Hier kommt schon das neueste Kapitel! Ich hoffe, es gefällt euch.

Tausend Dank an Celesoan, die mit mir weit nach 0:00 Uhr noch über grammatikalische Probleme diskutiert. Guckt mal in die Duden-Grammatik… ihr werdet Bauklötze staunen *haha*.


Kapitel 4: Wie heißt du noch mal? – Oder – Neville

Mit einem unwohlen Gefühl und einem Grummeln, das wahrscheinlich vom letzten Abendschmaus herrührte, wachte ich am Morgen auf. Juhu, der erste Schultag in Forks. Ab auf die Streberschule, wo sich nur irgendwelche geldgeilen Karrierekiddis rumtrieben, die womöglich einen noch viel größeren Schuss hatten als ihre Eltern.

Ich redete mir bereits auf dem ganzen Weg zur Schule ein, dass es ja meine persönliche und eigene Entscheidung war. Ich wollte das. Dennoch, solch ein eingebranntes Bild bekam man nicht so leicht wieder los.

Zu allem Überfluss hatte sich die schlimmste aller Befürchtungen bestätig; ich musste mit Charlie zur Schule fahren. Doch schlau, wie ich nun einmal war, bat ich ihn darum, mich an der nächsten Ecke abzusetzen. Das machte es für mich etwas einfacher. So dachten wenigstens nicht alle, dass ich gerade aus dem Knast kam und der Begleitschutz nur mal eben schnell eine Frühstückspause machte. Diese Freaks würden es eh früh genug mitbekommen, schließlich war Forks ein Dorf.

Schon die ersten Schritte durch die neue Schule waren eine Qual. Und dabei waren nicht mal Schüler in den Gängen unterwegs? Hm, die Erklärung war einfach… Da auf mich eben immer Verlass war, kam ich eben auch wie immer zu spät. Fein, Bella, und das am ersten Schultag. Es lebe die Auffälligkeit. Wollten das die Franzosen nicht damals auch? Ach egal.

Zu allem Überfluss hatte ich auch noch den Zettel auf meinem Schreibtisch liegen lassen, auf dem stand, was ich jetzt eigentlich für Fächer hatte. Und nun? Ich guckte in meine Tasche, vielleicht erinnerte ich mich daran, was ich jetzt hatte, wenn ich auf die bereits beschrifteten Hefter blickte. Was mir noch fehlte, war, dass ich alle Hefter eingepackt hatte. Puh, noch mal Glück gehabt. Ok, da hatten wir Mathe, Physik, Sportschuhe, oh nein, Sport hatte ich also heute auch noch, das Grauen schlechthin. Ah, der Biologiehefter. Das klang ganz gut, ja das war meine erste Stunde. Fuchs, der ich doch war, hatte ich mir auch die Zimmernummern aufgeschrieben, nur eben nicht die Namen der Lehrer. Naja, immerhin wusste ich erstmal, dass ich im falschen Gang war, was noch mal ein paar Minuten Suchen bedeutete.

Als ich endlich das Klassenzimmer, hoffentlich das richtige, gefunden hatte, hörte ich bereits eine tiefe Männerstimme durch die Tür. Prima, jetzt unterbrach ich auch noch den Lehrer. Bella, wenn dann richtig, nicht?

Ich klopfte an, ja auch ich hatte Anstand. Man sah es mir zwar nicht immer an, aber ich war gut erzogen. Ich wartete nicht lange und trat einfach ein.

In dem Raum saßen vielleicht 15 Schüler und alle glotzten mich blöd an. Ob es nur Verwunderung oder sofortige Abneigung war, konnte ich in diesem Stadium noch nicht sagen. Dennoch, vorsichtshalber checkte ich gleich die Notausgänge aus diesem Irrenhaus.

Mr. Biolehrer begrüßte ich nicht, mein Erinnerungsproblem war noch immer nicht gelöst. Vielleicht sollte ich mir mal so ein "Erinner-Mich" zulegen. Möglicherweise kämen so die Dinge wieder, die ich so gut in den hintersten Ecken meines Gehirns versteckte.

„Isabella Swan, nicht? Ich begrüße Sie."

„Nur Bella, das reicht." Wie immer brachte mir diese schlaue Bemerkung gleich ein paar Lacher ein. Lacher waren vielleicht übertrieben. Ich bevorzugte eher die Wortgruppe ‚dümmliches Gekicher'. Denn das war eindeutig nichts anderes als genau dieses. Na gut, man könnte Abfälligkeiten auch noch dazu zählen.

„Sie können sich dort hinten hinsetzen. Es ist der einzig freie Platz, aber Sie und Mr. Cullen werden schon miteinander klarkommen."

So trottete ich also auf meinen Platz zu. Shit, hatte ich den Lehrer nun eigentlich begrüßt? Na fein, jetzt dachte der nicht nur, dass ich unpünktlich war sondern auch noch unhöflich. Gut, das konnte unter Umständen zutreffen, jedoch hatte ich es nicht beabsichtigt. Was für ein gelungener erster Eindruck.

So und wie hieß der Kerl noch gleich? Cullen? Komischer Name, noch nie gehört. Wenigstens fiel mir sein Name ein. Wo saß er? Ach, da. Wow! Urplötzlich klappte mir die Kinnlade nach unten. Ei Caramba, der Kerl sah ja heiß aus. Vielleicht würde die Zeit hier in Forks doch nicht so schlecht werden, wie ich schon befürchtet hatte.

Oder auch nicht…

Sobald ich mich neben diesen äußerst attraktiven Jungen gesetzt hatte, hörte ich auch schon ein seltsames Geräusch. Schnell sah ich auf und starrte in die tiefgrünen Augen meines Banknachbarn. Hatte ich schon erwähnt, dass er gut aussah?

„So…", ertönte auf einmal seine engelsgleiche Stimme, „du bist also die Neue. Ella war es doch, oder?" Der Lehrer hatte mich doch gerade beim Namen genannt, konnte der sich nichts von jetzt auf gleich merken?

„Bella, nicht Ella", gab ich deshalb in meiner gewohnt schnippischen Art an den Herrn links neben mir zurück.

„Ha ha, heißen so nicht Hunde?"

Wie war das doch gleich, gutes Aussehen und ein Gehirn vertragen sich nicht? Das schien hier der Fall zu sein oder wollte der Typ nur lustig sein?

„Der Name, den du meinst, ist Bello. Ja? Nicht Bella sondern Bello, klar? Und wie ist nun dein Name? Oder möchtest du gern mit deinem Nachnamen angesprochen werden?"

„Edward." Na bombig, über mich lachen, aber selbst so einen uralten Namen besitzen. Den trugen sonst nur Großväter. Ich glaubte sogar, selbst einmal einen Opa Edward oder so was gehabt zu haben. Oder Edwin? Erwin? Verdammt, wie hieß der nur? Definitiv, ich brauchte so ein Ding zum Wieder-Dran-Erinnern. Namen wollten mir einfach nicht im Gedächtnis bleiben.

„Ja, ich weiß, das ist nicht der modernste Name, aber meine Eltern stehen anscheinend auf so alte Teile." Hatte ich etwa laut gedacht? Mein Blick fiel sofort wieder auf Edward, der vor sich hin starrte. Im Profil sah er gar nicht so gut aus. Vielleicht täuschte das aber auch. Oder die ersten Worte, die wir miteinander gewechselt hatten, hatten mich gleich abgeschreckt und sein Äußeres konnte seine lahmen Witze einfach nicht mehr wett machen? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Ich nahm es als gegeben.

Das war unsere Unterhaltung für diese Unterrichtsstunde. Was mir ganz recht war, denn ich wollte schließlich noch etwas vom Unterricht mitbekommen. Wie ich bereits vermutet hatte, entpuppte sich Edward nicht als Leuchte in Sachen Unterricht. Vielleicht war auch einfach nur Biologie nicht sein Fall. Andauernd lugte er zu mir herüber und schrieb meine hart erarbeiteten Notizen rotzfrech von mir ab. Der Schweinehund in mir sagte, dass ich ihm einen Denkzettel verpassen müsste, doch die nette Seite meinte, dass ich es mir nicht gleich am ersten Tag mit allen verderben sollte. Edward schien beliebt zu sein, denn alle paar Minuten spähte eines dieser Girlies nach hinten und warf mir finstere Blicke zu, ehe sie ihre großen Rehaugen auf Edward richtete. Das zeigte mir, dass ich wenigstens mit meinem Banknachbarn einigermaßen klarkommen musste, denn bei den anderen, zumindest bei den Damen mit der fetten Makeup-Schicht, war ich ja bereits unten durch. Also ließ ich ihn gewähren, quittierte jedoch jeden Abschreibversuch mit einem deutlich genervten Seufzer, sodass er wenigstens mitbekommen würde, dass mir seine Aktion auf den Geist ging.

Gegen Ende der Stunde jedoch wurde mir Edward recht hilfreich, denn als er seinen Hefter zuschlug, konnte ich einen Schriftzug erkennen, der mich sehr erfreute. Es stand geschrieben: Biologie – Mr. Banner. Bingo, Volltreffer, endlich wusste ich, wie mein Biolehrer hieß. Ich schrieb es mir sofort ebenfalls vorn auf den Hefter drauf, sodass ich immer gleich wusste, wie mein Lehrer hieß, wenn ich auf den Umschlag sah. Ich sollte das auch für die anderen Fächer machen. Sicherlich würde es hilfreich sein. Natürlich entging diese kleine Sache meinem Nachbarn nicht.

„Abgeschrieben wird nicht", flüsterte er mir zu und verzog dabei keine Miene. War das sein Ernst?

„Meinst du das jetzt ernst?"

„Klar, was denkst du denn… em… em… wie heißt du noch mal?" Dieser Idiot. Mental und vor meinem inneren Auge schlug ich wie wild mit meinem Kopf auf die Tischplatte. Tat ich natürlich nicht, ich guckte ihn nur ungläubig an. Ich bemerkte, wie sich meine rechte Hand gegen meinen Willen langsam zur Faust ballte. Toll, jetzt wurde ich auch noch gewalttätig wegen diesem Kerl.

„Bella…", knurrte ich ihn förmlich an.

„Ach ja, hihi." Er kicherte. Schwul, eindeutig schwul, der Typ kicherte. Mädels eine Durchsage: euer Idol hat 'nen Schaden und auf euch steht er obendrein auch nicht!

Pünktlich schloss Mr. Banner die Stunde. Mein Nachbar packte eiligst zusammen und rauschte förmlich an mir vorbei. Im Flug drehte er sich noch einmal schnell zu mir und rief: „Bis später, Ella!"

Argh, dieser Vollidiot! Das konnte ich auch. „Bis dann, Erwin!"

Edward hielt in seiner Bewegung inne und warf mir einen seltsamen Blick zu. Amüsiert, auch etwas wütend, aber definitiv nicht resigniert. Ich wappnete mich für einen Konter, doch der kam nicht.

„Gar nicht schlecht, Swan", zeigte er sich erkenntlich und tippte sich mit seinem Zeigefinger an die Schläfe. Haha, musste der Herr eben seinen ersten verbalen Schlag einstecken und dann noch von einer Frau?

„Du hast noch gar nichts gesehen, Cullen."

Das war meine erste Unterrichtsstunde mit Erwin, ähh, Edward Cullen. Möge die Nächste kommen und der oder wohl eher die Bessere im geistigen Gefecht gewinnen. Der Kampf hatte begonnen. Nur wusste ich noch nicht ganz, wie die Regeln und was die Waffen waren. Abwarten, auf jeden Fall war ich einem interessanten Zeitgenossen begegnet.

Ende Kapitel 4


Bis zum nächsten Kapitel oder zu meiner Review-Antwort ;). Na, wenn das kein Angebot ist *lol*.