London bei Nacht. Die meisten Menschen schliefen und kaum einer ahnte, dass auf den Straßen ein Kampf zwischen Leben und Tod ausgefochten wurde. Natürlich haben sich die katastrophalen Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit gehäuft, aber kaum ein Mensch verstand oder ahnte den Zusammenhang. Voldemort rüstete sich zur finalen Schlacht und ließ sich immer schrecklichere Instrumente einfallen, um die Menschheit zu unterjochen.

Seine jüngste Erfindung waren versteckte Portschlüssel in der Welt der Muggel, die nach Aktivierung ihr Opfer irgendwohin teleportieren. Dabei wurde jedes Naturgesetz – sei es magisch oder physikalisch – aus den Angeln gehoben. Voldemort hatte ein Mittel gefunden Menschen oder Zauberer regelrecht verschwinden zu lassen und das machte diese Portschlüssel so gefährlich.

In einer Nacht, im Frühjahr 1997, waren diese Portschlüssel auch das Thema im Grimmauldplatz Nr. 12.
Molly und Arthur Weasley, Moody und Dumbledore saßen in der Küche beisammen und diskutierten so laut, dass es auch Ron, Harry und Hermione mitbekamen. Zuerst war Harry aufgewacht und hatte Ron geweckt. Gemeinsam haben sie dann ihren „Horchposten" am Treppengeländer bezogen. Kurz darauf war auch Hermine auf den Beinen und ahnte, wo sie die beiden finden würde.

„Ihr sollt doch nicht lauschen!", zischte Hermione ihren Freunden zu, als sie diese am Treppengeländer kauern sah.
„Psst, Hermione! Es ist wichtig!", raunte ihr Harry mit einem ernsten Gesichtsausdruck zu.
Nun hockte sich auch Hermine dazu und lauschte mit. Nicht jedes Wort drang von unten hoch und so mussten die drei den Inhalt des Gespräches rekonstruieren. Es ging um irgendeine Waffe oder ähnliches von Voldemort.

Moody ereiferte sich dafür, dass das goldene Trio dieses Was-auch-immer kennenlernen musste. Schließlich befanden sie sich im Krieg und auch die Kinder müssten gewappnet sein. Dagegen hielten Molly und Arthur dass es zu gefährlich sei. Dann kam wieder die alte Geschichte mit den unverzeihlichen Flüchen auf den Tisch, und die drei stritten, bis Dumbledore ein Machtwort sprach. Dann war es wieder zu leise, als dass die drei etwas verstehen könnten. Sie blieben noch eine Weile sitzen, aber es war nichts mehr zu hören, so sehr sie auch die Ohren spitzten.

Gerade wollten sie zurück ins Bett gehen, da vernahmen sie Dumbledores Stimme: „Ihr könnt ruhig runterkommen… Hier in der Küche ist es auch gemütlicher als da oben."

Erwischt! Mit betretenen Gesichtern machten sich die drei auf den Weg in die Küche. Moody stand an der Arbeitsfläche gelehnt, ein Glas Feuerwhiskey in der Hand und mit unlesbarer Miene. Arthur und Molly saßen am Tisch mit finsteren Gesichtern. Molly hatte geweint. Nur Dumbeldore war freundlich gesinnt. Wie drei Portionen Elend standen Harry, Ron und Hermione in der Küche. Ron konnte seinen Eltern nicht in die Augen sehen. Jetzt wird es bestimmt richtig Ärger geben…

„Wir haben eine schwere Entscheidung getroffen.", begann Dumbledore das Gespräch und drehte sich zu Rons Eltern. "Molly, Arthur – die drei sind keine kleinen Kinder mehr. Das müsst ihr akzeptieren. Hermione und Ron sind sogar schon volljährig und Harry wird es auch bald sein. Von dem, was sie bis jetzt erlebt haben, brauche ich nicht zu erzählen."

Molly schniefte und Moody grunzte bestätigend.
„Morgen wird Moody euch Frederick Marlowe vorstellen. Er wird euch eine neue und sehr gefährliche Waffe Voldemorts zeigen – und was man dagegen tun kann."

Den dreien klappte der Unterkiefer runter.
„Dann bekommen wir keinen Ärger?", fragte Harry überrascht. Ron und Hermione sahen sich sprachlos an.

„Doch; für das Lauschen ist ab sofort der Nachtisch gestrichen und nun; ab ins Bett!", setzte Dumbledore hinzu und entließ die drei, die sofort gehorchten.

Am nächsten Abend begleiteten Dumbledore und Moody die drei Freunde zum vereinbarten Treffpunkt in London. Marlowe wartete in einer Gasse in der Nähe des Zaubereiministeriums. Dieser erzählte kurz, was es mit den Portschlüsseln auf sich hatte und verkündete schließlich, dass er heute Abend das Aufspüren und Zerstören demonstrieren werde.

Auf dem Weg durch das nächtliche London unterhielt sich das goldene Trio, als es dem Auror folgte.

Hermione redete sich gerade in Fahrt: „Es scheint, als hätte Voldemort das Buch von Hawking in die Hände bekommen - sonst wäre ihm bestimmt nicht die Idee zu solchen Portschlüsseln gekommen. Im Grunde sollte diese Sache genau erforscht werden, im Sinne der modernen Physik. So könnten wir wissen, ob…"

„Hermine, bitte!", unterbrach Harry sie ärgerlich „du kannst das doch wohl nicht gut heißen! Mit diesen Dingern wurden schon zu viele Menschen ins Nirgendwo geschleudert!"

Hermione schaute verlegen nach unten.
„'Tschuldigung, Harry. Ich war nur fasziniert davon, ob es so was wie schwarze Löcher wirklich gibt, oder ob das nur eine Muggel-Theorie zur Erklärung der Magie ist..."
Nun mischte auch Ron sich ein: „Worüber redet ihr eigentlich? Sind Löcher nicht immer schwarz, wenn sie tief genug sind?"Hermione blieb stehen und holte tief Luft, doch bevor sie Ron etwas über moderne Physik erklären konnte, räusperte sich Frederick Marlowe. „Hier sind wir, und jetzt seid ruhig, hört zu und bleibt wachsam! Es wäre nicht der erste dieser Portschlüssel, der von Todessern zusätzlich bewacht wird. Sie sind zur Zeit schrecklich gut organisiert."

Mit einem Mal waren Harry, Ron und Hermione bis auf's Äußerste konzentriert. Entschlossen umfassten sie ihre Zauberstäbe. Nachdem sich Marlowe der Aufmerksamkeit der Kinder sicher war, deutete er auf eine Fliese im Bürgersteig. „Das da ist es. Seid vorsichtig!"

Ron verzog angeekelt das Gesicht. „Ist das Kotze?" Hermione warf ihm einen achte-auf-deine-Wortwahl-Blick zu und der Auror erzählte unbeeindruckt, dass man so die Portschlüssel am besten markieren und sie so gleichzeitig „unattraktiv" für Muggel machen konnte. Lediglich ein Hund sei seit der Markierung verschwunden.
Marlowe nahm Haltung an.
„Kommen wir nun zur Erkennung; Specialis Revelio! Achtet darauf, dass ihr die Handbewegung in die andere Richtung ausführt."
Die Bodenfliese fing leicht an zu fluoreszieren.

Harry schaute sich hektisch um, hatte er nicht gerade etwas gehört? Ron und Hermione sahen fasziniert auf den Portschlüssel. Vielleicht hatte er sich geirrt.

Hermine meldete sich zu Wort: „Und nun Finite?"

Marlowe lächelte schief.
„Gut gedacht, mein Kind, aber so einfach ist es nicht. Voldemort hat sich in dieser Schlechtigkeit richtig Mühe gegeben. Die ersten Portschlüssel haben wir mitgenommen und im Labor gründlich untersucht und mussten letztendlich einen eigenen Zauber entwickeln. Ich werde es gleich demonstrieren. Ganz wichtig ist es allerdings zum Schluss den verzauberten Gegenstand zu zerstören, egal wie wertvoll er auch sein mag."

Da war wieder das Geräusch. Schritte? Harry stupste Ron an.
„Da ist was!", zischte er leise.
Hermione und Marlowe hatte es diesmal auch gehört. Alle vier hoben kampfbereit ihren Zauberstab.

„Crucio!", schrie eine Frau aus der Dunkelheit der Gasse.
Blitzschnell duckten sich die Freunde oder machten einen Schritt zur Seite. Zum Glück wurde niemand von dem Zauber getroffen. Frederick Marlowe trat in die Gasse und ließ sie mit einem Lumos taghell erscheinen. Bellatrix Lestrange schrie und hielt sich die Hände vor die Augen.

„Expelliarmus!"
Ron entwaffnete sie erfolgreich. Aber keiner bemerkte Fenrir Greyback, der sich von der anderen Seite näherte. Nur Hermione verspürte ein seltsames Kribbeln im Nacken, und als sie einen Blick über die Schulter wagte, sah sie in ein paar Metern Entfernung die Wolfsaugen leuchten.

„Greyback!", rief sie und schnellte herum, hob den Zauberstab, aber bevor sie „Stupor!" sagen konnte war der Werwolf schon abgesprungen und flog direkt auf sie zu. Unwillkürlich machte sie einen Schritt nach hinten.

Einen falschen Schritt. Einen verhängnisvollen, völlig falschen Schritt.

Ihr Innerstes zog sich zusammen; eine extreme Übelkeit überwältigte sie und bevor sie begriff, was so eben geschehen war, musste sie sich übergeben. Vornübergebeugt und mit einer Hand an die Wand gestützt, holte sie tief Luft um sich zu sammeln.

„So eine Schweinerei, du miese Schlampe! Schau, was du gemacht hast!", ereiferte sich eine Männerstimme ihr gegenüber.

„Verzeihung, Marlowe, mir war…" Sie blickte nach oben und sah in ein Gesicht, aber es war nicht Marlowes Gesicht.
Hermiones Augen weiteten sich vor Schreck und ihr Denkvermögen setzte für einen Moment aus. Zum Glück wurde sie ihrer rechten Hand gewahr, die immer noch den Zauberstab umklammerte. Langsam richtete sie sich auf und hob gleichzeitig den Stab um sich eventuell zu verteidigen.

Eine zweite Stimme ertönte von hinten: „Vorsicht, Rick! Das Miststück hat 'ne Waffe…"
Das war das letzte was Hermine mitbekam, bevor Rick sie unbarmherzig mit einem Schlagring im Gesicht traf.

Bewusstlos wie sie war, bemerkte sie nicht die schwarze Gestalt, die sich aus dem Schatten der Nacht herausbewegte. Genauso wenig nahm sie Notiz davon wie Rick und sein Freund mit durchtrennten Kehlen neben ihr zu Boden gingen.
Nun stand der Unbekannte über ihr und machte einen kaum hörbaren, missbilligenden Laut. Nach kurzem Zögern schulterte er sie behende. Dabei fiel Hermine der Zauberstab aus der Hand und mit einem leichten Ticken auf den Boden. Dies hörte der Mann und sah auf den Gegenstand. Mit einem Achselzucken griff er danach und steckte ihn ein. Dann verschwand er mit Hermoine über der Schulter in der Dunkelheit.

Hermione erwachte abrupt. Sie war hochgeschreckt aus einem üblen Traum; Fenrir Greyback hatte sich in ihrer Kehle festgebissen und nagte…

Schwer atmend begriff sie, dass sie jetzt nur geträumt hatte, aber Fenrir war auch da gewesen heute Nacht. Sie rekonstruierte die Ereignisse: der Portschlüssel – der Überfall – Fenrir Greyback… Ab da wurde es schwierig für sie: Da war ein Mann, dem sie vor die Füße gebrochen hatte und dann war sie… geschlagen worden… Vorsichtig befühlte sie ihr Gesicht. Ihre linke Wange war angeschwollen und schmerzte empfindlich bei der Berührung; ebenso wie ihre Nase, unter der sich eine breite Spur getrockneten Blutes befand. Sie war froh, dass sie sich nicht selbst sehen musste.

Ein komischer Gedanke kam ihr in den Sinn und jetzt erst bemerkte sie, dass sie gar nicht in Hogwarts war: Das Bett, in dem sie saß, war nicht ihres. Und noch weniger war dies ihr Schlafraum, auch wenn sie sich bei dem Anblick innerlich wünschte, es wäre ihrer. Hunderte, nein tausende Bücher stapelten sich vom Boden in schiefen Türmen zur Decke. Kleine Regale waren bis zur Belastungsgrenze vollgestopft.
Buch an Buch über Buch, so konnte man es beschreiben. Beleuchtet wurde das Ganze von einer antiken Tischlampe, die auf einer kleinen Kommode hinter dem Bett stand. Verwirrt und fasziniert blickte Hermine auf die Bücherflut. Alles war dort vertreten: Reiseführer, Romane, Kochbücher, großformatige Bildbände, einfach alles, was Hermine jemals an Büchern gesehen hatte. Und eines schien offensichtlich zu sein; es war ausschließlich Muggelliteratur.

Dann bemerkte sie noch etwas im Raum: Vor einem der Bücherstapel standen ihre Schuhe ordentlich nebeneinander und im linken steckte ihr Zauberstab. Verwundert nahm sie ihn an sich. Wo war sie? Auf keinen Fall war sie Gefangene von Magischbegabten. Da wäre keiner so dumm und überlässt seiner Geisel ihren Zauberstab. Folglich war sie bei Muggeln und anhand der Zimmereinrichtung, bei verrückten Bücherwürmern. Noch einmal ließ sie einen verzückten Blick über die Bücher wandern. Auf einem kleineren Stapel lag eines, das Hermione kannte: Der Hund von Baskerville.

Und mit einem Mal kam die Erkenntnis wie ein Gewitter über sie; sie war auf den Portschlüssel getreten. Als sie vor Fenrir in Deckung ging, da war sie auf die Fliese getreten und nun war sie… irgendwo. Und ihre Freunde waren... Erschüttert suchte sie Halt und streckte ihre Hand aus. Dabei streifte sie den Bücherstapel, der umkippte und zwei weitere mitriss.
„O verflixt!", dachte sie.

Schwere Schritte näherten sich. Hastig blickte sie sich um. Da war eine angelehnte Tür auf der anderen Seite des Zimmers. Und diese wurde gerade in diesem Moment aufgestoßen und ein großer Mann, gekleidet in Schwarz, das Gesicht hinter einer Maske verborgen, betrat das Zimmer.

Todesser! Das war das einzige was Hermione dachte und wie von selbst formten ihre Lippen zwei Worte: „Petrificus totalus!"
Wie ein nasser Sack fiel der Maskierte nach vorne auf den Boden und unterdrückte schlecht ein schmerzhaftes Aufstöhnen. Langsam umrundete Hermine das Bett, den Stab vor sich gehalten, bis der vermeintliche Todesser wieder in ihren Sichtbereich kam.

Da lag er, steif und unbeweglich auf dem Boden, den Kopf durch den Bettrahmen in einem unangenehmen Winkel zum Körper gedrückt.

„Was auch immer das war – es ist nicht das Verhalten, das ich von einer jungen Dame erwartet habe.", tönte es dumpf hinter der Maske.

in offensichtlicher Skepsis zog Hermione die Augenlider zusammen. Wen auch immer sie da verhext hatte, er musste eine ungeheure Widerstandskraft haben – und außerdem hörte er sich nicht wie ein Todesser an. Aber, dachte sie, man darf nie vorsichtig genug sein.
„Ich stelle hier die Fragen, Todesser!", antwortete sie selbstbewusst und näherte sich langsam dem Schwarzgekleideten.

Eine seltsame Maske für einen Todesser... Sie zeigte keinen Totenschädel. Sie war auch nicht aus Silber, sondern aus weißem Email und bildete ein verschmitzt grinsendes Gesicht ab. Sie streckte die Hand aus, ihre Anspannung wuchs, aber bevor ihre Finger auch nur in die Nähe der Maske kamen, sprach der Verhexte erneut: „Neugier kann der Katze Tod sein!"
Er sprach es leise und ruhig aus, aber die Drohung in den Worten war unverkennbar.

Hermione zuckte zurück.
„Sie sind kein Todesser!", stellte sie fest.
Alle Todesser, denen sie begegnet war, ließen sich mit einer gewissen Eitelkeit die Maske abnehmen. So, als wollten sie sagen; "Schau, ich gehör auch dazu!"

„Dem stimme ich absolut zu.", antwortete der Mann auf dem Boden und seiner Stimme war es anzuhören, dass ihn das Sprechen eine enorme Kraft kostete.
Dennoch fuhr er fort: „Aber wenn ich vielleicht einen Vorschlag zu Güte machen darf: Wir sollten diese verwirrenden Umstände vielleicht besser bei einer Tasse Earl Grey klären"

Irgendwie war das ein guter Vorschlag und gegen eine Tasse Tee hatte Hermione nichts einzuwenden. Außerdem musste sie eine Lösung für ihre Misere finden.

„Finite!"