Kapitel 1- Ankunft in Forks

Bella POV

Da wäre ich also, Port Angeles Flughafen. Der mir so vertraute Regen prasselt in strömen, gibt mir ein kleines Gefühl von Heimat. Ich mag den Regen nicht wirklich, aber er gehört schon so lange ich denken kann zu meinem Leben. Dad, also eigentlich Phil, mein Stiefvater, sagt immer, es ist wichtig für ihn in nicht all zu sonnigen Gegenden zu leben.

Phil - wieder wandern meine Gedanken zu meiner Familie. Mom hat sich schon sehr früh von Charlie, meinem Vater, getrennt und ist mit mir in den Süden gezogen. Sie sagte ihm damals, sie halte es in diesem kleinen, verregneten Kaff nicht mehr aus. Mir war aber nicht allzu lange ein Leben in dem sonnigen Phoenix vergönnt. Als ich zwei Jahre alt war, lernte Mom Phil kennen, und verliebte sich sofort in ihn. Sie erzählt auch heute noch, dass es recht lange dauerte, bis sie ihn überzeugte dass eine Beziehung Erfolg hat. Wieso er anfangs nicht wollte, sagten sie mir allerdings nie. Nun sind sie schon seit elf Jahren glücklich verheiratet. Und ich habe einen Bruder, meinen ganz privaten Beschützer. Damon.

Unsere Familie ist nie lange an einem Ort geblieben, und selten lebten wir in sonnigen Bundesstaaten. Dad und Damon haben ein Geheimnis. Was genau, wollen sie mir nicht sagen, aber ich denke Mom kennt es. Doch sie sagen, es wäre zu gefährlich für mich es zu kennen.

Damon ist jünger als ich, doch er ist extrem schnell gewachsen- zu schnell. Er ist noch ein Kind, sieht aber aus wie 18. Und das schon eine Weile. Er verändert sich nicht mehr, genauso wenig wie Dad.

Ich nehmen dies so hin, habe schon lange aufgehört zu fragen. Damon ist einfach mein starker, schneller Beschützer, immer da wenn ich ihn brauche. Er ist mein ganz persönlicher Superman. Er würde alles für uns tun, so wie unser Dad. Und damit meine ich schon wieder Phil.

Kurz durchzuckt mich mein schlechtes Gewissen. Ich mag Charlie. Ich verbringe sooft es geht Zeit hier in Forks, und wenn es nur ein verlängertes Wochenende ist. Ja, ich liebe meinen Vater. Aber er ist nicht mein Dad, das ist Phil. Phil hat mich in den Schlaf gesungen, hat mich Huckepack getragen als wäre ich eine Feder und rannte mit mir, bis ich vor Freude schrie. Phil hat mich getröstet wenn ich mal wieder hingefallen bin oder mir blaue Flecken geholt habe. Er geht mit mir auf jedes von Damons Konzerten, hat sowohl meinen Bruder wie mich eigentlich erst zur Musik gebracht.

Ja, Phil ist mein Dad. Und Charlie weiß. Auch wenn die Zwei sich noch nie gesehen haben, respektierten sie sich. Ich weiß, dass es Charlie wehtut, aber er versteht es. Er weiß, dass Phil all die Jahre ein guter Vater für mich war. Er konnte nicht immer für mich da sein, so sehr er sich das auch wünschte.

Doch jetzt kann er es.

Ich werde hier in Forks bleiben – die ganzen vier Jahre der High School.

Wehmütig denke ich an den Abend der Entscheidung zurück.

Traurig kam ich mit meinem neuen Zeugnis nach Hause. Es ist das Halbjahreszeugnis, nur 2 Monate, nachdem wir hier in Newberg, Oregon angekommen sind. Mom und Dad würden wieder enttäuscht sein. So wie nach jedem Umzug waren meine Noten wieder im Keller angekommen.

Damon sah meine traurigen Augen, nahm mich in den Arm und wischte meine Tränen fort.

Wieder so schlimm?", er kannte mich wirklich sehr gut.

Oh Damon, ich wollte ihnen so gern zeigen, dass ich es diesmal schaffen kann! Ich bin doch kein Baby mehr!"

Bella, niemand nimmt dir übel, dass du Probleme in der Schule hast. Wir alle wissen es ist nicht einfach für dich."

Aber du rutschst nie ab. Immer kannst du alles, hast nie Probleme!" Wie immer, wenn ich eine Bemerkung tat, wie perfekt er war, sah er weg und nahm mich nur noch fester in seine Arme.

In diesem Moment kam Mom nach hause. Sie sah meine Tränen und wie Damon es vorhergesagt hatte, war sie mir nicht böse. Sie Drückte uns kurz an sich, und sagte leise: „Wir sollten reden, wenn Dad nach hause kommt. Bella, Schatz, ich möchte dass du wieder lachen kannst."

Abends, nachdem Dad vom Baseballtraining kam, setzten wir uns alle in unsere gemütliche Wohnküche.

Alle meine Lieben sahen mich an, als warteten sie, dass ich etwas sagte. Ich, die ruhige Bella?

Ich weiß, ich habe es versprochen. Aber es hat wieder nicht gereicht. Es tut mir so leid, dabei wollte ich unbedingt besser werden. Ich weiß, wenn ich wirklich später studieren will, brauche ich bessere Zensuren, in der High School kann ich mir so was nicht mehr leisten. Ich versuche wirklich alles, ich werde mehr lernen und…"

Bella, Schatz, atmen", unterbrach Dad meine Rage. Ich sah fragend in seine goldenen Augen, die langsam etwas bräunlich wurden. Ich wusste, in einigen Tagen wären sie wieder schwarz und Damon und Dad würden das Wochenende wieder wandern gehen. Das war immer so, solange ich denken kann. Schon als kleinen Jungen der gerade Mal laufen konnte nahm Dad ihn immer mit.

Wir wissen, dass du wirklich fleißig bist. Und wir wissen, du bist weiß Gott nicht dumm! Bella Liebling, du bist am wenigsten Schuld an deinen Noten, es sind unsere Umzüge, die dir zu schaffen machen." „Und jetzt sag nicht wieder, ich bin besser als du, das ist kein Grund, mein Stern. Ich lerne anders, als du, in meinem Kopf bleibt nun mal alles einfach hängen ohne mein Zutun!", mischte sich Damon ein.

Liebling, ich habe nachgedacht und mir etwas überlegt. Dad denkt auch es wäre eine gute Idee."

Damon und ich schauten beide Mom fragend an, irgendwie verstand ich nur Bahnhof.

Bella, was du brauchst, ist etwas mehr Beständigkeit. Du brauchst Freunde, ein festes Zuhause, dass nicht jedes Jahr wechselt." „Aber, Mom, ihr seid mein zu hause" Ich wurde panisch. Wollte sie mich wirklich wegschicken? Weg von meiner Familie? Weg von Damon? Ich merkte, wie eine andere Panik mich überrollte, die nicht von mir kam. Als ich Damon ansah, wusste ich, es kam von ihm. Wir konnten schon immer fühlen, wenn der andere von uns stark empfand. Egal ob es Schmerz, Glück, Freude, Trauer- oder wie jetzt, Panik war. Er war mein Bruder, meine zweite Hälfte.

Mom, bitte, Sie gehört doch zu uns, wir sind ihre Familie!", brachte er mit gebrochener Stimme hervor.

Nun, Bella hat nicht nur uns", sagte Dad vorsichtig. Was meinte er damit? „Liebling, wir dachten an Charlie, er würde sich bestimmt sehr freuen wenn du länger bei ihm wärst."

Charlie? Mein Vater? Ja, daran hatte ich nicht gedacht. Langsam verschwand meine Panik, aber ich spürte noch immer die von Damon.

Ich sah ihm lange in seine blauen Augen. Und ich wusste, Ich könnte überall sein, wenn er nur auch da war. „Kommst du mit?", fragte ich vorsichtig. Alle hielten ihre Luft an. Voller Schmerzen sah mein Bruder zu meinen Eltern, als ob sie ihm die Antwort geben sollten.

Nein, Bella, Charlie darf nicht von mir wissen, das weißt du doch. Aber ich werde dich sooft es geht besuchen."

Wir redeten noch lange an diesem Abend, und zur Nacht schlüpfte ich in Damons Zimmer und kuschelte mich in seine Arme.

Wir gehören immer zusammen. Er würde immer für mich da sein. Aber wir müssen beide lernen, dass er nicht mein Leben lang mein Schatten sein kann. Ich muss lernen, zu leben, wie ein normaler Teenager, und das kann ich nur in Forks. Ohne meinen kleinen, großen Bruder.

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„Bella!", werde ich aus meinen Tagträumen gerissen. Dabei zucke ich zusammen und stolpere über meine eigenen Füße. War ja klar, so bin ich halt. Wenn jemand einen Tollpatsch braucht, einfach nach Isabella Marie Swan fragen.

„Hi Charlie", begrüße ich ihn und er nimmt mich kurz in seine Arme. Das war unsere Standard- Begrüßung, Viele Worte gab es bei Charlie nicht. Aber wir alle wissen, dass er froh ist mich hier zu haben. Da kam ich nach ihm. Und nicht nur da, fällt mir ein, als ich in seine braunen Augen schaue - in meine Augen. Diese Augen und auch die Haarfarbe hatte ich von ihm – ein glänzendes Dunkelbraun. Charlie greift sich den Gepäckwagen und geht los. „Na komm, kleine Lady, bringen wir dich nach Hause, du bist bestimmt müde von dem Flug."

„Ja, ich brauche definitiv ne Auszeit", stöhne ich, als ich schon wieder über meine eigenen Füße stolpere. Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie Charlie sich sein Schmunzeln verkneift. „Sind deine Füße immer noch dein eigener Feind, Bells?" „Haha, nicht witzig" grummle ich in mich hinein.

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Erneut schaue ich auf die leuchtenden Zahlen des Radioweckers auf dem kleinen Nachttisch neben meinem Bett.

23:00

Stöhnend wälze ich mich auf die andere Seite. Ich kann einfach nicht einschlafen. Morgen ist mein erster Tag auf der Forks High, ausnahmsweise mal nicht mitten im Semester, sondern wie bei allen anderen Schülern auch, genau pünktlich zum Anfang.

Und nun liege ich wach in meinem Zimmer, anstatt zu schlafen und Kraft für den neuen tag zu schöpfen. Mein Zimmer - ein komischer Gedanke. Bei meinen häufigen Besuchen hier in Forks schlief ich immer in diesem Zimmer, aber es war mehr ein notdürftig umgeräumtes Babyparadies. Die meisten Möbel stammten noch von meiner Babyausstattung, so wie Mom es ausgesucht hatte. Doch zu meiner Überraschung zeigte Charlie mir ein komplett eingerichtete Jugendzimmer als wir vor einigen Stunden hier ankamen. Sicher, einige Möbel waren noch die alten, auch die Gardinen stammten noch von damals. Sie wurden aber nun von wunderschönen lila Vorhängen verdeckt, diese passten zur neuen Bettwäsche. Auch ein neuer Schreibtisch war da, ebenso ein PC. „Das Ding ist ziemlich alt, aber ich konnte so schnell nichts Neueres auftreiben, dachte aber du willst deinen Leuten ab und zu mailen.", sagte Charlie mit einem entschuldigenden Kopfnicken zum PC. Das war so lieb von ihm, es machte mir nichts aus, das der PC alt war, er war ein Geschenk von Charlie.

Lange liege ich in Gedanken in meinem Bett und merke immer mehr, wie Damon mir fehlt. Irgendwann kann ich mein leises Schluchzen nicht mehr unterdrücken Ohne groß nachzudenken greife ich zu meinem Telefon, drücke die Kurzwahltaste1 und schalte den Lautsprecher an.

„Bella, ist alles OK?", kommt sofort eine beruhigende Stimme aus dem Telefon. „Nein, ich vermisse dich, Damon"

„Ich weiß, mein Stern, du fehlst mir auch. Aber es wird schon werden. Morgen ist dein erster großer Tag auf der High School, da hast du keine Zeit mehr, an mich zu denken."

„Ich habe immer Zeit für dich", schluchze ich nun haltlos ins Telefon.

„Nur Mut, Schatz. Ich komme dich bald besuchen" „Versprochen?", frage ich ihn, ich denke er hört den Kloß in meinem Hals. „Ja, versprochen. Ich bin für dich da, für immer und ewig. Und nun schlaf, mein Stern, es ist spät. Ich liebe dich. Und ich soll dir einen Kuss von Mom und Dad geben"

„Gute Nacht, Damon." Leise höre ich Damons Stimme durch das Telefon summen – Phils Lied für uns zwei - unser Lied.

user/Tillayy#p/u/6/M2l72xcRQkc

Langsam rutsche ich in einen unruhigen Schlaf.

Im Halbschlaf wundere ich mich, was mich wohl hier in Forks erwarten mag.