Kapitel 3

********RUM*TUM*TUGGER********

Als Mistoffelees über den nächsten Zaun sprang und nicht mehr zu sehen war, sah Tugger noch mal kurz zur fremden Katze und ging dann durch einen Kellerfenster, das seine Besitzer immer extra offen ließen, ins Haus. Er futterte etwas von seiner Futterschüssel, trank etwas und legte sich dann gähnend auf die Couch. Nach wenigen Stunden kamen Herrchen und Frauchen hinunter, recht früh für einen Samstag fand Tugger. „Warum müssen wir denn schon so früh losgehen, es läuft uns doch nicht weg", gähnte Herrchen. „Von wegen. Es ist im Sonderangebot, was glaubst du wie schnell das weg sein wird. Und es ist das einzige Geschäft in der Umgebung, die es im Angebot haben. Oder willst du lieber das doppelte Ausgeben?", stichelte Frauchen. „Schon gut", ergab sich Herrchen, und nur nach einer halben Stunde waren sie bereits aus dem Haus.

Sich wohlig zur Seite legend, da er dachte er hätte endlich wieder seine Ruhe, war auch schon Getrampel auf der Treppe zu hören. Stöhnend verzerrte Tugger genervt das Gesicht. „Können sie nicht einmal länger schlafen? Aber wenn sie zur Schule müssen, kommen sie komischerweise nicht aus dem Bett", murrte er. Glücklicherweise jedoch beachteten die Kinder ihn nicht. Sie setzten sich, noch immer im Schlafanzug, auf dem Boden vor dem Fernseher und schauten Trickfilme. Was kein Problem wäre, wenn es nicht so laut wäre. Denn es war nicht so, das seine jungen Besitzer ruhig guckten, sondern es auch noch lautstark nachspielten was sie sahen. Grummelnd erhob er sich von dem gemütlichen Kissen und lief die Treppe hinauf, wobei er der Großmutter begegnete, und rollte sich in seiner Schublade zusammen.

Es dauerte aber wieder nicht lange, und er wurde von unerträglich lautem geweckt. Nachdem das Ohrenzuhalten nichts brachte, machte er sich auf um nachzusehen, wo es herrührte. Im Flur entdeckte er sein Herrchen, der gerade die neue Katzenklappe an der Haustür montierte. „Deswegen waren sie also so früh unterwegs", dachte sich Tugger. Er blieb auf der Treppenstufe sitzen und sah seinem Herrchen zu. Als es so schien, dass er mit dem Krach endlich fertig war, ging er hinunter um es genauer unter die Lupe zu nehmen. „Siehst du Max, so kannst du raus und wieder rein", sagte Herrchen und machte es mit einer Hand vor. „Ja. Schon klar", dachte sich Tugger. „Schau, du musst einfach nur durchspringen", wiederholte er. „Du hältst mich echt für blöde was?", dachte sich und grinste. „Siehst du Max, so…", sagte Herrchen und machte es ihm vor, indem er seinen Kopf hindurch steckte. „Ich will raus, ich will raus", sprach er und Tugger lachte lauthals los. „OK, warte Schatz. Ich hol nur schnell meinen Mantel", sagte Frauchen, die plötzlich im Flur aufgetaucht war und lachte. Erschrocken zog Herrchen sein Kopf wieder zurück, stieß sich ihn jedoch hart an. „Ich wollte Max nur zeigen wie es geht", rechtfertigte sich Herrchen. „Ja, nun hat er es bestimmt verstanden", grinste Frauchen und ging in die Küche.

Während Frauchen in der Küche hantierte und die restliche Familie im Wohnzimmer saß, sprang Tugger durch die Klappe und machte sich auf, ein paar Mäuse zu fangen.

Warm und weich war es hier. Die Nacht war gewichen und die warme Maisonne strahlte auf die blühenden Wiesen. Die Katze glitt langsam aus dem Schlaf. Da sie für einen Moment dachte sie läge im alten Betriebsgebäude in einem Karton, in dem sie bereits seit ein paar Tagen schlief, blieb sie noch ein wenig mit geschlossenen Augen liegen. Sie wollte sich noch ein wenig entspannen ehe sie wieder in den dreckigen, stinkenden Gassen auf die Jagd ging.

Es war herrlich hier, dachte sie sich und räkelte sich. Es roch sehr gut. Es duftete nach Bäumen, gesunder Erde, frischem Gras… und…nach Kater. Wie vom Blitz getroffen sprang sie auf. Wo war sie? Sie stand in einer Baumhöhle, vor dem Eingang wuchs Gras. Sie beschnupperte die Decke auf der sie lag. Es roch eindeutig nach Kater. Ihr Herz begann zu rasen. Wieso konnte sie sich an nichts erinnern? Schon fast panisch verbog sie sich um sich selber unter die Lupe zu nehmen. Sie roch vor allem an ihren Genitalen, doch glücklicherweise war da nichts. Sie hatte sich also nicht auf ihn eingelassen und er hatte sie auch nicht genommen.

Völlig verwirrt steckte sie den Kopf hinaus und sah sich um. Der Baum stand in einem Garten, nur ein paar Meter vor ihr stand ein schönes, großes, weißes Familienhaus. Wie ist sie hier her gekommen? Hatte der Kater etwas damit zu tun? ‚Kater', dachte sie, ‚da war dieser Kater gewesen.' Plötzlich kam die Erinnerung zurück. Am vorigen Tag war sie überstürzt aufgebrochen um in einem anderen Stadtteil ein neues Leben zu beginnen. Ein fremder Kater hatte ihr die Mahlzeit weggeschnappt, und als sie darum kämpfen wollte, kam diesem nichts Besseres in den Sinn als sie mit Gewallt nehmen zu wollen. Doch glücklicherweise konnte sie entkommen, musste aber ihre hart erarbeitete Mahlzeit zurücklassen. Die daraufhin ansteigende Wut veranlasste zu dieser unüberlegten Aktion. Unüberlegt deshalb, weil es in dieser Gegend viele Hunde- und Katzenfänger gab, und sie wollte nicht riskieren in einen Gefängnis für Tiere zu landen. Sie hatte bisher nur schlechtes gehört. Schon als sie noch ganz klein war hatte man sie gewarnt. Deshalb trauten sich die anderen Straßenkatzen auch nicht so recht hierher. Sie lebten lieber ein hartes Leben auf der Straße als ein Leben in so einem Gefängnis.

Während sie in Ruhe überlegte was sie als nächstes tun würde und wohin sie gehen würde, putzte sie sich mit ihrer samtenen rauen Zunge. Es würde lange dauern ehe sie den Dreck vollständig raus bekam und ihr Fell wieder sauber und weich war. Im Moment war es so schlimm das man nicht einmal die Fellfarbe geschweige denn die Fellzeichnung sehen konnte. Zu ihrem Glück war das Fell über Nacht in diesem Baum vollständig getrocknet.

Plötzlich zucke ein Ohr, denn sie hatte etwas durchs Gras schleichen hören, was aber keine Käfer oder Grashüpfer waren. Sich zum Kämpfen bereitstellend, blickte sie hinaus. Ein Kater kam direkt auf sie zugelaufen und hatte sie im Visier. Er war groß, hatte schwarzes Fell, abgesehen von Kopf und seiner Löwenmähne. Diese waren gestreift in den verschiedensten Brauntönen und auch ein wenig schwarz. Und sein Schwanz und seinen Beingelenke waren mit Leopardenmuster versehen. Um den Hals trug er ein ledernes Halsband mit metallenen Zacken dran.

Als er nahe genug war versuchte sie ihm einen Hieb zu verpassen, doch wich er geschickt aus. Er spuckte die Maus aus, die er in seinem Maul getragen hatte und fauchte sie an. „Sag mal spinnst du? Was fällt dir ein mich anzugreifen, wenn ich dir ne Maus bringen will." Verdutzt sah sie ihn an. Warum sollte er ihr eine Maus bringen wollen? Sie kannten sich überhaupt nicht.

„Wer bist du?", fragte die Katze verwirrt. „Und wo bin ich hier?"

Fortsetzung folgt …