Yu Yu Hakusho Teil 2:

Was sich zwischen zwei Berge stellt

Eine Fanfiction Neufassung des Animes von Yoshihiro Togashi von Mayuri Hoshigawa

Übersetzung der Geschichte "That Which Comes Between Two Mountains"


Disclaimer: Yu Yu Hakusho gehört Yoshihiro Togashi, Shonen Jump und Shueisha, nicht mir.

Das Saisei-Projekt ist eine Idee von Mayushii. Die offizielle Seite ist www. yyh-saisei . com (ohne Leerzeichen)

Warnung: In dieser Geschichte gibt es ein nicht ausdrücklich bezeichnetes männliches Paar, nämlich Kurama+Hiei. Bis jetzt geht absolut noch nichts physisches zwischen den beiden vor, wenn ihr wollt könnt ihr also gerne die romantischen Andeutungen ignorieren und es als "wirklich enge Freundschaft" lesen. Seid euch aber bitte im Klaren darüber, dass Beziehungen neue Ebenen erreichen je länger sie bestehen und es mit der Zeit schwerer wird, weitergehende Entwicklungen in der Zukunft zu ignorieren.


Prolog

Auf der vierten Etage der Tore des Urteils zeigte eine Überwachungskamera auf einmal nur noch Flimmern.

"Huh. Das ist seltsam…" Im Überwachungsraum bewegte ein Oger in der Uniform eines Sicherheitsbeamten einen Schalter vor und zurück. Das Bild auf dem Monitor blieb ein Wirbeln aus Schnee. Gedankenverloren summend schob er einen Finger unter den Rand seines Hutes um sich an der Schläfe zu kratzen. So etwas war während seiner Schicht noch nie vorgekommen. So etwas war noch keinem Oger passiert, punktum. In der Geisterwelt gab es einfach keine technischen Schwierigkeiten. Stirnrunzelnd griff er nach dem Funkgerät, dass er an der Schulter trug. "Uh…hallo? Jemand in der Nähe von Abschnitt 13? Ich glaube, da gibt es ein Problem mit der Kamera…"

Dann verlor er das Signal von Abschnitt 14. Die Finger des Ogers glitten vor Überraschung vom Sprechknopf seines Funkgeräts und seine Augen schnellten umgehend zum Monitor für Abschnitt 15. Er sah ein schwarzes Aufflackern, bevor auch diese Kamera ausfiel.

"H-Hallo?" probierte es der Oger jetzt mehr als nervös wieder mit dem Funkgerät. "Wir haben Kameraausfall in den Abschnitten 14, 15 und -" Das Bild von Abschnitt 16 ging den Weg der ersten drei, aber dieses Mal erhaschte der Oger definitiv einen kurzen Blick auf eine Person, bevor die Kamera ausgeschaltet wurde. Er erinnerte sich plötzlich daran, dass sich das Sicherheitsbüro in Abschnitt 17 befand und quietschte panisch. "Alle Einheiten nach Abschnitt 17! Ich glaube, wir werden angegr…ahhh…!"

Der Oger brach nach vorne auf seinem Bedienpult zusammen, durch einen sauber gesetzten Hieb in den Nacken bewusstlos geschlagen. Sein Angreifer, ein zierlicher junger Mann, der einen schwarzen Mantel und einen weißen Schal trug, betrachtete lächelnd sein Werk. Es war kein böses Lächeln – ein wenig arrogant, aber es drückte zum größten Teil lediglich reine Zufriedenheit mit einer gut erledigten Aufgabe aus.


In Abschnitt 13 fiel ein zweiter Oger mit einem dumpfen Aufschlag zu Boden. Der Mann, der den Oger angegriffen hatte, war gut und gerne zwei Meter groß und schwoll buchstäblich vor Muskeln. Sein starker Körperbau wurde durch eng sitzende Jeans und ein grünes T-Shirt, dass wie eine zweite Haut anlag, zur Schau gestellt. Leider hatte er trotz seines eindrucksvollen Körpers schlichtes kurzes Haar und sein Gesicht machte einen hässlichen und groben Eindruck. Er sah kurz gesagt wie ein Oger aus, der eine menschliche Haut trug.

Der große Mann grinste und langte mit einer enormen Hand nach unten, Speichel sammelte sich in seinen Mundwinkeln. Seine improvisierte Zwischenmahlzeit wurde unterbrochen, als eine andere Wache mit einem Speer herbeigerannt kam und ihn voll in den Rücken traf. Die Waffe zerbrach wie ein Zweig.

"U-Unmöglich! Seine Haut ist wie Stahl…!" ächzte der Wachmann. Das war das Einzige was er noch herausbekam, bevor der Mann mit der Stahlhaut ihm einen Ellbogen unter das Kinn rammte.

Hinter einer Säule stehend lauschte jemand still dem einseitigen Kampf. So wie diese Person in den Schatten verloren war, war es unmöglich, die Farbe von Haar oder Kleidung auszumachen. Aber die Augen waren etwas anderes: Selbst in der Dunkelheit reflektierten sie genug Licht, dass man den leuchtenden Grünton erkennen konnte. In den drei Welten gab es keinen Smaragd, der sich dem Glanz dieser Augen vergleichen konnte. Andererseits war dies Youko Kurama. Es war nur natürlich, dass der größte Dieb des Makai selbst ein Schatz ohne Gleichen war.

Ein schwarzes Flackern kündigte die Ankunft des Youkai aus dem Sicherheitsbüro an, der sich umgehend hinter die Säule neben Kurama drückte.

"Kameras sind aus," verkündete der kleinere Youkai. Er verlagerte das Gewicht, bewegte sich noch näher an seinen Partner heran, so dass er den Kopf um die Säule herum schieben konnte. "Wie weit sind wir hier?"

"Er ist fast fertig," sagte Kurama ruhig.

"Gut."

Der kleinere Youkai sah eifrig zu, scharf darauf, zur nächsten Phase des Plans überzugehen. Kurama sah derweil kurz von dem den Handgemenge weg, um sich etwas für ihn interessanteres anzusehen.

"Hiei… Was hast du mit dem Schwert vor, wenn du es bekommst?" fragte Kurama nun nicht mehr ganz so beiläufig.

"Ich habe noch nicht darüber nachgedacht," sagte Hiei einfach. "Auf jeden Fall freue ich mich auf meine wirkliche Beute."

Hiei warf Kurama einen schnellen Blick zu, seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und seine rubinroten Augen glänzten. Um die Wahrheit zu sagen war Hiei genauso selten und brillant wie Kurama. Er war nur noch nicht so berühmt. Das war der einzige Hinweis auf Hieis Alter; Seine Talente waren derart, dass sein Ruhm dem von Kurama hätte gleichen sollen, und die Tatsache, dass er immer noch recht unbekannt war bedeutete, dass er noch nicht lange dabei war. Kurama dachte nicht gerne darüber nach, wie jung Hiei tatsächlich sein könnte, aber manchmal war es schwer zu ignorieren. Ihn jetzt zu beobachten, wie er von der Aufregung einer Herausforderung und dem Versprechen einer lange verfolgten Belohnung gefangen war, glich Hiei mit seinen glänzenden Augen jedem beliebigen begeisterten Heranwachsenden. Kurama biss sich auf die Lippe, Zweifel, die er bis jetzt zu unterdrückten versucht hatte, drangen wieder an die Oberfläche.

Kaum fünf Minuten später, nachdem die Wachen beseitigt und die verschiedenen Youkai abwehrenden Siegel entfernt worden waren, schwangen die Tore der Schatzkammer auf. Kurama erhob sich aus seiner knienden Haltung am Boden und schob einen kleinen Zweig zurück hinter sein Ohr.

"Also, das ist die große Schatzkammer der Geisterwelt? Hasse es, das zu sagen, aber ich bin nicht beeindruckt," sagte Gouki, der hinter Kurama her ging, während Hiei flott voran und hinein ging.

"Es spielt keine Rolle, solange wir die – ah, da sind sie ja." Sie hatten einen gut beleuchteten, mit lavendelfarbener und schwarzer Seide bedeckten Altar erreicht. Hiei trat etwas zurück, um die ausgestellten Schätze zu betrachten. Das Schwert stand in seiner eigenen Halterung in der Mitte, der Spiegel auf der rechten, und die Kugel auf der linken Seite. Auf diese Schätze hatte Hiei die vergangenen paar Monate hingearbeitet. Mit diesem Diebstahl hatte er sich endlich bewiesen, seinen Wert gezeigt. Er wollte den Moment genießen.

Gouki, der nicht so nostalgisch wie Hiei war, verschwendete keine Zeit, ging auf den Altar zu und nahm die glühende grüne Kugel auf. Während er auf die Gakidama hinunter starrte, wurde sein Grinsen breiter und in seinem Mund begann vor Hunger Speichel zusammenzulaufen. Einen Augenblick später trat Kurama vor und sammelte still den Ankokukyo von seinem Kissen auf. Er warf einen Blick hinunter auf den Spiegel, auf sein eigenes Spiegelbild, dass von der glänzenden schwarzen Fläche zurückgeworfen wurde. Sein Spiegelbild verengte grausam die Augen. Feigling. Verräter. Dreck. Du verdienst es nicht, zu leben…

Hiei starrte die dritte Waffe mit in den Taschen vergrabenen Händen an.

"Kouma-no-Ken, das Schwert der Dämonischen Unterjochung… Fantastischer Name für ein so schlicht aussehendes Schwert," kommentierte Hiei. Dennoch, so unbeeindruckt er von der Waffe war, es war der Vorgang des Stehlens, der wirklich zählte. Mit dieser Tatsache im Kopf griff er nach dem Schwert.

Kurama drehte sich scharf um, in Panik, überwältigt. Es war zu viel.

"Hiei, halte ein—"

Aber Hiei hatte bereits eine Hand an das Heft des Schwertes gelegt. Sein leiser Überraschungslaut ließ Kuramas Atem im Hals stecken bleiben. Der Körper des jüngeren Youkai war steif geworden, als ob ihn irgendein Fluch in Stein verwandelt hätte. Nach einem Augenblick zuckten seine Finger in einem kleinen, reflexartigen Krampf. Dann schlossen sie sich langsam um das Schwertheft.

Kurama starrte seinen Partner besorgt an.

"Hiei? Geht es dir gut…?"

Hiei drehte sich nicht um. Schatten waren über seine einst leuchtenden Augen gefallen. Seine Lippen, die vorher vor einfachem Stolz und Aufregung gelächelt hatten, wurden nun langsam von einem unheimlichen Grinsen übernommen.

"Natürlich geht es mir gut. Warum auch nicht?" fragte er scheinbar beiläufig. Aber irgendetwas stimmte nicht damit, genau wie vorhin etwas mit Kuramas scheinbar beiläufigen Fragen nicht gestimmt hatte. Kurama blickte zu Boden, in seine Augen schien Traurigkeit.

"Kein Grund," sagte Kurama leise. Er hielt den Ankokukyo dicht an sein Herz gedrückt. Deswegen... Deswegen war er hier. Dieser Spiegel der Finsternis, ein Gegenstand nicht größer als seine Hand. Es war alles, auf das er hingearbeitet hatte. Es war alles, das ihm nun blieb. "Nun… Wir haben, wofür wir gekommen sind. Wir sollten jetzt gehen."

Als der Alarm erklang, waren die drei Diebe fort. Ein tiefes, heulendes Dröhnen pulsierte durch die leeren Gänge und rote Warnlichter blitzen auf.

Dann hörte das Blitzen auf. Das tiefe Heulen verwandelte sich in ein hochfrequentes Piepsen. Eine Welt entfernt langte eine Hand nach dem glänzenden neuen Wecker auf dem Nachttisch, um ihn auszuschalten.

"Hwahhhh…!" gähnte Yusuke Urameshi im Aufstehen und streckte die Arme über den Kopf. "Mph… Das ist das letzte Mal, dass ich Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug vorm Einschlafen sehe."