest unseres „Frühstücks" in Ruhe. Das war ganz angenehm. Mit Edward war es nie seltsam, alles war so einfach wie atmen, so, als wäre es das natürlichste auf der Welt.

Ende Rückblick

Edward hatte mich kurze Zeit später bei mir abgesetzt. Ich konnte mich noch daran erinnern, dass es mir da noch schlechter ging. Doch das lag nicht mehr am Alkohol und dessen Nachwirkungen. Das war nämlich der letzte Augenblick, den wir zusammen hatten. In ein paar Stunden würden Carlisle und Esme wieder zu Hause sein, ihre Sachen und ihre Kinder packen und dann auf und davon nach Alaska fliegen.

Von Alice hatte ich mich da schon längst verabschiedet. Da sie immer in Sturzbäche ausbrach, hatten wir das schon gestern hinter uns gebracht, bevor ich nicht mehr in der Lage dazu war. Emmett und ich hatten uns eher auf die lustige Art verabschiedet. Er war wie ein Bruder für mich, aber einer, der mich ständig ärgerte, also würde er mir fehlen, aber ich würde es überleben. Und wie ich jetzt wusste, überlebte ich es, auch die Abwesenheit von Alice war erträglich, zwar unangenehm, aber dennoch erträglich.

Edwards Abwesenheit, das war mir selbst damals schon klar, würde jedoch eine andere Rolle spielen. Wir gingen Hand in Hand, sprach man von dem einen, so wurde der andere im selben Atemzug noch mit genannt. Es gab uns nun mal nur im Doppelpack.

Wir hatten uns versprochen uns zu schreiben. Wir mochten beide Bücher, daher schrieben wir auf dem altmodischen Weg. Briefe waren auch viel persönlicher. Mails kamen nur im äußersten Notfall und eigentlich auch nur dann, wenn man mitteilen wollte, dass die Post Verspätung hatte.

Als wir uns von einander verabschiedeten, hatte ich keine Tränen. Ich dachte, ich müsste förmlich zerfließen, doch dazu kam es nicht. Ich konnte nicht weinen. Es ging nicht. War es Eitelkeit, Furcht? Wohl kaum. Selbst heute hatte ich keine Erklärung dafür. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Edward lächelte. Er lächelte mich einfach nur an und versicherte mir, dass wir uns bald wiedersehen würden. Außerdem, so sagte er, hatte er nicht vor, mich durch irgendjemanden anders zu ersetzen. Das brachte uns noch einen mittelschweren Lachanfall. War auch gut so, im Nachhinein betrachtet.

Zum Schluss gab er mir einen Kuss auf die Stirn und lächelte noch einmal. Doch etwas war komisch. Mir war so, als hätte ich etwas vergessen, etwas Entscheidendes. Daher musste ich ihn einfach fragen. Denn ich wusste es nicht oder nicht mehr, wie sich dann herausstellte.

Ach Edward, mir ist so, als hätte ich irgendetwas Wichtiges vergessen. War gestern noch was?"

Er hatte inne gehalten und sich langsam wieder zu mir gedreht. Sein perfektes Lächeln war wieder an seinem Platz. Er sah mich an, sagte aber nichts, zuckte nur mit den Achseln und ging wieder in Richtung seines Wagens.

Das letzte, das ich von Edward Cullen sah, war seine winkende Hand, die er aus dem Fenster hielt, als er an meinem Haus vorbei fuhr.

Und jetzt? Jetzt saß ich hier in meinem Zimmer und starrte auf meine Hände. Das machte keinen Sinn? Doch, für mich schon. Denn ich hielt etwas in meinen Händen, das mein Leben verändern sollte und ich hatte noch keine Ahnung, was ich daraus machen sollte. Denn im Moment reagierte ich nur mechanisch, rein aus Instinkt. Mein Kopf arbeitete getrennt von meinem Körper und versuchte sich krampfhaft an den Abschlussabend zu erinnern. Denn dort lag des Rätsels Lösung. Ich hatte sie verdrängt, vergessen sogar, doch jetzt kamen sie zurück; die Erinnerungen. Genau jene, von dessen Existenz ich wusste, deren Existenz ich erahnte, jedoch bis heute nicht mehr in Gedanken rief. Ich hatte doch Edward noch extra danach gefragt. Er wusste es nicht, auch er hatte es vergessen. Der Knoten im Taschentuch ergab jetzt wieder Sinn.

Nur dass die Form nicht stimmte. Es war kein Taschentuch, es war ein Schwangerschaftstest.


Teil 2 kommt zeitnah, versprochen.

Danke fürs Lesen, hinterlasst bitte einen Kommentar. Und ja, ich weiß, dass ich lange gebraucht habe...