Kapitel 30

Es war zwei Tage nach den Ereignissen in der Kammer der Schrecken.

Erschreckende Nachrichten hatten bereits die Runde gemacht.

Harry wusste bereits, was passiert war.

Nachdem er, Snape und Sirius nach Hogwarts zurück appariert waren, entdeckte Snape, dass sein dunkles Mal verschwunden war.

Harry hatte gefragt, was noch passieren würde, und Snape hatte ihm erklärt dass der Höllendämon nun alles und jeden töten würde.

Danach fühlte er sich nur noch verloren.

Die Kobolde hatten angefangen, den Weg in das zerstörte Ministerium freizulegen, was nicht weiter schwer war.

Denn dort, wo der Fahrstuhl dereinst war, klaffte nun ein gewaltiges Loch.

An diesen Morgen regnete es. Die Große Halle war still. Kaum einer redete.

Endlich erhob sich McGonagall und trat an den Pult.

Sie räusperte sich und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen.

„Ich nehme an… ihr habt bereits Gerüchte gehört", begann sie, „Ja. Es ist wahr dass das Ministeriumsgebäude fast vollständig ausradiert wurde. Ja. Es ist wahr, dass der Dunkle Lord endgültig tot ist. Ja. Es ist wahr, dass…" Ihre Stimme versagte einen Moment, aber sie fing sich schnell und setzte fort: „…Es ist wahr, dass Professor Dumbledore in einem katastrophalen Gefecht getötet wurde."

Ein lautes Stimmengemurmel erhob sich.

„Tot?", fragte Ron, „Dumbledore ist wirklich tot?"

Harry nickte traurig, sagte aber nichts, da McGonagall gerade weiter sprach.

„Es ist leider so, dass alle drei Vorfälle einen gemeinsamen Grund hatten."

„Todesesser gegen Auroren und Dumbledore bringt sich bei dem Versuch um, Voldemort zu töten?" flüsterte Hermine.

„Schlimmer", murmelte Harry.

„Gleichzeitig mussten wir erkennen, dass es doch einige Legenden gibt, die mehr als real sind", tönte die Hauslehrerin von Gryffindor, „Meine lieben Schüler, was ich euch jetzt sagen werde, wurde durch Zeugenberichte bestätigt. Es wurden mehrere Überlebende in den Trümmern des Ministeriums geborgen. Und alle berichten dasselbe."

Ihre Augen verengten sich.

„Das Wesen, das diese Zerstörung angerichtet hat, war in der Lage trotz mehrere Todesesser und Auroren, den dunklen Lord und Professor Dumbledore zu vernichten und danach noch das Ministerium zu verwüsten."

Stimmen wurden laut. Viele wollten wissen, was für eine Kreatur dazu in der Lage gewesen war.

Die Lehrerin hob ihre Hand und sofort trat Ruhe ein.

„Es war lange eine gefürchtete Legende, eine Kreatur von der alte Geschichten erzählten. Doch wir haben nun den Beweis."

Sie holte tief Luft um sich noch einmal zu bestätigen.

„Es war ein Höllendämon, der diese Zerstörung angerichtet hatte. Einer der Dreizehn."

-oOo-

Es war Nacht als er sich aus einer mächtigen Stichflamme heraus schälte.

Oh ja. Er war fast zufrieden. Er hatte gut gegessen und sich auch gut unterhalten.

Er zog die kühle Meeresluft ein. Weit unter sich konnte er die Lichter einer Großstadt sehen.

Er stand für einen Moment so da, Augen geschlossen aber Sinne geschärft. Tief unter seinen Füßen spürte er das Magma dieses Vulkans. Der letzte verheerende Ausbruch war nun schon fast 2000 Jahre her, und das hier wollte er schon machen seit er noch den Pakt mit Anokata hatte.

„Wie heißt es doch so schön? Neapel sehen und sterben", murmelte er. Dann lachte er laut auf.

„Nun gut. Mal sehen was sie von ‚In Neapel leben und untergehen' halten."

Ein Erdbeben setzte ein, sodass der Berg massive Risse bekam.

Um ihn herum begann der Vesuv zu bersten und dann traten auch schon die ersten Gase aus.

„Das dürfte meine Laune noch ein wenig weiter verbessern", lächelte der Höllendämon.

Er verschwand wieder, sobald die ersten Wellen von glühendem Gestein auf die Stadt am Fuße des Berges zurollten.

-oOo-

Mehrere tausend Kilometer weiter westlich ging die Sonne schon wieder auf.

Ein großer schwarzer Wagen fuhr in ein kleines nettes Gebäude in einer ruhigen Nachbarschaft.

Übermüdet stieg Vermouth aus der Beifahrerseite aus.

„Danke, dass ihr mich alle abholen gekommen seid", sagte sie als sie sich streckte.

Chianti kam knurrend von der Fahrerseite, Korn und Vodka griffen die Koffer ihrer Partnerin.

Oder besser gesagt ihrer neuen Chefin.

„Das habe ich nur gemacht, weil du der neue Boss bist", murrte die Scharfschützin. „Und überhaupt, was willst du denn wegen diesen nervigen FBI unternehmen? Sherry ist weg, Gin ist weg und Akai Shuichi geht uns die ganze Zeit auf den Keks. Wir können so gut wie nichts mehr tun, ohne dass er uns gleich am Arsch hängt."

„Ah. Wie habe ich nur deine Wortwahl vermisst", schnurrte Vermouth, „Aber wirklich. Nach diesen grauenhaften Erdbeben drüben in England haben sie den Dreh abgebrochen und verschoben bis Mr. Hauptdarsteller wieder hergestellt ist."

Die Gruppe kam in die Diele im Erdgeschoss. Der junge Bourbon saß dort und arbeitete gerade an seinem Rechner. Sie hatten ihn angewiesen, im Versteck zu bleiben, während sie die neue Chefin der Schwarzen Organisation abholen waren.

„Alles in Ordnung?", fragte Vodka im Vorbeigehen.

„Alles klar. Habe noch kein FBI hier gesehen oder sonst etwas. Nicht einmal Ratten."

„Gut"

Die fünf liefen die Treppe hoch, um sich im Konferenzraum zu sammeln und die Fakten noch einmal durchzugehen.

„Auf alle Fälle müssen wir etwas gegen Shuichi unternehmen", murrte Chianti, „Was schlägst du vor, große Anführerin?"

„Gin das machen lassen", kam die Antwort.

Die Gruppe blieb abrupt stehen.

„Gin?"

„Aniki?"

„Wo hast du den denn gesehen?"

„In London", lächelte die Blondine, „Er lief mir sozusagen über den Weg."

„Momomomomoment mal!" rief Bourbon, „Sah er denn aus wie Gin oder war er dieses große, weiße Monster?"

„Er sah aus wie normal", sagte Vermouth, „Und er meinte, er müsse nur noch etwas erledigen, dann könne er wieder kommen."

Ein Schatten im oberen Stockwerk ließ alle zusammenfahren.

Chianti war die erste, die reagierte.

„A-A-Absinth…?" stotterte sie, „Nett—dich mal wieder zusehen…"

Eisige blaue Augen mit winzigen Pupillen ruhten für einen Moment auf Chianti. Die Schützin versteckte sich hinter ihrem Partner, aber selbst der sonst so ruhige Korn war mehr als geschockt.

Absinth war das fürchterlichste Mitglied der Organisation. Er war schon immer Gin ergeben und hatte nicht einmal auf Anokata gehört.

Der Mann verbrachte einen großen Teil der Zeit damit, angekettet im Keller zu sitzen. Die schwere Kette mit dem Metallhalsband hing noch um seinen Hals. Ob sie der Grund war, warum er immer vorn übergebeugt dastand, war nicht klar, aber das unterstützte seinen Gruselfaktor. Er war im Allgemeinen unheimlich dünn und in enges schwarzes Leder gehüllt. Seine Haare waren lang, schwarz und ungepflegt. Wie seine Fingernägel.

Und er hatte nur noch einen Arm. Ob das vielleicht der Grund war, warum er sich so psychopathisch verhielt, war nie klar.

„Absinth. Was machst du hier?", fragte Vermouth überrascht. Dann blickte sie fragend zu Bourbon.

Der Junge Mann zuckte die Schultern. „Es kam niemand hier rein", sagte er.

„Gin hat mich raus gelassen", zischte Absinth mit seiner rauen und unheimlichen Stimme.

„Aniki ist wieder da?"

„In der Tat."

Absinth trat zur Seite, damit Vodka die Tür öffnen konnte.

Als er jedoch eintrat, blieb er wie versteinert stehen.

Die anderen drängten rein, aber auch sie blieben wie angewurzelt stehen.

Das war jedenfalls nicht ihr Konferenzsaal.

Das war auch nicht mehr ihr Versteck.

Himmel! Das war ja NICHT MAL MEHR JAPAN!

Sie standen plötzlich in einen sonnendurchfluteten Innenhof mit Garten.

Weißer Marmor blitzte und türmte sich zu einem zweistöckigen Palast mit Flachdach auf. Pflanzen hingen auch vom Dach herab.

Fassungslos traten sie auf den Hof, blickten sich entsetzt um. In der Mitte des Hofs stand ein gewaltiger schwarz-silberner Vogel, der allein schon größer als das Versteck war.

„Himmel…", flüsterte Chianti, „War dieser Raum nicht mal kleiner?"

„Er ist immer noch kleiner", kam die Antwort.

Überrascht kamen sie näher.

Und blieben erneut entsetzt stehen.

Zwischen den mächtigen Klauen des Vogels stand ein Thron aus Marmor. Ein riesenhafter schwarzer Säbelzahntiger lag auf der Lehne und betrachtete die Gruppe amüsiert.

Und auf dem Thron selbst saß Gin.

Gut, er trug nun Weiß, Gold und Leinen, aber es war unverkennbar ihr Boss!

Amüsiert betrachtete er ihre geschockten Gesichter.

„Ich habe mich mal wieder an Zuhause zurückgesehnt", meinte er leichthin, „Und da dachte ich mir, da ihr ohnehin schon meine wahre Gestalt gesehen habt, wieso sollte ich da nicht was mit anfangen."

„Was hast du gemacht? Unser Versteck so ausgebaut?" fragte Vermouth als erstes. Irgendwie schien sie nicht so sehr überrascht zu sein wie die anderen. „Magie?"

„Euer Versteck ist immer noch das selbe", kam als Antwort, „Ich habe mir nur die Freiheit heraus genommen, die Tür in ein Portal zu verwandeln."

Er hob eine Hand. „Und dieses Portal geht direkt zu meinem Teil der Hölle. Zu meinem alten Palast."

Keiner sagte etwas, sodass Gin die Hände faltete.

„Aber nun zum geschäftlichen Teil. Ich denke, Vermouth hat euch bereits informiert."

Seine Schwarz-grünen Augen fixierten seine Leute. „Und ich denke, es wird Zeit dass ich die Kontrolle über die Organisation wieder an mich bringe."