Yu Yu Hakusho Teil 1: Kein Lebenszeichen

Kapitel 3

Eine Fanfiction Neufassung des Animes von Yoshihiro Togashi von Mayuri Hoshigawa


Bitte beachtet die Hinweise zum Copyright im ersten Kapitel.


Auf der Jagd nach einem Teufel

Der Mittwoch fing ungefähr so an, wie der Dienstag begonnen hatte. Die Sonne schlich auf ihrer Bahn über eine kalte Stadt, Vögel zwitscherten und Schüler gingen zur Schule. Der Tod von Yusuke Urameshi war nichts, was die Welt aus dem Trott bringen konnte. Andauernd starben Leute, und Yusuke war nichts besonderes. Jedenfalls noch nicht.

Ein dürr aussehendes Eichhörnchen jagte den Bürgersteig entlang und wich auf dem Weg zu seinem Bau den Füßen einiger Schulmädchen aus. Ein Loch im Fundament eines verlassenen Gebäudes diente dem Tier als Eingang und der Bau lag nur einen kurzen Weg durch die Mauern entfernt. Der schummrige aber trockene Dachboden war von einer Staubschicht bedeckt, die mit Papier und Eichelhütchen übersät war. Eine Lampe stand auf einer Kiste in der Mitte des Raumes und ein kleiner, batteriebetriebener Fernseher war auf einem Stapel Zeitungen platziert. Für einen Menschen mochten diese Zustände unerträglich sein, aber für ein Paar Eichhörnchen war der Dachboden praktisch ein Palast.

Der von der Lampe geworfene Schatten des Eichhörnchens erschien als winziger Klumpen an der Wand. Es rieb seine winzigen Pfoten über seinen Kopf und putzte sich. Dann veränderte sich der Schatten, wuchs und streckte sich in die Form eines dünnen Mannes.

"Ich bin zu Hause!" sagte Akashi, während er seine Schultertasche abnahm und auf ein altes, fleckiges Futon zuging, dass in einer Ecke des Lofts untergebracht war. Er kniete sich neben das Futon um seine Gefährtin anzustarren.

"Risako, ich bin zu Hause," sagte Akashi wieder, dieses Mal betonter. Risakos Augen zeigten kein Erkennen, sie starrte mit leerem Blick auf die Dachbalken über ihrem Kopf. Akashi zog kurz die Augenbrauen zusammen, aber sein Gesicht hellte sich auf und er drehte sich, um die Lasche seiner Tasche zu öffnen. Er langte hinein um den Inhalt herauszuholen und ihn auf dem Boden zur Ansicht auszubreiten. "Das sollte dich aufheitern. Ich habe etwas zu Essen mitgebracht, schau. Erdnüsse und Studentenfutter, und es gibt sogar eine Süßkartoffel, ich weiß, dass du die magst…"

Akashi hielt diesen letzten Gegenstand seiner Gefährtin hin und hoffte auf eine Art Bestätigung. Risako fuhr lediglich damit fort, mit ihren Blicken ein Loch in die Decke zu bohren. Akashi stupste sie mit der Hand, die das Gemüse hielt, in die Wange, aber sie blinzelte noch nicht einmal. Die optimistische Miene verschwand von Akashis Gesicht, floss herunter und fort wie verlaufende Farbe.

"Risako… Sag etwas? Der Typ, der dir weh getan hat, ist tot, du musst nicht mehr so sein."

Dennoch sagte sie nichts.


Auf dem Spielplatz hockte sich Yusuke neben die schwarze Plane, die den blutbefleckten Sand verdeckte. Er streckte die Hand aus um die schützende Abdeckung zu entfernen, aber seine Hand glitt hindurch. Seine Mundwinkel verzogen sich kurz genervt, aber einen Augenblick später blinzelte er. Er setzte beide Hände auf dem Boden vor sich auf und schob sein Gesicht durch die Plane.

Botan schwebte hinter ihm zu Boden und zog eine Augenbraue hoch. Ein flüchtiger Beobachter mochte meinen, dass sie von dem Anblick Yusukes auf Händen und Knien, der den Kopf praktisch im Sand vergraben hatte, amüsiert war. In Wirklichkeit war sie tatsächlich überrascht, dass er überhaupt daran gedacht hatte, sich durch die Plane zu bewegen. Die Unfähigkeit, feste Gegenstände zu berühren war eine Realität, mit der jeder Geist fertig werden musste und für die meisten war das unheimlich frustrierend. Sie wären tagelang mit Versuchen beschäftigt, Gegenstände zu bewegen und besessen von dem Verlust ihrer Fähigkeit, mit diesen in Kontakt zu kommen. Sie würden nie die Vorteile davon erkennen, in der Lage zu sein, die physische Welt ungehindert zu durchqueren. Aber Yusuke hatte innerhalb von Minuten nach seinem Tod gelernt, dass er durch Wände gehen und nach Belieben durch die Luft schweben konnte. Statt von seinem geisterhaften Zustand matt gesetzt zu werden, nutzte ihn Yusuke instinktiv zu seinem Vorteil. Botan musste zugeben, dass sie beeindruckt war.

Nachdem er ein paar Sekunden lang auf den Blutfleck gestarrt hatte, zog Yusuke seinen Kopf aus der Plane und stand aus der knienden Position auf. Er drehte sich um, stopfte die Hände in die Hosentaschen und schritt vom Schauplatz weg. Botan schwebte neugierig hinterher und folgte ihm ganz bis zu der Gasse, wo auf ihn eingestochen worden war. Endlich brach Botan die Stille.

"Yusuke, wonach suchst du genau?"

"Anhaltspunkte," antwortete Yusuke der mit der Hälfte seines Oberkörpers im Müllcontainer steckte und darin herum wühlte.

"Anhaltspunkte? Warum? Denkst du nicht, dass du die Detektivarbeit besser den Detektiven überlassen solltest?" fragte Botan. Yusuke zog sich selbst aus dem Müllcontainer und drehte sich mit fast kindisch runden Augen zu Botan herum.

"Weißte, da hätte ich gar nicht dran gedacht."


Es war eine allseits bekannte Tatsache, dass die Menge an Koffein und Junk Food in einem Großraumbüro der Mordkommission den verlässlichsten Maßstab dafür darstellte, wie lange die Polizei bereits bei der Arbeit war. An diesem Morgen befand sich ein Stapel von Papiertellern neben dem Kaffeeautomaten, die mit Marinarasoße und Pizzarändern verschmiert waren. Das wies mindestens auf eine durchgemachte Nacht hin. Die Hand des Chiefs ruhte auf dem Tresen neben dem Stapel, seine Finger trommelten ruhelos während er darauf wartete, dass sich seine Kaffeetasse füllte.

"Ich glaube das nicht," grummelte der Chief mit geschlossenen Augen, seine Schläfe pochte. Er sah Yusuke nicht, der seitlich durch die Wand neben ihm schwebte, obwohl die leuchtenden blauen Ziffern auf der Uhr des Kaffeeautomaten kurz flackerten, als Yusuke hindurch glitt. "Ein Junge stirbt mitten auf einem öffentlichen Spielplatz und wir haben keinen einzigen Zeugen des tatsächlichen Verbrechens?"

"Nein, Sir. Viele Leute haben Urameshi sterben sehen, aber niemand hat gesehen, wie er niedergestochen wurde," antwortete einer der Lieutenants, der eine Mappe mit Zeugenaussagen durchblätterte. "Wir haben eine Beschreibung des Pärchens, das Masaru Kidou vom Spielplatz mitgenommen hat. Aber das ist nicht viel – groß, dünn, brünett. Zu allgemein."

"Verdammt…" Die letzten Kaffeetropfen fielen herunter. Der Chief leerte gerade einen kleinen Behälter Kaffeeweißer in seine Tasse, als jemand aus seinem Team das Wort ergriff.

"Sir, ich denke, Sie sollten sich das hier ansehen!" Der Chief bahnte sich schnell seinen Weg durch das vollgestellte Büro, quetschte seinen massigen Körper an Tischen und den Aktenboxen vorbei, durch die Yusuke direkt hindurch schwebte. Sie gelangten zu einer Audio-Video Anlage, wo der junge Mann, der an dem Bedienpult saß, die Abspielmarkierung an den Anfang des Videoclips zurück zog.

"Was ist das?" fragte der Chief.

"Das hat gerade jemand eingeschickt. Sie haben ihr Kind im Park gefilmt." Der Techniker drückte die Abspieltaste und ein leicht körniges Video begann. Der Chief beugte sich mit verengten Augen vor. Den Hauptfokus des Videos ignorierend (ein rundlicher, fünf Jahre alter Junge, der ein jüngeres Mädchen zu Boden schubste und ihr den Ball klaute), zeigte der Techniker auf ein braunhaariges Kind im Hintergrund. "Sehen Sie – hier ist der Kidou Junge. Jeden Moment sollte man sehen können, wer ihn mitgenommen hat. Außer…"

Das Video wurde auf einmal viel körniger und begann zu flackern, weiße Linien streiften über den Bildschirm auf und ab, gerade als die Verdächtigen in Reichweite kamen. Was ein klares Bild hätte sein sollen, war ein Durcheinander von Störungen.

"Was? Was ist passiert?" fragte der Chief.

"Die Person, die uns das Video geschickt hat, sagte schon, dass damit etwas nicht in Ordnung ist…"

"Können Sie es nicht verbessern?"

"J-ja, Sir!"

Yusuke beobachtete ein paar Sekunden lang, die der Techniker panisch an den Schaltknöpfen herumspielte, während der Chief wenig hilfreiche Vorschläge machte. Endlich kratzte sich Yusuke mit einem frustrierten Wimmern an der Schläfe.


"Verdammt," murmelte Yusuke, während er mit einem zu einer fast komischen Grimasse verzogenen Gesicht die Straße hinunter stelzte. "Diese Typen werden das nie rauskriegen…"

"Yusuke, mach dir darüber keine Sorgen. Die Person, die dich getötet hat -"

"Monster." Botan gab einen Laut der Überraschung und Verwirrung von sich und Yusuke sandte ihr einen schiefen Blick zu. "Schau, ich bin nicht der Hellste Stift im Kasten, aber etwas an den beiden schien von Anfang an nicht zu stimmen. Und jetzt wo ich gesehen habe, was es in der Geisterwelt gibt, kann ich zwei und zwei zusammenzählen. Diese Dinger waren nicht menschlich, oder?"

Es war eine grobe Schlussfolgerung, aber sie ließ Botan so breit lächeln, dass sie Licht ausstrahlte.

"Auf Anhieb getroffen!" sprudelte sie fröhlich los. "Du hast recht. Das waren keine Menschen. Sie werden als Youkai bezeichnet – übernatürliche Wesen, die aus dem Makai stammen." Jetzt war es an Yusuke, überrascht zu sein. Makai? Bedeutete das, dass es noch andere Welten außer der Menschenwelt und der Geisterwelt gab? Interessant. "Du hast außerdem recht damit, dass diese Detektive nie in der Lage sein werden, das herauszufinden. Detektive der Menschenwelt fangen fast nie Youkai. Sie haben so wenig Verständnis für sie und meistens sind sie zu engstirnig, was ihre eigene Definition der Realität angeht. Darum fällt die Aufgabe, das Übernatürliche im Zaum zu halten, an die Geisterwelt."

"Also, was? Sagst du, dass ihr Geister-Detektive habt?" kicherte Yusuke. "Nun, ich vermute, das gibt Sinn. Ich meine, ihr hab Einkaufs- und Erholungszentren in der Geisterwelt, dann sind Detektive gar nicht so weit hergeholt."

Botans Lächeln wurde bei seinen scherzhaften Bemerkungen noch breiter, aber irgendetwas stimmte daran nicht. Yusuke hatte den bestimmten Eindruck, dass sie über ihn lachte, statt mit ihm zu lachen.

"Das wirst du noch früh genug lernen," sagte Botan geheimnisvoll. "Für den Augenblick solltest du dich darauf konzentrieren, dich auf deinen Test vorzubereiten."

"Oh, klar! Grüble darüber, warum du das Kind gerettet hast, Yusuke Urameshi!" sagte Yusuke mit dem Gehabe eines Pfarrers, der Feuer und Schwefel predigte. Er kreuzte die Arme vor der Brust. "Verschone mich damit."

"Nun, warum hast du ihn gerettet?" fragte Botan nach.

"Keine Ahnung! Warum muss ich einen Grund haben?"

"Darum, Yusuke. Ob du nun deinen Grund verstehst oder nicht, du hattest einen. Wir haben für alles, was wir tun einen Grund." Botan erhob einen Finger, ihr Gesichtsausdruck wurde ernster. "Koenma bittet dich darüber nachzudenken, warum du den Jungen gerettet hast, weil er möchte, dass du dich deiner Motivation mehr bewusst wirst. Es ist ein Test deiner Prinzipien."

"Müll." Yusuke wendete sich ab und beendete damit die Diskussion. Botan seufzte enttäuscht.

Was sie nicht sah war, wie sich Yusukes sturer Gesichtsausdruck veränderte. Botan hätte erwartet, dass er unsicherer werden und seine Antwort bezweifeln würde, je mehr er darüber nachdachte. Aber sie hätte damit falsch gelegen. Ihr Nachhaken hatte, wenn überhaupt, seine Überzeugung eher bestärkt. Die Frage, die Botan ihm gestellt hatte, hatte eine einfache Antwort, selbst wenn sie diese nicht akzeptieren wollte. Warum hatte Yusuke diesen Jungen gerettet? Er wusste es nicht. Es hatte keinen geistigen Prozess, keine "Motivation" gegeben. Yusuke hatte es einfach... getan. Augenblicklich, ohne nachzudenken.

Es gab keinen Grund, sagte er sich. Seine Stirn runzelte sich, seine Mundwinkel zogen sich zu einem Schmollen herunter. Keinen.


Keiko konnte einfach nicht aufhören zu lächeln.

Sie hatte beim Einschlafen gelächelt und wachte lächelnd wieder auf. Sie fühlte sich an diesem Morgen so glücklich, dass sie sich sogar etwas Zeit nahm, mit ihren Haaren zu spielen bis sie sich endlich dafür entschied, sie mit einer großen Spange in Form eines Gänseblümchens seitlich am Kopf zu einem Zopf zusammenzufassen. Sie fühlte sich immer noch wie im siebten Himmel, als sie das Schulgebäude betrat. Ihr Lächeln verblasste endlich für einen Augenblick als sie ihr Fach öffnete und eine Notiz und einen kleinen Beutel Kekse neben ihre Schulhausschuhe gesteckt sah. Keiko nahm die Notiz, sie erkannte das rosafarbene Briefpapier sofort. Sie hatte kaum die Nachricht ihrer Freundinnen halb überflogen, als die Absender selbst sich bemerkbar machten.

"Morgen, Keiko," sagte Akemi, deren blonder Kopf mit den Rattenschwänzen über Keikos Schulter auftauchte. Trotz des sehr niedlichen Briefs und der Kekse, die Keiko aufheitern sollten, zeigte Akemis Gesicht einen Ausdruck von Mitgefühl und Sorge. "Wir haben das von Urameshi gehört, das ist so traurig. Wie fühlst du dich? Geht es dir soweit gut?"

"Du bist so stark, dass du heute zur Schule kommst!" stimmte Natsuko ein, und steckte ihren Kopf um Keikos anderen Arm (sie war zu klein, um ihre Schulter zu erreichen). "Ich kann es mir noch nicht einmal vorstellen. Es muss schwer für dich sein, deinen Freund auf diese Weise zu verlieren."

"Aber nur damit du es weißt, wir sind für dich da, wenn du jemals reden möchtest."

Keiko lachte nervös, Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn, als sie ihre Freundinnen verlegen anlächelte.

"Um… Nun, was das angeht…"


Kuwabara trottete an einer Gruppe Mädchen in der Eingangshalle vorbei, seine Körperhaltung war gebeugt und seine ziellos blickenden Augen waren von dunklen Ringen umgeben.

"Was? Was meinst du damit, er ist nicht tot?" quietschen die Mädchen, an denen er gerade vorbeigegangen war. Wahrscheinlich redeten sie über ein Haustier oder eine Berühmtheit oder so. Kuwabara setzte seinen unglücklichen Weg fort und verpasste den Rest ihrer Unterhaltung.

"Ich weiß nicht, wie es passiert ist, aber Yusuke ist am Leben," beharrte Keiko gegenüber ihren ungläubigen Freundinnen. "Er hat gestern Nacht, nachdem alle nach Hause gegangen waren, wieder begonnen zu atmen…"

"Keiko, du musst geträumt haben…"

"Nein, es ist wahr!"

Kuwabara schaffte es beinahe bis zu seinem Schließfach, aber ein paar Schritte davon entfernt blieb sein linker Fuß hinter seiner rechten Ferse hängen und er stolperte. Jemand hinter ihm rannte vorwärts und fing ihn mit seiner eigenen Schulter und einem "Sachte!" auf. Kuwabara blinzelte verschlafen und erkannte endlich Kirishimas hellbraunes Haar. Er blickte über die Schulter des anderen Jungen und sah, dass Sawamura und Okubo ganz in der Nähe standen.

"Geht's dir gut, Kuwabara?" fragte Sawamura.

"Du siehst nicht so gut aus. Vielleicht solltest du dir den Tag freinehmen," schlug Okubo vor.

"Heute ist ein Test…"

"Vergiss es! Du hast dieses Mal einen Freibrief, okay? Geh nach Hause!" bat Kirishima inständig.

"Nuh-uh. Die Regel lautet 50 Punkte in jedem Test." Kuwabara zog sich von Kirishima zurück und kniff die trüben Augen in dem Versuch zusammen, sie zum Fokussieren zu bringen. "Was für ein Beispiel gebe ich denn, wenn ich nachlässig werde, nur weil mir danach ist?"

"Was für ein Beispiel gibst du, wenn du dich selbst zugrunde richtest?" Sawamura verschränkte streng die Arme. "Kuwabara, als dein Stellvertreter beantrage ich, dass du von deinen Pflichten entbunden wirst, bis du eine Pause gemacht hast."

"Du machst was?" japste Kuwabara.

"Stimme zu!" sagten Kirishima und Okubo schnell und hoben gleichzeitig die Hände.

"Antrag angenommen!" Kuwabara stotterte empört, als Sawamura ihn mitfühlend anlächelte. "Sorry, Mann. Krieg das nicht in den falschen Hals. Wir passen nur auf dich auf, das ist alles."

Kuwabara starrte die drei der Reihe nach an und wirkte, als ob man ihn gerade in den Rücken gestochen hätte. Sie starrten zurück. Sawamura und Kirishima sahen standhaft aus, während Okubo herumzappelte, unsicher, ob er sich seinem Anführer oder der Mehrheit anschließen sollte. Kuwabara unterdrückte ein Knurren, hielt die Hände seitlich zu Fäusten geballt und starrte finster zu Boden.

"Fein. Ich geh' nach Hause." Er drehte sich auf der Stelle um und ging auf die Türen zu. "Ich seh' euch Jungs später."

Sawamura, Kirishima und Okubo sahen ihrem Anführer nach. Selbst mit hängenden Schultern war Kuwabara einer der größten Menschen in der Eingangshalle. Die anderen Schüler machten ihm den Weg frei – kein so breiter wie der, den sie für Yusuke freigelassen hatten, aber breit genug, um einen ansehnlichen Abstand zu ihnen zu halten. Kuwabara bemerkte es wahrscheinlich nicht einmal.

"Bist du sicher, dass es okay ist, wenn wir ihn allein gehen lassen?" kleidete Okubo endlich seine Zweifel in Worte.

"Es wird ihm gut gehen," versicherte ihm Sawamura. "Er braucht nur Zeit, um den Kopf klar zu kriegen. Kommt jetzt – wir müssen immer noch diesen Test bestehen."


Kuwabara schnaubte verärgert, als er sich auf die Seite herum warf und sich die Bettdecke über die Schulter zog. Von meiner eigenen Gang rausgeschmissen. Die haben Nerven! dachte er zornig. Das ist nur Urameshis Fehler. Ich weiß nicht wie, aber es stimmt.

Sich zur Wand drehend schloss Kuwabara die Augen. Ich hasse den Kerl, dachte er standhaft. Er lag ein paar Minuten da und versuchte, seine Sinne so weit abzustumpfen, dass er einschlafen konnte. So sehr er es auch versuchte, er konnte nicht vermeiden, das Ticken der Uhr hinter sich wahrzunehmen. Er fühlte den kratzigen Stoff seines Schlafanzugs, der mit zu wenig Weichspüler gewaschen war. Er fühlte die Kälte an seinen bloßen Füßen. Er hörte ein Klingeln in seinen Ohren... Es erklang ein hochfrequenter Ton, erst leise, aber langsam immer lauter werdend, bis er laut genug war, um Kuwabara vor Unbehagen in Schweiß ausbrechen zu lassen…

"Kuwabara," flüsterte eine Stimme in sein Ohr. Kuwabaras Augen öffneten sich schlagartig und er atmete scharf ein. Er zog sich die Bettdecke über den Kopf.

Nicht real, sagte er sich selber, sein ganzer Körper begann mit nicht verbrauchtem Adrenalin zu zittern und zu beben. Er verfolgte den Weg eines Schweißtropfens, der über die Seite seines Gesichts, über seinen Kiefer und quer über seinen Hals lief. Sie sind nicht real. Es ist alles in deinem Kopf…

Er blieb fast eine Minute so mit pochendem Kopf unter seiner Decke liegen. Dann…

"WACH AUF."

Kuwabara saß senkrecht.

"Verdammich…!" Er schob seine Decken weg, sprang aus dem Bett und griff augenblicklich nach seiner Schulkleidung im Wäschekorb. Der Schlafanzug wurde wie wahnsinnig zur Seite geworfen. "Das war's! Warum zum Teufel versuche ich überhaupt zu schlafen? Ich bin nicht müde!" erklärte Kuwabara, während er den Gürtel seiner Schulhose schloss.

Hätte irgend jemand Kuwabara von hinten beobachtet, hätte er meinen können, dass dieser voll aufgedreht war. Aber ein Blick auf sein Gesicht – weit aufgerissene Augen und kalter Schweiß, der von seinem Kinn tropfte – würden beweisen, dass er zu Tode erschrocken war. Und vielleicht hatte er einen guten Grund dazu. Während Kuwabaras Sinne nicht scharf genug waren, dass er es sehen konnte, hatte er gerade genug Wahrnehmungsfähigkeit, es zu spüren: Ein blasser Geist nahm leise die Hand von seiner Schulter. Der Geist eines zierlichen jungen Mannes, gekleidet in der Pracht von Ost und West, dessen braunes Haar das Symbol auf seiner Stirn umrahmte und dessen Augen sich in Schatten verloren.


Die Woche verging fast wie im Flug.

Am Mittwoch besuchte Keiko nach der Schule Yusukes Wohnung, legte ein Kissen auf den Boden neben Yusukes Futon und setzte sich mit einem eifrigen Gesichtsausdruck darauf. Kuwabara verbrachte den Tag in den Schlagkäfigen, hob den schwersten Baseballschläger den er finden konnte über die Schulter hoch und fasste ihn fest. Er schmetterte den Schläger in den ersten Ball hinein, der auf ihn zugeflogen kam.

Am Donnerstag ging Keiko wieder zu Yusukes Wohnung. Dieses Mal sah sie, wie ein Mann mit einer Ledertasche mit Atsuko sprach, als sie die Tür öffnete und hinein spähte. Keiko blinzelte und ihr Lächeln verschwand als sie hörte, worüber sie sprachen. "Er liegt jetzt seit zwei Tagen im Koma, und niemand kann sagen, wann er wieder aufwachen wird. Es wird Zeit, dass wir die Optionen in Betracht ziehen. Eine Magensonde, intravenöse Flüssigkeitsversorgung, ein Katheter…" "Können wir nicht noch ein bisschen warten? Nach seiner Aufnahmeprüfung für die Schule hat Yusuke drei Tage lang durchgeschlafen und es hat ihm nicht geschadet…" In den Schlagkäfigen traf Kuwabara einen Ball nach dem anderen und füllte die Luft mit scharfem Krachen.

Am Freitag verfolgte Yusuke immer noch wie besessen seinen eigenen Fall. Die Behörden hatten bereits jedes bisschen an Information vom Schauplatz gesammelt, also war das Reinigungsteam herbeigerufen worden. Es hatte eine Zeitlang gebraucht, den blutbefleckten Sand zu entfernen, aber es war vollbracht worden. Heute beobachtete Yusuke, wie frischer Sand hinein gegossen und so jegliche Spur getilgt wurde, dass hier ein Verbrechen verübt worden war. Als ob er nie gestorben wäre... Yusukes Unterlippe stülpte sich in einer frustrierten Grimasse vor, aber Botan beobachtete ihn mit wachsender Zuneigung.

Am Samstag öffneten sich zwei Türen gleichzeitig. Keiko, die ausnahmsweise lässig gekleidet war, zog anmutig ihre Stiefel aus und stellte sie neben die Tür von Yusukes Wohnung. Zur gleichen Zeit trat Kuwabara seine Schuhe los und ließ sie dort liegen, wo sie hingefallen waren. Keiko verbeugte sich höflich vor Atsuko, als sie sah, dass diese sich für die 'Arbeit' fertig machte (was auch immer sie für ihren Lebensunterhalt tat); Kuwabara schlurfte an seinem eigenen Vater in durch Schlafentzug verursachter Benommenheit vorbei. Keiko sank neben Yusukes Futon auf die Knie und glättete ihr warm magentafarbenes Kleid mit den Händen. Kuwabara fiel mit dem Gesicht nach unten auf sein eigenes Bett im westlichen Stil und fiel in Ohnmacht ohne dazu zu kommen, seine Schuljacke zu lockern.

Ein dreifarbiges Kätzchen sprang auf Kuwabaras Rücken, rollte sich zusammen und begann zu schnurren, während es durch seine tiefen, gleichmäßigen Atemzüge gewiegt wurde. Nachdem sie Yusuke ein paar Sekunden lang angestarrt hatte, wurden Keikos Augen weich und sei stieß einen langen Seufzer aus.

"Yusuke… Du wirst aufwachen, nicht wahr?" fragte sie. Die grünen Ziffern auf dem Wecker flackerten und gerieten durcheinander, aber Keiko bemerkte es nicht. Wie nahe sie Yusuke auch stand, sie hatte einfach nicht die psychische Wahrnehmungsfähigkeit, seinen Geist zu sehen. "Du atmest jetzt. Du lebst. Du wirst doch nicht den Rest deines Lebens schlafend verbringen, oder?"

Sie starrte Yusukes Gesicht an, dessen Gesichtszüge in seinem tiefen Schlummer ungemein friedlich aussahen. Sie neigte sich plötzlich vor, nicht ahnend, dass diese einfache Bewegung den in der Nähe stehenden Geist die Augen aufreißen ließ. Sie war sich nicht bewusst dass, als sie die Hand auf seine Brust legte und die Augen schloss, um sich auf seinen gleichmäßigen Herzschlag zu konzentrieren, der Geist, der in diesem Körper hätte sein sollen, zu erröten begann.

"Du musst aufwachen," flüsterte Keiko. "Ich hatte noch keine Gelegenheit, mich zu entschuldigen…" Ihre Augen schlossen sich noch fester. "Ich hätte dich damals nicht anschreien sollen. Ich weiß, du warst nur... na ja, du... und du bist dumm und unreif und es spielt keine Rolle. Es tut mir leid." Sie öffnete ihre Augen, Tränen ließen sie hell leuchten. "Hörst du mich? Ich habe gesagt, dass es mir leid tut!" schluchzte Keiko und schloss wieder die Auge, während sie den Kopf so drehte, dass ihr Gesicht in Yusukes Brust vergraben war. "Bitte, wach einfach auf… Du kannst nicht solche Hoffnungen in mir wecken und dann nie aufwachen, das... Das ist furchtbar…"

Yusukes Augen wurden weich vor Mitgefühl. Er kauerte sich neben und leicht hinter ihr hin und legte eine unsichtbare Hand auf ihren Kopf. Er wusste, dass sie es nicht würde fühlen können, und das erste Mal seit mehreren Tagen war er ob seines körperlosen Zustands wirklich frustriert. Aber Keiko bewegte den Kopf, als ob sie die Berührung willkommen heißen würde, und seine Hand rutschte auf ihre feuchte Wange. Der Daumen bewegte sich, als ob er eine Träne wegwischen wollte. Keikos Atem stockte kurz, ihre Augenbrauen zogen sich ganz kurz zusammen, glätteten sich dann wieder.

"Yusuke…" sagte sie leise. Schwache rosa Flecken erschienen auf ihren Wangen und ein winziges Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. "Du bist hier, nicht wahr…"

"Natürlich bin ich das," sagte Yusuke etwas sehnsüchtig. Es war fast so, als könnte sie seine Gegenwart spüren. Stimmte das? Konnte sie ihn fühlen? Konnte sie ihn hören? "Ich gehe nirgendwo hin. Hörst du mich?"

Keiko bewegte sich etwas und rieb ihre Wange an Yusukes Brust. Fast ein Nicken.

"Komm bald wieder, okay?" bat sie.

Zuneigung schwoll in Yusukes Brust. Es mochte nur ein Zufall sein, aber es wirkte tatsächlich so, als ob sie ihm antwortete. Nachdem er Keiko einen Augenblick, froh über ihre Fähigkeit ihn zu spüren, angegrinst hatte, blinzelte Yusuke überrascht. Wenn sie seine Gegenwart fühlen konnte, warum ging sie dann so… auf Tuchfühlung? Die Keiko, die er kannte, würde sich nie so an ihn kuscheln.

Oder etwa doch? Yusuke hielt einen Augenblick inne und dachte über all die Male nach, an denen er versucht hatte, ihr nahe zu kommen. Sie haute ihm eine runter, wenn er ihren Rock hochschnippte oder sie angrabschte, sie schubste ihn weg wenn er versuchte, sie am Ohr zu kitzeln. Okay, vielleicht hatte er das verdient. Aber als sie sich im Sommer ihren Regenschirm geteilt hatten und er etwas näher als nötig neben ihr gestanden hatte, hatte Keiko ihn nie weg geschubst. Wenn sie zusammen im Laden ihrer Eltern aßen, bot sie ihm immer ein zusätzliches Stückchen Fleisch von ihrem eigenen Teller an. An ihrem ersten Tag an der High School hatte Keiko gelächelt, als sie ihm mit den obersten beiden Knöpfen seiner Schuljacke geholfen hatte.

Als er nun sah, wie sich ihr Körper ohne Umstände neben seinem zusammenrollte, gab Yusuke einen leisen, verächtlichen Laut von sich. Er senkte den Kopf, ein resigniertes Lächeln glitt über sein Gesicht. Sie nervte ihn manchmal saumäßig. Andererseits brachte er sie fast ständig auf die Palme, also passten sie eigentlich ganz gut zusammen, oder nicht?

Eine angenehme Wärme in den Wangen fühlend schloss Yusuke die Augen, beugte sich vor und schlang seine Arme um Keiko. Er hoffte wirklich inständig, dass sie jedes bisschen seiner Zuneigung durch die Umarmung spüren konnte.

"Sicher…"


In dem von einer Lampe erleuchteten Dachboden auf halbem Weg durch die Stadt saß Akashi mit gesenktem Kopf neben dem Futon, Risakos kalte, schlaffe Hand haltend. Er versuchte dauernd, sie anzusehen, schaffte es aber nicht, ihr ins Gesicht zu schauen; das höchste, bis zu dem er kam, war ihr Hals.

"Risako…" Akashi biss die Zähne zusammen und versuchte, seine Tränen zurückzuhalten. Seine Gefährtin gab immer noch keine Antwort. Sie würde jetzt auch nie mehr eine geben… Er holte zitternd Luft, hob ihre Hand an sein Gesicht und küsste sie. Sie würde nie wieder mit ihm reden.

Ein Klicken von einem Einstellrad erklang in dem stillen Raum.

"- eine weitere Wendung in der spannenden Geschichte des Jungen, den eine Frau den 'Helden von Sarayashiki' nannte. Am Dienstag vereinte der sechzehnjährige Yusuke Urameshi einen vermissten Jungen mit seiner Mutter, nur um kurz darauf auf dem Spielplatz zu verbluten. Er wurde noch vor Ort für tot erklärt und eine Totenwache wurde zu seinen Ehren abgehalten, aber es stellte sich heraus, dass der junge Yusuke gar nicht tot war – sondern lediglich bewusstlos!"

Akashi blinzelte und drehte den Kopf in Richtung des Fernsehers.

"Im Moment erhält Yusuke zu Hause lebenserhaltende Maßnahmen, liegt aber weiterhin im Koma. Bis er wieder erwacht, werden wir für die Rückkehr dieses jungen Helden beten…"

Aufgerissene Augen starrten auf die Nachrichten, das Leuchten des Fernsehers spiegelte sich in ihnen.

"Risako… Bist du das?" flüsterte Akashi in den scheinbar leeren Raum. Es gab keine Antwort, aber er war davon überzeugt, dass die Präsenz, die er spürte, seiner Gefährtin gehörte. In seine Augen trat ein entschlossener Glanz. "Ist es das was du willst? Willst du, dass ich diesen Jungen töte?"

Von seinem Standort neben dem Fernseher wachte ein Geist über Akashi. Aber statt ein dünnes, weibliches Gesicht und zwei lange Vorderzähne aufzuweisen, sah dieser Geist gut aus und hatte ein feines, männliches Gesicht, dessen blasse Lippen sich zu einer unerbittlichen, finsteren Miene verzogen hatten. Die Person, die über den Youkai wachte, war nicht seine geliebte Gefährtin. Akashi konnte jedoch den Unterschied nicht erkennen.

"Also gut…" Der Youkai kam langsam auf die Füße, die Augen finster vor Entschlossenheit. "Ich werde es für dich tun."


Keiko verließ Yusukes Wohnung einige Zeit später. Ihr Gesicht war noch etwas gerötet und ein leises, süßes Lächeln umspielte ihre Lippen. Yusuke beobachtete sie von weit oben, die Arme lässig hinter dem Kopf verschränkt.

"Also, wie ging es da drinnen?" fragte Botan fröhlich, als sie hinter Yusuke herabschwebte. "Hattet ihr Spaß?"

"Nah," sagte Yusuke vage.

"Wirklich? Keiko sieht irgendwie angenehm erregt aus," neckte Botan.

Yusuke drehte sich mit einem verlegenen Knurren zu Botan um, aber bevor er zu streiten beginnen konnte, schnellte sein Blick zurück zum Boden. Hatte er dort unten etwas gesehen? Yusuke bewegte sich und blickte forschend zur Wohnung. Ein Eichhörnchen huschte auf dem Boden herum und zog Kreise um das Haus. Yusuke zog eine Augenbraue hoch und folgte dem Vorgehen des graubraunen Tieres, als es endlich an einem Baum im vorderen Hof hochkletterte und durch die Äste hüpfte. Dann sprang es zum Küchenfenster, wo die obere Scheibe offen gelassen worden war, um frische Luft herein zu lassen.

"Schlaues kleines Ding," kommentierte Yusuke, als das Eichhörnchen durch das Fenster sprang. Er flog zum Fenster herunter und Botan, die sich nun für das zu interessieren schien was er beobachtete, folgte ihm. Das kleine Nagetier hockte einen Moment auf dem Küchentisch und sah sich anscheinend um, bevor es auf den Boden hüpfte.

Und dann verwandelte es sich.

"Heilige -" Yusukes Gesicht verzog sich vor Schreck, Bilder schossen durch seinen Kopf. Schmerz, Blut und ein Gesicht, dass mit Abscheu auf ihn herunter sah. Das Gesicht des Mannes, der nun in seiner Wohnung stand. "Das ist er! Das ist der Bastard, der mich umgebracht hat! Wie zur Hölle ist er hierher gekommen?"

Botan zuckte die Schultern und Yusuke war so sehr abgelenkt, dass er die Antwort akzeptierte ohne wirklich darüber nachzudenken. Hätte er sie einen Moment länger angesehen, hätte er vielleicht ihren schuldbewussten Gesichtsausdruck bemerkt.

"Was tut er…?" fragte sich Yusuke laut, die Fäuste geballt und die Zähne zusammengepresst. Akashi sah sich um und durchsuchte die Zimmer bis er zu dem kam, in dem Yusuke schlief. Die Augen des Youkai funkelten..

"Da bist du." Yusukes Gesicht verzog sich vor Ekel, als der Youkai direkt auf seinen hingestreckten Körper zuging und sich daneben hinkniete. Er ergriff seine Haare und zog den Kopf hin und her. "Ich hatte gedacht, ich hätte dich damals getötet, aber offenbar bist du nicht so schwach wie du aussiehst." Akashi ließ Yusukes Haar los und sein Kopf plumpste ins Kissen zurück. "Dieses Mal hast du nicht so viel Glück, Urameshi. Ich werde sicherstellen, dass du stirbst."

Er öffnete die geballte Faust und seine Fingernägel wurden plötzlich zu zwölf Zentimeter langen Klauen. Yusuke stieß einen ablehnenden Schrei aus, als Akashi in der Absicht ihm den Hals aufzuschlitzen, die Hand nach ihm ausstreckte. Aber dann blinzelte der Youkai und ein leichtes Stirnrunzeln erschien auf seinem Gesicht.

"…Nein," sagte er leise und zog die Krallen wieder ein. "Das ginge viel zu schnell. Ich will nicht nur, dass du stirbst. Ich will, dass du leidest." Er blickte sich um, seine Augen landeten auf einem in der Nähe stehenden Tisch. Atsuko hatte dort ihre üblichen Opfergaben stehenlassen: einen Stapel ungeöffneter Post, eine Flasche Fusel, einen Aschenbecher, eine Packung Zigaretten und ein Feuerzeug. Akashis Augen funkelten. "Ich hätte es wirklich gern, wenn du ein paar Tage durch die Hölle gehst, bevor du stirbst, genau wie Risako... Aber das hier wird reichen müssen."

Akashi griff sich die Flasche, öffnete sie mit einem schwachen Plopp und drehte sie auf den Kopf, den gesamten Inhalt im Zimmer verspritzend und verschüttend. Yusuke biss frustriert die Zähne zusammen, als er zusehen musste, wie Teppich und Möbel mit Alkohol getränkt wurden. Dann weiteten sich seine Augen vor Schreck beim leisen Klicken des Feuerzeugs.

"Du machst wohl Witze…" Ein mattes Knistern und eine dünne Rauchfahne trieben durch die Luft. Akashi drehte einen Brief langsam zur Seite und ließ die Flammen sich das Papier hinauf fressen. Der Youkai sah noch ein paar Sekunden auf die Flammen und sah dann mit einem Grinsen zu Yusukes Körper zurück.

"Also. Jetzt zum zweiten Mal…" Akashi bückte sich und hielt den brennenden Brief an den mit Alkohol getränkten Boden. Augenblicklich loderten Flammen auf und Akashi machte einen schnellen Schritt rückwärts, um nicht verbrannt zu werden. Er grinste selbstgefällig, zufrieden mit seinem Mordplan, und wandte sich zurück in die Küche.

"Du – Hurensohn!" brüllte Yusuke, als sich Akashi in ein Eichhörnchen zurückverwandelte und durch das Fenster entkam. Yusuke drehte sich wieder zu seinem bewegungslosen Körper um. "Verdammt, das gesamte Haus wird abbrennen! Das ist übel…! Und ohne Körper kann ich nichts tun…" Yusuke riss die Augen auf. "Mein Körper – Was passiert mit mir, wenn mein Körper verbrennt?" Er drehte sich verzweifelt zu Botan um. "Botan, was passiert, wenn mein Körper verbrennt?!"

"E-es tut mir leid, Yusuke," sagte sie nervös. "Wir hatten keine Ahnung, dass dies passieren würde…"

"Scheiße!" Yusuke flog zu seinem Körper und versuchte ihn zu ohrfeigen. Seine Hand ging durch ihn hindurch wie durch alles andere. "Wach auf, verdammt! Du wirst sterben! Verdammt! VERDAMMT!"

Das Feuer brannte weiter, schlug höher und höher und hüllte das Haus in Rauch und Flammen.