Anne und Gilbert (Juli 1888, Hester Grays Garten, Avonlea)

„Es ist unser Glückstag", sagte Anne zärtlich. „Ich habe Hester Grays Garten gleich ins Herz geschlossen, aber jetzt ist er mir noch lieber als früher."
„Aber wir brauchen noch viel Geduld, Anne", sagte Gilbert traurig. „Erst in drei Jahren bin ich mit dem Medizinstudium fertig. Und auch dann kann ich dir keine Diamanten uns Marmorsäle bieten."
Anne lachte.
„Ich will auch gar keine Diamanten und Marmorsäle. Ich will nur dich. Du siehst, ich bin in dem Punkt genauso wie Phil. Diamanten und Marmorsäle sind ja schön und gut, aber ohne sie bleibt mehr ‚Raum für Phantasie'. Und was das Warten angeht, das macht nichts. Wir werden Glücklich sein – wir üben uns in Geduld und arbeiten – und träumen. Und das werden jetzt wieder schöne Träume sein."
Gilbert zog sie fest an sich und küsste sie. Dann gingen sie in der Dunkelheit nach Hause, durch verzauberte Wiesen, über die der Wind der Hoffnung und Erinnerung wehte.

* Auszug aus ‚Anne in Kingsport', Kapitel 41 (‚Und die Liebe siegt doch') von Lucy Maud Montgomery, übersetzt von Maria Rosken und Dagmar Weischer.