V hatte sich in eine Nische gedrückt und sah in Richtung der Straße, wohin Hermione verschwunden war. Bei Nacht hätte seine Kleidung eine noch bessere Tarnung abgegeben, aber an diesem trüben Novembermorgen - es regnete immer noch - war sie auch nicht ungeeignet. In einer Stunde wollten sie sich wieder treffen – im 6. Stock, oder besser gesagt: etwa zwei Etagen unter der Erde. Hermione hatte ihm etwas über magische Aufzüge erzählt, die in atemberaubender Geschwindigkeit und einem Haufen fliegender Briefe an Bord von Stockwerk zu Stockwerk pendeln. Wenn ihre Beschreibungen stimmten, dann war Hogwarts dagegen stinklangweilig.

Vorsichtig blickte er in die Gasse, aber es war immer noch niemand zu sehen. Eigentlich war gar nichts zu sehen, außer zwei nackten Wänden und ein paar Müllsäcken auf der linken Seite. Einer war aufgerissen und der ganze Unrat quoll übel riechend auf den Boden. Und das war er. Der Lieferanteneingang des Zaubereiministeriums. V trat darauf zu und rümpfte angewidert hinter der Maske die Nase. Der Gestank war fast unerträglich – irgendetwas verweste anscheinend in diesem Müllberg. Er war bestimmt kein empfindlicher Mensch, aber er meinte, wenn er noch länger neben den Säcken stehen blieb, müsste er sich auf der Stelle übergeben. Außerdem hatte er bestimmt vergessen, den Herd auszumachen…

‚Halt!', schalt er sich. Er hatte den Herd heute Morgen nicht benutzt – das muss einer dieser Muggelabwehrzauber sein, wovon Hermione gesprochen hatte. Hätte sie ihn nicht darauf vorbereitet, wäre er weggegangen.

V schluckte und beugte sich zu einer Bananenschale hinunter, die ganz oben auflag und drehte sie um neunzig Grad nach links. Diese Drehbewegung setzte sich über den Müllberg fort und bald entstand an der Stelle ein wirbelnder Strudel, der eine geöffnete Kellerklappe freigab. V gab einen leisen verdutzten Laut von sich und sprang in die Öffnung hinein.

V war in einem riesigen Warenlager mit zwanzig Meter hohen Holzregalen, die von einem wahnsinnigen Schreiner zusammengezimmert und weit über die Belastungsgrenze mit Pergamentrollen, Dosen, Schachteln und was-weiß-ich beladen waren. Ein Husten müsste das ganze zusammenbrechen lassen. Damit hatte er nicht gerechnet und so etwas hatte er noch nie gesehen.

„Barnie? Sind die Prototypen schon da? Barnie?!", brüllte jemand in der Nähe. V duckte sich durch ein leeres Regalfach auf die andere Seite, atmete tief durch, weil er nicht erschlagen worden war, und bewegte sich durch dieses Holzlabyrinth von der Stimme weg. Nach einer Weile erreichte er eine Wand oder etwas, was er für eine Begrenzung des Raumes hielt, weil hier das Regal oder ein Teil des Regalkomplexes relativ gerade verlief. Aber er war nicht allein. Gut zehn Meter vor ihm saßen drei hutzelige Gestalten um einen kleinen Tisch und spielten Karten. V verbarg sich im Schatten – nur durch sein feines, jahrelang trainiertes Gefühl für diskretes Erscheinen und Verschwinden konnte er unbemerkt an den Leuten vorbei durch die wackeligen Regale manövrieren.

Plötzlich erklang ein Pfeifen und einer der Drei schaute zu einem Rohr auf, das aus der Wand ragte, sagte etwas in einer Sprache, die V nicht verstand, und wurde prompt aus dem Rohr beschimpft, dass Englisch immer noch die Amtssprache sei – außerdem sollten längst die neuen Spickoskope in der Mysteriums Abteilung sein. Da sprangen hurtig auch die zwei anderen Wesen auf, und alle drei verschwanden in den Regalen. V wartete ab, bis die Drei eine sperrige Holzkiste auf die Wand zuschoben. Der Vorderste zog an einer Kordel und sie schoben vereint die Kiste in einen Lastenaufzug, der sich nun zeigte. Einer sprach „Mysteriumsabteilung" zum Aufzug und schon schloss er sich und fuhr davon. Danach musste V schmunzeln, weil derjenige, der gerade seine Abmahnung bekommen hatte, plötzlich die Karten durch die Gegend pfefferte und die anderen fast zur Arbeit peitschte. Als alle drei wieder verschwunden waren, nutzte V die Gelegenheit und war blitzschnell an der Kordel. Er warf einen kurzen Blick in die Regalstadt. Er war allein – gut. Er zog an der Kordel und der Aufzug erschien abermals. Mit einer eleganten Bewegung schwang sich V hinein und sagte „Transportabteilung".

Der Aufzug sauste los und V bereute seine Entscheidung. Das war noch schlimmer als Apparieren und es würde ihn nicht wundern, wenn er jetzt, so nah am Ziel, auf dem Weg in die Transportabteilung, sterben würde.

V starb nicht und wurde auch nicht ohnmächtig, aber auf übelste Art und Weise durchgeschüttelt. Ein kurzer Teil der Fahrt ging sogar über Kopf – dann endlich stoppte die Höllenmaschine abrupt und V stieg erleichtert aus. Sein Gleichgewichtsorgan spielte verrückt und er brauchte eine Weile, bis die Welt um ihn herum wieder stillstand.

„…damit sind Sie hier falsch." Ein Mann in einer langen grünen Robe und buschigen Koteletten sprach zu ihm. V starrte den Mann überrascht an, verzog aber weder eine Miene, noch regte er einen Muskel – seine innere Stimme brüllte ihm zu, dass er einfach nur abwarten sollte. So etwas war ihm noch nie passiert. In seiner gesamten ‚Karriere' an Einbrüchen und Sabotageakten war er noch nie so offensichtlich überrumpelt worden. Adrenalin schoss durch seinen Körper, seine Muskeln spannten sich und ein Wimpernschlag fehlte noch, dann würde dieser seltsame Mann KO auf dem Boden liegen. Seine innere Stimme mahnte ihn weiterhin, dass der Mann V keinesfalls als eine Bedrohung oder einen Eindringling ansah. Ganz höflich erteilte er V einen Rat: „Sie müssen in den dritten Stock. Hier ist die Abteilung für Transportwesen. Gehen Sie einfach den Gang wieder runter, dann kommen Sie zu den Aufzügen. Aber ich glaube, die werden Sie eh nach St. Mungos schicken."

„Vielen Dank", sagte V, noch immer von der Situation überrascht.

„Keine Ursache", antwortete der Mann freundlich und ging in die andere Richtung davon.%%%

Wenn das so einfach war, warum war er nicht einfach mit Hermione durch den Haupteingang spaziert, fragte sich V und sah sich jetzt gründlich um. Der Gang, wo er sich befand, könnte in jedem x-beliebigem Bürogebäude sein, bis auf die Ausnahme, dass Fackeln als Beleuchtung nicht mehr ganz zeitgemäß waren und ein großes Fenster den Blick auf einen Wirbelsturm preisgab, der die Londoner Innenstadt verwüstete. Das war doch alles total verrückt! Wo blieb Hermione? Wie spät war es überhaupt? Zu seinem Glück war in dieser Abteilung kaum etwas los. Eine Tür stand offen, und zwei Männer und eine Frau debattierten hitzig über unerlaubte Besenausrüstung. Unbemerkt konnte V sich vorbeischleichen und erreichte kurze Zeit später eine Tür, die laut einem Messingschild die ‚Abteilung für Tormagie' verbarg. Er war richtig, aber wo… Jemand näherte sich, sehr schnell sogar. V sah sich blitzschnell nach einem Versteck um – da war eine dunkle Nische hinter einer gigantischen Topfpflanze. Perfekt. Im Nu war V verschwunden und hoffte inständig, dass er sich hinter einer normalen Pflanze und keinem magischen Ungeheuer verbarg. Da kam auch schon die Person in sein Blickfeld gelaufen. Braune, wirre Locken, die in Eile zu einem Pferdeschwanz gebunden wurden; es war Hermione.

Hermione atmete tief durch und zwang mit der Linken eine widerborstige Haarsträhne hinter ihr Ohr. Sie war fünf Minuten zu spät, nur weil sie ausgerechnet Onkel Rupert über den Weg laufen musste. Klar freute sie sich, ihn wieder zu sehen, aber warum ausgerechnet heute, wenn sie einen Plan durchziehen musste, von dem sie noch nicht mal sagen konnte, ob er funktionierte. War V schon da? Sie hatte keine Zeit mehr, nach ihm zu suchen, das musste bis zur Pause warten, wenn es denn welche gäbe.

„Nun steh ich da, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor", raunte es in ihrer unmittelbaren Nähe. Sie fuhr zusammen und hätte fast ihre Handtasche fallen lassen.

„Gut, dass du da bist, ich dachte, alles läuft schief", zischte sie erleichtert in die Dunkelheit. Suchend sah sie sich um, wo war er? Dann erkannte sie hinter der Pflanze die Maske, die sich kurz entschuldigend nach vorne neigte.

„Ich geh jetzt rein und werde die Tür leicht öffnen, wenn die Luft rein ist", flüsterte sie und klopfte entschlossen an die Tür. Sie nutzte den Moment des Wartens, um noch einmal ihr Aussehen zu kontrollieren, da öffnete auch schon ein hochgewachsener Mann Anfang zwanzig die Tür und begrüßte sie mit einem sehr freundlichen Lächeln. „Miss Granger – unsere Praktikantin, nehme ich an?"

Was Hermione in der Abteilung für Tormagier vorfand, entsprach nicht ganz ihrer Vorstellung. Besonders nicht der Hochleistungsrechner, der wie ein großer Kleiderschrank an der Rückwand stand. Der Mann, der Hermione begrüßt hatte und den Namen Ted Ricewood trug, folgte ihrem Blick und lächelte triumphierend.

„Da sind Sie erstaunt."

Hermione wandte sich zu ihm um. „In der Tat. Aber Sie werden es mir bestimmt erklären – ich brenne darauf."

„Schön, dass Sie so interessiert sind." Der Mann schob ihr einen Drehstuhl hin, Hermione setzte sich und ließ dabei interessiert die Augen wandern. Der Raum glich eher einem modernen Physiklabor, als irgendeiner magischen Einrichtung.

„Ich bin übrigens ein Squib und habe in Oxford Elementarphysik studiert. Mein Kollege, der heute leider krank ist, hat Arithmantik studiert. Wir sind also die wissenschaftliche Schnittmenge von Muggeln und Magiern", erklärte Ted in einem fröhlichen Plauderton und irgendwie hatte Hermione das Gefühl, er wollte sie beeindrucken. Sie nickte fröhlich und ließ sich in Ruhe alles in dem Raum erklären. Zwischendurch mussten sie aufstehen, damit Hermione bestimmte Gerätschaften aus der Nähe sehen konnte und schließlich machten sie vor einem Vorhang neben dem Computer halt.

Ted baute sich auf wie ein Zirkusdirektor, der seine Hauptattraktion ankündigte: „Und hier haben wir den Grundstein unserer Forschung…", und mit einem Ruck zog er mit einer Kordel den Vorhang auf.

Hermione klappte der Unterkiefer runter und sie hatte das starke Gefühl, in Ohnmacht zu fallen.

„Das kann nicht sein!"

„Doch. Es sieht nur aus wie eine gewöhnliche Straßenfliese, aber es ist der Schlüssel zu einem Dimensionstor. Er führt, das werden Sie bestimmt nicht glauben, aber er führt –„

„-nach London. Den gleichen Ort, aber in einer anderen Welt", gab Hermione wie in Trance von sich.

Jetzt war der Mann erstaunt: „Woher wissen Sie das?"

Hermione sah ihm direkt ins Gesicht. „Das kann nicht sein, die Fliese wurde zerstört!"

Nun begriff der Mann. „Sie waren das? Ich habe gehört, dass jemand damit portiert wurde, aber – Merlin sein Dank! – wieder zurückgekommen ist. Sie waren das?" In seinen Augen flammte wissenschaftliche Neugier auf. „Wie war das? Waren Sie wirklich in London?"

Hermione war zurück zum Drehstuhl gegangen und hatte sich gesetzt. „Seien Sie mir nicht böse, aber es war eine schwierige Zeit für mich. Vielleicht erzähle ich es Ihnen später."

Ted akzeptierte das und bot gleichzeitig an, ihr ein Getränk zu holen. Hermione wusste, dass sie nicht lange genug allein war, um sich zu fangen, V hereinzuholen und die Rückreise vorzubereiten. Sie stand noch einmal auf, um die Fliese genauer zu betrachten. Sie war in einem Glaskasten, wahrscheinlich als Schutz, damit niemand aus Versehen portiert wurde. Ein leuchtendes Band führte von der Unterseite der Fliese zum Computer, der anscheinend magisch betreiben wurde. Hermione dachte an das kurze Gespräch mit Ron und Harry, damals als ihnen die verhängnisvollen Portschlüssel gezeigt werden sollten. Sie hatte fasziniert über moderne Physik geredet, darüber, dass man das Wissen, welches hinter diesem bösen Machwerk stünde, nützen könnte… Und jetzt war das alles wahr geworden, aber ihre Faszination war verschwunden. Dieser kleine Gegenstand konnte so viel Verwirrung und Leiden herbeiführen… hoffentlich würde sie ihn dazu bringen können, einmal auch was Gutes zu tun.

Das Öffnen einer Tür brachte sie auf andere Gedanken. Ted war zurück mit Tee und Gebäck.

„Keine Sorge – Ihnen kann nichts mehr durch die Fliese geschehen. Mein Kollege hat sie nach einem Vorfall mit einer Eule magisch gesichert…"

Hermione horchte auf. „Eine Eule?"

„Ja, das war total verrückt!" Ted nestelte an einem Kittelknopf. „Eine verirrte Posteule kam vor ein paar Tage hier reingeflattert. Schnurstracks auf die Fliese zu und – weg war sie. Teleportiert."

Sie starrte ihn eine Weile an. Ihr kam der von Hagrid vermisste Kauz in den Sinn; aber nein, das mussten Zufälle gewesen sein. „Oh, Ok. Entschuldigung, dass ich sie unterbrochen hab. Erzählen Sie bitte weiter."

Ted räusperte sich „Wir benutzen die Fliese eigentlich nur noch, um die notwendigen Parameter für kontrolliertes Reisen zu berechnen. In der Mysteriums-Abteilung sind noch weitere Portschlüssel, die… Entschuldigen Sie mich. Hab vergessen, dass es Ihnen vielleicht zu Nahe geht." Etwas kleinlaut stellte sich Ted neben sie und rieb verlegen seine Hände. Zu seiner Überraschung lächelte Hermione.

„Sie trifft keine Schuld. Haben Sie mal darüber nachgedacht, dass ich vielleicht hier bin, um das besser zu verstehen, was mir passiert ist? Und das Ganze hier", sie deutete um den Raum, „gibt eine neutrale, nüchterne Atmosphäre."

Erleichtert lächelte Ted zurück. Sie setzten sich und machten eine kleine Teepause, bei der sie über Computer und Quidditch redeten. Insgeheim bedauerte Hermione, dass ihr Praktikum nur über das Wochenende ging. Hier könnte es ihr langfristig gefallen… In ihrem Hinterkopf begann ein anderer Gedanke zu nagen, der mit einer Person zu tun hatte, die sich draußen hinter einer Topfpflanze versteckte. Sie waren so nahe am Ziel. Irgendwie musste sie Ted länger loswerden, als ein paar Minuten.

„Müssten wir nicht etwas arbeiten? Was soll ich tun?", brachte sie das Gespräch auf ein anderes Thema.

Ted lehnte sich zurück und streckte sich. „Im Prinzip ja. Ich muss noch ein paar Berichte schreiben und dafür ältere Rechenoperationen auswerten. Der Computer hier wird in einer halben Stunde etwa mit Zyklus 5 fertig sein. Dann müssen sie die Taste für Zyklus 6 drücken. Schaffen sie das?", fragte er mit leicht ironischem Unterton. Hermione warf ihm nur einen Blick zu und er lächelte diebisch. „Ok, ich werde mich mit meinem Bericht beeilen, vielleicht bin ich bis Zyklus 6 zurück."

„Schreiben Sie den Bericht nicht hier?", fragte Hermione und versuchte krampfhaft, ihre Freude zu unterdrücken.

„Nein, nein. Das ist hier alles strikt getrennt. Hier ist die Praxis und die Bürokratie ist eine Tür weiter. Normalerweise unterstützen mein Kollege und ich uns gegenseitig, aber dieses Wochenende bin ich Mädchen für alles." Er klaubte einige Bögen Papier von den Schreibtischen zusammen und ging in Richtung Tür, dann drehte er sich noch mal um. „Also, wenn was ist… Feuer oder Memo-Angriff – zaubern können Sie ja zum Glück, aber ich bin eine Tür weiter und habe ein Lineal!"

Hermione lachte auf. „Ist ok. Bis gleich."

Es dauerte noch etwa fünf Minuten, bis Hermione sich zur Tür schlich. Sie war innerlich so aufgewühlt, ihre Hände zitterten. Sie hatte keine Zweifel, dass es schief gehen könnte, aber sie musste sich gleich verabschieden und diesmal für immer. Diese Zweckfreundschaft war doch auch eine Freundschaft; und alles, was tiefer ginge, würde die nächste halbe Stunde unnötig erschweren.

V wurde unruhig. Nicht, weil er sich auf fremden Terrain versteckte. So etwas hat ihn noch nie aus der Ruhe gebracht. Er wurde unruhig, weil er nach Hause wollte und nicht wusste, ob Hermione es extra herauszögerte, oder ob sie einfach noch keine Möglichkeit gefunden hatte, ihn hineinzuschmuggeln. Vielleicht gab es auch gar keine, weil der Raum hinter der Tür hell erleuchtet und voll mit 50 Magiern war. Die Minuten verstrichen, dann verging eine Stunde. Und noch eine. Dann endlich öffnete sich die Tür aber es war nur ein unbekannter Mann, der den Raum verlies.

Aber fünf Minuten später öffnete sich abermals die Tür und Hermione schaute durch den Spalt, sah den Gang rauf und runter, dann sprach sie wie zu sich selbst „Es ist so weit", und verschwand wieder aus seinem Blickfeld. Die Tür stand nach wie vor offen.

In einer Sekunde war V auch schon im Raum und schloss die Tür hinter sich. Hermione stand im hinteren Bereich vor einer schimmernden Vitrine. Fast lautlos näherte er sich, aber räusperte sich rechtzeitig, damit sie nicht erschrak. Mit ernstem Gesicht drehte sie sich zu ihm herum.

„Das ist sie. Damit bin ich in deine Welt gekommen", erklärte sie mit tonloser Stimme. Er spürte, wie sehr ihr der Abschied eigentlich schwerfiel. Da war wieder dieses Unbehagen, das an seinem Nacken herunterkroch. Er hatte sie die Wut spüren lassen, die er eigentlich auf sich selbst hatte. Er hatte Evey eine zu hohe Bürde aufgetragen und er meinte nicht die Führung der Revolution. Er meinte die Trauer. Bei aller Berechnung – das hatte er nie mit einkalkuliert, dass sie, dass überhaupt jemand um ihn trauern könnte. Er sah nach unten. Er wusste, dass Hermione dank der Maske nichts aus seinem Gesicht lesen konnte, aber er wollte diese Gedanken nicht nach außen dringen lassen.

„Wie funktioniert es jetzt?"

Hermione setzte einen neutralen Gesichtsausdruck auf. „Ich werde als erstes den Glaskasten abnehmen, dann muss ich den Schutzzauber aufheben und dann berührst du die Fliese. Es wird sich komisch anfühlen, und bevor du wieder denken kannst, bist du zu Hause."

V straffte sich. Sollte es so leicht sein. Hermione zögerte, etwas musste sie noch machen, so wie sie ihre Unterlippe zerbiss. V legte fragend den Kopf schief. „Worauf warten wir?"

Statt einer Antwort lief Hermione weg. Verwundert drehte er sich herum. Da sah er, dass Hermione ihren Zauberstab auf das Türschloss richtete und sich dann wieder zu ihm bewegte. Auf dem Weg nahm sie ihr Handtäschchen mit. In den nächsten Minuten war V Zuschauer, als Hermione konzentriert die Sicherheitsmechanismen der Fliese außer Kraft setzte. Eine Armlänge war er nur noch entfernt. Aber noch konnte er nicht zurück.

Er wollte sich verabschieden. aber wusste nicht so recht wie. Sollte er sie umarmen? Nein, nach all den Erlebnissen wollte er nur eine andere Person umarmen und so flüsterte er nur ein knappes „Danke".

Ein wenig fahrig öffnete Hermione ihr Handtäschchen und zog ein Lederbündel heraus, das sie ihm entgegenstreckte. V fühlte, was sich darin verbarg. Es war der Dolch, den er ihr vor über zwei Jahren geschenkt hatte. Und noch etwas anders.

„Ich hab es nicht gebraucht und ich werde es nicht mehr brauchen….", sie rang mit weiteren Worten, aber fand keine. „Du kannst jetzt."

V nickte ihr zu und berührte mit seiner rechten die Fliese. Irgendjemand spießte ihn mit einer Walfischharpune auf und schleuderte ihn im Kreis. Jetzt hatte sein letztes Stündlein geschlagen – da fühlte er Asphalt unter den Händen. Auf allen Vieren kauerte er in einer schmiereigen Seitengasse. Über ihm ein zerrissenes Poster: „Strengh through Purity – Purity through Faith".

„Danke, Hermione! Danke, für alles!", sagte er leise und erklomm eine Feuerleiter in der Nähe. Oben, über den Dächern seiner vertrauten Stadt wickelte er Hermiones Geschenk aus. Der Dolch landete an seiner Seite und das Buch drehte er in seinen Händen. Er klappe es auf und las in Hermiones Schrift Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Jetzt musste er jemanden suchen und ihm eine Last abnehmen…

Hermione war eilig damit beschäftigt, die Fliese wieder zu versiegeln. Dann setzte sie sich auf einen Drehstuhl und griff sich ein Physikbuch aus dem Regal. Keine Minute zu früh, denn Ted schaute zu ihr herein. Nach kurzem Plausch ging er zum Computer und machte einen Ausdruck. Mit zusammengezogenen Brauen betrachtete er die Zahlenkolonnen.

„Das sind ja völlig unsinnige Zahlen…. Als ob jemand teleportiert worden wäre, aber das ist unmöglich. Hier ist nicht zufällig wieder eine Eule reingeflogen?" Er seufzte.

„Zyklus 5 muss wiederholt werden; ein langes Wochenende steht uns bevor, Miss Granger."

Hermione teilte insgeheim diese Verärgerung nicht – sie wünschte V viel Glück.

Ende

An dieser Stelle ein großes ‚Danke' an all meine Leser und -selbstverständlich- meine Lektorin EwigeStudentin ( u/1786290/EwigeStudentin)