Strauchelnd kamen Hermione und V auf dem harten Fliesenboden in der Schattengalerie auf. Der Rucksack rutschte ihm von der Schulter und verteilte etwas von seinem Inhalt auf dem Boden. Zum Glück waren es nur Konservendosen, die herumkullerten. V sackte in sich zusammen, verkrampfte sich und fiel zur Seite. Hermione umfasste immer noch seinen Arm, verlor die Balance und wurde durch sein Gewicht mitgezogen.

Nun lagen sie da, als menschliches Knäuel auf dem Boden. Als erstes war Hermione wieder auf den Beinen, V lag immer noch am Boden und kämpfte anscheinend mit seiner Selbstbeherrschung. Ein unheilvolles Stöhnen drang unter der Maske hervor.

Das erste Apparieren war schon für Zauberkundige oft eine unangenehme Erfahrung. Für Muggel war es ohne Vorankündigung, schlimmer als die Reisekrankheit. Abrupt stand Hermione still, dann betastete sie sich hektisch. Arme, Beine, Kopf, Nase, alles war noch an Ort und Stelle. Aber was war mit ihm? Sie war ohne Nachzudenken mit ihm appariert und es hätte wer weiß was passieren können, schimpfte sie ihr schlechtes Gewissen. Hermione rüttelte an seiner Schulter.
„Ist alles o.k?"

V drehte sein Gesicht langsam in ihre Richtung.
„Nichts ist o.k! Ich habe es - glaube ich - nach der ersten Begegnung mit deinen… Fähigkeiten, nicht gesagt; aber nun verbitte ich es mir, Zielscheibe für irgendwelche Zaubereien zu sein."
Langsam gewann V wieder an Fassung und war, deutlich hörbar, alles andere als gut gelaunt. Er setzte sich unter Anstrengung auf und ließ den Kopf einmal im Genick kreisen. Dann schaute er sich um und wirkte eindeutig verdutzt.

„Wieso sind wir hier?", fragte er gedehnt und kratzte sich den Kopf durch die falschen Haare.
Hermione scharrte etwas verlegen mit den Füssen.
„Wir sind appariert. Ich hab nicht nachgedacht, aber…. Vermutlich wären wir sonst tot."

„Oh.", war alles, was V sagte und er schaute hoch zu Hermione.
Hermione schaute zu ihm runter. Eine seltsame Perspektive. V atmete tief durch, dann griff er an den Koppelgürtel, öffnete ihn mit einer Hand und entledigte sich dessen. Der Blick auf die noch blutigen Messer gerichtet, löste in Hermione etwas aus. Sie war nicht mehr verlegen, oder fühlte sich wegen Vs Apparier-Krankheit schuldig. Nun war sie sauer. Richtig sauer.

„Du wusstest genau, wie gefährlich es wird! Du hast mich da in was reingezogen! Drogen - gut. Das war falsch und ich hab es freiwillig gemacht, gebe ich zu. Aber das war nicht so falsch wie Einbruch und Beihilfe zu Mord! Ich bin so froh, wenn ich endlich zurück kann. Ich werde hier noch zur Kriminellen!", völlig außer sich schrie sie ihm ihren Zorn in das ewig grinsende Gesicht. Eigentlich war es kein Zorn, sondern die Angst, die sie vorhin gefühlt hatte.

V stand langsam auf. Nun war er zu voller Größe aufgerichtet und keine zwei Meter von ihr entfernt. Den Koppelgürtel mit den Messern immer noch in der Hand. Er zog ein Messer aus dem Gürtel und wischte es sauber.
Während er die Klinge kontrollierte, sprach er völlig ruhig: „Ich habe dir gesagt – ich BIN der Verbrecher. Dich trifft keine Schuld. Du bist nicht eingebrochen und du hast auch nicht getötet."
Ebenso behandelte er das zweite besudelte Messer. Dann bückte er sich und nahm mit der anderen Hand den Rucksack. Hermiones Blick verfinsterte sich und sie lief weg. Würde sie noch einen Augenblick länger in seiner Nähe bleiben, dann würde sie Zaubersprüche an ihm ausprobieren…

Sie irrte durch das Labyrinth der Schattengalerie, bis ins Labor. Hoffentlich war das Gebräu umgefärbt. Sie würde es ohne ein Zucken mit der Wimper herunterstürzen – bloß raus hier! Aber im Labor war nichts, denn sie hatte den Trank ja umgefüllt und mit in den Wohnbereich genommen. Den Bereich, den sie jetzt auf jeden Fall meiden wollte. Mit einem frustrierten Laut ließ sie sich an der Wand entlang auf den Boden sinken.

Nun war sie allein und konnte den ‚Ausflug' in Ruhe verdauen. Der eigentliche Grund warum sie mitgekommen war, dass sie in der Schattengalerie langsam die Wände hochging; im übertragenen Sinne. Sie hatte schon große Schwierigkeiten den Unfall mit der Portus-Fliese zu verarbeiten und dieser Ort hier….Vollgestopft mit Kostbarkeiten und Schätzen, aber so schön das alles war, der Zeitverlust hier war ungeheuerlich für sie. Wie lange war sie jetzt hier? Ein paar Tage? Gefühlt war es eine Ewigkeit.

Er hatte ja recht und das ärgerte sie. Sie hatte nicht getötet, an ihren Händen klebte kein Blut. Wie naiv war sie eigentlich? Hatte sie gedacht, das würde ein typischer Samstagseinkauf werden? ‚Hol du schon mal die Milch, ich such das Obst aus.'

Hermione seufzte als sie nochmal den Einbruch ins Lager vor ihrem geistigen Auge passieren ließ. Noch nie hatte sie einen Freund – nein, das war das falsche Wort, überlegte sie. Bekannter? Auch nicht richtig. Sie hatte keine Ahnung, in welcher Beziehung sie zueinander standen, aber er war auf jeden Fall die Person mit der zweifelhaftesten Moral, die sie kannte. Onkel Rupert eingeschlossen.

Genaugenommen hatte er dafür gesorgt, dass ihr nichts passiert war, hatte ihr das Timing vorgegeben und die Wachen wahrscheinlich auch erledigt, damit für sie das Risiko klein blieb. So geschickt, wie er sich bewegen konnte wäre er bei einem Alleingang rein und wieder raus, ohne, dass irgendjemand es gemerkt hätte. Sie waren quit in dem Moment, als sie da raus apparierten. Sie hätte ihn nicht so anschreien müssen.

Sie sammelte ihre Gedanken. Der Rückkehrtrank war im Wohnzimmer. Sie würde nachschauen, ob er sich verfärbt hatte – wenn ja, dann wollte sie sich bei ihm entschuldigen, oder so was in der Art, und dann das Gebräu trinken.

Hermione ging zurück in den Wohnbereich. Die Wurlitzer spielte, aber von V war keine Spur zu sehen. Sie bahnte sich den Weg zum Sofatisch und stellte mit Enttäuschung fest, dass sich die Flüssigkeit immer noch nicht verfärbt hatte. Tränen juckten in ihren Augen und sie blinzelte sie schnell weg. Sie musste tapfer sein. Durchhalten.

Sie hörte, wie sich Schritte näherten und ließ die Schultern hängen. V umrundete die Couch und stellte ein Tablett auf den Tisch. Hermione bekam große Augen, damit hatte sie nicht gerechnet. Auf dem Tablett waren mehrere kleine Schalen, mit dem Inhalt aus diversen Konserven: Pfirsichhälften, Mixed Pickles, Ölsardinen und; zwei Sektschalen, in denen es prickelte. Sprachlos starrte sie ihn an.

„Ich denke, wir sollten trotz aller Differenzen auf den Triumph anstoßen.", erklärte V in seinem Plauderton.

Hermione klappte der Kiefer runter. Dieser Mann war eindeutig übergeschnappt! Außerdem hatte er ihren Plan, sich zu entschuldigen, mal eben zunichte gemacht. Wie kann man sich bei jemandem entschuldigen, der gar nicht sauer oder betroffen war?

„Moment!", sagte Hermione fassungslos. „Du hast vor keiner halben Stunde zwei Männer im Handumdrehen getötet und willst jetzt mit mir feiern?"
V atmete hörbar aus.
„Wir haben unterschiedliche Einstellungen zum Töten – das ist alles. Sag mir, Hermione Granger, wenn wir jetzt nicht hier wären, sondern in deiner Welt und du hättest die Möglichkeit diesen Voldemort zu töten – würdest du sie verstreichen lassen?" Er musterte sie eindringlich.

Hermione hielt dem Blick stand. Dieser Mann forderte sie moralisch heraus.
„Wenn ich die Möglichkeit hätte, ihn zu töten, dann hätte ich auch die Möglichkeit ihn anderweitig zu überwältigen. Es wäre mir nicht wert für so ein Scheusal den Rest meines Lebens in Askaban zu verbringen!"
V legte den Kopf schief. Hermione erklärte.
„Es ist ausdrücklich verboten, den Todesfluch Avada Kedavra anzuwenden, egal unter welchen Umständen; abgesehen davon; ich kann ihn auch nicht.", setze sie hinzu.

„Du musst ihn ja nicht mit dem Avada Kedavra töten…", antwortete V gedehnt und Hermione brauchte erst einen Moment, um zu verstehen, worauf er hinauswollte.
Sie schüttelte den Kopf.
"Zaubereigesetzlich wäre ich dann vom Haken, aber moralisch… Wie kommst du auf diese Idee?"

V ließ sich auf's Sofa fallen.
„Ich habe dir von Valerie erzählt.", sagte er nach einer langen Pause.
Hermione nickte.
„Ich werde die bezahlen lassen, die ihr das angetan haben. Alle. Von den kleinen Fischen an, die nur ihre Knüppel sprechen ließen, bis hin zu den Verantwortlichen in der Patrtei. Einer nach dem anderen.", verkündete V in einem ruhigen und sehr gefährlichen Ton.

Hermione schluckte. „Du willst Rache.", stellte sie fest.
V sagte nichts, sah sie nur an.
„Und was ist danach? Wenn alle tot sind, die du töten wolltest?", fragte sie.
Das konnte von ihm nicht ernst gemeint sein, auch wenn sie es insgeheim wusste, dass er es so meinte. „Du kannst das alles nicht alleine schaffen.", sagte sie noch abschließend.
Sie musste das Thema wechseln, sonst bekäme sie Kopfschmerzen. Aus ihren Augenwinkeln sah sie, wie V verstehend nickte.

Schweigend griff Hermione zu einer Sektschale und nippte. Köstlich dachte sie, sagte aber nichts. Sie fühlte sich beklommen. V hatte sich nicht bewegt. Er schien über etwas angestrengt nachzudenken. Sie steckte sich etwas von den Mixed Pickles in den Mund und schwieg ebenfalls. Verstohlen blickte sie ihn an.
„Bevor ich es vergesse und vielleicht keine Möglichkeit mehr habe es nachzuholen: ich wollte mich entschuldigen…", begann sie um das unangenehme Schweigen zu unterbrechen.

V drehte den Kopf zu ihr.
„Da gibt es nichts zu entschuldigen."
Er griff nach seiner Sektschale, wandte sich ab, schob die Maske hoch und trank ebenfalls.
Nachdem er das leere Glas auf den Tisch gestellt hatte, sprach er zögernd: „Du hast mir einiges klar gemacht. Wenn ich den Tisch abräume, muss jemand da sein, der alles neu aufbaut. Allein schon aus dem Grund, dass ich zum Aufbau nicht mehr in der Lage sein werde…."

Hermione erschauderte bei seinem letzten Satz. Das sollte doch wohl nicht bedeuten…? Nein! Das konnte nicht sein. Das hatte er niemals so gemeint! Schnell schob sie den Gedanken weg und suchte auf dem Tablett nach etwas Essbaren. Da fiel ihr Blick auf etwas gelb-leuchtendes. Sie schluckte. Der Trank hatte sich verfärbt.

Sie streckte ihre Hand aus, um das Gefäß zu nehmen. V hatte es auch bemerkt und wollte ebenfalls danach greifen und so kam es, dass ihre Hände aneinanderstießen. Seine behandschuhte lag auf ihrer und sie gab ein überraschtes Glucksen von sich. Aber was war das? Keiner zog die Hand zurück. Die Zeit schien still zu stehen, als Hermione spürte, wie das kühle Leder sich durch ihre Haut erwärmte.
Sie wusste, dass sie das nicht tun sollte, aber sie konnte nicht anders. Zögernd bewegte sie ihren Zeigefinger, flocht ihn langsam um seinen. Er antwortete und beide drehten ihre Hände so, dass sich alle Finger ineinander verschränkten. Beide sahen sich für einen endlosen Moment an. Eine Stimme in Hermiones Kopf meldete sich, dass sie nicht genug getrunken hatte um solch ein Verhalten zu entschuldigen, aber Hermione ignorierte diese Stimme und rutschte vorsichtig näher; so langsam als ob sie Angst hatte diesen seltsamen Zauber durch hektische Bewegungen zu verscheuchen. Genauso behutsam drehte sich V zu ihr hin; ließ ein Bein auf die Couch rutschen.

Die Blicke immer noch aufeinander gerichtet und als ob sie sich stumm ein Kommando gegeben hätten, sank sie langsam an seine Brust, während er sie an sich zog und sich gleichzeitig mit ihr in einer einzigen, flüssigen Bewegung nach hinten fallen ließ. Hermione schloss die Augen, als sie beide da lagen, im Gleichklang atmeten. Sie hörte sein Herz schlagen. Ihre linke Hand ruhte auf seiner Schulter, seine rechte auf ihrem Rücken. Hermione öffnete die Augen. Wie konnte etwas so Falsches sich doch so wunderbar anfühlen? Ihre Muskeln, ihr ganzer Körper geriet in Spannung. Ihre ineinander geflochtenen Finger rutschten auseinander und sein Arm glitt langsam von der Couch. Die andere gab gleichzeitig ihren Rücken frei. Hermione seufzte traurig und stand auf.

Auch V stand auf, ging um den Tisch herum, durch die Haupthalle und verschwand. Hermione zupfte ihre Kleidung zurecht. Was war da gerade passiert? Sie konnte es nicht erklären. Sie spürte nur dieses bittersüße Gefühl, was sich durch den Moment der ungeplanten Nähe in ihrem Bauch breitmachte. Sie atmete tief durch, dann beugte sie sich zu dem Kolben runter, in dem der Rückkehrtrank nun gelb leuchtete. Mit zitternden Fingern entkorkte sie das Gefäß, trank aber nicht. Noch nicht.

In ihren Händen hielt sie den Schlüssel, der ihr die Tür nach Hause öffnete. Das kleine Ding, wonach sie sich die letzten Tage so sehr gesehnt hatte. Zum Greifen nah war es und trotzdem konnte sie es noch nicht hinter sich bringen. So verschloss die den Kolben wieder und stellte ihn zurück auf den Tisch. Sie sah sich noch einmal um, sog den Ort in sich auf. Dieser Ort hätte sie beinahe verrückt gemacht, trotz und gerade wegen seiner Schönheit. Seiner Zeitlosigkeit und seiner totalen Abgeschiedenheit.

Und dann war da noch der Bewohner diesen Ortes. V. War er gegangen, damit sie in Ruhe zurückkehren konnte? Oder war er durch die Situation vorhin verwirrt? Oder lauerte er gleich hinter der Ecke mit einer neuen Überraschung? Es war alles irgendwie möglich, bei ihm. Dieser Mann war ein verkörpertes Rätsel, ein Mysterium, dem sie teuer vertraute. Ja – teuer vertrauen – so konnte man es am ehesten beschreiben.
Konnte sie ihren Freunden alles berichten, wenn sie zurückkam? Unwahrscheinlich. Sie würde in Zukunft mit ein paar Geheimnissen leben müssen. Vielleicht nicht die ganze Zukunft, aber einiges wird seine Zeit brauchen.

Schritte näherten sich. V kam zurück und trug etwas in seiner Hand.
„Nun heißt es Abschied nehmen…", sagte er gedehnt und machte an der Jukebox halt.
Edith Piaf erklang und erfüllte die Schattengalerie. Hermione zog eine Augenbraue hoch. War das eine subtile Botschaft? Keine Zeit nachzudenken, denn nun stand er eine Armlänge vor ihr und hielt ihr den, in einem Lederlappen verhüllten, Gegenstand hin.

Ungläubig nahm sie das Bündel entgegen. Es war schwerer als erwartet. Vorsichtig zog Hermione das Leder auseinander und ließ dieses Ding vor Schreck beinahe fallen, als sie erkannte was es war. Ein Messer, blank und blitzend verbarg es sich in dem Leder. Es war eines von dieser Sorte, die V an seinem Gürtel trug. Eine Gravur war am unteren Ende der schlanken Klinge: ‚Veni. Vidi. Vici'.

Hermione schluckte und schlug schnell das Leder um die Waffe. Sie wollte sie ihm zurückgeben.
„Das kann ich nicht annehmen."

V lehnte bestimmt mit einer Handbewegung ab. Sie sah in die schwarzen Augenschlitze der unbeweglichen Maske. Das war kein Geschenk was er ihr da machte, es war eine Bürde. Eine Botschaft. Sie dachte an seine angedeuteten Pläne. Sein Vorhaben in seiner Welt. Dann griff sie in ihre Hosentasche und holte das kleine Fläschchen mit Felix Felicis hervor, welches sich immer noch dort befand. Sie streckte es ihm hin.
Neugierig nahm V das Glasgefäß und hielt es auf Augenhöhe.

„Was ist das?", fragte er verwundert.
Hermione räusperte sich. „Pures Glück – sei vorsichtig damit."
V sah sie wieder an und drückte die Flasche an seine Brust. „Itzt lacht das Gluck vns an / bald donnern die Beschwerden.", zitierte er. Dann nickte er zum Rückkehrtrank.

Es war Zeit und nun konnte sie gehen.

Der Trank schmeckte, wie zu erwarten, scheußlich. Und die Wirkung war komisch. Es kam ihr vor, als ob sie rückwärts aus der Schattengalerie rauschte und immer schneller wurde, bis sie den Eindruck hatte sich in einem wirren Tunnel aus bunten Lichtpunkten zu befinden. Dieser Eindruck hielt etwa ein Minute, dann fühlte sie, wie sie langsamer wurde oder besser gesagt: das Licht wurde langsamer. Es wurde auch dunkler und schließlich stand alles still.

Es war immer noch dunkel, um nicht zu sagen stockfinster. Ein Geräusch lag in der Luft. Es klang wie… Schnarchen? Hermione wunderte sich und zog ihren Zauberstab.
„Lumos!"
Sie stand vor einem Bett in dem jemand schlief. Bei genauerer Betrachtung, sah sie, dass es ihr Bett war.

Nicht das Bett in Hogwarts, sondern das in ihrem Jugendzimmer. Ihr Herz machte einen Freudensprung und noch viele mehr, als sie sich umsah und feststellte, dass es ihr Zimmer war. Unverändert, wie sie es verlassen hatte – bis auf die Tatsache, dass jemand in ihrem Bett lautstark schlief. Vorsichtig ging sie einen Schritt näher. Es war Onkel Rupert! Was hatte der hier verloren? Neben dem Bett stand eine Sporttasche, aus der ein paar Kleidungstücke quollen. Jetzt dämmerte es Hermione. Vor ein paar Wochen hatte ihre Mutter ihr geschrieben, dass Onkel Rupert (mal wieder) Ärger mit seiner Frau hatte… anscheinend hatte sich der Ärger zugespitzt, aber das sollte sie jetzt nicht bekümmern. Jetzt musste sie nur noch Harry und Ron wiederfinden. Eine vergleichbar leichte Aufgabe.

Eine halbe Stunde später saß sie schon im Fahrenden Ritter und war auf dem Weg zum Grimmauldplatz. Sitzen war natürlich nicht das rechte Wort, denn sie versuchte mit wenigstens einer Pobacke auf ihrem Platz zu bleiben und nicht durch die Gegend geschleudert zu werden.
Eine Freudenträne lief Hermione über die Wange, als sie vor dem Grimmauldplatz Nr. 12 stand. Licht brannte in der Küche. Sie war zurück.

Epilog

Feierlich versammelten sich das Goldene Trio, Moody, Marlowe, die Weasleys und Dumbledore um die unheilvolle Bodenfliese in einem abgeschiedenen Labor des Zaubereiministeriums. Alle Augen ruhten auf Hermione.

Als Hermione vor drei Tagen das Haus am Grimmauldsplatz betrat und freudig in die Küche stolperte, fand sie dort Snape vor. Letzterer ließ sein Glas mit Feuerwhisky fallen. Das war wohl der einzige Moment in Hermiones Leben, in dem sie Snape offensichtlich überrascht erlebte. So schnell, wie das Glas gefallen war, so schnell war seine übliche Beherrschung wieder da. Stumm bot er ihr einen Platz gegenüber an.

Ein seltsamer Moment, denn Hermione hatte fast das Gefühl, einem bisher nichtbekannten Freund gegenüberzusitzen. Die einzigen Worte, die gesprochen wurden, waren ein geschnarrtes „Wie?" von Snape und die ebenso kurze Antwort „Rückkehrtrank" von Hermione. Snape nickte anerkennend.

Später schickte er mehrere Eulen um den Rest des Ordens über das kleine Wunder zu informieren

Kurz darauf trafen die restlichen Ordensmitglieder ein und Snape verabschiedete sich. Die folgenden Umarmungen und Freudentränen brauchen hier nicht extra erwähnt zu werden. Nur vielleicht noch, dass Hermione auffällig still war. Das Messer hatte sie gut unter ihrer Kleidung verborgen, bestimmt nicht vor allen, wie sie vermutete, aber ihre engsten Freunde hatten zum Glück nichts gemerkt. In einem unbeobachteten Moment ließ sie das Messer in ihrem Perlenhandtäschchen verschwinden, welches immer noch in ihrem Gästezimmer im Grimmauldsplatz lag.

Nun war sie im Zaubereiministerium umringt von ihren Freunden und Kameraden und als sie den Zauberstab erhob und auf die Fliese richtete, hielten alle den Atem an.

Hermione dachte noch einmal über die verrücktesten Tage ihres Lebens nach. Fragte sich, wie es ‚dort' weitergeht und dass sie es niemals erfahren würde. Dann sprach sie.

„Reductio!"

Die Fliese löste sich in Sand auf, der sich selbst verschlang. Alle atmeten aus.