Yu Yu Hakusho Teil 1: Kein Lebenszeichen

Kapitel 4

Eine Fanfiction Neufassung des Animes von Yoshihiro Togashi von Mayuri Hoshigawa


Bitte beachtet die Hinweise zum Copyright im ersten Kapitel.


Deine Antwort lautet... ?!

"Was können wir tun?" fragte Yusuke, immer noch über seinem seelenlosen Körper zusammengekauert. Die Flammen, die vom Boden ausgegangen waren, begannen nun, die Wände empor zu klettern. "Mein Körper wird geröstet, wenn uns nicht schnell etwas einfällt!"

"So wie du jetzt bist, kannst du nichts tun!" antwortete Botan.

"Verdammt!" Yusuke begann wieder damit, seinem Körper ins Gesicht zu schlagen und so zu versuchen, seinen körperlichen Teil aufzuwecken, obwohl er bereits wusste, dass das sinnlos war. Es war dem Körper einfach nicht möglich, ohne eine Seele zu handeln. Botan beobachtete ihn ein paar Minuten lang und wartete den richtigen Moment zum Sprechen ab.

"Yusuke – ein Körper…"

"Ich versuch's ja, es funktioniert nicht!" knurrte Yusuke.

"Nein…" Botan festigte ihren Gesichtsausdruck. "Yusuke, du brauchst einen Körper, aber es muss nicht deiner sein."

Er blinzelte und drehte sich mit aufgerissenen Augen zu ihr um.

"Was meinst du?" sagte Yusuke langsam. Er wagte es kaum zu glauben. Hatte er tatsächlich eine Möglichkeit, sich selbst zu retten?

"Hör zu. Manchmal können Geister lebende Menschen beherrschen – ihren Körper übernehmen. Du könntest das tun," erklärte Botan. Sie sah allerdings nicht so aus, als ob sie über die Möglichkeit glücklich wäre. Aber warum nicht? Sie hatte gerade einen Weg gefunden, sein Leben zu retten! Was konnte man daran nicht mögen?

"Warum hast du das nicht früher gesagt?" fragte Yusuke.

"Nun, es gibt gewisse Vorbedingungen für die Beherrschung. Zuerst musst du die Person kennen." Botan dachte schnell ein paar Tage zurück, als sie von Yusuke unbemerkt an seiner Totenwache teilgenommen hatte. Sie hatte Kuwabara dort gesehen, seine hohen Energiewerte bemerkt und seinen Namen in ihr Buch notiert. "Zweitens muss sie sich des Übernatürlichen außergewöhnlich bewusst sein." Koenma selber hatte Kuwabara darauf vorbereitet beherrscht zu werden, indem er seine spirituelle Empfänglichkeit gestärkt hatte. Er hatte die Psyche des Jungen verdreht, in verfolgt und tagelang wach gehalten… "Es ist außerdem hilfreich, wenn die Person bereits in ihrem Körper ruht... nämlich wenn sie schläft." Endlich hatte Koenma am richtigen Tag Gnade walten und Kuwabara zur Ruhe kommen lassen. Aber selbst jetzt, als Kuwabara das erste Mal seit fast einer Woche schlafend im Bett lag, war alles Teil eines Plans. Botans Augen blickten weich vor Gewissensbissen. Sie fühlte sich schlecht, aber Koenma hatte sie darum gebeten, diese Mission zu erfüllen. Sie würde nicht versagen.

"Kennst du so jemanden?" fragte Botan endlich, wohl wissend, dass Yusuke die richtigen Schlüsse ziehen würde.

"Lass sehen… Jemand den ich kenne mit starkem Geisterbewusstsein…" grübelte Yusuke. Botan sah niedergeschlagen zu, während Yusuke nachdachte. Es war schwer ihn anzusehen und sich ihres Teils in dieser List bewusst zu sein… Sie schloss die Augen, gerade als Yusuke mit einer Faust in seine Hand schlug. "Kuwabara! Als ich ihn gesehen habe, hatte er hohe Geisterenergie! Ist das das selbe?"

"Nicht genau, aber wenn er hohe Energiewerte hat ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch ein starkes Geisterbewusstsein hat."

"Alles klar! Lass ihn uns aufsuchen!" Yusuke drehte sich aufgeregt herum, bereit loszuziehen und seinen Freund aufzuspüren.

"Also wirst du Kuwabara übernehmen? Denk daran, Yusuke, selbst wenn du das schaffst, gibt es keine Garantie, dass es hilft. Dies ist ein Feuer." Yusuke hielt inne und sah unsicher zu Botan zurück. Sie öffnete wieder die Augen und warf ihm einen sehr ernsten Blick zu. "Selbst wenn du dich dafür entscheidest, dies zu tun, könnte es sein, dass du deinen Körper nicht retten kannst. Darüber hinaus wirst du Kuwabara in Gefahr bringen."

"Du meinst -" Aber natürlich. Warum war ihm das nicht gleich eingefallen? Sie redeten darüber, in ein brennendes Gebäude zu laufen. Natürlich würde er Kuwabaras Leben riskieren. "Aber… Aber das kann ich nicht tun. Ich meine, Kuwabara ist ein Loser, aber ich hasse ihn nicht."

"Bist du dir sicher? Nimm dir einen Augenblick Zeit, darüber nachzudenken. Du hast Zeit für die Entscheidung, bis dein Körper zu brennen beginnt."

Yusuke knurrte schwach und drehte sich von Botan weg um die Flammen zu beobachten. Was würde er tun?


Pfannkuchenteig zischte und brutzelte als der Taiyakiverkäufer seine Grillpfanne schloss und den fischförmigen Imbiss darin buk. Der Geruch nach Pfannkuchen und Würstchen ließ Keikos Magen knurren. Heißes Essen an einem kalten Tag klang gut, vor allem da sie ihren normalen Imbiss nach der Schule hatte ausfallen lassen, um Yusuke zu besuchen…

"Komm mit! Es brennt in der Vierten Straße!" Keiko blinzelte, ihre Lippen formten eine Frage während sie den Kopf in Richtung der Rufe drehte. Als die beiden Männer hinter ihr vorbei rannten, drehte sie ihren Kopf in die andere Richtung und folgte ihnen mit den Augen.

"Die Feuerwehren sind alle schon im Einsatz, sie werden nicht helfen können," hörte Keiko den zweiten Mann sagen. Nun drehte sich Keiko vollständig um und sah gebannt zu, als sie die Straße hinunter eilten.

Yusuke wohnt in der Vierten Straße… dachte Keiko, die den Verkäufer, der ihr ihren Taiyaki entgegen hielt, nicht wahrnahm. Keiko machte einen langsamen Schritt in die Richtung, die die beiden Typen eingeschlagen hatten ("Miss, Ihre Bestellung...?"). Sie fing langsam an zu laufen ("Wo wollen Sie hin?"), dann startete sie einen irrwitzigen Sprint ("Warten Sie, Miss…!").

Bei Yusukes Wohnung hatten die Nachbarn endlich das Feuer bemerkt und waren nachsehen gegangen. Ein arbeitsamer Mann brachte Eimer voller Wasser von der Ausgussrinne außerhalb seines eigenen Hauses herbei, aber der größte Teil der Menschenmenge sah einfach nur zu. Einige von ihnen hatten zu viel Angst vor dem Feuer um zu handeln und sahen einfach gebannt zu, während andere honigsüße Kommentare wie "Oh, ist das schlimm!" und "Was für eine Schande!" abgaben, ohne erkenne zu lassen, dass sie überhaupt helfen wollten.

Keiko drängelte sich bis zur Vorderseite der Menge durch und blieb stocksteif stehen als sie sah, was sie alle anstarrten.

"Nein…" Ihre Stimme erhob sich zu einem schrillen Schrei. "Nein! NEIN!"

Zwei der Nachbarn sahen Keiko losrennen und ergriffen ihre Arme um sie zurückzuhalten.

"Du kannst da nicht reingehen! Es ist zu gefährlich!"

"YUSUKE! YUSUKE!" schrie Keiko, die noch nicht einmal bemerkte, dass sie mit ihr gesprochen hatten. Sie riss sich von ihren hindernden Händen los und sprintete vorwärts. Panische Gesten, die sie zum Anhalten bewegen sollten, trafen auf blinde Augen, gerufene Warnungen fielen auf taube Ohren. Keiko zog ihre Hände in ihre Ärmel und benutzte diese als Schutz, damit sie den Türknauf drehen konnte, ohne sich an dem heißen Metall zu verbrennen.


Uh-oh, dachte Botan, ihre Augen weiteten sich, als sie Keiko die Wohnung betreten sah. Das sollte nicht passieren! Sie ist kein Teil des Tests!

"Um, Yusuke? Wir haben noch ein Problem," sagte Botan unruhig. Yusuke drehte seinen Kopf um sie anzusehen und sah dann aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Er warf einen Blick in Richtung der Tür. Und plötzlich veränderte sich sein zorniger Gesichtsausdruck, wurde zu etwas unfassbar schwachen und verletzlichen.

"K…Keiko…" Er hatte rufen, es so laut wie möglich schreien wollen, aber die Muskeln in seinem Hals hatten sich verkrampft. "Was macht sie hier…?"

"YUSUKE!" rief Keiko über das Brüllen des Feuers. Sie rannte durch die Küche auf Yusukes Zimmer zu, die Hitze ließ ihre bloßen Unterschenkel vor Schweiß glänzen.

Ein Stück eines Deckenbalkens, das zu geschwärzter Asche verbrannt worden war, brach ab. Yusuke sah, wie es genau auf Keiko herunterfiel und schnappte nach Luft, Furcht flutete wie Eis durch seinen Geist. Keiko, die nicht den Vorteil der Vogelperspektive hatte, sah die fallenden Trümmer nicht, bis sie auf ihr landeten. Schmerz explodierte in ihrer linken Schulter und sie stolperte schreiend zur Seite, kurz nach der Wunde fassend bevor sie hektisch die heiße Asche weg strich. Jede Haarsträhne, die von diesen brennenden Stücken Holz berührt worden war, glühte einen Augenblick lang orange auf und verblasste dann zu grauer Asche. Leise knurrend schaute Keiko mit vor Entschlossenheit und Feuerschein leuchtenden Augen auf die Tür zu Yusukes Zimmer.

Als Keiko ihren wahnsinnigen Lauf durch das Inferno wieder aufnahm, kehrte Yusukes Stimme endlich zurück.

"Keiko, geh zurück!" rief er, indem er hinter ihr her schwebte. "Lass mich einfach hier! Bitte…!"

Keiko hörte natürlich nichts von seinem Flehen. Sie rannte bis zu Yusukes Zimmer, ließ sich schnell neben das Futon fallen und klinkte die Infusion und den Katheter aus. Yusuke beobachtete sie mit wachsender Verzweiflung. Warum konnte sie ihn jetzt nicht hören, wo es am Wichtigsten war?

"Okay -" hustete Keiko und rieb sich mit den Rücken ihrer Faust die Augen, die von dem ganzen Rauch zu tränen begannen. "Komm schon," sagte Keiko, eher um sich selber Mut zu machen als Yusuke zu beruhigen. Sie ergriff sein Handgelenk und zog seinen Arm über ihre Schulter. Sein Gewicht wäre schon unter normalen Umständen schwer für sie zu tragen gewesen, aber mit der verletzten Schulter war es ihr beinahe unmöglich, ihn anzuheben. Dennoch sprach Keiko mit absoluter Entschlossenheit als sie versprach, "Ich hole dich hier raus."

Sie drehte sich gerade rechtzeitig um, um festzustellen, dass Flammen den Eingang blockierten. Das Flammenmeer tanzte in ihren tränenden Augen, verspottete sie. Das Krachen und Prasseln der Flammen klang wie Stimmen die kicherten, Versuch jetzt mal raus zu kommen. Keiko schloss die Augen, schluckte, und begann den langen Weg zur Tür.

"Es gibt…" Yusuke starrte, seine Pupillen schrumpften zu Nadelspitzen als Keiko auf die Tür zuging. "Es gibt keinen Weg…"

"Sie ist gefangen, Yusuke. Sie wird sterben," sagte Botan grimmig, und Yusuke wollte sie anschreien. War sie etwa dumm? Warum erinnerte sie ihn daran, wie hoffnungslos die Situation war? Es war, als ob sie absichtlich wenig hilfreiche Dinge von sich gab. "Du kannst es immer noch mit Kuwabara versuchen, aber die Chancen stehen fast gleich Null, dass du es rechtzeitig schaffst. Zu diesem Zeitpunkt würdest du sie wahrscheinlich beide opfern."

"Botan … Ich … Ich kann nicht…" Yusuke sah seine spirituelle Führerin hoffnungslos an. "Bitte, es muss doch irgendetwas geben, das wir hier tun können."

"Kuwabara ist deine einzige Möglichkeit." Botan sah Yusuke mit überraschen kühlen Augen an. "Ist das also deine Antwort? Du wirst nicht das Leben eines Anderen für deines opfern? Noch nicht einmal um Keiko zu retten?"

"Was für eine Art kranker Frage ist denn das?!" rief Yusuke, und schlug mit dem Arm frustriert durch die Luft. "Hätte ich noch ein Leben, das ich geben könnte, würde ich es tun! Ich würde mich sofort opfern, wenn es mein Leben wäre, über das wir reden! Aber wir reden nicht über mein Leben! Egal was passiert, ein Leben, das nicht meines ist, kann ich nicht opfern! Diese Wahl kann ich nicht treffen!"

"Dann wirst du zusehen, wie Keiko bei lebendigem Leib verbrennt."

Yusuke biss sich auf die Lippe. Keiko hatte bereits den ersten Schritt ins Feuer getan. Die Flammen bissen in ihre Beine, ließen ihre Haut rot werden und Falten werfen die Oberfläche siedenden Wassers. Sie schrie…

"…Das ist so verdreht," flüsterte Yusuke. Keiko schluckte ihre Schreie herunter als sie einen zweiten Schritt machte, Tränen flossen über ihr rußiges Gesicht. "Es ist mein Fehler, dass Keiko da hinein gerannt ist… Es sollte an mir sein, ich sollte derjenige sein, der sein Leben riskiert, um sie zu retten. Ich gäbe alles, um -" Yusuke fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, schob die Finger in sein Haar und grub die Fingernägel in seine Kopfhaut. "Aber ich kann Kuwabara nicht dazu bringen, sein Leben zu geben, wenn die Sache mit ihm überhaupt nichts zu tun hat. Das kann ich nicht tun." Yusuke kniff die Augen fest zu. "Warum zur Hölle muss es so sein? Warum kann ich gar nichts tun um zu helfen?!"

Botan sah, die Augen vor Schreck geweitet, wie Yusuke die Augen öffnete und hoffnungslos auf Keiko herunter starrte. Sie kämpfte darum, in Bewegung zu bleiben, sich nicht bewusst, dass ihr Rocksaum Feuer gefangen hatte.

"Keiko… Es tut mir leid. Ich wünschte, es gäbe etwas, das ich tun kann…" Keiko schaffte noch einen Schritt, allerdings stolperten ihre Füße und sie fiel gegen eine Wand. Die Kollision ließ die Wand erzittern, wodurch ein Bücherregal vor ihr umkippte. Ihr Weg war nun vollständig blockiert. "Aber schau dich an, du riskierst dein Leben, um mich zu retten. So ein verdammter Gutmensch… Du würdest mich für immer hassen, wenn ich zuließe, dass Kuwabara bei dem Versuch dich zu retten umkommt. Du warst schon immer so selbstlos." Yusuke senkte seinen Kopf, Schatten fielen über seine Augen. Seine Lippen waren zu einem kleinen Lächeln der Selbstverachtung verzogen, selbst als Tränen auf seinen Wangen aufleuchteten. "Ich weiß, wenn du diese Entscheidung treffen müsstest, würdest du nicht zögern … Also werde ich es auch nicht."

Yusuke war so sehr auf Keiko konzentriert, dass er das Lächeln, das sich auf Botans Lippen geschlichen hatte, völlig übersah.

"Yusuke…"

Er blinzelte stumpf, kaum in der Lage von dem warmen Ton in Botans Stimme überrascht zu sein. Yusuke hatte sich erst halb zu ihr umgedreht, als er bemerkte dass er angegriffen wurde. Plötzlich ergriffen Botans Hände die Vorderseite seiner Jacke und ihre Lippen pressten sich gegen seinen Mund. Eine blassgelbe Aura flammte um sie herum auf und Yusuke schüttelte sich in Krämpfen, als sie in ihn hinein floss. Es war, als fühlte er die Wärme von Sonnenschein auf seinen Lippen, aber heißer, intensiver, und Botans Licht floss in seinen Mund und durch ihn hindurch, als würde er es tatsächlich trinken. Bald verwandelte sich diese Wärme in etwas anderes, eine scharfe, elektrische Spannung, die in seinem Bauch startete und bis zu seinem Gehirn aufstieg. In den Pupillen von Yusukes weit geöffneten Augen verwandelte sich das gelbe Licht, das aus ihm geleuchtet hatte, in ein blasses Neonblau.

Als Yusukes Augen wieder schwarz wurden, ließ Botan ihn mit einem verzückten Lächeln los.

"Viel Glück," strahlte sie.

"Wa -"

Aber dann ergriff eine Hand die Rückseite seines Hemdkragens, zog ihn zurück und schleuderte ihn in Richtung Boden. Der Geist des Jungen kollidierte mit seinem Körper und verschwand darin.

Einen Augenblick lang hielt alles im Raum inne. Koenma, der hinter dem abgelenkten Yusuke aufgetaucht war, senkte die Hand, mit der er den Jungen geworfen hatte und richtete sich auf. Botan glitt seitwärts durch die Luft, die Augen gespannt auf die Szene unter ihr gerichtet, während das Feuer wieder anfing sich zu bewegen. Keikos blasige Beine zitterten und ihre Augen schlossen sich flatternd, als ihre Kraft endlich nachließ.

Bevor sie fallen konnte, fanden Beine, die zuvor auf dem Boden entlang geschleift waren, Halt. Der Arm um ihre Schulter bewegte sich, glitt ihren Rücken hinunter bis zu ihrer Taille.

Und Yusuke öffnete seine Augen.

"Whoa, es ist – heiß -" Er schaute sich um, schockiert auf die Welt voller Farben starrend. Hätte er sich nicht in einem Zustand geistiger Verwirrung befunden, hätte er sich möglicherweise darüber gewundert, dass seine Beine nicht verbrannten wie die Keikos. "Was – bin ich…?"

Er blickte nach unten und sah, dass die Person, die sich neben ihm zusammenrollte, bestimmt nicht Botan war.

"Keiko!" Yusuke zog sie ganz an sich, einen Arm sicher um ihre Taille gelegt und die andere bewegte sich hoch, um ihren Hinterkopf zu halten. Er konnte die ausgefransten Enden ihrer Haare fühlen, wo die Strähnen verbrannt worden waren. Die Flammen um sie herum sehend hielt Yusuke Keiko dicht an sich gedrückt und kniff die Augen zu. Er war gerade rechtzeitig ins Leben zurückgekehrt, um mit ihr zu leiden und zu sterben? Was für ein dämliches Ende der Geschichte. Aber vielleicht verdiente er das. Er hatte schließlich die Wahl getroffen, sie hier zurückzulassen. Er hatte noch nicht einmal versucht sie zu retten…

Yusuke war sich der blassblauen Energie nicht bewusst, die um ihn herum zum Leben erwacht war. Es begann an seinen Füßen und wirbelte um ihn herum, stieg an, fiel und stieg noch etwas weiter. Yusuke bemerkte es nicht, bis er das Prasseln des Feuers hörte und die Augen öffnete. Da sah er es: jede Flamme im Umkreis von fünf Fuß war gelöscht worden.

"Ist das … meine Geisterenergie?" fragte sich Yusuke. Die Energie wirbelte um ihn herum, sie kam immer dichter zusammen, wie Ranken die sich zu einer kugelförmigen Barriere schlossen. Dann explodierte sie in einem blau-weißen Blitz nach außen, der zuerst die beiden Menschen, dann die Flammen und zum Schluss die beiden Gottheiten, die von oben zusahen, verdeckte. Draußen kreischten die Nachbarn und rannten von dem blendenden Licht in der Annahme weg, dass das Feuer eine Gasexplosion verursacht haben musste.


Eine Viertelstunde später heulten Sirenen in der Vierten Straße. Als die Feuerwehr endlich ankam, war das Haus so gut wie zerstört. Geschwärzte Balken, Asche und eine einzige Mauer waren alles, was von dem Haus der Urameshis übrig war.

"Sieht aus als wären wir zu spät," sagte einer der Feuerwehrmänner schwer und nahm als Zeichen der Trauer kurz seinen Helm ab. "Nun, wir fangen besser an."

"Yeah…"

Die Feuerwehrleute schwärmten aus, kletterten durch die verkohlten Trümmer, die einst ein Zuhause gewesen waren. Sie gingen rücksichtslos über persönliche Gegenstände, traten ein geschwärztes Brett beiseite, das möglicherweise Teil eines Tisches gewesen war, ein verdrehtes Ding sah so aus, als sei es eine Mikrowelle gewesen. Einer der Feuerwehrmänner schob ein Bücherregal beiseite, das im Flur umgekippt war. Er starrte das an, was er dahinter fand.

"S-sir! Sie sehen sich das besser an!"

Ein älterer Feuerwehrmann kam vor und sah um die letzte stehende Wand herum. Unter seinem Schnurrbart erschien ein Lächeln.

"Da brat' mir doch einer…"

"Haben Sie so etwas schon einmal gesehen, Sir?" fragte der jüngere Feuerwehrmann eifrig.

"Nein. Das habe ich sicher nicht," sagte der Ältere. "Wir rufen besser einen Krankenwagen…"

"Yessir!"

Der jüngere Feuerwehrmann eilte aus dem Schlafzimmer. Sie wussten, dass es ein Schlafzimmer gewesen war, weil es immer noch als solches identifiziert werden konnte: irgendwie war ein Kreis von fünf Fuß vollständig vom Feuer unberührt geblieben. Und in der Mitte dieses Kreises lagen ein Junge und ein Mädchen, zusammengerollt, ohnmächtig und sich gnädigerweise der Zerstörung, die um sie herum stattgefunden hatte, nicht bewusst.


"Hey, Eri. Hast du das von dem Engel gehört?"

"Hmm?"

"Der Engel! Sie sagen, dass dieser Junge in Sarayashiki gestorben ist und dann als Engel zurückkam, um seine Freundin aus einem brennenden Haus zu retten!" Ein Mädchen mit dunkelbraunem Haar lehnte sich in ihrem Sitz in einem Straßencafé zurück und drückte eine Hand auf ihr Herz während sie die Augen schloss. Kasumis Wangen wurden mit einer hübschen blassen Röte überzogen, als sie träumerisch seufzte. "Ahh… Das ist so romantisch. Ich liebe diese Art Geschichten."

"Aber es ist nur eine Geschichte, richtig?" Das weißblonde Mädchen, das Kasumi gegenüber zog einen Schmollmund um das Ende ihrer Gabel herum, das Stück Karottenkuchen auf dem Teller vor ihr war vergessen. "Leute, die von den Toten wiederauferstehen – das ist ein bisschen beängstigend, nicht wahr?"

"Ich denke es ist schön zu glauben, dass es Engel gibt, die über uns wachen, sagte Kasumi und hob das Kinn.

"Ich denke, da kann ich dir zustimmen," lächelte Eri.

Auf dem Bürgersteig neben Café versuchte ein Junge mit glatten schwarzen Haaren sein Grinsen zu verbergen, als er ihre Unterhaltung mithörte. Seine Hände waren in den Taschen seiner grünen Jacke vergraben, ein kleiner Strauß aus orangefarbenen Gerbera klemmte sicher unter seinem Arm.

"Engel?" kicherte er. "Das hat mich noch keiner genannt."


Yusuke Urameshi, Alter 16. Persönlichkeit ist impulsiv, ungesittet und jähzornig. Er hat wenig Respekt für Autoritäten und ist ein grauenhafter Schüler.

Ein Mädchen in einem blau gepunkteten Nachthemd saß vorsichtig auf der Seite in einem Krankenhausbett und starrte aus dem Fenster. Sie legte in einer befangenen Geste die Hand auf die weißen Verbände, die ihre Unterschenkel einhüllten. Der Doktor sagte, dass Narben bleiben würden… Andererseits hatte er auch gesagt, dass sie Glück gehabt hatte, überhaupt überlebt zu haben. Vielleicht sollte sie dankbar dafür sein, was sie hatte…

"Hey Keiko." Sie blinzelte und drehte ihren Körper in Richtung Tür.

"Umm, was ist das?" fragte Keiko und starrte erstaunt auf den Blumenstrauß.

"Was, kann ich dir jetzt keine Blumen mehr mitbringen? Jesses. Da versucht man mal nett zu sein und das hab' ich nun davon… War sowieso die Idee meiner Mutter…" Yusuke setzte sich auf die Bettkante und legte die Blumen schmollend neben sich. Keiko lächelte leicht, ein bisschen rote Farbe erschien auf ihren Wangen während sie scheu ihr Haar hinter ihr Ohr strich. Es war kürzer als vorher, die verbrannten Enden waren abgeschnitten worden, so dass ihr kurzer Schopf nicht ganz ihre Schultern erreichte. Yusuke, der aus den Augenwinkeln zusah, wie Keiko unsicher herumfummelte, versuchte sie zu beruhigen. "Dein Haar ist in Ordnung. Wirklich, es sieht nicht schlecht aus. Auf jeden Fall besser als die Rattenschwänze. Die Teile habe ich gehasst."

"Yusuke," seufzte Keiko in mildem Frust. Sie konnte aber dennoch ihr Lächeln nicht ganz verbergen. Yusuke grinste zurück und Keikos Lächeln verblasste etwas, als ihr Gesichtsausdruck nachdenklicher wurde. "Yusuke…? Ich bin wirklich froh, dass du hier bist."

Yusuke blinzelte neugierig und seine Augen weiteten sich vor Überraschung, als Keiko sich zu ihm hinüber lehnte, die Vorderseite seiner Jacke ergriff und ihn auf die Wange küsste. Es gab keinen greifbare Energieübertragung zwischen ihnen, kein helles Licht oder nennenswerte Hitze. Aber Yusuke fühlte dennoch einen kleinen Funken in seinem Herzen.


Dennoch, aufgrund einer bestimmten Folge von Ereignissen und gemäß meines Willens, wurde dieser Junge zu mehr als er zuvor war…

"Kuwabara! Du bist spät dran!" Einer der Freiwilligen im Tierheim, ein älterer Mann, der gerade einem kleinen Tanuki die Flasche gab, beobachtete, wie der Junge herein kam. Über eine von Kuwabaras starken Schultern war ein großer Sack Hundefutter geworfen. "Das sieht dir nicht ähnlich."

"Sorry. Ich hatte irgendwie 'ne ziemlich harte Woche. Versuche immer noch, wieder in Gang zu kommen," murmelte Kuwabara, während er den Sack neben der Tür abstellte. Er sah aus wie ein Wrack, seine Haut war blass und um seine Augen lagen dunkle Ringe. Aber es ging ihm tatsächlich besser als seit Tagen. "Fühlt sich Hachi-kun heute besser? Oof!" Ein großer goldener Akita suchte sich diesen Augenblick aus, um Kuwabara anzuspringen, schwere Pfoten drückten den Jungen zu Boden, während eine raue Zunge in wilder Bewunderung sein Gesicht ableckte. "Schätze das beantwortet die Frage… Hey, Hachi, runter! Runter!"

Er ist körperlich und geistig stärker geworden…

Auf dem Bürgersteig außerhalb des Tierheims lächelte Yusuke über das laute, fröhliche Bellen.

"Klingt, als ob es ihm gut geht," sagte Yusuke mit fröhlich zusammengekniffenen Augen. "Was für eine Erleichterung." Er wandte sich zum Gehen, aber etwas in seinem Unterbewusstsein wies ihn an, die Augen zu öffnen. Er sah sich um und bemerkte ein Eichhörnchen, das auf einer nahegelegenen Mauer saß. Sobald es ihn zu ihm hinüber sehen sah, huschte das kleine Tier davon. Der nervöse Gesichtsausdruck war für Yusuke so deutlich, als ob es schwitzen würde und hervorquellende Augen gehabt hätte. Das war ein wenig seltsam… Yusuke kniff die Augen scharf zusammen und folgte dem Weg des Eichhörnchens entlang der Mauerkrone.


Koenma pflückte einen der weißen Spielsteine von seinem kunstvoll gearbeiteten Schachbrett. Er schloss die Hand um die Figur und verbarg sie in seiner Handfläche. Ein schwaches Licht leuchtete aus dem Inneren seiner Hand. Als er sie wieder öffnete, hatte sich die wie ein Mensch geformte Gestalt in eine Figur mit einem Flügel verwandelt.

Und sehr bald wird er mein wichtigster Spielstein sein. Koenma setzte seinen neu geschaffenen Engel zurück auf das Spielfeld, mitten in eine Stadt, die komplett aus schwarzen Figuren zu bestehen schien. Ein zwischen zwei Gebäuden verborgener Spielstein mit dem Gesicht eines Eichhörnchens war ihm am nächsten.


In einer dunklen Gasse rannte ein großer, dünner Mann um sein Leben. Er keuchte auf, als sich ein Schatten vor ihm veränderte.

"Hey, Arschloch. Wo denkst du, gehst du hin?"

Akashi quiekte auf und krabbelte in die entgegengesetzte Richtung, unterwegs über Abfalltonnen stolpernd. Yusuke beobachtete ihn mit verengten Augen, ein hellblauer Strich glitt über die dunkelbraunen Regenbogenhäute.

"Es spielt keine Rolle, in welche Richtung du läufst." Yusuke hob einen Arm und streckte die Hand in Richtung des fliehenden Youkai aus. "Du bist immer auf dem Weg in die Hölle."

Blaues Licht floss auf die Straße außerhalb der Gasse. Dann verblasste das Licht, und die Welt kehrte zu friedlicher Dunkelheit zurück.


Koenma sah auf den Weißen Engel herab, der nun auf einem Haufen schwarzen Staubes stand, wo der Mann mit dem Gesicht eines Eichhörnchens gewesen war. Seine Augen leuchteten.

Ich hoffe, du bist bereit.