Zu meinem Bedauern war die Resonanz noch nicht ganz so hoch... *heul*. Aber weg mit den Tränen, her mit was Lustigem.

Vielen Dank an Celesoan, meine Beta, Freundin, Anstifterin zu Dummheiten... :).


Kapitel 2: Die Gerüchteküche

Die Autofahrt war ganz angenehm. Vor allem, weil wir uns unauffällig fortbewegten.

Ich hasste es, irgendwo sofort anzuecken, weil man schon beim ersten Kontakt zu mir feststellen musste, die passt hier nicht rein. Dank Charlie würde das natürlich niemand sagen. Wie denn auch? Ein Polizeieinsatzwagen fiel nicht auf, nein. Nie…

Es war ja nicht etwa so, dass jeder eine gewisse Furcht vor dem Gesetz hatte. Und was machte man denn da, wenn man die Polizei sah und sich insgeheim wünschte, man könne im Erdboden versinken? Tss, weglaufen oder sich unsichtbar machen konnte ja jeder. Nein, man musste originell sein. Und was war der beste und möglichst offensichtlichste Weg, das auch hochgradig überzeugend zur Schau zu stellen? Richtig, man gaffte, was das Zeug hielt und glotzte so lange dem Auto mit den lustigen bunten Leuchten hinterher, bis auch ja jeder wusste, dass man natürlich nichts Schlimmes im Schilde führte.

Das Beste an der ganzen Sache war, dass mich diese Aktion wahrscheinlich davor bewahrte, mich vor allen Leuten vorstellen zu müssen. Naja, mich kannte doch jetzt jeder, nicht? Hoffentlich blieben mir dadurch all die unangenehmen ‚Oh hi, wie heißt du? Ich kenn dich ja gar nicht, verrätst du mir deinen Namen? ' erspart. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Insgeheim drückte ich mir selber die Daumen. Sicher war schließlich sicher.

Vor allem kam mir sogleich der Gedanke, wie viele von diesen dummen Herumstehenden sahen denn in mir, was ich tatsächlich war? Ha, ich konnte wetten, dass es jetzt schon mindestens zwei Gründe gab, warum ich bei Charlie im Wagen saß, Gerüchte oder gar Mutmaßungen eher. Entweder ich war die längst verschollene, eigentlich nie da gewesene, da nicht existierende, Tochter oder seine neue Freundin, die leider noch nicht ganz erwachsen war. Aber was soll's? Hm? Macht doch nix. Jaja, als würden die Leute sich nicht darüber die Mäuler zerreißen.

Ach wie sehr ich Forks jetzt schon liebte. Das schrie doch förmlich nach Home sweet Home. Wäre doch gelacht, wenn sich Bella Swan unterkriegen ließe.

„Was ist los Bella? Du guckst so angestrengt?", holte mich Charlie aus meinen Tagträumen.

„Hm, was glaubst du, denken all die Leute von uns, wenn sie uns hier zusammen vorbeifahren sehen?" War doch eine begründete Frage, nicht? Er konnte sich ruhig auch Gedanken darüber machen, ich tat es ja schließlich schon.

„Em…", stotterte er nur. Aussprache, auch etwas, das wir üben mussten. Ich machte mir einen Haken auf meiner mentalen Liste. Naja, die Röte in seinem Gesicht verriet mir alles, auch eine Art zu kommunizieren. Wie schaffte ich es nur immer, die Leute so aus der Fassung zu bringen? Armer Charlie…

„Willst du meine Theorie hören?", fragte ich schließlich, um ihn aus dieser misslichen Lage zu befreien.

„Leg los."

„Naja, angestellt haben, kann ich ja schon mal nichts. Ansonsten würde ich hinter diesem netten Gitter sitzen und nicht vorn neben dir, stimmt's?" Charlie nickte zustimmend. „Hm, dann könnte ich deine lang verschollene Tochter sein oder naja, deine heimliche Geliebte."

„Bella!"

„Was? Es ist doch nur eine Theorie. Was weiß ich denn, was tatsächlich in deren Köpfen vor sich geht."

„Dennoch. Hör auf, so einen Mist zu sagen." Charlie versuchte, besonders ernst zu wirken. Doch das ging kläglich daneben, denn ich konnte ganz genau sehen, wie sich da ein kleines Lächeln auf seinen Lippen formte. Bingo.

„Und was ist deine Theorie?", fragte ich. Angriff war bekanntlich die beste Verteidigung.

„Erstmal denke ich, dass du, junge Dame, ein ziemlich großes Mundwerk hast." Ouch, das hat gesessen. „Ansonsten bist du Bella, meine Nichte. Oder etwa nicht?" Charlies Grinsen wurde größer und er drehte sich mit strahlenden Augen zu mir.

„Guck auf die Straße", gab ich selbst lächelnd zurück.

Unser Gespräch verschob sich von diesem Punkt an in eine andere Richtung.

Nachdem wir ewig an einer roten Ampel standen, eine alte Frau neugierig in unser Auto glotzte, worauf hin ich ihr natürlich prompt zugewinkt hatte, begaben wir uns in Richtung des Gebäudes, in dem ich in den nächsten Monaten sehr viel Zeit zubringen würde. Richtig, die Schule.

„Ich dachte, das würde dich interessieren", sagte Charlie, als wir vor dem Schulgebäude hielten.

Klar, wie die Sau, die zur Schlachtbank geführt wurde. Frei nach dem Motto, guck schon mal, wo du dein Ende finden wirst. Ach Charlie…

„Das ist also die Forks' High? Ich dachte, sie wär größer. Ich meine, mit so einem guten Ruf."

„Naja, immerhin ist Forks keine große Stadt. Wo sollten all die Schüler hin? Deshalb sind auch die Plätze so rar. Du kannst dich glücklich schätzen, hier aufgenommen worden zu sein. Und dann noch mit einem Stipendium. Hm, hätte ich gar nicht von dir gedacht." Charlie starrte gedankenverloren vor sich hin. Ich hingegen strengte meine grauen Zellen an.

Eine kleine Schule hatte Vor-und Nachteile. Kleine Klassen bedeuteten ein gutes Arbeitsklima. Doch bei wenigen Schülern war es nicht einfach, in der Menge zu verschwinden. Egal, wie ich es auch drehen und wenden sollte, ich würde auffallen. Argh, warum wollte ich noch mal dieses Stipendium? Ach ja, ich war ja ein Streber, schon vergessen. Und rein zufällig hatte Forks nun mal den besten naturwissenschaftlichen Zweig im ganzen Land. Und ich wollte das, ich wollte das so sehr.

„Alles in Ordnung, Bella?", fragte Charlie.

„Klar, ich hab nur keine Lust mehr, länger hier rumzustehen. Meine Haare sind schon ganz durchweicht und dann krieg ich wieder Locken. Wenn du also nicht willst, dass ich den ganzen Nachmittag beschäftigt bin, meine Haare wieder auf die Reihe zu bekommen, dann sollten wir jetzt von hier verschwinden. Und so eine riesen Sehnsucht nach der Schule hab ich auch noch nicht."

„Ok."

Ja, das war wieder der Charlie, den ich kannte. Kurz angebunden und irgendwie desinteressiert.

Ich hätte mir förmlich in den Hintern treten können. Charlie war so freundlich, mich bei sich aufzunehmen und was tat ich? Ich gab ihm dumme Antworten. Aber so war ich nun mal. Wer Renée kannte, wusste, dass ich mich anders nicht durchs Leben schleichen konnte. Gott wusste, ich liebte meine Mutter, aber von Zeit zu Zeit, tja, da war sie eben das Nervenbündel, das es sich zur Aufgabe machte, mir den letzten Nerv zu rauben. So viel zur Mutter-Tochter-Beziehung. Analyse gefällig? Oh ho, der Psychologe würde sich die Zähne an uns ausbeißen.

Dennoch, ich sollte Renée bei der nächsten Gelegenheit vielleicht doch einmal meinen Dank aussprechen. Denn alle Hochzeiten und Liebschaften, die sie bis jetzt hatte, hatten mir nicht so viel Freude gebracht, wie ihre aktuelle mit Phil.

Ohne Phil Swan hieße ich immer noch Bella irgendwas und müsste jetzt die Zeit in diesem ekelhaften Internat totschlagen. Denn wenn sein Bruder nicht hier in Forks wohnen würde, wäre das sicher mein Schicksal gewesen. Lästige Mitbewohner, die ständige Aufsicht durch Lehrer, kein Fluchtort vor komischen Mitschülern oder gar anhänglichen Jungs. Naja, Letzteres konnte mir nicht passieren. Also nicht Bella Swan…

Die WG mit Charlie würde sich bestimmt noch in anderer Art und Weise als Vorteil erweisen. So weit ich mich erinnerte, hatte er mir nie irgendwelche Vorschriften gemacht. Und als Cop war er viel zu sehr beschäftigt, um immer ein Auge auf mich zu haben. Das hieß für mich, ich hatte meine eigene Wohnung, yeah! Und selbst wenn er da war, wir verstanden uns. Ich hatte das Sagen und er… er war da.

Na gut Forks, mal sehen, was du für mich zu bieten hast!

Ende Kapitel 2


Guckt mal, kleiner grüner Knopf ;).