Hallo!

Kennt ihr mich noch?

Ja?

Puh, Glück gehabt.

Eine Entschuldigung für die extrem lange Wartezeit gibt es nicht… ihr wollt eh ganz schnell das Kapitel lesen, und nicht mein Gelaber. Aber ich hoffe das Kapitel stimmt euch ein wenig versöhnlich. Ich hab lange dran gebrütet, und danke allen meinen stillen oder auch laut schreienden Fans für ihre Durchhalteparolen.

Was lange währt, wird gut…

Ich denke, hier passt der Spruch.

Kapitel 23: Neuer Lehrer, neues Glück

BPOV

Grau.

Grau, nass, kalt. Das Wetter passt heute wunderbar zu meiner Stimmung. Obwohl wir noch immer August haben, ist es sehr kalt geworden, in der letzten Nacht nur wenig über Null Grad.

Und mir geht es, ehrlich gesagt, beschissen.

Irgendwann am Abend hat Charlie mich geweckt, besorgt, weil ich auf seine Rufe nicht geantwortet hatte. Er brachte mir belegte Brote auf mein Zimmer, nahm mich kurz in den Arm. Doch er merkte wohl, dass ich nicht reden wollte.

Ich habe die Pause in meinem tranceartigem Zustand genutzt, um meine schon wieder schmerzenden Kniekehlen mit der Salbe einzucremen, die Dr. Cullen mir gab. Es war wohl doch keine gute Idee, mich auf mein Bike zu setzen, doch in dem Moment hatte ich nicht wirklich an meine Schmerzen gedacht.

Noch immer fix und fertig ließ ich die Dusche ausfallen und begab mich, nach einer sehr knappen Katzenwäsche, ins Bett, wo ich sofort einschlief.

Wirklich viel geschlafen habe ich dann allerdings nicht, immer wieder haben die verschiedensten Albträume mich aus dem Schlaf gerissen. Teilweise mit tränennassem Gesicht.

Dementsprechend müde habe ich mich morgens unter die Dusche gekämpft, meiner Kleiderwahl wurde absolut gar keine Aufmerksamkeit geschenkt, als ich irgendetwas aus dem Schrank griff. Ich weiß nicht mal, ob meine Socken zueinander passen. Den Kampf mit meinen Haaren habe ich gar nicht erst begonnen. Ein einfacher, unordentlicher Pferdeschwanz muss genügen.

So stehe ich jetzt im Flur, meinen Rucksack in der Hand, und starre die Person im Spiegel an. Meine Augenringe sagen mir, dass ich wenigstens ein wenig Make Up hätte auftragen sollen, doch dazu fehlt mir absolut jeglicher Nerv.

Gleich würden Alice und Jasper mich abholen. Samstag fand ich das noch eine wirklich tolle Idee, doch jetzt?

Wie sollte ich reagieren? Was, wenn sie etwas bemerken?

Weiter komme ich nicht in meinen Überlegungen, denn der gelbe Porsche hält gerade in der Einfahrt und Alice hüpft heraus.

Langsam öffne ich die Tür und versuche ihr entgegen zu lächeln. Doch es geht nicht. So sehr ich mich auch bemühe, mehr als eine Grimasse wird es nicht.

Auf einmal spüre ich Angst in mir, das dringende Bedürfnis sofort zu flüchten, weg von ihr.

Plötzlich öffnet Jasper die Beifahrertür und ist in wenigen Schritten bei Alice, hält sie am Arm fest. Beide bleiben stehen, sehen mich verwirrt an. Es wirkt fast so, als würde er sie zurückhalten.

OK, soviel zu ganz normal verhalten.

„Bella, ist alles OK? Du siehst sehr müde und besorgt aus", wendet Jasper sich direkt an mich.

„Ich… na ja, ich bin ein wenig müde, aber es ist nichts, ehrlich", versuche ich mich rauszureden. Zweifelnd sieht er mich an. Ich versuche inzwischen, meinen völlig dämlichen Fluchtinstinkt zu verdrängen und auf sie zu zugehen, aber es funktioniert einfach nicht. Ich bin regelrecht auf der Türschwelle festgewachsen.

Alice sieht scheinbar mein Dilemma, und intensiv schaut sie mich an.

„Wenn du möchtest, kannst du doch auch mit deinem Auto fahren. Wir wollen uns nicht aufdrängen, ehrlich", versucht sie mich zu beruhigen, doch ihre Stimme klingt so traurig dabei, dass ich sofort ein schlechtes Gewissen bekomme.

„Ja, ich denke, das ist besser. Ich meine, dann müsst ihr nach der Schule nicht auf mich warten und wieder her fahren…" Gott, das hört sich selbst für mich dämlich an!

„OK", ist alles was Alice sagt, dann dreht sie sich um und geht mit Jaspers Hand in ihrer zurück zu ihrem Auto.

Während ich in meinem altersschwachen Chevy dem Porsche hinterher fahre, denke ich über diese absurden Gefühle nach. Alice ist noch immer Alice, und auch Jasper derselbe, der er vorher war.

Ja, nun weiß ich, dass sie Vampire sind. Ein Schauer läuft mir bei diesem Gedanken den Rücken runter. Es ist zu neu, zu heftig dieses Wissen, und die gewaltigen Ausmaße dringen erst nach und nach in mein Bewusstsein.

Doch nur weil ich auf einmal weiß, was sie sind, bedeutet das doch noch lange nicht, dass ich Angst haben muss. Und Angst war es, was mich davon abhielt meiner Freundin um den Hals zu fallen. Immer wieder zwinge ich mich selbst, mich an die letzte Woche zu erinnern.

So oft hätten sie die Möglichkeit gehabt, mich zu töten, doch stattdessen haben sie mich in jeder Situation unterstützt. Und selbst, wenn ich ahne, was hinter Mr. Perfects Stimmungsschwankungen steckt, so hat er mir doch nie wehgetan, hat jedes Mal mit sich gekämpft und gegen seine Instinkte gewonnen. Er hat mich sogar, so sehr es ihm, als einen angeblich unparteiischen Lehrer möglich war, gegen meine ehemaligen Freunde unterstützt.

Nein, ich brauche keine Angst zu haben! Hey, ich habe seit ich zwei Jahre alt war regelmäßigen Kontakt mit einem Vampir, habe zehn Jahre lang tagein, tagaus unter einem Dach mit ihm gelebt! Und was soll ich sagen, ich lebe noch immer, und ohne meinen Vampir-Dad wäre mein Leben nur halb so aufregend und spaßig, wie es ist.

Mittlerweile stehe ich auf dem Schulparkplatz, Alice und Jasper stehen in einiger Entfernung und sehen fragend zu mir herüber. Beide sehen dabei so besorgt und traurig aus, dass es mir fast das Herz zerreißt. Doch genau dieser Anblick ist es, der bei mir alle Sicherungen wieder einrasten lässt, der Anblick meiner beiden Freunde wirkt so gewohnt und beruhigend auf mich, dass ich all meine Zweifel für den Moment über Board werfe, meine Furcht ist plötzlich wieder in den hintersten Winkel meines Bewusstseins verdrängt, wo sie gern jämmerlich verkümmern kann. Ich reiße meine Tür auf und werfe sie hinter mir ins Schloss.

„ALICE!", rufe ich ihr zu, sehe wie ein vorsichtiges Lächeln über ihr Gesicht huscht. Als ich auf sie zu renne, bricht sie in glockenhelles Lachen aus und nimmt mich fest in den Arm. Einen Moment umarme ich meine kleine Fee, lächle Jasper dabei glücklich an, der lieb zurück grinst und mir kurz über den Arm streicht.

„Autsch", entfährt es mir kurz danach. Meine Beine habe ich, mal wieder, bei meiner überstürzten Meinungsänderung vergessen. Wie lange dauert es denn, bis diese dämlichen Blutergüsse wenigstens so weit abgeheilt sind, dass es nicht mehr weh tut?

„Hab ich dich verletzt?", fragt Alice mich geschockt.

„Nein, das schaffe ich schon ganz allen. Ich hab nicht an meine Beine gedacht, und nun beschweren sich meine Kniekehlen wieder. Sie wollen am liebsten gar nicht bewegt werden", seufze ich.

„Hm, ich hab da ne Idee", mischt Jasper sich ein.

„Perfekt!", jubiliert Alice sofort. Hä, haben die Zwei eine Art telepathisch zu kommunizieren oder so? Ich meine, bei Dad und Damon passiert es auch ab und an, dass ich nicht alles mitbekomme, doch das hier ist schon fast unheimlich.

„Naja, wir sind recht spät dran. Zudem müssen wir ja in die Turnhalle, und im Moment ist absolut niemand zu sehen, der uns bemerken würde. Also, was hältst du von der Wiedereinführung deines persönlichen Bella Trägers?", fragt er mich grinsend.

Ich grinse zurück und halte mich an seinen Schultern fest, während ich hochspringe. Ohne zu zögern fängt er mich auf, sieht mich aber erstaunt an.

„Ich glaube, so schnell werde ich echt nicht aus dir schlau", kommt es erstaunt. „Musst du auch nicht, nehmt es einfach hin, so wie ich euch so nehme, wie ihr seid. Deal?"

„Deal", sagen beide lachend.

Während wir zur Turnhalle laufen, oder besser gesagt Alice und Jasper laufen und ich getragen werde, durchforste ich angestrengt meine Erinnerung nach irgendeinem Grund, warum wir in die Turnhalle sollen. Ich finde nichts. Also gebe ich auf und frage einfach. Daraufhin erinnert mich Alice daran, dass Mr. Greene heute irgendwelche Änderungen am Stundenplan ankündigen wollte.

Direkt vor der Tür der Turnhalle setzt Jasper mich ab. Es würde doch zu viele Fragen aufwerfen und erst Recht ungewollte Aufmerksamkeit bewirken, sollte er mich wie eine Braut in die Turnhalle tragen.

Ich suche uns drei Plätze in den hinteren Reihen, und beide setzen sich kommentarlos zu mir. Nun gut, ich lasse mich einfach auf einen der nächsten drei freien Stühle fallen und lasse ihnen keine Möglichkeit, selbst zu wählen.

Kurz danach fängt Mr. Greene an zu erzählen, doch ehrlich gesagt bekomme ich absolut gar nichts von seiner Rede mit, die an mir vorbeirauscht. Verzweifelt kämpfe ich gegen meine Müdigkeit, immer wieder wollen mir die Augen zu fallen. Ab und an reißt eine kühle Berührung an meinem Arm mich aus dem Dämmerland zurück, wenn Alice mich sanft berührt um mich zu wecken.

Irgendwann überkommt mich eine Nervosität, die ich nicht wirklich zu ordnen kann, doch ich bin viel zu müde um darüber nachzudenken. Viel zu angenehm ist das wohlige Gefühl nach Heimat und Familie, welches ich sonst nur habe, wenn Dad oder Damon mich vor dem Einschlafen im Arm halten. Diesmal kann ich mein Gähnen einfach nicht unterdrücken, was mir ein Kichern von Alice einbringt und überhebliche Blicke einiger Mitschüler um mich herum.

Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffe ich es irgendwie, meine Bettschwere abzuschütteln und bemerke nun, wie aufgeregt die anderen Seniors um mich herum tuscheln und die neidischen Blicke der Juniors. Ähm, OK, ich hab wohl was Wichtiges verpasst. Fragend sehe ich Alice an. Sie lächelt nur, und flüstert mir beruhigend zu, dass sie es mir später erzählen wird.

„Nun kommen wir noch zu einigen kleinen Änderungen in unserem Lehrerkollegium. Der Stundenplan der teilnehmenden Lehrer wird etwas verändert, andere Lehrer übernehmen einige ihrer Stunden in den unteren Klassen. Ich werde gleich die Namen der Lehrer bekannt geben, aber nicht, welche Kurse sie unterrichten. Bitte tragen sie sich bis zum Ende der Mittagspause für die Kurse ein, am Nachmittag erfahren sie dann, welche Lehrer die jeweiligen Kurse betreuen.

Folgende Lehrer werden Kurse übernehmen:"

Er ruft etliche Namen auf, und die aufgerufenen Lehrer treten einer nach dem anderen auf die kleine Bühne. Diese ist mittlerweile schon recht voll, als die letzten Namen genannt werden.

„Mrs. Geoff", zustimmendes Murmeln klingt aus unseren Reihen, denn irgendwie ist die Lehrerin sehr beliebt, obwohl sie recht streng sein kann. Wahrscheinlich, weil sie immer gerecht ist.

„Mr. Mason", hier ist das Gemurmel nicht mehr ganz so zustimmend.

„Mr. Cullen."

Geschockt so unvorbereitet seinen Namen zu hören, blicke ich ihm hinterher, wie er an unserer Reihe vorbei läuft und mit eleganten Bewegungen die Bühne erklimmt. Ich beachte die recht anzüglichen Bemerkungen über ihn um mich herum nicht, auch ignoriere ich die wissenden Blicke, welche mir Jasper und Alice zuwerfen. Noch immer hängt mein Blick auf seiner Hose, wo ich gerade noch seinen Knackarsch in der schwarzen Anzughose bewundern konnte. Nur hat er sich inzwischen zu uns Schülern umgedreht, so dass ich jetzt nicht mehr seine Rückansicht, sondern seine Vorderseite betrachten kann. Und meine Augen hängen noch immer an seiner Hose, genauer gesagt auf Höhe seines Reißverschlusses. Als mir bewusst wird, was ich da gerade angestarrt habe, fliegen meine Augen erschrocken zu ihm hoch. Bitte, irgendwer, mach dass er es nicht bemerkt hat!

Scheinbar wird mein kleines Gebet nicht erhört, denn ich sehe geradewegs in seine goldenen Augen. Einen Moment starre ich ihn überrascht an, denn selbst quer durch die gesamte Turnhalle habe ich das Gefühl, als würden seine Augen sich direkt in meine bohren, als könnte er bis in meine Seele sehen. Es ist, als wenn er direkt vor mir stehen würde und es niemanden sonst auf der Welt geben würde, außer uns. Sein Blick ist ernst, aber nicht mehr so kalt wie am Samstag. Dann zwinkert er mir zu, und für einen klitzekleinen Augenblick huscht ein liebes Lächeln über seine Lippen. Ich hätte gedacht, dass es nie da gewesen wäre, wenn es nicht in seinen Augen bestehen bleiben würde.

„…. Mr. Dwyer."

Hä? Verwirrt und widerwillig wende ich meinen Blick von Mr. Perfect zu Mr. Greene. Denn mir ist wirklich, als hätte dieser gerade meinen Vater aufgerufen. Sein Blick ist auf den Gang zwischen den Stuhlreihen gerichtet, durch den auch Mr. Perfect vor kurzen gegangen ist. Noch während ich seinem Blick irritiert folge, erklingt überall um mich herum ein schwärmendes Getuschel, wie es sonst nur durch Mr. Cullens Auftauchen ausgelöst wird.

Und dann finden meine Augen den Genannten.

Zusammen mit einer Welle der unterschiedlichsten Emotionen wirft sein Anblick mich regelrecht vom Hocker.

Es ist nicht mein Stiefvater.

Nein.

Es ist DAMON.

Während ich innerlich vergeblich versuche mich für ein Gefühl zu entscheiden, folgt mein Blick ihm auf die Bühne.

Da wäre zum einen Erleichterung. Weil er offensichtlich nicht verletzt ist, es ihm gut geht. Weil ich ihn jetzt immer in meiner Nähe habe.

Dann die Liebe zu meinem Bruder, der extra wegen mir in dieses kleine Kaff gezogen ist. OK, und wohl auch um in Leahs Nähe zu sein.

Gereiztheit, weil er es nicht lassen kann den großen Beschützer zu spielen, der mich vor den ach so bösen Vampiren in Sicherheit wissen muss.

Enttäuschung, weil er mir schon wieder etwas verheimlicht hat. Und das auch noch, wo doch so klar ist, dass ich dieses eine Geheimnis herausfinden werde.

Während ich ihn stirnrunzelnd ansehe, bemerke ich auf einmal wieder diese bekannten Gefühle, die aber nicht meine eigenen sind. Nervosität, ein kleines wenig Furcht, und eine riesige Portion Aufregung.

Meine Gefühle hingegen beruhigen sich ein wenig, und aus der Enttäuschung wird langsam Wut. Denn noch immer blickt er mich nicht an, sieht überall in dieser riesigen Halle hin, lächelt sogar die eine oder andere Schülerin an. Aber mich ignoriert er, als wäre ich Luft!

Oh, dieser… Mistkerl!

Die Versammlung ist offensichtlich beendet, und langsam verlassen alle Schüler die Turnhalle. Einige Lehrer stehen nun in einer kleinen Gruppe neben der Bühne und unterhalten sich. Damon mittendrin. Noch immer, ohne mich anzusehen.

„Bella, wir müssen auch langsam los", wendet sich Jasper an mich. Doch als Antwort erhält er nur einen wütenden Blick. Ja, es ist falsch, dass ich meine Wut an ihm auslasse, aber im Moment sind mir solche Umgangsregeln ehrlich gesagt schnuppe. Ich bin wütend, und er ist nun mal gerade da!

Immerhin bin ich mittlerweile von meinem Stuhl aufgestanden und stehe nun im Gang, der zur Tür führt. Mrs. Geoff läuft gerade an mir vorbei und ich grüße sie halbherzig, als sie mich fragend ansieht. Dann sieht sie zu Damon, und lächelt mich verstehend an.

Nach ihr verlassen die letzten Schüler die Halle, einige der Mädchen grüßen mich dabei, als währen wir schon ewig befreundet. Und ich kenne nicht mal ihren Namen.

Jetzt sind nur noch fünf Personen in der Halle, die Tür ist zu. Jasper und Alice haben es aufgegeben, mich zum gehen zu überreden, und stehen still neben mir.

Ich sehe wieder zu Damon, bereit ihn mit meinen Blicken zu erdolchen. Doch was ich sehe, haut mich regelrecht aus den Latschen. Mr. Perfect steht direkt neben ihm, und gibt ihm einen freundschaftlichen Stoß mit der Faust gegen seinen Arm. Damon sieht zu ihm, grinst kurz und schüttelt dann seinen Kopf.

Das ist jetzt nicht war, oder? Am Freitag hätten die zwei sich am liebsten noch geköpft, und seitdem Mr. Cullen Damon gesehen hat, ist er mir gegenüber wieder ein kalter Arsch… und nun machen sie einen auf Kollegen und Kumpel? Prima. Sollen die Beiden doch meinetwegen heiraten!

Wie eine Furie stampfe ich auf die Zwei zu, und Damon sieht mir das erste Mal an.

Er lächelt kurz, sein ganz speziell nur für mich existierendes ich – hab – meine- Schwester- lieb- Lächeln. Oh nein, nicht heute, so nicht, Freundchen! Nicht mit mir!

„Hi, mein Stern."

„Ich zeig dir gleich Sterne! Was zum Henker wird das hier, he? Mal wieder eine Runde das Bellalein im Ungewissen lassen? Ich hab es so satt. Diese ewigen Geheimnisse. Hör endlich auf mich wie ein kleines Kind zu behandeln!"

„Bella, komm schon."

„NEIN. Nix Bella komm schon! Verdammt, was sollte der Scheiß? Erst entschuldigst du dich mit diesem wundervollen Brief, und dann das hier? Vor was wolltest du mich denn diesmal beschützen?", wütend schreie ich ihm direkt ins Gesicht.

„Gott, hast du es nicht einmal für nötig erachtet, mir vorher Bescheid zu sagen? Und jetzt komm mir nicht mit irgendwelchen Ausreden. Ein Satz, Damon, ein Satz:

‚Ich bin ab Montag Lehrer an deiner Schule.'

Das wäre es gewesen, ein Atemzug, mehr kostet es nicht. Was, bitteschön ist daran so schwer? Aber nein, das hattest du ja nicht nötig. Ich bin ja nur die dumme Bella, die nichts wissen darf!"

„Du hast Recht, es tut mir wirklich Leid. …"

„Davon kann ich mir auch nichts kaufen. Ehrlichkeit, Damon, das wäre mal was anderes. Ich soll dir vertrauen? Wie denn, wenn ich nie weiß, was du als nächstes tust!"

„Ms. Swan, lassen Sie ihn doch wenigstens ausreden", mischt sich jetzt auch Mr. gar nicht so Perfect ein. Doch der Fakt, dass er mich noch immer nicht wieder mit meinem Vornamen anredet, tut weh. Mehr als mir lieb ist. Verletzt drehe ich mich zu ihm.

„Ach, ihr Zwei seid jetzt also die besten Kumpels, und ich bin wieder die kleine Miss Swan. Sorry, Mr. Cullen. Das hier geht Sie rein gar nichts an, es ist eine Familienangelegenheit." Wütend und enttäuscht funkle ich jetzt ihn an. Seine Augen weiten sich kurz, dann wird sein Blick weicher, entschuldigend. Und wieder habe ich das Gefühl, alles um mich herum löst sich in Nichts auf. Ich gehe einen kleinen Schritt auf ihn zu, und seine Hand hebt sich in wenig, als wolle er mich zu sich ziehen. Doch noch bevor er mich berührt, werden wir aus unserer kleinen Starre gerissen.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst! Isabella Marie, bitte sag mir dass das nicht wahr ist!"

Oh. Damon. Er ist ja auch noch da. Und er ist wütend. Warum ist er so wütend? Ich war doch diejenige, die hier hintergangen wurde.

„Was? Was soll nicht mein Ernst sein? Wovon redest du denn hier? Und außerdem, warum zur Hölle brüllst du mich jetzt an?"

Völlig überrumpelt, irritiert und selbst noch immer geladen sehe ich ihn direkt in seine blauen Augen.

Frustriert rauft er sich seine Haare, dann sieht er kurz zu Jasper, Alice und etwas länger zu Edward.

„Bella, ich verstehe, dass die Cullens deine Freunde sind. Und das ist auch OK. Aber bitte, bei allem was du tust, denk daran dass …", er unterbricht sich selbst, kneift die Augen in Frustration zusammen und wirft den Kopf in den Nacken.

„Es ist nicht das Gleiche wie zuhause. Ich meine, Da…. Phil, er liebt dich, es würde deiner Mom und ihm das Herz brechen, wenn dir was passiert. Ich mache mir doch nur Sorgen um dich."

Oh, ich glaube ich verstehe, was er meint.

Vampire.

Ich ein Mensch.

Vorsichtig sehe ich zu Edward, doch seine Augen haben noch immer diesen einmaligen Goldton. Auch Alice und Jaspers Augen sind sehr weit von Schwarz entfernt. Also besteht im Moment keine Gefahr. Warum ist er dann so wütend? Ich sehe wieder zu Damon, fragend. Dieser mustert Edward skeptisch, ein wenig hat er sich zwischen uns geschoben, als wolle er wieder mehr Abstand zwischen meinem Mr. Perfect und mich bringen.

Oh Gott…

Er kennt meine Gefühle…

Hat er etwa bemerkt dass ich…

Shit, das ist so peinlich!

Vom eigenen Bruder beim Schwärmen ertappt! Für einen Lehrer! Uh, wie Klischeehaft!

Peinlich berührt senke ich meinen Blick. Ich merke, wie mein Gesicht wieder einmal heiß wird, weil ich erröte.

„Klasse, Bella. Genau das hat jetzt noch gefehlt", kommt in einem sehr angepisstem, sarkastischem Tonfall von Damon.

Wie bitte? Jetzt bin ich daran schuld, dass ich erröte? Hey, der Typ kennt mich sein ganzes Leben, er sollte es besser wissen als mich in eine solch peinliche Situation zu bringen! Und dann gibt er mir die Schuld?

„Ach, jetzt bin ich Schuld? Ich erzähle dir mal was, ONKEL Damon: Ich kann ganz gut auf mich selbst aufpassen! Ich brauche dich nicht als Babysitter! Du kannst mir gestohlen bleiben. Du hast ja jetzt einen neuen Kumpel. Kauft euch ein Zelt und fahrt zusammen in die Berge, dann könnt ihr zusammen vorm Lagerfeuer sitzen und Lieder singen", und damit drehe ich mich wütend weg, laufe Richtung Ausgang.

Ein wenig bereue ich sofort meine Worte, habe ich doch damit auch Edward angegriffen. Und sein liebevoller Blick gerade war doch schon fast so was wie eine Entschuldigung.

„Das glaubst du doch selbst nicht!", ruft Damon mir hinterher.

Ich bin so sauer! Am liebsten würde ich wieder auf ihn einprügeln, doch leider würde das nichts bringen. Mir fehlen einfach die Worte, um meine Frustration auszudrücken. Ein wütendes, sehr menschlich klingendes Knurren ist alles, was ich hinbekomme.

„Was war das gerade, Isabella?", klingt es auf einmal gefährlich ruhig hinter mir.

„Nichts!", brülle ich.

„Bleib gefälligst hier, ich bin noch nicht fertig!", schreit er durch die Halle.

„Ich aber!"

„Bella!"

Genervt bleibe ich stehen, drehe mich langsam um.

Da stehen sie alle, sehen mich wütend, nachdenklich und amüsiert an. Wie schaffe ich es nur, dass er mich gehen lässt?

Da kommt mir eine Idee. Ok, es ist genial, aber zugegebenermaßen auch recht gefährlich.

„Ich kann auf mich aufpassen", erkläre ich in einem ruhigen, endgültigen Tonfall. Dann drehe ich mich um, und laufe weiter. Dann füge ich leise, doch in dem vollen Bewusstsein, dass sie mich alle bestens verstehen werden, hinzu.

„Und sollte ich doch hinfallen oder mich irgendwie verletzen, lasse ich es euch mit einem kleinen Wörtchen wissen." Fast an der Tür angekommen, sage ich dieses Wort klar und deutlich.

„Blut"

Fast sofort erklingt ein wütendes, animalisches Knurren, dass mir durch und durch geht, mich erstarren lässt. Ich habe so etwas bereits ab und an gehört, und nie wusste ich, komma was es bedeutet. Doch jetzt weiß ich es. Ich bin zu weit gegangen. Die Frage ist nur… wer? Damon? Edward, Alice oder Jasper?

Meine Frage wird sofort beantwortet, als ich am Arm gegriffen und unsanft herumgeschleudert werde. Außer sich vor Wut blitzt Damon mich an.

„WAS. WEISST. DU?", zischt er zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.

Oh Gott! Ich kann es ihm nicht sagen! Es würde sie alle in Gefahr bringen!

Doch im Moment schüchtert er mich ein, ich sehe in seinen Augen deutlich diesen Teil von ihm, der ihn von mir unterscheidet… und mit den Cullens verbindet. Ängstlich blicke ich an ihm vorbei, sehe die Cullens, die uns geschockt und besorgt mustern.

„ISABELLA?"

„Das weißt du bereits", antworte ich ihm leise, unsicher.

„Warum glaub ich dir das nur nicht?", knurrt er wütend.

„Damon, bitte…", schluchze ich. Noch immer hält er meinen Arm. Sein Griff ist fest, aber nicht schmerzhaft. Ich schließe meine Augen, versuche verzweifelt die Tränen zurück zu halten. Doch es funktioniert nicht. Ich merke, wie sich erste feuchte Spuren auf meinen Wangen bilden, und ich immer von immer heftigeren Schluchzern geschüttelt werde. Ich sehe ihn nicht mehr an, wage es nicht diesem wütenden Blick in den so geliebten Augen zu sehen. Zu wissen, dass ich es selbst war, die ihn seine Beherrschung verlieren ließ.

Ich habe ihn verletzt, indem ich mein eigenes Leben herunter gespielt habe.

Irgendwann, ich weiß nicht genau wann, ist seine Hand verschwunden, und zierliche kalte Arme wickeln sich um meinen Körper.

„Scht. Ruhig Bella. Es wird wieder gut. Irgendwie."

„Alice…", schluchze ich an ihrer Schulter.

„Ich hab ihn doch so lieb!"

Sie hält mich fest, und lässt mich weinen. Ich merke, wie eine andere Hand über meinen Rücken streicht, dann den Hauch einer Berührung auf meinem Haar. Ein beruhigender Duft weht mir in die Nase, und kurz gebe ich mich der Illusion hin, es wäre wirklich Edward, der mir gerade einen zärtlichen Kuss gegeben hat. Dann ist die Hand weg, und mit ihr der Duft. Irgendwann beruhige ich mich ein wenig.

„Besser?", fragt Jasper leise neben mir. Ich habe gar nicht bemerkt, dass er da war. Vorsichtig sehe ich auf, direkt in seine besorgten Augen.

„Ja. Ein wenig", ich versuche zu lächeln, aber es ist sicherlich nicht mehr als eine Grimasse.

Der Unterricht zieht sich dahin, und ich schaffe es irgendwie von keinem einzigen Lehrer aufgerufen zu werden. Ich bin müde und erschöpft, möchte mich eigentlich nur in mein Bett verkriechen.

Damon oder Edward sehe ich nicht mehr, aber stets sind Alice oder Jasper bei mir und schirmen mich, soweit es geht, vor meinen aufdringlichen Mitschülern ab. Ich mag zwar schon halb im Delirium sein, aber dass sich die Bewunderer von Mr. Cullen nun auch um Mr. Dwyer reißen, das habe selbst ich mitbekommen. Leider wissen die meisten von unserer Verwandtschaft, zumindest der offiziellen Onkel- Nichte- Version, und so wollen etliche über die Nichte an den neuen attraktiven Lehrer herankommen.

Inzwischen ist Mittagspause. Irgendwie bin ich an irgendeinem Tisch gelandet. Vor mir steht ein Tablett mit irgendwas essbarem, doch ich bin zu müde um es mir anzusehen, geschweige denn auch wirklich etwas zu essen. Also schiebe ich das gesamte Tablett von mir und lege meinen Kopf, die Augen geschlossen, auf meine als Kopfkissen umfunktionierten Arme.

„Gott, muss ich wirklich noch zwei Stunden hier bleiben?", frage ich erschöpft. Selbst die Aussicht, in der nächsten Stunde Edward wieder vor der Tafel stehen zu sehen, kann mich nicht wirklich begeistern. Ich will schlafen. Mehr nicht.

„Eigentlich sind es noch vier Stunden.", bemerkt Alice zögerlich.

„Hä?", mache ich schläfrig.

„Naja, das war es was du bei der Rede vom Direx verpasst hast. Wir haben neue Kurse, und dadurch auch zusätzliche Stunden. Dafür wurde Damon auch eingestellt. Oh, und du musst dich noch bis nach dieser Pause für zwei Kurse entscheiden", erklärt sie mir vorsichtig.

Mühsam öffne ich ein Auge. Zu mehr bin ich nicht fähig.

„Is'n Scherz?", nuschle ich in ihre Richtung. Ein mitleidiges Lächeln und ein Kopfschütteln sind ihre Antwort.

„Klasse."

Und wieder sind meine Augen zu.

„Bella? Mein Stern, wach auf", werde ich von Damons vorsichtiger Stimme geweckt. Eine Hand streicht über meine Wange, eine andere, kältere, an meinem Arm auf und ab.

Moment, geweckt?

Damon?

War er nicht mehr sauer auf mich?

Verschlafen hebe ich meinen Kopf und drehe ihn in seine Richtung.

Am Rande bemerke ich, dass die Cafeteria langsam leerer wird, die Pause muss bald zu Ende sein.

„Hab ich wirklich geschlafen?", frage ich unbestimmt in die Runde.

„Tief und fest, für ungefähr 20 Minuten", erklingt meine Lieblingssamtstimme direkt neben meinem Ohr.

Edward.

Hier, bei mir.

Erst jetzt realisiere ich, dass ich gegen etwas Kühles, Hartes gelehnt bin.

Und sofort bin ich hellwach. Erschrocken sehe ich ihn an, und dann schaue ich um uns herum.

Edward sitzt direkt neben mir, ich habe mich seitlich an ihn gelehnt. Auf meiner anderen Seite sitzt Alice, uns gegenüber Jasper und Damon.

Schnell rücke ich von ihm ab. Oh Gott, wenn das die anderen Schüler mitbekommen, bin ich geliefert!

Und wenn es die anderen Lehrer mitbekommen, ist er geliefert!

Wir sind ALLE geliefert!

Mitten in der Cafeteria habe ich mich an einen Lehrer gekuschelt, geht's noch?

Ängstlich sehe ich meinen Traummann an. Wie wird er reagieren?

Seine Augen strahlen mich ockerfarben und warm an. Mir verschlägt es den Atem, als ich die Zärtlichkeit in seinem Blick bemerke, die mich am Freitag so gefesselt hat und ich seit dem so sehr vermisste.

„Alles OK?", fragt er mich, während seine Hand unter dem Tisch sanft über meine streicht.

„Ähm… wenn es jemand sieht..?", frage ich zögernd. Was, wenn er nicht das Gleiche fühlt wie ich? Was, wenn ich mich hier komplett zum Clown mache? Kurz drückt er meine Hand, seine Augen fixieren mich, lassen meinen Blick nicht los.

„Dann sehen sie mich an einem Tisch mit meinen Geschwistern und einem Kollegen sitzen, zusammen mit seiner Nichte und Freundin meiner Geschwister. Nichts dabei, oder?"

Doch seine Hand, die nun kurz über mein Bein fährt, und sein intensiver Blick sagen mir, dass es auch für ihn deutlich mehr als das ist.

„Bella, atmen", kommt es unglaublich sanft, aber auch amüsiert von gegenüber.

Erstaunt sehe ich zu Damon. Und hole tief Luft, da ich wirklich mal wieder vergessen hatte, wie man atmet.

„Du bist hier", sage ich zu meinem Bruder.

„Ja. Wo denn auch sonst? Ich muss doch den Oberaufpasser spielen", antwortet er lächelnd, aber auch ein wenig unsicher. Sein Blick ist so traurig und entschuldigend, und mich hält nichts mehr. Ich stehe auf, wie durch ein Wunder stolpere ich nicht über meinen Stuhl, als ich zu Damon gehe, und werfe mich ihm an den Hals. Er steht bereits, und hält mich fest an sich gedrückt.

„Entschuldige. Ich hab dich so lieb. Es tut mir leid. Ich … ich hätte das nicht sagen sollen", schon wieder kullern meine Tränen.

„Oh Bella. Mir tut es auch so leid. Bitte, lass uns nicht mehr streiten", seine Stimme klingt etwas brüchig, und irritiert sehe ich ihn an. Seine Augen sind etwas gerötet und glänzen. Sein Mundwinkel zuckt merkwürdig, während er mich noch immer festhält, als wolle er sicher gehen, dass ich bei ihm war.

Er hat geweint. Mein großer, starker, tapferer Bruder hat geweint. Wegen mir. Das letzte Mal, als ich das mitbekommen habe, war er noch mein kleiner, sechsjähriger Bruder.

Er hatte mir versehentlich beim etwas zu heftigen Toben meine Rippen geprellt. Die Schmerzen waren schrecklich, doch für ihn war es noch schlimmer, da er sich schreckliche Vorwürfe machte. Damals hatte ich nicht verstanden warum, doch heute wusste ich, dass es noch viel schlimmer hätte ausgehen können. Es hat ewig gedauert und einiges an Überredungskunst von Mum und Dad gebraucht, bis er sich wieder traute mich zu berühren. Seit diesem Unfall achtete Dad besonders darauf, regelmäßig mit ihm zu balgen, wobei schon mal das eine oder andere Möbelstück zu Bruch ging. Doch Mum war nie sauer, sondern nahm einfach Dads Platinkreditkarte und kaufte Ersatz.

„Ähm, sorry ihr Zwei", werde ich von Edward aus meinen Erinnerungen gerissen.

„Ich weiß, ihr braucht das jetzt, aber langsam kommen einige Schüler auf komische Ideen."

Irritiert lasse ich Damon los und wir setzen uns wieder hin. Jasper war zur Seite gerutscht, so dass ich jetzt neben Damon sitzen kann.

„Wie meinst du das, auf komische Gedanken?", frage ich ihn. Direkt nachdem ich es ausgesprochen habe, bemerke ich, dass ich ihn nicht gesiezt habe. Und dann ploppt noch eine Frage in meinem Kopf hoch: Er kennt die Gedanken?

„Bella", schüttelt er leicht lächelnd seinen Kopf. Mein Name aus seinem Mund klingt so wunderschön, so vertraut.

„Edward", ziehe ich ihn auf, ahme seinen Tonfall nach. Amüsiert hebt er eine Augenbraue und sieht mich nun richtig lächelnd an.

„Klingt definitiv besser als Mr. Cullen, daran kann ich mich gewöhnen."

„Dito", flüstere ich, schon wieder leicht errötend.

„Boah, Leute, ihr macht mich fertig", seufzt Jasper neben mir.

„Nicht nur dich", lacht Damon.

Irritiert sehe ich einen nach dem anderen an. „Nicht jetzt.", beantwortet Damon meine unausgesprochene Frage.

„Die Gedanken?", wendet er sich dann an Edward.

„Oh, ja. Also, ihr habt euch gerade recht lange und innig umarmt. Was völlig in Ordnung ist, wenn man bedenkt was ihr zwei in letzter Zeit durch habt. Naja, aber die schwärmenden Mädels sehen das etwas anders. Du bist ihr Onkel, allerdings nur durch ihren Stiefvater, also nicht blutsverwandt. Zudem nur wenige Jahre älter. Dann diese Umarmung und das Geflüster, das regt die Fantasie an."

Geschockt sehe ich erst Edward, dann Damon an.

Diese Mädels denken wirklich, ich hätte was mit ihm?

Hey, sorry, falscher Lehrer, ihr Schnepfen!

„Tja, da muss Leah wohl mit Konkurrenz rechnen!", grinse ich meinen Bruder an.

„Von dir? Sorry, Süße. Du bist wirklich Klasse, für den einen oder anderen sicherlich auch ein absoluter Scharfmacher. Aber ehrlich, für mich kommt keine an Leah ran", zieht er mich auf.

„Scharfmacher? Ich? Ähm, Damon… ist ja nett von dir, aber ich glaube du siehst mich nicht wirklich objektiv", lachend über seine absurden Ideen schüttele ich den Kopf.

„Hey, ich bin ein Mann. Und auch wenn du meine… ähm, Nichte bist, so bin ich doch nicht blind und weiß, dass du in den richtigen Klamotten ein richtig heißer Feger sein kannst."

Langsam werde ich wieder rot. Klar, die Jungs aus der Gang sagen das recht oft, wenn wir zusammen ausgehen. Aber ich nehme es nie für voll, weiß ich doch dass ich mit meinen Quileute Freundinnen nicht mithalten kann.

„Hör auf", schüttele ich, peinlich berührt, den Kopf.

„Naja, also was ich Freitag gesehen habe, gibt ihm durchaus Recht", mischt sich jetzt auch noch Jasper ein. Erstaunt sehe ich ihn an. Aus den Augenwinkeln bemerke ich, dass Edward mich intensiv mustert. Es wirkt, als wolle auch er etwas sagen. Doch er schweigt.

Ich merke, dass ich noch immer ziemlich Müde bin, und strecke meine Arme über meinen Kopf, während ich herzhaft gähne.

„Oh, hab ich ja total vergessen", grinsend schiebt Damon mir einen Becher mit dampfender Flüssigkeit hin.

„Hab ich dir aus dem Bestand im Lehrerzimmer geholt. Das Gesöff hier in der Cafeteria kann man ja kaum ertragen."

Neugierig nehme ich den Becher in die Hand und betrachte das Getränk. Schaum, ganz viel Schaum. Mehr erkenne ich nicht. Also schnuppere ich daran.

WOW!

Schokocappucchino! Mit Streusel!

„Danke Damon, du bist mein Lebensretter!", jubele ich auf, nur um sofort vorsichtig von dem koffeinhaltigen Muntermacher zu kosten.

Himmlisch! Selig seufze ich auf. Genau das hat mir gefehlt.

„Gern geschehen!"

Belustigt sehen mir alle vier zu, wie ich die belebende Flüssigkeit Schluck für Schluck genussvoll austrinke. Doch es ist mir egal, was sie denken! Ich brauche das um wach zu sein.

„Bedeutet das, ich muss nachher nicht so tun, als wenn ich dein Schnarchen nicht bemerke?", zieht Edward mich auf. Ups, stimmt, ich hab ja gleich bei ihm Unterricht.

„Ich schnarche nicht!", antworte ich ehrlich entrüstet.

„Das denkst aber auch nur du!", prustet Damon los. Geschockt sehe ich ihn an. Ich schnarche? Wirklich? Oh Gott, das wäre ja so peinlich!

Nun lachen alle vier über meinen Gesichtsausdruck.

„Nur ein ganz winziges Bisschen. Ist eher ein Seufzen. Ein regelmäßiges, alle anderen wach haltendes, Seufzen.", fällt jetzt auch Alice ein.

„Verräter!", grummle ich, an niemanden speziell gerichtet, und verschränke meine Arme vor der Brust.

„Ach, es hält dich vom SCHLAFEN ab? Sehr interessant.", zwinkert Jasper Alice zu.

Hä? Was bedeutet das jetzt?

„OK, wo du jetzt wieder etwas munterer bist. Du hast noch genau zehn Minuten, um dich für zwei Zusatzkurse zu entscheiden", wendet sich mein Lieblingsbruder wieder an mich.

„WAS? Och nee…", gespielt frustriert lasse ich meinen Kopf in meine Hände fallen. Ich habe noch immer nicht den Hauch einer Ahnung, was die Geschichte mit diesen Kursen soll.

„Könnte mir mal langsam jemand erklären, was das ganze Theater soll?", frage ich in die Runde.

„Tja, eventuell hättest du ja Mr. Greene zuhören sollen… Was hast du eigentlich heute Nacht gemacht? Geschlafen sicherlich nicht", zieht Damon mich noch weiter auf.

„Haha. Sehr hilfreich. Ich hab schlecht geträumt, soll bekanntlich ab und an vorkommen.", genervt sehe ich auf seine Uhr. „Och menno, ich hab nur noch acht Minuten. Also?"

„Ihr werdet zwei Zusatzkurse belegen, davon muss mindestens einer ein Sportkurs sein. Dafür gibt es Noten, die mit einer hohen Punktzahl in eure Abschnittsnote eingehen. Workshops und, je nach Kurs, auch Trainingslager gehören dazu. Oh, und mindestens eine Präsentation, als Wettkampf, Spiel, Aufführung oder weiß der Geier was", erbarmt sich Edward meiner.

„Sport. ICH und Sport", ist alles was ich dazu sage. Na Klasse. Als würde der reguläre Sportunterricht nicht schon Hölle genug für mich sein. Doch dann kommt mir eine Idee.

Ich drehe mich wieder zu Damon um, und klimpere mit meinen Wimpern, sehe ihn aus großen Augen, mit zur Schnute gezogenen Lippen an.

„Und was unterrichtest du?", frage ich ihn zuckersüß.

„Keine Chance, Bella! Selbst wenn du in meinem Kurs landest, werde ich dir keine besseren Noten geben, nur weil du Bella bist."

„Komm schon… du weißt dass ich zwei linke Füße habe! Wie soll ich denn so meinen Abschluss schaffen?"

„Bella, es steht noch nicht mal fest, welche Kurse ich übernehme. Also, bis auf einer, aber der ist nicht wirklich sportlich. Hm, aber eventuell solltest du das Augenklimpern mal bei deinem Gegenüber versuchen. Ich glaube, sein Kurs wäre sogar was für dich" Lacht er mich aus.

Verwirrt sehe ich zu Edward. Dann dämmert mir, was Damon meinte. Mr. Cullen gibt ja auch Kurse, deshalb war er ja am Freitag im Sportunterricht. Also sehe ich ihn mit meinem besten Bettelblick an.

„Bitte?"

„Hey, Damon das ist unfair! Wir sollen nicht sagen, welche Kurse ich gebe. Also… vergiss es Bella", ha, er ist nicht so standhaft wie Damon, ich merke wie er wankt.

„Bitte, bitte, bitte?", bettle ich ihn an, sowohl mit Worten, mit meinen Augen und mit meinen bettelnd zusammengelegten Händen.

Verzweifelt schließt er seine Augen. Gleich hab ich ihn!

„Ähm, Bella, du hast gerade deine linken Füße erwähnt. Ich meine, willst du wirklich bei Edward einen Kurs haben, ohne zu wissen was es ist? Ich meine, Basketball zum Beispiel wäre wohl nicht so der Bringer bei deiner Koordination", erbarmt sich Jasper seines Bruders.

Ich werfe ihm einen bösen Blick zu, gebe ich mich aber geschlagen. Er hat ja Recht. Sich direkt vor einem Vampir die Knie aufzuschürfen, wäre wohl selbst für mich ungewohnt lebensmüde. Zumal es so was von peinlich wäre, wenn er alle meine kleinen Unfälle sehen würde, selbst ohne dass dabei Blut fließt.

„OK. Also… was steht eigentlich zur Auswahl?", frage ich in die Runde.

„Komm", Alice greift nach meiner Hand und zieht mich quer durch die Schule, direkt zu dem Schwarzen Brett neben dem Sekretariat.

Schnell überfliege ich die Kurse. Zuerst die nichtsportlichen.

Mathematik, Spanisch, Oh Gott, bloß nicht!

Literatur, ja, das passt schon eher.

Biologie…Hmm Biologie? Fragen sehe ich zu Edward. Er bemerkt meinen Blick, doch er hebt nur seine Hände in einer „ich verrate Nichts" Geste. OK, also weiter.

Kunst. Nicht wirklich meins.

So geht es noch ein wenig weiter, bis ich auf den letzten Kurs stoße.

Musik.

Grinsend sehe ich zu Damon. Kaum einer, außerhalb meiner Familie und der Gang, kennt meine musikalischen Talente, und nur Damon, Mum und Dad wissen, wie gut ich wirklich bin. Tja, dann wird es wohl Zeit, es allen anderen zu zeigen, oder?

Wissend reicht Damon mir einen Stift, mit dem ich ohne zu zögern meinen Namen auf die Liste setzte.

„Ich wusste es", ist alles was er sagt.

„Musik? Das ist nicht dein Ernst?", fragen Edward und Alice überrascht.

„Warum nicht?", sehe ich sie fragend und ein wenig in mich hinein schmunzelnd an. Ha, ihr werdet sehen! OK, Edward wohl nicht. Der wird in seinem Biokurs versauern. Aber Alice und Jasper haben sich gleich nach mir in den Kurs eingetragen. Scheinbar haben sie nur auf meine Entscheidung gewartet.

In dem Moment klingelt es das erste Mal zum Ende der Pause. In fünf Minuten muss ich im Unterricht am anderen Ende der Schule sein. Und just in diesem Moment tritt Ms. Cope aus ihrem Büro.

„Ach, Hallo. Ich wollte gerade die Listen rein holen und auswerten. Mr. Dwyer, Mr. Cullen, sie scheinen ja recht neugierig zu sein?"

„Hallo Ms. Cope. Nun, eigentlich wollten wir nur diese drei Nachzügler hier dazu bringen, sich endlich einzutragen." Wendet sich Damon überfreundlich an die Sekretärin, welche ein wenig errötet. Was, steht die alte Schachtel etwa auf meinen Bruder? Igitt.

„Nun, dann aber schnell! Miss Swan, ich hätte gedacht dass sie, als so vorbildliche und fleißige Schülerin, eine der Ersten sind, die sich einträgt."

„Ähm, ich habe s wohl irgendwie… vergessen."

„Kann ja mal passieren. Gut, dass ihr Onkel aufgepasst hat. Sie müssen sicherlich froh sein, ihn hier als Lehrer zu haben."

„Äh, hm, ja, schon, oder, Onkel Damon?"

„Ich hoffe doch. Und nun mach, sonst kommst du zu spät zum Unterricht, und ich bin mir sicher Mr. Cullen wird selbst einer so strebsamen Schülerin wie dir das nicht durchgehen lassen."

„Kannst mich ja hintragen, dann bin ich schneller", flüstere ich so leise, dass Ms. Cope es nicht hört.

„Will ich aber nicht.", flüstert er augenrollend zurück.

OK, also überfliege ich die Sportliste.

Schlimmer geht es kaum. Es ist, als währen alle meine sportlichen Albträume hier schwarz auf weiß festgehalten. Sämtliche Ballsportarten, die ich mir denken kann. Bei Baseball bleibt mein Blick hängen.

„Schade dass Dad nicht hier ist. Bei ihm wüsste ich, was er unterrichtet."

„Das schon, aber du glaubst doch selbst nicht, dass er dich auch nur in die Nähe von einem Baseballschläger lassen würde", lacht Damon mich aus. Wahrscheinlich denkt er gerade ebenfalls an meine missglückten Versuche auf dem Spielfeld.

„Haha. Immerhin hab ich es versucht!"

„Ja, und den Ball jedes Mal verfehlt und dir den Schläger selbst an den Kopf gehauen!"

„Und was soll ich jetzt machen?", wende ich mich, langsam panisch werdend, an ihn. Ich habe bereits mehr als die Hälfte durch, und bisher klingt alles nach potentiellem Selbstmord. Die alte Regel Sport ist Mord trifft bei mir genau ins Schwarze.

„Hey, beib ruhig. Es ist etwas für dich dabei. Aber du musst es schon selbst finden. Ich darf es dir nun mal nicht sagen. Denke nach, was du kannst."

„Ich wage zu bezweifeln, dass Motorradfahren dabei ist."

„Nicht schlecht, aber daran hab ich nicht gedacht. Lies einfach weiter. Und MACH HINNE!"

Also lese ich weiter, mit jedem Blatt verzweifelter. Doch dann, kurz vor Ende, bemerke ich eine Liste, in die sich schon so viele eingetragen haben, dass die vorgesehene A4 Seite nicht ausreicht. Stattdessen hängen bereits drei fast vollkommen ausgefüllte Seiten da. Es sind noch genau drei Zeilen frei.

Neugierig lese ich mir die Beschreibung durch.

Tanzen

Es werden die verschiedensten Tanzstile unterrichtet. Nach Vorlieben der Schüler, aber auch Vorgaben des Lehrers, werden bestimmte Richtungen später besonders hervorgehoben. Kenntnisse sollten vorhanden sein.

Vor Beginn des Kurses werden die Schüler ihrem Können entsprechend eingestuft, dabei wird auch entschieden, wer nicht für den Kurs in Frage kommt und einen anderen Kurs besuchen muss.

Wow, so viel Text stand bei den anderen Kursen nicht. Doch gemessen an der Zahl der Interessenten, wird es wohl einiges zum Aussortieren geben.

Fröhlich setze ich meinen Namen auf die Liste.

„Fertig", wende ich mich zu meinen Freunden.

„Tanzen? Wirklich Bella? Bist du dir sicher?", ist es diesmal Jasper, der mich fragend ansieht.

„Nun, da kann ich wenigstens keinen Ball auf die Nase bekommen oder mich mit irgendwelchen Schlägern selbst verprügeln. Höchstens meinem Tanzpartner den Absatz in den Fuß rammen", zucke ich nun mit den Schultern

„Klingt einleuchtend", stimmt Alice zu und setzt ihren und Jaspers Namen unter meinen. Dann nimmt sie die Liste ab und drückt sie der wartenden Ms. Cope in die Hand.

„Das war's", grinst sie.

Kurz sehe ich auf Damons Uhr. Shit! Nur noch zwei Minuten, und Edwards Biologieraum ist ewig weit weg.

„Scheiße!", fluche ich und renne los, schlittere dabei um die Ecke.

Einige Ecken später ergreift jemand meine Hand und hält mich so auf.

„Bella, der Unterricht beginnt nicht ohne den Lehrer", es ist Edwards Hand, die meine hält.

„Aber… aber…", hole ich keuchend Luft.

„Nichts aber", grinst er mich an. Er atmet dabei so locker, als wäre er mir nicht gerade durch die halbe Schule hinterher gerast. Gut, war für ihn sicherlich auch eher ein Spaziergang.

Er hält mich noch immer fest, und in diesem Moment erklingt die Schulklingel. Doch Edward hält mich weiterhin fest, macht keine Anstalten sich zu bewegen. Dann lässt er meine Hand los, allerdings nur um mich vorsichtig an beiden Armen zu greifen und mich ein Stück zu sich zu ziehen. Einen seiner Arme legt er um meine Taille, mit der anderen Hand hebt er vorsichtig meinen Kopf, so dass er mich direkt ansehen kann.

Eine kleine Ewigkeit sieht er mich an, und ich ertrinke in seinem warmen Blick. Wie von selbst lege ich meine Hände auf seine Schultern, stelle mich noch ein wenig näher an seinen perfekten Körper. Sein Griff um meine Taille wird ebenfalls ein wenig fester, so dass jetzt kaum noch eine Lücke zwischen uns ist.

„Bella", seufzt er plötzlich, seine Augen nehmen einen traurigen Glanz an.

„Es tut mir so Leid, wie ich mich Samstag verhalten habe. Ich war ein Idiot. Und ich habe dich verletzt. Kannst du mir verzeihen? Bitte?"

Die Ehrlichkeit und Verzweiflung in seiner Stimme trifft mich hart. Ich weiß, dass es ihm Leid tut, doch ich verstehe sein Verhalten immer noch nicht.

„Warum?", meine Stimme ist rau, nur flüsternd stelle ich diese wichtige Frage.

Kurz schließt er die Augen, deutlich sehe ich wie sich sein Adamsapfel beim Schlucken bewegt.

„Ich wollte dich von mir fern halten. Ich bin nicht gut für dich, Bella."

„Nein, sag das nicht."

„Bella, ich bin kein Märchenprinz in schimmernder Rüstung."

„Aber du könntet es sein. Für mich. Du kannst für mich da sein. Du bist schnell und stark. Du könntest alle Gefahren von mir fernhalten. Du tust es doch schon! Wie oft wäre ich über meine eigenen Füße gefallen, wenn nicht du oder einer deiner Geschwister reagiert hättet? Am Freitag habt ihr mich vor der Wut von Tyler und den anderen geschützt. Du bist bereits mein Held, Edward", flüstere ich selbst für mich kaum hörbar. Ich habe Angst, dass er mich zurück weist. Oder dass er Fragen stellt. Und doch muss ich es ihm sagen.

„Was, wenn ich kein Prinz oder Superheld bin? Was, wenn ich der Böse bin?", fragt er mich ernst.

Ich sehe ihm tief in seine wunderschönen ockerfarbenen Augen. Er ist ein Vampir, wird mir in diesem Moment wieder bewusst. Und doch, obwohl dieses Wort, dies schreckliche Wahrheit, mir gerade jetzt, während ich in sein übernatürlich schönes Gesicht blicke, bewusst wird, habe ich keine Angst. Ich sehe direkt vor mir, was er wirklich ist. Bemerke, wie seine Attraktivität mich in ihren Bann zieht, sehe seine strahlend weißen und absolut tödlichen Zähne zwischen seinen leicht geöffneten Lippen, rieche seinen verführerischen, benebelnden Duft. Und doch fürchte ich mich nicht. Im Gegenteil, ich habe mich selten so geborgen gefühlt wie im Moment, hier in seiner Nähe.

„Mag sein, dass du gefährlich bist, aber du bist nicht böse", antworte ich ihm. Er sieht mich noch einen Moment an, dann schließt er seine Augen und senkt seine Lippen auf mein Haar.

„Bella. Du bist wirklich zu gut für diese Welt", haucht er, dann merke ich wie seine Brust sich hebt, als er tief einatmet. Kurz spanne ich mich an, doch nichts geschieht. Dann legt sich auch seine anderer Arm um meine Taille, und er zieht mich jetzt richtig dicht an sich. Ich lasse meinen Kopf an seine Brust sinken, meine Arme sind mittlerweile um seinen Nacken geschlungen. Sein Kopf ruht auf meinem. Für einen endlosen und doch viel zu kurzen Moment genießen wir beide diese erste richtige Umarmung, und ich wünsche mir innerlich, es wäre nur die erste von vielen.

Dann drückt er mich vorsichtig von sich weg. Noch immer sieht er mich zärtlich an, und ich merke, dass es ihm genauso schwer fällt wie mir, etwas Abstand zwischen uns zu bringen. Seine Augen haben sich verändert, inzwischen haben sie einen eigenartigen Braunton. Heute Morgen waren sie noch golden, doch ich kann fast zusehen, wie sie dunkler werden. Ich bin mir sicher, dass ich es bin, die diese rasche Änderung verursacht, und doch scheint es irgendwie in Ordnung für ihn zu sein.

Eine seiner Haarstränen ist ihm ins Gesicht gefallen, und ich möchte sie ihm aus den Augen streichen. Also hebe ich meine Hand, möchte ihn zu gern berühren Doch dann sehe ich selbst die blau hervorschimmernde Pulsader an meiner Hand, und schlagartig erinnere ich mich an das letzte Mal, als er mein Handgelenk vor der Nase hatte. Ich sollte mein Glück wohl nicht herausfordern, also lasse ich die Hand sinken. Irritiert sieht er mich an, dann senkt sich sein Blick auf meine Hand und bleibt an genau dieser blauen Stelle hängen. Ich bemerke, wie er erneut hart schluckt, und ich habe das Gefühl, als würde er mit sich selbst kämpfen. Dann schüttelt er kurz seinen Kopf, und seine Augen blitzen mich glücklich an, ein Lächeln zuckt um seine Mundwinkel.

„Sie kommen zu spät zum Unterricht, Miss Swan", sagt er in seiner autoritärsten Lehrerstimme.

Was soll das denn jetzt?

„Von ihren Stimmungsschwankungen bekommt man ein Schleudertrauma, Mr. Cullen", antworte ich ihm augenrollend.

Er lacht nur auf, schüttelt erneut seinen Kopf und fährt sich mit der Hand durch die bronzefarbene Unordnung auf seinem Kopf. Dann dreht er mich an den Schultern in Richtung Bioraum und gibt mir einen kleinen Klaps auf meinen Po.

„Los jetzt", kommandiert er. Und da ich, zumindest ab und zu, ein braves Mädchen bin, gehorche ich und gehe los.

Zumindest versuche ich es. Doch jedes Mal, wenn ich meine Beine einknicke, tut es höllisch weh. Doch ich will es nicht zugeben, nicht jetzt, vor ihm. Also beiße ich meine Zähne zusammen und versuche so normal wie irgend möglich weiterzulaufen.

„Was ist los?", fragt er mich auf einmal. Erschrocken sehe ich zu ihm auf. War er die ganze Zeit schon an meiner Seite? Sein Blick klebt auf meinem angespannten Kiefer. Mist, durchschaut.

„Nicht.", ist alles, was ich sage.

„Bella", antwortet er mir, sein Ton zeigt deutlich, dass er mir nicht glaubt.

„Was?", kann er mich nicht in Ruhe leiden lassen?

„Damon hatte Recht, du bist eine miserable Lügnerin. Zudem läufst du gerade wie auf rohen Eiern. Also, willst du mir jetzt sagen, was los ist und mich um Hilfe bitten, oder willst du deine ich–bin-ja-so-tapfer Masche durchziehen?"

Augenrollend drehe ich mich zu ihm um.

„OK, du hast gewonnen. Ich hätte vorhin nicht rennen sollen, meine Knie tun wieder schrecklich weh beim Laufen. Allerdings wüsste ich nicht, wie Sie mir helfen könnten, Mr. Cullen.", wähle ich bewusst die formelle Anrede.

Im nächsten Moment befinde ich mich auf seinen Armen, dicht an seine Brust gedrückt.

„Mr. Cullen ist gerade nicht da. Aber Edward kann dich tragen, bis wir am Klassenzimmer ankommen", flüstert er seine Antwort.

„Danke", hauche ich zurück. Ich lasse meinen Kopf an seine Schulter fallen, und genieße einfach seine Nähe. Dabei bemerke ich, dass er meinen Rucksack über der Schulter trägt, zusammen mit seiner Tasche. Irritiert sehe ich ihn an.

„Wie kommst du zu meinem Rucksack?"

„Du hast ihn am Sekretariat liegen gelassen."

„Ups", mehr fällt mir gerade nicht ein. Er lacht kurz, dann drückt er meinen Kopf mit einer Hand sanft wieder an seine Schulter.

Was bedeutet, dass er mich gerade auf nur einem Arm trägt.

„Müsste ich mich nicht eigentlich wundern, dass du so stark bist?", murmele ich mit geschlossenen Augen.

„Müsste ich mir nicht eigentlich Sorgen machen, dass du es nicht tust?", kontert er.

Als Antwort kuschele ich mich dichter an seine kalte Brust.

„Damon hat dir von uns erzählt, oder?"

„Nicht alles, aber genug um zu wissen, dass unsere kleinen Geheimnisse dir nicht vollkommen fremd sind."

„Von sich selbst hat er nichts erzählt?"

„Nur dass er anders ist als du. Aber nicht, warum oder wie weit diese Unterschiede gehen."

„Oller Geheimniskrämer."

„Das hab ich ihm auch gesagt", lacht er.

Ich bemerke, wie er stehen bleibt. Dann setzt er mich langsam ab.

„Was?"

„Wir sind gleich da. Und in einigen Sekunden nicht mehr allein. Geh einfach weiter", dabei reicht er mir meinen Rucksack.

Nach einigen Schritten bemerke ich, dass er nicht mitkommt. Fragend sehe ich mich nach ihm um, doch er ist nicht mehr da. Just in dem Moment sehe Mr. Varner auf mich zukommen.

„Miss Swan, sollten sie nicht im Unterricht sein?"

„Ähm, ja, ich…war nur…", Oh, wie sehr ich diesen Lehrer verabscheute!

„Ich hatte Miss Swan gebeten mir bei den Vorbereitungen zu helfen. Sie entschuldigen uns, Mr. Varner? Ich habe noch eine Klasse zu unterrichten."

„Sicher, Mr. Cullen."

Überrascht sehe ich Edward an. Er trägt ein Modell einer Zelle in der einen Hand, auf der anderen balanciert er einige zusätzliche Teile, welche man an dem Modell befestigen kann.

Er grinst mich nur an.

„Ab Marsch, sonst gibt es wirklich noch einen Eintrag", zwinkert er.

„Ach, wem habe ich denn die Verspätung zu verdanken? Ich wollte ja meine Leistungen im Sprint verbessern, wurde aber leider aufgehalten."

„Touché. Aber jetzt sind schon zehn Minuten um. Also sollten wir unser Gespräch später fortsetzen."

Inzwischen sind wir fast an der Klassenzimmertür angekommen. Irritiert merke ich, dass er stehen bleibt. Fragens sehe ich ihn an.

„Ich komme nach. Es sieht so schon merkwürdig aus, dass du so sehr verspätet kommst. Wenn du dann noch mit mir zusammen auftauchst…" Er braucht den Satz nicht zu beenden, denn ich sehe Laurens Tratschmine schon regelrecht vor mir. Also gehe ich allein weiter.

„Bella", ruft er auf einmal hinter mir.

Fragend drehe ich mich zu ihm um.

„Freunde?", ist alles, was er sagt. Doch es klingt so unsicher, zweifelnd und gleichzeitig hoffnungsvoll, dass ich schlucken muss.

„Freunde", versichere ich ihm.

Ja, ich denke, es ist zumindest ein guter Anfang.

Tja, ihr Lieben. Ein guter Anfang, denkt ihr das nicht auch?

Und wer jetzt ganz gespannt darauf ist, wie dieser Vormittag für Edward war, sollte mich auf seine Autoren Allerts setzen.

Irgendwann in nächster Zeit kommt das erste Outtake zu dieser Geschichte. Es wird ein sehr ausführliches EPOV, welches und auch das Aufeinandertreffen von Damon und Edward sowie ihr Gespräch, welches Edward hier zum Schluss erwähnte, schildert.