WARNUNG: SPOILERS für Harry Potter Band 1 bis 7 ;D

›› „Das ist der Silberstreif, auf den ich gehofft habe", flüsterte sie, und dann küsste sie ihn, wie sie ihn nie zuvor geküsst hatte, und Harry erwiderte den Kuss, und es war glückseliges Versinken, besser als Feuerwhiskey; sie war das einzig wirkliche auf der Welt, Ginny, wie er sie jetzt spürte, die eine Hand auf ihrem Rücken und die andere in ihrem langen, süß duftenden Haar –

Hinter ihnen knallte die Tür und sie schreckten auseinander.

Oh", sagte Ron spitz. „Verzeihung."

Ron!" Hermine stand direkt hinter ihm, leicht außer Atem. Ein unnatürliches Schweigen trat ein, bis Ginny mit dünner, leiser Stimme sagte: „Dann mal alles Gute, Harry."

Ron hatte puterrote Ohren; Hermine wirkte nervös. Harry hätte ihnen am liebsten die Tür vor der Nase zugeknallt, aber es war, als ob ein kalter Luftzug ins Zimmer gefegt wäre, als die Tür aufging, und als ob sein strahlender Augenblick geplatzt wäre wie eine Seifenblase. Alle Gründe, warum er seine Beziehung mit Ginny beendet hatte, warum er einigen Abstand von ihr hielt, schienen sich mit Ron in ihr Zimmer geschlichen zu haben, und das ganze glückliche Vergessen hatte ein Ende.

Er sah Ginny an, wollte etwas sagen, obwohl er nicht recht wusste, was, doch sie hatte ihm den Rücken zugewandt. Vielleicht hatte sie dieses eine Mal doch den Tränen nachgegeben.‹‹

(Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, S. 122-123)

A/N: Hier setzt die Geschichte an. Ich weiß, ein langes Zitat, aber das musste irgendwie rein... Ich habe versucht, das ganze plausibel aussehen zu lassen, und sollte sich mehr daraus entwickeln, wird es weitestgehend der Handlung des 7. Buches treu sein.

Diese Fanfiction ist ein Wunsch, den ich schon lange jemandem versprochen hab, und soll deshalb auch dir, Sarah, gewidmet sein. Auf das sie dir Gefällt :D

DISCLAIMER: Weder der Textauszug oben noch die wahrscheinlich besten fiktionalen Charaktere, die je geschaffen wurden, gehören mir. Sie sind geistiges Eigentum der wundervollen J. K. Rowling und sollen es bleiben, ich leihe mir sie nur kurz für diese Story und gebe sie danach wieder her ^^

R&R bitte.

Femslash. Letzte Warnung, wem das nicht passt, der sollte jetzt gehen.

Pairing: HG/GW

Wir hätten Jahre haben sollen

Kapitel 1 - Achterbahn

„Es tut mir so leid, Ginny."

Hermine schloss die Tür hinter sich und stellte sich hinter Ginny, welche schwer atmend mit einer Hand an die Wand ihres Zimmers gelehnt dastand und aus dem Fenster sah während sie krampfhaft versuchte, ihre Beherrschung wiederzufinden.

„Ich hab versucht, Ron davon abzuhalten, wir wollten wirklich nicht einfach so reinplatzen, wir -"

„Ist schon gut, Hermine", erwiderte Ginny und wischte sich flüchtig über die Augen, „Ich weiß."

Hermine legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.

„Eins ist mir jetzt allerdings klar", fuhr die Rothaarige fort, „Es ist vorbei. Es hat sich gar nicht mehr wie früher angefühlt..."

„Aber Ginny, vielleicht-", setzte Hermine an, aber Ginny unterbrach sie erneut. „Ich rede mir das nicht ein, Hermine. Es ist aus. Ich weiß es. Ganz sicher..." Sie machte einen Schritt nach vorn und entzog sich so Hermines Reichweite. Ein paar Sekunden blieben sie so stehen, dann sagte Ginny leise: „Bitte geh. Ich... ich muss einen Moment allein sein."

Hermine schloss kurz die Augen.

„Okay", sagte sie und wandte sich zur Tür, „Wenn du reden willst oder irgendetwas brauchst... Ich bin immer für dich da." Mit diesen Worten folgte sie Ron und Harry nach unten.

Ginny hörte das Klicken der Tür, dann erst ließ sie es zu, dass sie langsam auf den Boden sank. Es stimmte, sie liebte Harry nicht mehr. Schon länger war ihr das klar, und sie wollte es ihm sagen, sie hatte gerade all ihren Gryffindor-Mut zusammengenommen um es ihm zu sagen als ihr genialer Bruder und der Grund für Ginnys Gefühlswirren in das Zimmer gestürmt kamen um sie zu stören. Dies sollte der letzte Kuss für Harry gewesen sein, das einzige, was sie ihm zu seinem 17. Geburtstag schenken konnte, das einzige, was er würde mitnehmen können als letzte Erinnerung. Das hatte sie ihm eigentlich sagen wollen, und dann, dass sie seine Entscheidung verstand, sich von ihr zu trennen und ihm erklären, was mit ihr los war. Sie war sicher, er würde es verstehen. Wenn nicht er, wer dann? Und natürlich war er ihr immer noch wichtig, als einer ihrer besten Freunde und Hogwarts würde nicht dasselbe sein ohne Dumbledore, ohne Harry, ohne ihre Brüder... ohne Hermine.

Ginny atmete tief ein und sank noch tiefer in sich zusammen. Es war ihr schon länger klar, aber ebenso wie sie es nicht wahrhaben wollte, dass ihre Mutter wohl nie Harry Potter zum Schwiegersohn haben würde, wollte sie nicht wahrhaben, dass Hermine für sie mehr als nur ihre beste Freundin war. Oder dass Ginny sich wünschte, sie wäre es.

„Hermine...", flüsterte sie und vergrub ihr Gesicht in ihren Armen. Und während sie darüber grübelte, wie sie ihrer besten Freundin gestehen sollte, dass sie der wahre Grund für Ginnys Gefühlsachterbahn war, konnte sie ihre Tränen nicht länger zurückhalten.

...

Den restlichen Nachmittag sahen sich die beiden Mädchen nicht mehr, zum einen, da Scrimgeour Harry, Ron und Hermine die Erbstücke, die Dumbledore ihnen hinterlassen hatte, übergab, und zum anderen, da Ginny ihr Zimmer erst zum Abendessen wieder verließ. Sie schien sich gefasst zu haben, zumindest nach außen hin. Sie benahm sich so gut es ging wie sonst auch, doch für Hermine war es offensichtlich, dass ihre beste Freundin noch immer bedrückt war. Sie sah ganz genau, dass Ginny nicht wirklich zuhörte als Bill ihr über seine Zukunftspläne mit Fleur erzählte, dass sie nur halbherzig über Fred und Georges Witze und über Tonks' Gesichtskirmes lachte und – und das fand Hermine leicht verwunderlich – sowohl Harrys als auch ihrem Blick konsequent auswich. Sie nahm sich vor, sie später nochmals darauf anzusprechen, wenn sie allein in Ginnys Zimmer waren.

...

Der restliche Abend von Harrys Geburtstag verlief relativ ruhig, wenn man berücksichtigte, dass am nächsten Tag Bill und Fleurs Hochzeit anstand. Als es langsam dunkel wurde, saßen sie noch alle gemeinsam im Wohnzimmer, Lupin und Tonks waren noch da, und unterhielten sich ausgelassen. Ginny zog sich allerdings früh unter dem Vorwand zurück, sie müsse noch ein Buch zu Ende lesen, nachdem Hermine angefangen hatte, sich mit Ron und Tonks über Quidditch zu unterhalten. Ihr Plan, damit Ginnys Interesse zu wecken und sie aus ihrer Reserve zu locken, war also schief gelaufen.

Sie wollte ihr aber jetzt auch nicht sofort folgen, sie hatte das Gefühl, Ginny brauche nochmals etwas Zeit für sich allein. Jedoch konnte sie sich seit dem Verschwinden der Rothaarigen nicht mehr wirklich auf ihre Unterhaltung mit Ron konzentrieren, da sich ihre Begeisterung für Quidditch sowieso in Grenzen hielt, weshalb sie nicht so lange wartete, wie gewollt, bis sie Ginny auf ihr Zimmer folgte.

Dort angekommen fand sie Ginny auf ihrem Bett sitzend mit einem Buch auf ihrem Schoß. Sie war also darauf gefasst gewesen, dass ihr jemand folgen würde und wollte ihre Ausrede glaubwürdig scheinen lassen. Hermine konnte zwar den Titel des Buches nicht erkennen, aber sie stellte fest, dass Ginny sowieso nicht wirklich darin las. Ihre Augen stierten stur auf einen Punkt knapp oberhalb des Buchrandes, und sie bemerkte Hermine erst, als diese die Tür etwas lauter als sonst ins Schloss fallen ließ. Die Brünette lächelte ihr zu, und Ginny erwiderte den Gruß mit einem müden Grinsen, das ihre Augen nicht erreichte. Während sie sich schnell umzog überlegte Hermine, wie sie das Gespräch mit Ginny anfangen könnte und entschied sich schließlich aufgrund mangelnder Alternativen für den eher uneleganten, direkten Weg.

„Ginny", sagte sie und setze sich auf den Bettrand, „bitte... sprich mit mir. Ich weiß, du hast irgendwas. Ich möchte dir helfen." Sie hatte die Rothaarige nicht berührt, da diese leicht vor Hermines Hand zurückgewichen war als sie es versucht hatte. Hermine wartete einige Zeit auf eine Antwort, doch es kam keine Regung von ihrer besten Freundin. Sie stierte weiterhin ins Nichts. Hermine seufzte.

„Okay... also... ich möchte dich nicht drängen." Ginny wandte ihr Gesicht ab. Hermine erhob sich und wollte gerade gehen als Ginny schließlich doch sprach.

„Ich kann es nicht sagen, Hermine. Du bist meine beste Freundin, und trotzdem... kann ich es dir nicht sagen." Oder gerade deshalb, fügte sie in Gedanken hinzu. Jetzt wandte sie sich Hermine zu, ihre blaue Augen trafen auf sorgenvolle Braune.

„Aber bitte... bleib hier." Sie streckte eine Hand nach ihr aus. „Bitte..." Ginny war sich einigermaßen sicher, dass diese Bitte nicht gut für sie war, und doch schrie ihr Herz lauter als ihr Verstand. Sie wünschte sich nichts mehr, als das Hermine hier blieb, nicht nur jetzt, sondern immer, dass sie nicht mit Harry und Ron gehen würde, dass keiner von ihnen gehen müsste. Und doch wusste sie, wenn sie Hermine nicht hier und jetzt offenbaren wollte, was mit ihr los war, sollte sie sie nicht bitten, zu bleiben.

Als Hermine ihre ausgestreckte Hand nahm und sich wieder setzte, war sie deshalb ebenso unglaublich glücklich wie auch schrecklich traurig.

Hermine schien das zu spüren, wie sie immer spürte, was Ginny brauchte, ein weiterer Grund, warum Ginny sich so zu ihr hingezogen fühlte. Und die Ältere wusste genau, was Ginny in dieser Situation brauchte. Also zog sie die Jüngere zu sich und nahm sie fest in den Arm, strich ihr mit einer Hand sanft durch das flammend rote Haar und mit der anderen über den Rücken. Ginny ließ es geschehen, sie krallte sich fest in die weite Bluse, die Hermine immer zum Schlafen trug. Diese Nähe war Himmel und Hölle zugleich für sie. Es fühlte sich so gut an, und doch wusste sie, dass das alles war, was sie je haben würde. Und wieder musste Ginny sich eingestehen, was sie so lange von sich hergeschoben hatte, dass Hermine für sie schon lange mehr bedeutete, als gut für sie war.

Keine der beiden wusste, wie viel Zeit verstrichen war, als Ginny die Stille unterbrach.

„Danke." Hermine lächelte.

„Für dich, immer", antwortete sie. Dann blickte Ginny auf und sie sahen sich tief in die Augen.

Hermine fühlte, wie sie sich darin verlor. In diesem unergründlichen Blick, der tief in sie hinein zu schauen schien...

„A-also, wir... wir sollten besser schlafen gehen, morgen wird ein langer Tag...", sagte sie mit einem unsicheren Grinsen. Noch nie vorher war ihr aufgefallen, wie durchdringend Ginnys Blick war, und – was noch viel überraschender für sie war – wie angenehm es sich angefühlt hatte, sie in den Armen zu halten. Ja, sie war zwar schon lange die beste Freundin, die Hermine sich nur wünschen könnte, aber nie zuvor waren ihr heiße Schauer über den Rücken gelaufen, als sie sich ansahen... oder doch? Sie konnte es selbst nicht mehr so genau sagen.

„Ja, du hast Recht", riss Ginny sie aus ihren Gedanken. Hermine spürte, wie ihr die Farbe ins Gesicht schoss. Waren ihr gerade wirklich solche Gedanken über ihre beste Freundin durch den Kopf gegangen? Erst jetzt schien ihr aufzufallen, wie rot Ginnys Haar wirklich war, und wie schön es ihr über die Schultern fiel, glänzend durch das spärliche Licht der Nachttischlampe, wie süß die Sommersprossen auf ihrer Nase und direkt unter ihren Augen waren, wie dunkel die Wimpern und wie weich ihre Haut -

Ginny, die scheinbar nichts bemerkt hatte, zog nun ihre Decke über sich und legte sich hin.

„Gute Nacht."

„Gute Nacht, Ginny."

Doch in dieser Nacht fand Hermine keinen Schlaf. Zu sehr hielten ihre Gedanken an den Gefühlen fest, denen sie sich soeben klar geworden war, und die sie nicht wirklich einordnen konnte. Lag es daran, dass sie bald mit Harry und Ron losziehen würde und ihrer Angst, vielleicht nicht mehr zurückzukehren? Hatte ihr diese Befürchtung die Augen geöffnet? Oder hatte sie es nur vor sich hergeschoben...

Sie erinnerte sich an einen Moment in ihrem vierten Schuljahr, zur Zeit der Quidditch-Weltmeisterschaft, als sie sich mit Ginny ein Zelt geteilt hatte. Das war der Moment gewesen, wo sich ein starkes Band der Freundschaft zwischen ihnen entwickelt hatte. Natürlich waren sie schon immer gut miteinander ausgekommen, doch da hatte es wirklich angefangen. Über das ganze vierte Schuljahr hinweg war es Ginny gewesen, mit der Hermine über ihre Beziehung zu Krum reden konnte, sie war es gewesen, die ihre Sorgen geteilt hatte, was Harry alles passieren konnte, sie hatte Hermine geholfen, ihre Haare für den Winterball zu bändigen... Dann, im fünften Schuljahr, als sie die DA ins Leben gerufen hatte, hatte sie zusammen mit Hermine den Patronus-Zauber geübt, der einzige Zauber, mit dem sie je Probleme gehabt hatte...

Warum kam ihr erst jetzt der Gedanke, dass es vielleicht an ihr lag, dass Hermines Patronus die Gestalt eines Wiesels annahm, dass sie nicht umsonst immer an Ginnys – Ginnys, nicht Rons – lachendes Gesicht dachte, wenn sie ihn heraufbeschwor?

Ginnys Lachen, dass sie während des 5. Schuljahres so selten gehört hatte, weil Harry mit Cho Chang ging... woraufhin sie selbst Ginny den Rat gab, etwas mehr sie selbst zu sein, damit Harry auf sie aufmerksam würde...

Auf einmal fühlte Hermine Eifersucht. Dummes Ding, schalt sie sich selbst, du kannst doch nicht auf Harry eifersüchtig sein... und doch hatte sie auf einmal den seltsamen Wunsch, sie wäre es gewesen, die Ginny so geküsst hatte...

Hatte Ginny vielleicht gemerkt, was Hermine erst jetzt klar geworden war, hatte sie vielleicht die gleichen Gefühle, hatte sie deshalb Harry nicht dazu gebracht, wieder mit ihr zusammen zu sein?

Oder redete sie sich das alles nur ein, war Ginny für sie wirklich nur das, für das sie alle hielten – ihre beste Freundin?

Sie wusste es nicht, und als der Schlaf sie letztendlich doch übermannte, waren ihre Träume immer noch heimgesucht von dem Mädchen, das im Bett neben ihr schlief.